Empörung ist kein Argument II – Mehr tote Löwen

Die Welt ist kompliziert und es ist wohltuend hier und da mal eindeutig Position beziehen zu können. So ergießt sich aktuell eine Welle der Empörung über eine junge Frau Namens Kendall Jones. Wie bereits eine Journalisten vor ihr, hat sie es sich zur Gewohnheit gemacht, ihr Social-Media-Profil mit Fotos der von ihr erlegten Großsäuger zu schmücken. Abgesehen von den leblosen Überresten diverser Spezies ist auf den Bildern auch die junge Dame selbst zu sehen. Meist lächelnd, immer mit ihrem Tötungswerkzeug. Das gefällt nicht allen. Und so hat die Gruppe der Netzempörten zur ihrer schärfsten Waffe gegriffen und eine Online-Petition gestartet.

Diese richtet sich nicht gegen die Jagd wilder Tieren. Sie richtet sich auch nicht gegen die Politik von Staaten, die damit Geld verdienen. In ihr wird gefordert, Jones mögen ihre Facebookprivilegien entzogen bekommen. Virtueller Stubenarrest! Denn, wenn ich es nicht in meiner „Chronik“ sehe, passiert es auch nicht: gefällt mir.

Nun kann man dazu stehen wie man will, ob Menschen ihre Jagdtrophäen in der Öffentlichkeit präsentieren dürfen sollten. Insbesondere wenn man bedenkt, dass stillende Mütter deutlich größere Probleme habe, die erfolgreiche Jagd ihrer Säuglinge auf Facebook zu zeigen. Die Frage ist doch, ob das, was da abgelichtet wird, tatsächlich so empörenswert ist. Und wenn, dann welcher Teil davon?

Große Teile dieses Planeten wurde von Menschen soweit verändert, dass sie für ihn gute Bedingungen schaffen. Das hat dazu geführt, dass Gebiete in denen Tiere unbehelligt von ihm leben können relativ klein sind. Und oft umzäunt. Und so gibt es in einige Staaten des afrikanischen Kontinents Reservate für Wildtiere, die groß genug sind, um dort fast natürliche Bedingungen zu schaffen, aber nicht groß genug um die Populationen sich selbst zu überlassen. Also muss der Mensch eingreifen. Vor allem alte Tiere werden geschossen. Wenn ein Löwenrudel von einem jungen Löwen „übernommen“ wird, ergeht es dem alten Alphamännchen schlecht. Wir können uns alle unserer Naturromantik hingeben aber letztlich wird dem Tier in dem Fall leid erspart.

Aprops leid erspart. Ich hoffe, alle die sich so empören sind ebenso reflektiert, wenn sie sich Grillgut im Supermarkt kaufen. Oder das nächste Smartphone.

Ein Nashorn, mit welchem Jones sich ebenfalls hatte ablichten lassen war offensichtlich nicht tot, sondern für eine tierärztliche Behandlung und Markierung betäubt. So steht es im Text zum Bild, welchen viele der Empörten scheinbar nicht gelesen haben. Viele der anderen glauben es einfach nicht. Denn es würde nicht ins Bild passen. Die „Killerin“ soviel prächtiger Tiere, kann nur aus kaltblütigen, egoistischen Motiven handeln, was denn sonst. Dass die Familie wohlhabend zu sein scheint, passt da bestens ins Bild. Othering vom feinsten.

Wenn man wenigstens etwas zur Thematik recherchiert (das Meiste was zu dem Thema gebracht wird, stammt von Kendalls Facebook-Seite), stellt man fest, dass das Thema komplexer ist, als „Die knallt Löwen ab!“. Ökonomische, ökologische und politische Faktoren spielen dort hinein. Und die philosophischen sind auch nicht ohne.

So unappetitlich das Posieren mit toten Jagdtrophäen sein mag, so ekelerregend ist die Reaktion einiger Mitprimaten auf diese Bilder. Kendall Jones hat Morddrohungen erhalten. Dagegen ist das „unterzeichnen“ einer Petition dann doch die bessere Wahl. So, jetzt habe ich mich aber genug empört.

 

Mehr?

Empörung ist kein Argument – auch nicht bei abgeknallten Löwen.

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