Monatsarchiv: April 2014

Gemeinsame Pflegeausbildung?

Karl Josef Laumann (CDU) möchte Pflegekräfte ( warum eigentlich nur Pflegekräfte?) von Dokumentation entlasten. Das ist sinnvoll.
Im gleichen Atemzug regt er jedoch eine gemeinsame Ausbildung für Kranken-, Kinderkranken-, und Altenpflege an. Das ist weniger sinnvoll. In drei Jahre Ausbildung bekommt man gerade mal die speziellen Bedürfnisse des jeweiligen Klientels unter, alles zusammen zu würfeln, wird eher wenig fähige Generalisten erzeugen.
Ich habe ja eher den Verdacht, dass man sich davon erhofft, die AbsolventInnen flexibler einsetzen zu können. Der feuchte Traum der BWLer..

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12. April 2014 · 07:05

Homöopathie ist Placebo: Now We're Talking

Wenn ich sage, Homöopathie wirke nicht über den Placebo-Effekt hinaus, wird dem mit dem logischen Fehlschluss begegnet, mir mangele es einfach an (positiver) Erfahrung damit. Wenn Edzard Ernst, emeritierter Professor für Alternativmedizin in Exeter selbiges sagt, wird ihm mit den logischen Fehlschlüssen begegnet, er habe keine Ausbildung in Homöopathie und er sei von der „Pharmaindustrie“ gekauft. Nun bin ich gespannt, wie man den Äußerungen von Anthony Campbell begegnet. Der hat geschrieben, Homöopathie wirke (höchstwahrscheinlich) nicht über den Placebo-Effekt hinaus. Er nennt es „nicht spezifische Wirkung“ was aber im Grunde dasselbe ist. Herr Campbell ist Homöopath. Und zwar nicht irgendeiner. Das wichtigste zuerst, er ist, zumindest formell, nicht vom Glauben abgefallen und hält Homöopathie weiterhin für eine tolle Medizin. Er war Leiter des Homöopathischen Krankenhauses ist London (das wegen schlechter Presse seinen Namen änderte). Außerdem war er Editor der Fachzeitschrift „Homeopathy“ in der über homöopathische Forschung (Hihi) berichtet wurde.

Campbell hat ein Buch geschrieben und darin eben jene Aussage getätigt. Ich bin gespannt, wie „die Szene“ insbesondere die Standesvertretung der homöopathischen Ärzte in Deutschland, der DZVhÄ, mit dieser Aussage umgeht. Vermutlich wird man sie ignorieren oder als „Einzelmeinung“ abqualifizieren. Eine ernsthafte Auseinandersetzung ist nicht zu erwarten, unter anderem weil dann konsequenterweise die Auflösung des Vereins folgen müsste.

Dabei kann man mit dieser Aussage endlich etwas anfangen. Wir können darüber diskutieren, ob wir gewillt sind, Placebomedizin zu praktizieren. Sowohl als MedizinerInnen als auch als PatientInnen. Damit entfernen wir uns endlich von der albernen Wissenschaftsdebatte rund um das Thema Homöopathie und stellen uns den ethischen Implikationen für die Patientenautonomie, die Placebomedizin mit sich bringt.

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Homöopathie ist Placebo: Now We’re Talking

Wenn ich sage, Homöopathie wirke nicht über den Placebo-Effekt hinaus, wird dem mit dem logischen Fehlschluss begegnet, mir mangele es einfach an (positiver) Erfahrung damit. Wenn Edzard Ernst, emeritierter Professor für Alternativmedizin in Exeter selbiges sagt, wird ihm mit den logischen Fehlschlüssen begegnet, er habe keine Ausbildung in Homöopathie und er sei von der „Pharmaindustrie“ gekauft. Nun bin ich gespannt, wie man den Äußerungen von Anthony Campbell begegnet. Der hat geschrieben, Homöopathie wirke (höchstwahrscheinlich) nicht über den Placebo-Effekt hinaus. Er nennt es „nicht spezifische Wirkung“ was aber im Grunde dasselbe ist. Herr Campbell ist Homöopath. Und zwar nicht irgendeiner. Das wichtigste zuerst, er ist, zumindest formell, nicht vom Glauben abgefallen und hält Homöopathie weiterhin für eine tolle Medizin. Er war Leiter des Homöopathischen Krankenhauses ist London (das wegen schlechter Presse seinen Namen änderte). Außerdem war er Editor der Fachzeitschrift „Homeopathy“ in der über homöopathische Forschung (Hihi) berichtet wurde.

Campbell hat ein Buch geschrieben und darin eben jene Aussage getätigt. Ich bin gespannt, wie „die Szene“ insbesondere die Standesvertretung der homöopathischen Ärzte in Deutschland, der DZVhÄ, mit dieser Aussage umgeht. Vermutlich wird man sie ignorieren oder als „Einzelmeinung“ abqualifizieren. Eine ernsthafte Auseinandersetzung ist nicht zu erwarten, unter anderem weil dann konsequenterweise die Auflösung des Vereins folgen müsste.

Dabei kann man mit dieser Aussage endlich etwas anfangen. Wir können darüber diskutieren, ob wir gewillt sind, Placebomedizin zu praktizieren. Sowohl als MedizinerInnen als auch als PatientInnen. Damit entfernen wir uns endlich von der albernen Wissenschaftsdebatte rund um das Thema Homöopathie und stellen uns den ethischen Implikationen für die Patientenautonomie, die Placebomedizin mit sich bringt.

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Zeugen im Kreuzverhör

Sie waren wieder da. Diesmal zwei Frauen, eine von ihnen vornehmlich damit beschäftigt, zu schweigen, zu lächeln und zu nicken.

Vor einigen Wochen hatte ich eine lose Zettelsammlungen in meinem Briefkasten gefunden, bedruckt mit  Auszügen aus dem „Wachturm“. Die Texte beschäftigten sich mit Dinosauriern, der Entstehung der Welt und wie die Erklärungen für beides mit den Geschichten aus der Bibel in Einklang zu bringen sei (Spoiler: „Die Wissenschaft“ irrt sich). Die Texte waren schlecht geschrieben und strotzten von logischen Fehlschlüssen. Entscheidend ist, dass die Zeugen Jehovas offensichtlich versuchen, wissenschaftliche Erkenntnisse infrage zu stellen und so ihre Annahme, das in der Bibel Geschriebene sei wirklich so passiert, zu untermauern.

Nun standen zwei Zeuginnen vor meiner Tür, ich war gerade herausgekommen um eine Runde laufen zu gehen, so wie beim letzten Mal, nur dass es jetzt hell war und relativ warm. Nach der Begrüßung bedankte ich mich artig für die Zettel in meinem Briefkasten. Natürlich, diese seien sehr interessant gewesen, einige Frage seien jedoch für mich noch offen. Warum, so fragte ich die Dame, sei es ihr wichtig, die Wissenschaft auf ihrer Seite zu haben? Immerhin gehe es doch um den Glauben? Nach meinem Verständnis benötigt man für Glauben keine Fakten, Glaube ist davon unabhängig. Das sah sie anders und zeigte mir ihre Definition für „Glaube“ in der Bibel. Dass es sich bei dem Buch um eine Autorität auf dem Gebiet von Geologie, Biologie und Philosophie hanelt, war mir bekannt, dass auch Etymologie darin behandelt wird, war mir neu.

Hebräer Kapitel 11, Verse 1-3:
„Der Glaube ist die gesicherte Erwartung erhoffter Dinge, der offenkundige Erweis von Wirklichkeit, obwohl man sie nicht sieht.“

Oder

“ Der Glaube ist eine feste Zuversicht und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht“

Tja, das kann man wohl als theistisches Möbiusband bezeichnen: Das Buch dessen Richtigkeit ich belegen will, dient als Quelle für seine eigene Richtigkeit. Die Definitionen sind sich selbst umkreisende Argumentationen.

Meine Gesprächspartnerin sah in der Bibel und auch in „Dingen um uns herum“ den Beweis für Gottes Existenz. Diese ließen sie auch auf einen intelligenten Schöpfer schließen (der, per Definition unendlich(!) weise und mächtig ist). Auf meine Frage was das für Dinge seien, antwortete sie, zum Beispiel der Mensch, dieser sei doch wirklich intelligent konstruiert. Aha!

Ich fragte ob sie sich schon einmal verschluckt habe. Worauf sie, zögernd, weil sie, korrekterweise, eine Falle erahnte, antwortete, natürlich haben Sie sich schon einmal verschluckt. Ihr Blick dabei zeigte auch ziemlich deutlich, dass sie den Sinn dieser Frage nicht verstand. Als ich erklärte, dass der Grund warum wir uns verschlucken der ist, dass „wir“ früher keine Luftröhre hatten und diese erst im Rahmen der Evolution zeitlich nach der Speiseröhre entstand, wurden ihre Augen immer größer. Das Erstaunen steigerte sich noch, als ich erklärte, dass wir als Fische nur einen Darmrohr hatten und sich die Lungenbläschen erst sekundär entwickelt hatten. Ob das auf einen intelligenten Designer schließen ließe, fragte ich sie. Von einem allmächtigen, allwissenden, omnipotenten Wesen würde ich definitiv mehr erwarten als die Hilfskonstruktion eines Kehldeckel um zu verhindern, dass Nahrung in die Speiseröhre gerät (die logische Erwiderung, vielleicht habe Gott einen komischen Sinn für Humor, fiel ihr nicht ein).

Ich hatte das Gefühl im Blick der Frau einen Funken des Zweifels zu erkennen und vielleicht sogar etwas Angst. Ich wies darauf hin, dass unser Auge auch nicht gerade intelligent desingt ist, weil das Licht erst durch alle Nervenleitungen müsste um an die Rezeptoren zu kommen. Ein Ingenieur hätte ein deutlich besseres Auge designt.

Die Dame war etwas rot geworden war als ich gesagt hatte, „wir“ seien einst Fische gewesen, wirkte mittlerweile etwas konsterniert, wahrte aber die Fassung. Als Letztes wies ich auf den Nervus Laryngeus Recurrenz hin, der die komische Angewohnheit hat ganz runter an die Bifurkation der Luftröhre zu gehen, um dann wieder zum Kehlkopf zurückzukehren. Auch das kann man evolutionär gut erklären, auch das wäre einem intelligenten Designer nicht passiert.
Das Gesicht von Frau M. geriet ob des Unsinns, den ihr Gott da verzapft hatte, kurz etwas aus den Fugen. Sie hatte sich jedoch schnell wieder im Griff, immerhin sind seine Wege unergründlich. Anstatt sich mit meinen Argumenten auseinanderzusetzen, wechselte sie lieber das Thema. Wir unterhielten uns noch ein wenig darüber, bis ich mich wieder verabschiedete.

Ich habe ein wenig das Gefühl Frau M. hat mir nicht ganz die Wahrheit gesagt, als ich sie über ihren Kult befragte. Sie Widersprach zwar den meisten meiner Aussagen, klärte mich jedoch nicht auf, was mich etwas betrübte. Ich musste alles bei Wikipedia nachlesen. Sie hat mich zwar im strengen Sinne nicht angelogen aber die Wahrheit hat sie auch nicht gesagt. Da hat sie die 10 Gebote ziemlich weit auslegen müssen. Aber wie sagt man so schön:

„Im Krieg und beim Missionieren ist alles erlaubt.“

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