Gottes Lotterie des Todes

Halleluja! Dr. Kent Brantly hat Ebola überlebt. Wahrscheinlich auch durch den Einsatz einer neuen, noch experimentellen Therapie. Vielleicht aber einfach durch Glück (sprich, die Produktion eines passenden Antikörpers, zur richtigen Zeit durch sein, im Rahmen der Evolution entstandenes, Immunsystems). Wie auch immer, es haben sich viele Menschen um das Wohlergehen Brantlys bemüht. Nachdem er neun Tage mit Ebola in Liberia lag und er dort das experimentelle Medikament bekam, wurde er in die USA geflogen. Dort erholte er sich und wurde, nachdem er kein Virus mehr ausschied, entlassen.

Und dann dankte er „Gott“. Denn der habe ihn geheilt. Und natürlich all die Gebete, der vielen Menschen. Durch seine Heilung habe „Gott“ dafür gesorgt, dass diese Erkrankung mehr Aufmerksamkeit bekommen habe. Ja, das ist wahr, weil Ebola bis vor einige Tagen kaum Aufmerksamkeit bekommen hatte. Er dankte auch allen, an seiner Heilung beteiligten Menschen; man ist ja gut erzogen. Aber eigentlich waren das alles nur Gottes Werkzeuge. Da werden die sich aber alle freuen.

Es scheint also, Gott interessiere sich vor allem vor Menschen, die mediale Aufmerksamkeit bekommen, um dann die, von ihm zumindest zugelassene, Erkrankung in diesem Menschen zu heilen und der Menschheit dadurch deutlich zu machen, dass diese schlimme Erkrankung, die Menschen wahllos dahinrafft, nicht vergessen werden sollte. Gottes Wege sind unergründlich.

Brantly mag, verständlicherweise, glücklich sein, über seine unwahrscheinliche Genesung. Er mag auch das von ihm bevorzugte imaginäre Wesen für seine Heilung preisen. Seine Aufgabe erfüllt er damit jedoch nicht. Er arbeitet nämlich als Arzt für Samaritan’s Purse, eine christliche Hilfsorganisation, die Katastrophen nutzt, um Menschen davon überzeugen, dass Jesus ihr Retter sei. Was in genau dem Moment auf eine ganz eigenartige Weise ja auch stimmt.

Die chauvinistische Idee von Missionierung mal beiseite, überzeugt mich dieses postulierte Handeln „Gottes“ nicht davon, wieder in den Schoß der Kirche zurückzukehren. Was hat dieser Gott davon, in einem der ärmsten Gebiete auf unserem Planeten, ein Virus sein Unwesen treiben zu lassen, welches, aufgrund schlechter Hygiene, vor allem die Armen befällt? Die reichen Menschen sind nur mit sehr viel Pech davon betroffen. Soll das Massensterben dazu dienen, christlichen Organisationen die Gelegenheit zu geben, seine Nachricht zu verbreiten? Dabei nähme er sogar Menschen, die noch nicht von seiner Nachricht erreicht wurden die Chance, ewiges Leben zu erreichen, weil sie vorher an dem Virus versterben. Unter einem „gütigen Gott“ stelle ich mir etwas anderes vor.

Das klingt fast wie die Geschichte von Noahs Arche, in der ja auch fast die gesamte Bevölkerung ausgelöscht wird, weil sie so böse war. Es scheint sich also weiterhin um diesen alttestamentarischen Bastard zu handeln, wenn man der Logik Brantlys und wohl auch dem Leiter von Samaritan’s Purse, Franklin Graham, folgt. Zynischer geht es kaum.

Samaritan’s Purse sind übrigens dieselben Leute, die „Weihnachten im Schuhkarton“ verantworten. Da gibt es zum Spielzeug gleich noch eine Ideologie dazu. Und diese Ideologie hat Bratly mit seinem Dank an „Gott“ hübsch zur Kenntlichkeit entstellt. Vielleicht ist er nicht der Richtige in dieser Missionarsstellung.

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Eingeordnet unter Atheismus, MEINung

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