Empörung ist kein Argument. Auch nicht bei abgeknallten Löwen

Kürzlich flatterte ein Link an mir vorbei in dem es um eine TV-Moderatorin ging, die einen Löwen erlegt hatte. Im Artikel war ein Foto zu sehen, auf dem die Moderatorin stolz vor dem toten Tier posierte. Es ging um eine Welle der Empörung, die der Dame entgegenschlug. Dabei war ihre Website wohl voll mit Bildern, die sie mit diversen Spezies von Großsäugern zeigt, die sie vermeintlich selbst aus ihrer weltlichen Existenz katapultiert hat. Auch alle Kommentatoren waren empört. Löwen, so der Tenor, tötet man nicht. In einem anderen Artikel zeigte jemand, der sich mit Löwen beschäftigt, dass man nicht sehr mutig sein muss, um einen Löwen zu erlegen. Wenn man mit dem Auto an Löwen heranfährt blieben sie einfach liegen. Also Löwen jagen macht man nicht, und mutig ist man dabei auch nicht.

Soweit zur Empörung. Was fehlte, waren Argumente. Ich selbst fand das Bild auch sehr verstörend, genauso wie das  irgendeines Monarchen, der dem WWF vorsteht und einen Elefanten erlegt hat. Aber was ist der Unterschied zwischen mir und den Jägern, wenn in meinem Kühlschrank Ware lagert, die ebenfalls einem Großsäuger das Leben gekostet hat? Warum sollte es unmoralischer sein, einen Löwen zu töten, als eine Kuh oder ein Schwein oder Schaf zu töten? Man könnte, schaut man sich die Haltungsbedingungen in einigen Betrieben an, sogar sagen, es ist moralischer ein Tier in freier Wildbahn zu töten, als es vorher in einem Stall zu halten.

Auch das mit dem Mut ist komisch. Ich finde es zumindest nicht sehr mutig, im Kühlregal nach einem Pfund Hack zu greifen. Vergangene Lebensmittelskandale lasse ich mal außer Acht 🙂

Das Problem liegt nicht darin, dass man ein Tier tötet, das Problem liegt im Grund, aus dem man das Tier tötet. Möchte ich das Tier verspeisen, so sichert der Tod des Tieres mein Überleben (einer Diskussion über Vegetarismus werde ich weitgehend aus dem Weg gehen…außer ich habe viel Zeit). Es geht also darum, dass jemand ein Tier tötet um es zu töten. Darüber kann man sich sicher empören. Andererseits ist der Unterschied zwischen einer Kuh und einem Löwen oder einem Elefanten, die Anzahl der Exemplare. Wir haben keinen Mangel an Kühen…vielleicht eher im Gegenteil. Aktuell gibt es auch keinen Mangel an Löwen, bei Elefanten sieht das jedoch anders aus.

Einmal angenommen, in der Gegend in der die Dame den Löwen geschossen hat, gebe es eine Löwenplage (ein andere Lösung als das erschießen der Löwen ist aus unbekannten Gründen unmöglich. Das hier ist mein Gedankenexperiment, meine Regeln). Dann würde ihre Tat wiederum einen Zweck erfüllen: die Anzahl der Löwen zu dezimieren. Ihre Motivation bliebe zwar das töten des Tieres aber immerhin hätte sie sie dann in den Dienst von etwas nützlichem gestellt.

Geht es bei der Empörung also weniger um die nackte Tatsache, dass jemand ein (aus unserer Sicht) exotisches, wildes und wahrscheinlich romantisch verklärtes Tier getötet hat? Oder um die Tatsache, dass jemand Verantwortungslos mit der Umwelt umgeht? Wobei das auch nur unter bestimmten Annahmen stimmt. Bevor wir nicht bestimmte Dinge geklärt haben, bleibt das eine Unterstellung.

Mein eigentliches Problem ist, dass es durchaus gute Gründe gibt, sich aufzuregen. Wenn man sich aber bei allem möglichen Kram aufregt und keine Argumente vorbringt, nimmt einen niemand mehr Ernst, wenn es darauf ankommt.

 

Passend dazu: Nashörner sterben für Traditionelle Chinesische Medizin

Advertisements

Ein Kommentar

Eingeordnet unter MEINung

Eine Antwort zu “Empörung ist kein Argument. Auch nicht bei abgeknallten Löwen

  1. Pingback: Empörung ist kein Argument II – Mehr tote Löwen | diaphanoskopie

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s