Monatsarchiv: Juli 2013

Impfterror im Dresdner Familienmagazin

Das Blatt ‚Eltern, Kind und Kegel‚, laut Eigenbeschreibung ‚Das Familienmagazin für Dresden und Umgebung‘, bietet neben Massen an Werbung und einem Veranstaltungskalender auch den einen oder anderen redaktionellen Text. In der Juli/August-Ausgabe trauten sich die AutorInnen mit dem Kürzel „vf“ und „sr“ zu, einen Text über das Pro und Contra des Impfens zu schreiben. Der erste Blick als Leser fällt jedoch nicht auf den Text, sondern die Buchempfehlung auf derselben Doppelseite.

Dort wird das Buch des Arztes Martin Hirte empfohlen. Laut seiner Website ist Herr Hirte Mitbegründer des Vereins für eine individuelle Impfentscheidung, außerdem Homöopath und Anhänger der anthroposophischen Medizin. Also jemand, der sich aus der realitätsbasierten Medizin verabschiedet hat. Da ich für Werbung sehr empfänglich bin, habe ich der Empfehlung gleich Folge geleistet und mir das Buch gekauft. Die ersten Stichproben haben gezeigt: Ganz genau nimmt es Herr Hirte mit den Fakten nicht, dazu ein anderes Mal mehr.

Zurück zum Text aus „dem Familienmagazin für Dresden und Umgebung“. Der Textanteil für „Pro“ und „Contra“ ist ungefähr gleich, was auf den ersten Blick nach journalistischer Ausgewogenheit aussieht, jedoch bei genauerer Analyse von der Ahnungslosigkeit der AutorInnen zeugt. Wissenschaftlich gibt es bei den von der STIKO empfohlenen Impfungen keine zwei Seiten. Zwei Seiten gibt es nur ideologisch. Das wäre jedem auch sofort klar, wenn es in dem Text zum Beispiel um die biblische Schöpfungsgeschichte ginge und die Frage, ob die Erde erst 6000 Jahre alt ist (ist sie nicht). Da gibt es kein „Pro“ und „Contra“, sondern wissenschaftlich erarbeitete Fakten, egal wie sehr einige Menschen diese Fakten ablehnen.

Die Sprache des Textes macht deutlich, dass es den AutorInnen nicht darum geht, aufzuklären. Der Text ist so formuliert, dass er eben jene Verunsicherung hervorruft, die er beklagt. So wird behauptet, Anlass der Kampagne „Deutschland sucht den Impfpass“ sei eine in Europa grassierende Impfmüdigkeit. Den Begriff sucht man jedoch auf der Website zur Kampagne vergeblich. Im Gegenteil:
„Über 90 Prozent der Kinder werden in Deutschland geimpft. Die Impfbereitschaft ist also hoch.“

Vorher schreiben die AutorInnen, die Kampagne „suggeriere (…), dass es völlig normal ist, einen Impfpass zu haben“ und suggeriert damit das Gegenteil. Wer sich impfen lässt, bekommt einen Impfpass, 90% der Kinder sind geimpft, also ist es „völlig normal“, einen Impfpass zu haben. Genauso wie es normal ist, nicht zu wissen, wo er ist.

Die AutorInnen stellen unter anderem die Frage:

„Warum hört man in den Medien soviel von Impfschäden, aber beim Kinderarzt oder der Kinderärztin wird das kaum besprochen.“

In „den Medien“ hört man nicht „soviel“ über Impfschäden, sondern vor allem auf einschlägigen Websites. Deren Inhalt wird oft bestimmt von Menschen, deren medizinisches Wissen äußerst lückenhaft ist. Indem sie Dinge in Frage stellen, die zum Teil seit Jahrzehnten geklärt sind, nutzen die AutorInnen eine Strategie, mit der die Tabaklobby in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts versucht hat, den Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs zu leugnen. So werden Mediziner erwähnt, die an der Wirksamkeit von Impfungen zweifelten. Spätestens hier betreten die AutorInnen das Feld von Verschwörungstheorien, die zum Beispiel auch die Existenz von krankmachenden Mikroorganismen bestreiten. Auch die Idee, Impfstoffe würden an der Bevölkerung „getestet“, erinnert eher an Gedanken aus der Chemtrailszene als an seriösen Journalismus. Eine kurze Recherche hätte ergeben, dass Impfschäden so selten sind, dass sie in der Regel erst auffallen, wenn mehrere 100 000 oder sogar Millionen Menschen geimpft sind (Wenn etwas bei einem von einer Millionen Menschen passiert noch später). Das ist in klinischen Studien nicht realisierbar, für kein Medikament und auch kein anderes Produkt. Die „Alltagstauglichkeit“ kann erst im Alltag geprüft werden, die Risiken werden soweit wie möglich minimiert, ausschließen kann man sie nie…bei nichts.

Der Text „Impfen das Für und das Wider“ hat den Untertitel „Verantwortungsvolle Entscheidungen selbstbewusst treffen“. Das ist natürlich ein tolles Motto, nur leider hilft der Text dabei in keinster Weise weiter. Er scheint ohne einen Hauch an Recherche, zum Beispiel auf den Seiten den Robert-Koch-Instituts, ausgekommen zu sein.

Quellen nennen die AutorInnen dabei übrigens nicht, wir sollen ihren Worten Vertrauen und damit, das lässt die Werbung für Herrn Hirtes Buch vermuten, seinen. Danke, ich vertraue weiter auf Experten.

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Impfen – Pseudokontroverse im Deutschlandfunk

Impfen ist wieder ein Thema. Der Grund dafür ist nicht schwer zu erraten, die Masern haben gerade wieder einen großen Auftritt Europas Kinderzimmern (man vergisst, dass die Äußerungen von Impfgegnern in Großbritannien verheerende Folgen hatte). Und mit den Masern werden Apologeten der Impfgegnerschaft vor die Mikrophone gezerrt und dürfen sich für eine individuelle Impfentscheidung stark machen. Dass es sich dabei um die individuelle Entscheidung hat, sich gegen sichere Erkenntnisse zu entscheiden, wird von diesen Apologeten nur selten erwähnt. Oft wird eine Verunsicherung der Eltern beim Thema Impfen ins Feld geführt, die für deren Impfskepsis sorge. Ja klar, sind Menschen verunsichert, wenn man sie verunsichert!

Im Deutschlandfunk durfte heute Michael Friedl die Legende von den Masern als einer für die Entwicklung des Kindes positive Erkrankung weiter verbreiten. Auch stellte er die Behauptung auf, „der Mensch“ habe sich schon immer mit den Masern auseinandersetzen müssen. Nach Belegen für diese Aussagen wird man lange suchen müssen und wird im ersteren Fall Anekdoten und im zweiten Fall ein widersprechende Hypothese finden.
Masern begleiten die Menschheit wahrscheinlich erst sei der neolithischen Revolution, als dem Zeitpunkt als er anfing Viehhaltung und Ackerbau zu betreiben. Masern entwickelten sich wahrscheinlich aus einem Rindervirus. Was auch bedeutet, dass es große Teile der Welt gab, deren Bewohner lange die vermeintlich positiven Folgen einer Masernerkrankung missen mussten.
Ich verstehe nicht, warum jemand mit einer Außenseiterposition innerhalb der wissenschaftlichen Medizin in eine Studio eingeladen wird und dort behandelt wird, als wären seine Aussagen genauso relevant wie desjenigen der einen Stapel Studien vorweisen kann.
Link zur Sendung:

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