Monatsarchiv: Dezember 2013

Chinesischer Selbstmordhoax – Das kommt davon

Vor einigen Tagen habe ich eine Nachricht über einen jungen Mann in China verbreitet, der Selbstmord begangen habe soll, nachdem seine Freundin weiter shoppen wollte. Hach, das war zu gut um es nicht zu verbreiten: beliebte Klischees und ein tragisches Ende. Und totaler Unsinn.

No, a Guy Didn’t Kill Himself Because His Girlfriend Wouldn’t Stop Shopping

Ups!

Aber es stand doch in der Zeitung!

Ich gelobe Besserung.

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22. Dezember 2013 · 12:25

Burmester spielt Schneewittchen – An Apfel verschluckt

Eigentlich habe ich Besseres zu tun! Aber das kommt davon wenn man „nur mal kurz“ bei SPON schauen will, was es so Neues gibt. Silke Burmester schreibt dort über Holger Apfel, den Chef-Hetzer der NPD. Der, so wird berichtet, habe einen „Burnout“,  „Diagnose Burnout“ wie die Autorin schreibt. Dabei ist Burnout gar keine Diagnose, Burnout ist eine Überschrift. Depression ist eine Diagnose aber das hört sich nicht so leistungsorientiert an wie Burnout. Egal das ist ein anderes Thema.

Der Herr Apfel ist also krank. Die Autorin nimmt das zum Anlass sich süffisant über ihn lustig zu machen. Nun bin ich der letzte der etwas dagegen hätte, einen Nazi in die Pfanne zu hauen aber ein wenig Stil (ODER satirisches Talent!) wäre schon nett. Da hat sich Frau Burmester einfach verhoben. Nazi hin oder her, wenn ein Mensch krank ist, hat er ein Recht darauf, von Häme über diese Erkrankung verschont zu bleiben. Man stelle sich einen ähnlichen Artikel über den SPD-Vorsitzdenden Gabriel vor. Aber „Hey“, der ist ja auch kein Nazi.

Menschen mit rechtsradikaler Gesinnung werten Menschen (unter anderem) aufgrund von angeborenen Eigenschaften ab, Eigenschaften für die kein Mensch etwas kann. Ein Burnout (also eine Depression) ist eine Erkrankung für die ebenfalls kein Mensch etwas kann. Ihn aufgrund dessen lächerlich zu machen unterscheidet sich kaum vom Niveau der Reden Holger Apfels.

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Konditionierte Beißreflexe nach der Rote Flora-Demo

Weltbilder sind etwas Schönes. Sie geben Halt, Boden unter den Füßen. Darum versuchen Menschen einiges, um Weltbilder aufrecht zu erhalten. Da man im Bezug auf die Weltbilder der anderen ziemlich machtlos ist, nimmt man sich des Eigenen an. Und so haben gestern „gewaltbereite“ Demonstranten in Hamburg 84 Polizisten verletzt und sich Straßenschlachten geliefert. Klarer Fall von linkem Rabaukentum und eine Tatsache die politisch den Unterstützer der Schließung des Kulturzentrums in die Hände spielt.

Unstrittig ist, dass es gestern zu Ausschreitungen kam. Strittig ist, wie es dazu kam, wer die Verantwortung für eine Eskalation trägt. Dabei sollte klar sein, dass beinahe jeder Menschen, ab einer gewissen Schwelle „gewaltbereit“ ist. Eine Möglichkeit die Schwelle für Gewaltbereitschaft zu überschreiten ist, ein Bedrohungsszenario aufzubauen. Und wenn ich die Berichterstattung und das Videomaterial richtig deute, wurde von Seiten der Einsatzkräfte einiges dafür getan, dass sich Demonstranten bedroht fühlten und zwar bereits kurz nach Beginn der Demonstration. In den etablierten Medien ist davon bisher wenig zu lesen. Es lohnt sich vielleicht ein Blick zurück.

Der Jenaer Lothar König musste sich in einem Verfahren gegen den Vorwurf des Landfriedensbruchs im Rahmen einer Gegendemonstration in Dresden 2011 verteidigen. Im Rahmen des Prozesses stellten sich die Vorwürfe von Seiten der Polizei nicht nur als unhaltbar, sondern einige Aussagen scheinbar als schlicht gelogen dar. König hatte das Glück viele Unterstützer zu haben, viel Aufmerksamkeit zu bekommen und für die Polizei kompromittierendes Videomaterial zur Verfügung zu haben. Was von dem Prozess blieb ist der Eindruck, dass von Vertretern des Gewaltmonopols, mit welcher Motivation auch immer, vor Gericht die Unwahrheit gesagt wird.

Frisch in Erinnerung aus diesem Jahr dürften die Vorkommnisse im Rahmen der „Blockupy“-Demo in Frankfurt am Main sein. Dabei wurden als „gewaltbereit“ eingeschätzte Demonstranten eingekesselt und durch einige Medien hatten das Bild schwer bewaffneter Krawallnasen verbreitet. Dass die Realität anders aussah war da uninteressant, sie passte nicht ins Narrativ. Im Nachhinein fanden sich eher Hinweise, dass die Einkesselung der Demonstranten geplant und politisch erwünscht war. Was den meisten jedoch in Erinnerung bleiben dürfte, sind die „gewaltbereiten Demonstranten“. Die geben Halt.

Ein anderes Bild bot sich nach dem Polizeieinsatz auf Schalke. Da war allen schnell klar, dass es sich um unverhältnismäßige Härte gehandelt hatte. Fussballfans, diese Ausgeburten an Friedfertigkeit, mit Polizeigewalt zu traktieren, das geht gar nicht. Da waren auch schnell Leute empört, die sonst gerne „linken Chaoten“ vorwerfen ohne Grund auf Polizisten loszugehen. Aber wenn man sich selbst als potentiell Betroffenen sieht, ändert sich die Richtung der Empörung plötzlich und man kann sich durchaus vorstellen, dass von Seiten der Einsatzkräfte unverhältnismäßig vorgegangen wird. Man gehört in dem Fall zur „Ingroup“.

Das könnte auch ein Grund dafür sein, dass die Vorkommnisse in Frankfurt im Nachhinein in ein anderes Licht gerückt wurden. Dort wurden im Rahmen des Polizeieinsatzes auch Journalisten Opfer von Polizeiwillkür und Kollegen machten aus der Pressekonferenz der Einsatzleitung ein Tribunal anstatt die Aussagen 1:1 an die Redaktionen weiterzuleiten (in meinem Weltbild kommen viele Journalisten zur Zeit nicht gut weg ;)).

Ich denke, es ist unnötig zu sagen, dass ich Gewalt gegen Menschen, egal ob sie eine Uniform tragen oder nicht, inakzeptabel finde. Ich bin jedoch der Ansicht, dass an Polizisten andere Maßstäbe angesetzt werden müssen als an Demonstranten. Polizisten sind Profis, von ihnen dürfen wir erwarten, dass sie ihren Job überlegt und geplant ausführen. Wir dürfen erwarten, dass sie verhältnismäßig reagieren. Wir dürfen von der Einsatzleitung erwarten, dass ihnen klar ist, welche Reaktion sie bei engagierten Demonstranten hervorrufen, wenn sie eine Demonstration nach wenigen Metern stoppen und auflösen. Kleiner Tipp: Wenig erfreut.

Ich bin gespannt, wie sich Ereignisse von Gestern darstellen werden, wenn sich der Rauch gelegt hat, ob sich die Vorwürfe der Polizei als wahr herausstellen (wogegen zu Zeit einiges spricht) oder ob PolizistInnen in Gefahr gebracht wurden, um ein politisches Ziel durchzusetzen. Das wäre mal ein Fall für deren Gewerkschaftsvertreter. Von „gewaltbereiten“ Politikern habe ich in diesem Zusammenhang komischerweise noch nichts gelesen.

Weiterlesen:

Gedanken zur Polizeigewalt

Hier noch aktuelles zur Forschung in dem Bereich (danke an Feuerwächter für den Hinweis)

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