Dem ‚Wahnsinn‘ verfallen?

Der neue Skeptiker ist da. Das freut mich immer sehr, ich lese den Skeptiker gern. Um so mehr ärgert es mich, wenn wieder ein psychopathologisierender Begriff in der Besprechung von Pseudomedizin genutzt wird.

Titel Skeptiker 3/2014

Titel Skeptiker 3/2014

Natürlich wird „Wahnsinn“ heute selten im eigentlichen Wortsinn genutzt, doch die Implikation ist, dass es sich um etwas Krankhaftes handelt. Und im Zusammenhang mit Globuli ist nicht gemeint, dass die Anwender sich „krank fühlen“. Die Praxis der Homöopathie wird, mithilfe eines abwertenden Begriffs, in die Nähe eine Geisteskrankheit gerückt. Das wird zum Einen Menschen nicht gerecht, die sich durch eine homöopathische Behandlung Hilfe versprechen. Zum Anderen sorgt es (mit) dafür, dass Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen weiterhin nicht so offen mit ihrer Erkrankung umgehen können, wie z.B. Menschen mit Diabetes Mellitus.

Homöopathie eine spezifische Wirkung zuzusprechen ist natürlich definitiv Unsinn, hat jedoch ebenfalls definitiv nichts mit Wahnsinn zu tun. Menschen die Globuli einnehmen und deren Umwelt, können eine Heilung erleben und diese Kausal der Homöopathie zuschreiben. Damit geht für diese Menschen UND deren Umwelt eine wahrnehmbare und (je nach Erkrankung mehr oder weniger)  objektivierbare Veränderung von den Globuli aus. Wahn ist jedoch als „objektiv falsche, mit der Realität nicht vereinbarende Überzeugung“ definiert. Die Veränderung des Zustandes der Anwender ist, das bestreiten auch KritikerInnen nicht, real. Die Veränderung ist jedoch nicht auf eine spezifische Wirkung der Globuli zurückzuführen, möglicherweise jedoch auf eine unspezifische („Placebo-Effekte“). „Wahn“ als Erklärungsmodell ist in jedem Fall fehl am Platz.

Dass man Korrelation mit Kausalität verwechselt und nicht jedes Erleben mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen abgleicht, ist menschlich und in der Regel nicht wahnhaft. Zumindest finde ich nichts davon in der ICD-10. Wenn wir die Nutzung von Homöopathie mit „Wahnsinn“ in Verbindung bringen, sollten wir uns vorher überlegen, auf wie viele Dinge dieselben Kriterien ebenfalls zutreffen, vielleicht sogar die eine oder andere von uns selbst liebgewonnene Überzeugung.

Dr. Aust mache ich in diesem Fall am wenigsten verantwortlich. Er selbst gibt an, sein medizinisches Wissen aus der Wikipedia zu haben und macht das Feld seiner Expertise transparent. Und im Gespräch immer auf trennscharfe Formulierungen zu achten, würde ich von niemandem verlangen, ich kann das selbst nicht. Aber das Interview ist gedruckt worden, da hätte also die Möglichkeit bestanden, dass „Wahn“ gegen ein „Un“ auszutauschen und der Satz wäre eine Punktlandung gewesen. So ist er für mich ein Ärgernis. Noch dazu, weil er auf der Titelseite gelandet ist, dabei hätte das Interview, welches ich sehr gerne gelesen habe, anderes hergegeben.

Ich weiß, dass man Leser dazu bekommen muss, Texte zu lesen und dafür passende Überschriften findet. Aber es sollte doch einen Weg geben, sich dabei nicht der Methoden zu bedienen, die „wir“ in der „unskeptischen“ Presse kritisieren, wenn es um wissenschaftliche Themen geht. Dr. Aust selbst erzählt sehr empathisch von seinen Bekannten, die, in der vergeblichen Hoffnung auf spezifische Wirkung, Globuli schlucken. Warum muss durch den „Wahnsinn mit Methode“ Othering betrieben werden? Wenn meine skeptischen MitstreiterInnen auf solche Feinheiten in Zukunft mehr achteten, würde mich das wirklich wahnsinnig freuen.

[Edit 14.09.2014 18 Uhr: Nach dem Hinweis von Bernd Harder habe ich den Satz: „Impliziert wird eine Geisteskrankheit, die durch den abwertenden Begriff auch gleich in ein passendes Licht gerückt wird.“ verändert.]

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34 Kommentare

Eingeordnet unter MEINung, Skeptizismus

34 Antworten zu “Dem ‚Wahnsinn‘ verfallen?

  1. ich schreib auch öfter „Wahnsinn“ statt Unsinn. Liegt ein bisschen daran, dass sich einfach diese Vorstellung dieser geheimnisvollen unfassbaren Kräfte, die überall wirken und uns positiv oder negativ manipulieren, schon ins Wahnhafte ausdehnen kann.
    Ich kenne da Einige aus meinem Bekanntenkreis, die über eine „Einstiegsdroge“ Homöopathie zu ganz anderen Geschichten gekommen sind.
    Vielleicht ist das aber auch zu reisserisch formuliert, für die erste Seite des Skeptikers, mag sein.
    Ich bezeichne Homöopathie und dergleichen im Gespräch jedensfalls meistens als Blödsinn. Wurde letztens mal genau deswegen geschimpft, weil das gegenüber dem User oder dem Verkäufer/Arzt/Heiler etc. abwertend wäre. Ich solle das doch ernst nehmen…. Niemals! Ich bin der Meinung, ich kann eine Sache immer als Blödsinn, Schwachsinn, oder als schwachsinnig bezeichnen, ohne damit zu behaupten der Anwender wäre schwachsinnig, blödsinnig oder unsinnig (was ja auch schon abwertend wäre). LG 😉

    • klar kann sich das ins wahnhafte ausdehnen. das ist aber mit fast allem so 🙂
      homöopathie als methode werte ich auch ab, aber eben nicht mit begriffen, welche die praxis in die nähe einer erkrankung rücken.

  2. „Impliziert wird eine Geisteskrankheit, die durch den abwertenden Begriff auch gleich in ein passendes Licht gerückt wird. “

    Mitnichten wird solches impliziert.

    Hier wird lediglich mit einem Shakespeare-Zitat die Homöopathie als Methode angesprochen, nicht die Anwender oder die Homöopathen:

    „Ist dies schon Wahnsinn, so hat es doch Methode“ (Hamlet)

    • stimmt, da habe ich mich selbst unscharf ausgedrückt. ich habe den satz geändert.

      ich hätte auch nichts gesagt, wenn mir (nicht nur aber auch) in der gemeinschaft der skeptiker, die tendenz auffallen würde, jegliche abweichung im verhalten anderer menschen, welches man nicht nachvollziehen kann zu pathologisieren. daran ändert auch eine anlehnung an ein hamlet-zitat nichts.

      solche zitate sind einfach nicht hilfreich, wenn es darum geht, ein gesellschaftliches klima zu schaffen, es so selbverständlich ist, über eine depression zu sprechen, wie über einen beinbruch.

  3. „solche zitate sind einfach nicht hilfreich.“

    Das nehme ich als Meinung zur Kenntnis – ändert aber nichts daran, dass der Vorschlag „Wahnsinn“ durch „Unsinn“ zu ersetzen, in diesem speziellen Fall keinen „Sinn“ ergibt bzw. nicht praktikabel ist, da es ein Zitat/Sprichwort „Unsinn mit Methode“ meines Wissens nach nicht gibt.

  4. Pingback: In Sachen Homöopathie: Interview mit Dr. Norbert Aust im neuen „Skeptiker“ @ gwup | die skeptiker

  5. Ich gestehe: Derartige Zuschreibungen von Befindlichkeiten stoßen mich regelrecht ab. Sie sind über die darin ausgedrückte soziale Ächtung hinaus, die stets in Verbindung mit „Schwäche des Geistes“ bzw. „des Gemüts“ in der Gesellschaft präsent ist, in weiten Teilen auch verächtlich gemeint. Diese Entmenschlichung der Sprache erweist dem Anliegen einen Bärendienst, den Menschen Aufklärung (an)bieten zu wollen – sie wird semantisch zur reinen Rechthaberei degradiert. MS

    • @marianschraube:

      Wenn ich einen tollen Film mit „Der Wahnsinn!“ kommentiere, würden Sie das auch als Verächtlichmachung und „Schwäche des Geistes“ auffassen?

      Langsam wird’s einfach albern …

  6. @marianschraube:

    „Diese Entmenschlichung der Sprache.“

    Drama, Baby, Drama!

    In Wahrheit ist es ganz schlicht so, dass manche Begriffe eben nicht auf die Fachsprache beschränkt sind, sondern in andere Bereiche und vor allem in die Alltagssprache eingegangen sind, wobei die Verwendung *dort* nur noch wenig bis nichts mit dem Fachterminus zu tun hat.

    Sie beanspruchen anscheinend eine Deutungshoheit über den medizinisch-psychiatrischen Fachbegriff „Wahnsinn“. Das sei Ihnen unbenommen, hat indes nur nicht das Geringste mit der Verwendung des Begriffs in dem besagten „Skeptiker“-Interview zu tun.

    • @ Bernd Harder

      Gleich zwei Kommentare? Irgendwie muss es also doch ein Wirkungstreffer gewesen sein.

      Aber ich schiebe den polemischen Fehdehandschuh beiseite, den Sie da so krachend auf den Boden haben fallen lassen und verweise schlicht auf Florian Freistetter. In seinem Beitrag Ist skeptischer Aktivismus kontraproduktiv? (http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2014/04/16/ist-skeptischer-aktivismus-kontraproduktiv/) hat er thematisiert: „Zielgruppe sollten die Menschen sein, die sich bisher über Homöopathie noch kaum Gedanken gemacht haben.“

      Was Freistetter zu Aktivismus problematisiert, erachte ich schon vorher als Bedingung: Die Kommunikation. Dabei ist bezüglich des gesprochenen und geschriebenen Wortes auf den Empfängerhorizont zu achten. Gerade der Spezialist, der um Begrifflichkeiten und Definitionen weiß, wird sich in die Lage versetzt sehen, damit auch journalistisch zu jonglieren. Aber wird das ebenso rezipiert? Es geht also keineswegs um Deutungshoheiten, wie Sie ironisch mutmaßen, sondern um das Verständnis bei dem, den es angehen soll – nicht nur das der ohnehin geneigten Leserschaft Ihres Blattes, sondern des, so Freistetter zutreffend: Gedankenlosen.

      Sie, lieber Bernd Harder, können natürlich gerne weiter auf der Schiene von Fanzines reiten. Für meinen Teil habe ich dargelegt, warum ich darauf keinen Wert lege. Dabei sollten wir es bewenden lassen.

      Beste Grüße, MS

      • @marianschraube:

        << Dabei ist bezüglich des gesprochenen und geschriebenen Wortes auf den Empfängerhorizont zu achten. <<

        Sie wissen schon, dass das Interview in der Mitgliederzeitschrift der GWUP erschienen ist und nicht in der "Bunten"?

        << wie Sie ironisch mutmaßen, <<

        Was soll daran "ironisch" gewesen sein?

        Ich versuche es noch einmal, da ich immer noch die vage Hoffnung hege, dass wir es mit einem Kommunikationsproblem zu tun haben – eine "Fehde" kann ich jedenfalls nur in Ihrer Interpretation erkennen.

        Sie schrieben in Ihrem ersten Kommentar:

        << Diese Zuschreibungen von Befindlichkeiten … <<

        Ich habe Ihnen (aus meiner Sicht unpolemisch) zweimal erklärt, dass das schlicht nicht stimmt und dass weder Herr Aust noch ich selbst damit Homöopathie-Gläubigen irgendwelche Befindlichkeiten "zugeschrieben" haben, sondern dass der Begriff "Wahnsinn" in dem Interview rein umgangsprachlich verwendet wird und eben gerade nicht als psychiatrischer Fachausdruck und als "Zuschreibung von Befindlichkeiten".

        Da mir dieser Punkt einfach wichtig ist und offenbar missverstanden wird (und mitnichten ein "Wirkungstreffer" von Ihnen), hänge ich gerne auch noch einen dritten Kommentar an.

        << Sie, lieber Bernd Harder, können natürlich gerne weiter auf der Schiene von Fanzines reiten. <<

        Ein leicht grotesker Vorwurf an jemanden, der in Großverlagen der Publikumspresse und Buchbranche gearbeitet hat und arbeitet.

        Darüber hinaus unterhält die GWUP eben *genau* aus diesem Grund verschiedene Kommunikationskanäle und Medienpräsenzen für unterschiedliche Zielgruppen. Und damit sind wir beim eigentlichen Thema Ihres neuen Kommentars:

        – Ihr erster Kommentar ging allein um den Vorwurf, wir würden Homöopathie-Gläubigen mit dem Begriff "Wahnsinn" bestimmte (psychische) "Befindlichkeiten zuschreiben".

        Das ist nicht der Fall und wäre eine äußerst unfaire Unterstellung, gegen die ich mich an dieser Stelle auch noch ein viertes Mal verwahren würde, wenn es sein müsste.

        Das ist aber hoffentlich nicht notwendig, denn offenbar akzeptieren Sie meine Erklärung, da Sie auf diesen Vorwurf nicht mehr weiter eingehen.

        In Ihrem neuen Kommentar machen Sie aber ein zweites Fass auf, nämlich die Frage nach der korrekten Zielgruppenansprache für "skeptischen Aktionismus".

        Darüber können wir gerne diskutieren, ist aber in der Sache etwas völlig anderes als Ihr ursprünglicher Vorwurf, wir würden Homöopathie-Gläubigen geistige Defizite unterstellen.

        Dies wäre nämlich bei *keiner* Zielgruppe akzeptabel, auch und gerade nicht im "Fanzine" der GWUP, wie Sie den "Skeptiker" zu nennen pflegen (was nun "Polemik" eher nahe kommt als meine Ausführungen, würde ich meinen).

        << sondern um das Verständnis bei dem, den es angehen soll. <<

        Ich denke, wir können davon ausgehenen, dass die "Skeptiker"-Leser eben genau dieses Verständnis haben.

        Wenn Sie das ganze Interview kennen würden und nicht nur den einen herausgegriffenen Satz, der hier diskutiert wird, dann wüssten Sie, dass Herr Aust darin seinen "skeptischen" Werdegang und seine Auseinandersetzung mit der Homöopathie beschreibt.

        Es geht u.a. um Studien, um Messtechniken, um Bewertungskriterien – lauter komplizierte Dinge, die natürlich eine "spezialisierte" Leserschaft mit entsprechenden Fachkenntnissen voraussetzen.

        Aus diesem Grund ist die Thematik, die Sprache und die Darstellung des Interviews genau der Zielgruppe angemessen – der "Skeptiker" richtet sich explizit nicht an "Ahnungslose", so wie auch Herrn Freistetter neben seinem Blog Fachartikel für Astronomen schreibt.

        Für andere Zielgruppen haben wir andere Kanäle – speziell für Homöopathie-Gläubige zum Beispiel ein Infoblatt zum Thema.

        Insofern sehe ich Ihre Forderung "Es geht um das Verständnis bei dem, den es angehen soll" in hohem Maße als erfüllt an und kann die Vorwürfe nur schwer nachvollziehen.

      • @ Bernd Harder

        Sie fragen: „Sie wissen schon, dass das Interview in der Mitgliederzeitschrift der GWUP erschienen ist und nicht in der ‘Bunten‘?“

        Ich glaube, es waren die FAZ und das Rechercheteam von der SZ, die das letzte Mal die „Bunte“ von oben herab heruntergeputzt haben, als das Magazin einen Platz im Gerichtssaal des OLG München beanspruchte und zugelost bekam. Tatsächlich: Ich vermute, dass Sie, nachdem Sie „in Großverlagen der Publikumspresse und Buchbranche gearbeitet“ haben und arbeiten, zum Wort gleich den richtigen Geist atmen. Sei’s drum.

        Ihr ganz konkretes Missverständnis beruht darauf, dass Sie meinen Einwand nicht wörtlich nehmen. Denn dort (14.09., 20:56 Uhr) steht nicht „Ihre“ oder die Zuschreibung „des Skeptiker-Magazins“, sondern generell: „Derartige“, und damit auch noch im Plural. Das Cover in Händen haltend kann ich weder erkennen, ob der im untern Seitenteil abgebildete Satz von Ihnen, dem Interviewer, dem Interviewten oder der Redaktion entstammt. Erst recht ist nicht erkennbar, dass damit ein von Ihnen bemühter Bezug zu Shakespeare hergestellt werden soll, in welcher Hinsicht auch immer.

        Oder dass damit, wie Sie nun schreiben, „Homöopathie-Gläubige“ gemeint sein könnten: Diese Ihre Interpretation (und wohl auch ursprüngliche Intention) schieben Sie vielmehr einfach mir unter. Sie wissen genau, dass das unredlich ist, nicht nur wegen des darin liegenden Versuchs der Umkehrung. Denn selbst in meiner Antwort (16.09., 21:32 Uhr) habe ich gerade nicht (!) diesen Personenkreis angesprochen, sondern diejenigen, die sich bislang gar keine Gedanken zum Thema gemacht haben.

        Betrachtungen zur Umgangssprache erspare ich Ihnen, den Lesern und mir: „Wahnsinn“ ist da schon lange von „geil“ abgelöst.

        Dass Sie aus einer gewissen Defensive heraus argumentieren, ist für mich ohne Weiteres nachvollziehbar. Es ist hinreichend bekannt, dass Apologeten der Homöopathie durchaus aggressiv nicht nur argumentieren, sondern auch handeln. Das enthebt Sie aber nicht Ihrer ureigenen professionellen Verpflichtung, Texte sorgfältig zu lesen, statt Ihnen, wie hier ganz offensichtlich geschehen, Intentionen und Richtungen, ja sogar einen Zungenschlag beizulegen, für die es keinen Grund gibt. Sollte ich hier -bei allem ehrenwerten Engagement, das Sie zeigen- ernsthaft an die nötige Distanz erinnern müssen?

        Im Selbstverständnis zum Magazin heißt es, es gehe darin um „die Popularisierung wissenschaftlicher Methoden“. Ich will nicht hoffen, dass mit dem Einzug der „bild“-haften Sprache die Richtung des Boulevards eingeschlagen wird. Oder ist.

        Beste Grüße, MS

  7. Ich versuche ein zweites Mal, diesen Kommentar zu posten:

    Mal ehrlich: Kann man es mit der Political Correctness nicht auch übertreiben?

    Homöopathie als Wahnsinn zu bezeichnen bezieht sich nach meinem Sprachverständnis allein auf die Methode, allenfalls noch auf diejenigen, die diese Methode in die Welt gesetzt haben oder propagieren. Ich weiß nicht, ehrlich nicht, wie man von dort darauf kommen kann, dass dies auf die Patienten gemünzt sein sollte, dass überhaupt nur ein Bezug zu denjenigen besteht, die aufgrund dauernder Fehlinformation und Täuschung in allen möglichen Medien dieser Heilslehre vertrauen. Und wie man darauf kommen kann, dass diese Verwendung der Vokabel Wahnsinn alle Menschen sozial ächtet, die psychische Probleme haben – Verzeihung, das geht doch wohl etwas weit, finden Si enicht? Zumal die Begrifflichkeit des Wahnsinns soweit ich weiß im medizinischen Sprachgebrauch heute gar nicht mehr auftaucht.

    „Though this be madness, yet there ismethod in ‚t“

    Das ist das Shakespeare-Zitat im Original, oft ins Deutsche übertragen als:

    „Mir scheint, der Wahnsinn hat Methode“

    Hamlet, der Prinz von Dänemark täuscht vor, wahnsinnig zu sein, also ziellos zu handeln, um seine Rachepläne umsetzen zu können. Polonius, der Berater des Königs, wird zunächst getäuscht, es kommen ihm aber später Zweifel, ob das tatsächlich so ist, was sich in obigem Zitat ausdrückt. Dann wäre es eben kein Wahnsinn, sondern es wird ein Ziel verfolgt, weshalb man anders damit umgehen muss, als wenn dem nicht so wäre.

    Genau in diesen Bahnen hat sich mein Erkenntnisprozess abgespielt. Genau so ist das im Interview verwendete Zitat gemeint. Genau so ist es auch in der Überschrift gemeint.

    Und nein, ich werde auch in Zukunft meine Sprache nicht daraufhin zensieren, dass auf keinen Fall Begrifflichkeiten darin vorkommen, die irgendwann einmal von irgendwem auf einzelne Menschen, auf eine oder mehrere Gruppen von Menschen in für diese nicht vorteilhafter Weise angewendet wurden, werden, worden sein könnten, werden könnten, selbst wenn dadurch mit irgendwelchen wahnsinnigen (!) Methoden und geistigen Klimmzügen eine Herabwürdigung oder soziale Ächtung oder sonstige Benachteiligung konstruiert werden könnte. Ich werde auch nicht darüber nachdenken, welche kognitiven Prozesse in Gang gesetzt werden könnten, die zu einer Herabwürdigung von Menschen führen könnten, wenn ein von mir verwendetes Zitat dem Leser nicht bekannt ist oder eine Anspielung darauf nicht als solche erkannt wird.

    Bei wem meine Arbeit in der Hauptsache mit solche Betrachtungen auslöst, möge bitte meine Beiträge in Zukunft nicht mehr lesen, sie sind nicht für ihn verfasst worden.

    • Guten Abend, Herr Aust,

      vorweg: Ihr Interview habe ich nicht gelesen, sondern mich auf das Reißerische der Schlagzeile konzentriert. Das dürfte aber mittlerweile aus meinen Erwiderungen an Bernd Harder deutlich geworden sein und bedürfte keines Hinweises mehr: Das, was Sie meinen, lässt sich dem Cover nicht entnehmen.

      Aber das, was der Blogautor anspricht, nämlich das Othering. Er, der sich mit Gesundheit und Krankheit beschäftigt und ich, der sich mit Recht und Unrecht befasst, sind deswegen nicht nur in Berührung mit allerlei Befindlichkeiten, sondern auch mit den Auswirkungen im sozialen Umfeld der Betroffenen. Aber so unterschiedlich der Jargon und die Attestierungen je aus der Warte der Rechtswissenschaft und der Medizin sind – die daraus folgende soziale Ächtung ist stets präsent. Nein, ich glaube nicht, dass es übertrieben ist, „Wahnsinn“ als etwas zu bezeichnen, das stigmatisiert.

      Es sei Ihnen unbenommen, dies nur als eine Frage der Political Correctness zu bezeichnen, was auch immer das sein mag. So wie es selbstverständlich ist, dass Sie Meinungen Dritter als Aufforderung „zur Selbstzensur“ ausdeuten können; selbst wenn einzuwenden wäre, dass Zensur ein ganz klein wenig anders aussieht. Schließlich leben wir in Zeiten des „das wird man wohl noch sagen dürfen“.

      Aber mich nimmt Wunder, dass auf ein ironisches „ich würde mich wahnsinnig freuen“ und ein etwas kategorischeres „mich stößt ab“, soviel geballter Verteidigungsschmalz verwendet wird. Zusammen genommen treten der Blogautor und dieser Kommentator nur für mehr Achtsamkeit ein: Der im Recht ist, braucht die Verächtlichmachung nicht.

      Beste Grüße, MS

      • Hallo Herr Aust,
        es mit der Kritik zu übertreiben, wird Ihnen wahrscheinlich von AnhängerInnen der Homöopathie auch vorgeworfen. Zum Thema ob die Zuschreibung Political Correctness überhaupt zutrifft, verweise ich auf den Kommentar von Herrn Schraube.
        Homöopathie ist ein Behandlungssystem mit internen logischen Widersprüchen, welches mit bekanntem naturwissenschaftlichem Wissen nicht vereinbar ist. Gleiches ließe sich über Christentum, Islam und Judentum sagen. Vermutlich über so ziemlich jede Glaubensgemeinschaft dieser Welt. Ist das auch alles Wahnsinn? Wie ist das mit der Ehefrau die zu ihrem Ehemann zurückkehrt und entgegen ihrer Erfahrung hofft, dieser würde dieses Mal wirklich sein Versprechen wahr machen und nichts mehr trinken, mit all den unschönen Folgen. Wie sieht es aus, mit dem jungen Menschen, der sich das neuste Gadget eines bekannten Herstellers kauft, in der Annahme, dieses würde ihn und sein Leben mehr bereichern als das fast baugleiche Gadget eines anderen Herstellers, welches auch noch billiger ist? Das sind alles keine vernünftigen Handlungsweisen, haben jedoch mit Krankheit und Wahn nichts zu tun.
        Auch betrübt es mich, zu lesen, dass Sie einen Unterschied machen, ob jemand Homöopathie in die Welt setzt oder diese nur nutzt, wenn es um die Zuschreibung des Wahnsinns geht. Die psychologischen Mechanismen, die bei beiden zu ihrem Glauben (!) führen sind ähnlich und ergänzen sich. Mir ist es egal, ob die Aussage auf Anwender oder Anbieter bezogen sein sollte. In beiden Fällen hat sie nichts zu suchen.
        Es geht auch nicht darum, dass Ihr Kommentar alle Menschen mit psychischen Krankheiten sozial ächten würde. Das ist gar nicht mehr notwendig, Menschen mit psychischen Erkrankungen sind bereits sozial geächtet. Und die Art und Weise wie jeder einzelne von uns mit psychischen Erkrankungen umgeht, trägt entweder dazu bei, dass das so bleibt oder das sich das ändert. Und da mein kleiner Teil dieses Universums von Veröffentlichungen aus dem Bereich des Skeptizismus geprägt ist, versuche ich, in diesem ein Bewusstsein dafür zu schaffen. Um nichts anderes ging es mir bei meinem Artikel.
        Herr Schraube verwies bereits darauf, dass das was sie sagen WOLLTEN, nicht aus den Worten auf dem Cover hervorging. Aus diesen Worten geht hervor, dass Homöopathie etwas negatives ist, was man mit einem Begriff beschreibt, dessen Ursprung in seiner psychiatrische Verwendung jedem klar ist, auch wenn er in der Medizin heute nicht mehr genutzt wird. Und zwar, weil er eindeutig abwertend ist.
        Ich habe weder die Absicht, noch die Möglichkeit Ihre Sprache zu zensieren. Mir geht es nicht darum Ihnen das Wort zu verbieten, allein schon, weil ich Ihre Arbeit für zu wertvoll halte und selbst darauf zurückgreife. Worum es mir geht, habe ich oben bereits geschrieben. Ich würde mir wünschen, dass Sie mir einfach glauben (!), dass ich eine soziale Ächtung oder sonstige Benachteilung nicht konstruieren muss, sondern alltäglich erleben. Letztlich ist es doch auch der große Erfahrungsschatz von dem wir Skeptiker 😉 profitieren könn(t)en.
        Beste Grüße
        J O-A

  8. Dr. Edmund Berndt

    Ist Homöopathie eine Erkrankung?

    Für ihre Anhänger ist „Homöopathie“ mehr als nur wirksames und nebenwirkungsfreies Medikament: nämlich eine grundlegende Einstellung, die alle Lebensbereiche umfaßt. Sie ist glückbringende Morgenröte am für viele leider tristen bzw. als trist empfundenen nächtlichen Horizont des Daseins. Sie verheißt ihren Anhängern positive Veränderung, Gutes, Erlösendes, Befreiendes.

    Vielen verspricht die Homöopathie, nicht mit Chemie und Cortison vergiftet zu werden. Chronisch Erkrankte hoffen auf eine dauerhafte Erlösung von ihrem Leiden. Das unergründliche Auf und Ab sowie der nicht vorhersehbare zeitliche Verlauf vieler Dauererkrankungen begünstigen unwahrscheinlichste Spekulationen über Ursachen von Leiden. Naturgemäß ergibt sich hier eine besondere Chance für außerhalb jeder Rationalität stehende Methoden und Mittel, die eine grundlegende Veränderung des Gesundheitszustandes und dauerhafte Heilung versprechen. Das Komplementäre und Alternative, wie auch die Homöopathie faszinieren mit einfachen, alles erklärenden praktischen Simpelthesen anstelle unverständlicher Gelehrtenwissenschaft. Im komplementären und alternativen Bereich können Laien der Schulmedizin die Praxis der Praktiker entgegenhalten. All das hat glühende Anhänger bis in die höchsten politischen und auch wissenschaftlichen Kreise. Rationale Argumentationen prallen an der von guten Gefühlen geschützten neuen Wahrheit ab.

    Homöopathie – Sucht oder Manie?

    Es drängt sich der Vergleich mit Spielsüchtigen auf. Egal wie eindruckvoll, elegant und unwiderlegbar man diesen die Gesetze der Wahrscheinlichkeit und des Zufalls erklärt, ihnen die Unwahrscheinlichkeit eines Gewinns und die unausbleiblichen Verluste vorrechnet, sie sind nicht abzubringen von der fixen Idee, das „System“ durchschaut zu haben, nach dem z. B. der Zufall passiert. Nie verläßt sie die Hoffnung, nicht doch eines Tages zu triumphieren. Selbst als Obdachloser glaubt ein Spielsüchtiger noch an seinen Traumgewinn und endlos kann er erklären, warum er jetzt noch nicht gewonnen hat. Spielsucht ist eine anerkannte Krankheit.

    So könnte man auch die wider alle Logik unbedingte Fixierung auf Homöopathie quasi als „Krankheit“ oder „Sucht“ ansehen, die Wissenschafter, Therapeuten und Patienten gleichermaßen bekommen können. Die Betroffenen können an „Homöopathomanie“ erkranken, wenn bestimmte innere Gemütslagen mit äußeren begünstigenden Umständen zusammentreffen. Infolge wird unumkehrbar das Gewicht und der Einfluß der Gefühle erhöht und das Wahrnehmen verändert. Die Entscheidungen der „Erkrankten“ werden von Gefühlen logisiert. Skeptisches und rationales Denken wird zurückgedrängt und selektive Wahrnehmung gefördert. Dieser Ablauf wird durch die geschlossene Konstruktion der „Lehre“ Homöopathie perfekt ergänzt, die im Binnenkonsens sich selbst nach eigenen Spielregeln für richtig erklärt. Dazu werden immer wieder neue Begriffe aus den Naturwissenschaften entlehnt und umdefiniert. Der Glaube an Homöopathie wird als rational empfunden. Es bildet sich ein geistiger Käfig, in dem die Gedanken mächtig kreisen. Wer zur Homöopathie bekehrt wurde, hat in Wirklichkeit ausgedacht. Dementsprechend gelingt es nicht mehr, mit gemeinhin logischen Argumenten irgendeinem Betroffenen von seiner homöopathischen Glaubensentscheidung, dem neuen Denken, abzubringen. Und jeder hat ja das Recht, seine eigene Meinung zu haben. Wenn es gelingt, eine Argumentation zu widerlegen, werden neue Argumente mit noch mächtigeren Begriffen so flugs erfunden, daß jede Diskussion uferlos wird bzw. zum Urknall führt.

    • Guten Abend, Herr Berndt,

      darf ich sagen, dass ich ein wenig überrascht bin? In Ihrem Kommentar zum gleichen Blog, veröffentlicht bei freitag.de, sind Sie noch furios auf der These (https://www.freitag.de/autoren/diaphanoskopie/dem-wahnsinn-verfallen ) „Homöpathie ist Aberglaube“ geritten. Und: „Was als gelegentlicher Tic oder Schrulle beginnt, kann sich bis zum Wahn steigern.“

      Hier dagegen wird aus der Möglichkeit die apodiktische Frage: „Homöopathie – Sucht oder Manie?“ Viel Wahl lassen Sie also dem Antwortenden nicht: Was mit Homöopathie zu tun hat, sei so oder so behandlungsbedürftig. Hermetischer geht es meiner Meinung nach kaum.

      Das Problem ist nach Auffassung dieses Kommentators, dass jedes geschlossene Anschauungsmodell, das sich als System autoimmunisiert, quasi-religiöse und fanatische Züge annehmen kann. Die hinreichend bekannten Beispiele etwa eines Henricus Institoris oder eines Tomás de Torquemada lassen in der Hinsicht genügend Raum für Spekulationen, was deren Motive gewesen sein könnten. Liegt es an deren besonderer Denkschule, das aus ihrem Orden OP die „domini canes“ gemacht hat? Oder verfolgten sie einen spezifischen (nicht zuletzt ökonomischen und machtpolitischen) Auftrag wie der Spanier im Rahmen der Reconquista? War Kramer ein Soziopath? Und kann man schließlich die 32% der Weltbevölkerung, die heute dem christlichen Glauben angehören und daraus die 1,1 Milliarden Katholiken, zu „Behandlungsbedürftigen“ machen?

      Bevor wir also den glaubenden Teil der Menschheit (insgesamt alle Weltreligionen: 82%) auf eine unkomfortable Couch legen, sollten wir die dann ohnehin unvermeidbaren Fragen schon vorher stellen. Fragen und nicht voraus eilende Zuweisungen.

      Es wäre dann neben dem sicher interessanten und veröffentlichungs-werten Aspekt, dass und wieviel Geld mit Homöopathie verdient wird oder dass umgekehrt, sie wegen deren Billigkeit aus haushalterischen Gründen zunehmend in Budgets eingebunden werden, auch der menschliche zu berücksichtigen: Dass mit dem Versprechen der Berücksichtigung des „Individuellen“ in der Homöopathie tatsächlich die Person dem ursprünglichsten und brutalst möglichen Selektionsprozess ausgesetzt ist. Wer derartige, wirkungslosen Behandlungen überlebt, weil einfach sein Körper fit genug ist, die Krankheit zu überwinden, verkörpert exemplarisch Darwins These von der natürlichen Selektion: „or the survival of the fittest.“

      Weswegen es nicht von ungefähr kommt, dass die lautesten und aggressivsten Verfechter der „Alternativität“ und Wissenschaftsnegierer (wie jener seltsame Ex-Chirurg, der heute in Norwegen lebt und der noch seltsamere Ex-Naturwissenschaftler, der gerade um seine wirtschaftliche Existenz vor dem Landgericht Ravensburg ringt) dem verstorbenen Patienten selbst die Schuld am eigenen Exitus zuweisen. Etwa weil dieser unfähig gewesen sei, seinen „inneren Konflikt zu lösen“. Und es kommt nicht von ungefähr, dass diese aufgrund der einen oder anderen Äußerung mit einer Ideologie in Verbindung gebracht werden, die aus der physischen Elimination ein tragendes Element gemacht hat.

      Man kann ihnen „Wahn“ unterstellen und damit sogar entlastend (!) ihre Schuldfähigkeit in Frage stellen. Ich gehe von dem Gegenteil aus: Diese Leute wissen und wollen, sie handeln vorsätzlich und unentschuldbar.

      Im Labyrinth der Zuweisungen aber wäre der Patient verloren. Denn auch das ist Tatsache: Der leidende Patient ist immer auch ein Glaubender. Nicht etwa (nur), weil er im besten Sinn des Wortes ignorant ist, also um die Möglichkeiten der Heilung nicht (genug) wisse. Sondern weil das aufgeklärte Gegenstück dazu, das Vertrauen, also die unausgesprochene Inkludierung der Möglichkeit des Scheiterns, seinem ureigenen Interesse widerspricht – der Leidende will im Regelfall gesund gemacht werden (weswegen ich hier die Frage von Zwangstherapierungen ausdrücklich ausklammere, obwohl „Wahn“ gerade diesen Aspekt geradezu herausfordert, wie sich den Unterbringungsgesetzen der bundesdeutschen Länder unschwer entnehmen lässt). Die Selbsterhaltung schließt den Gedanken an ein mögliches Scheitern zunächst immer aus.

      „Heilsversprechen“ sind wissenschaftlicher Unsinn, aber sie sind empirisch hochwirksam und mächtig. Abgeladen wird das aber nicht nur bei den Patienten, sondern erst recht bei den Ärzten, die damit jeden Tag befasst sind. Auch bei jenen, die eine Fortbildung in Sachen Homöopathie genossen haben. Sie setzen im Regelfall, wohl wissend um die Dimension, gezielt den Placeboeffekt ein.

      Das ist ein wenig wie Schmerztherapie, sie gibt es in Deutschland erst seit den 1970-er Jahren. Und erst in den letzten zwei Jahrzehnten ist „Schmerz“ aus der Ecke von Einbildung und Simulantentum oder „das ist halt so nach einer OP“ heraus gekommen. Dazu musste mühsam und im wahrsten Sinn des Wortes: schmerzhaft der richtige Umgang mit Analgetika gelernt werden. Cannabis ist heute, verständig verwendet, kein Teufelszeug mehr.

      Beste Grüße, MS

    • Hallo Herr Berndt,

      haben Sie, abgesehen von ihrer persönlichen Meinung, empirische Belege für die Aussagen aus den ersten beiden Absätzen?

      Was Ihre Frage angeht, ob es sich bei der Homöopathie um eine Manie oder eine Sucht handelt, so ist die Antwort: Weder noch. Eine Manie ist eine Manie.
      Der Begriff Sucht wird in der Form nicht mehr genutzt, weil es zu unscharf ist um die verschiedenen Formen von Abhängigkeitssyndromen voneinander zu trennen. Ihr Beispiel mit der Spielsucht ist nur insofern passend, als dass es sich um einen substanzunabhägige Abhängigkeit handelt (hihi). Ansonsten ist das Beispiel ziemlich willkürlich. Ich verweise auf meinen obigen Kommentar an Herrn Aust.

      Eine psychische Erkrankung wird auch dadurch definiert, dass es ich um eine Abweichung von der Norm handelt. Da, wie Sie selbst schreiben, Homöopathie weit verbreitet ist, fällt dieses Kriterium raus.

      Wie man es dreht und wendet, die Nutzung von Homöopathie hat nichts mit einer psychischen Erkrankung zu tun. Die Wahrnehmung muss nicht verändert sein, um eine homöopathische „Heilung“ zu erleben, die Gesundung ist eine echte. Auch der Therapeut erlebt eine Heilung seines Patienten, ich schrieb es oben bereits: Die Folgen einer homöopatischen Behandlung sind so real wie die Folgen einer echten medizinischen Behandlung. Sie sind nur nicht kausal. Das reicht aber nicht, um jemandem eine psychische Erkrankung anzuhängen.

      Ich kann ja nur für mich sprechen, aber es sicher nicht alles rational, logisch oder sinnvoll, was ich den Tag über so treibe und ich behaupte mal, das trifft auf viele Menschen zu.

      Sie sagen, wer zum Homöopath geht, habe ausgedacht. Ich glaube die allermeisten Patienten denken nicht viel, wenn sie zum Arzt gehen. Die einen weil sie nicht können, sie sind gerade krank und haben anderes zu tun. Die anderes weil sie nicht wollen, dafür ist der Arzt da. Am Ende sind es die Ergebnisse die zählen. Eine Ibuprofen ist für viele Patienten genauso magisch wie ein Globuli. Und darauf haben Patienten auch ein Recht. Es ist eine berufspolitische Aufgabe Globuli&Co aus Arztpraxen und Apotheken zu verbannen. Wenn wir nebenbei die Anwender als „Verrückte“ beschimpfen, dürfte uns von dieser Seite der Rückhalt fehlen.

      • Dr. Edmund Berndt

        http://www.medizin-transparent.at/streitthema-homoopathie

        Wollen Sie auch Beweise, dass 2 mal 2 ergibt 4?
        Google Sie doch “ höhere Dummheit“ Robert Musil

      • Das mag missverständlich ausgedrückt wesen sein. Mir ging es nicht um die Wirksamkeit der Homöopathie, da sind wir uns einig. Es ging um Ihre Charaktisierung der Anwender.

      • Guten Abend, Herr Berndt,

        ich freue mich immer, wenn jemand die höhere Kunst der gelehrten Beschimpfung praktiziert. Insofern kann sich das lesende Publikum gleich aus erster Hand am Originaltext etwa hier http://gutenberg.spiegel.de/buch/uber-die-dummheit-6885/2 bedienen.

        Dann sei Ihnen, ebenda, vom gleichen Autor auch noch aus dem „Mann ohne Eigenschaften“ das achte Kapitel mit dem wunderschönen Titel „Kakanien“ anempfohlen: „Denn nicht nur die Abneigung gegen den Mitbürger war dort bis zum Gemeinschaftsgefühl gesteigert, sondern es nahm auch das Mißtrauen gegen die eigene Person und deren Schicksal den Charakter tiefer Selbstgewißheit an.“

        Man könnte beinahe meinen, dass Musil nicht nur „eine Stimme aus dem Off“ war, wie eine Rezensentin einmal schrieb, „zu den ideologischen, lebenspraktischen und kulturellen Widersprüchen“ einer untergegangenen Zeit, sondern geradezu ein Prophet.

        Besten Dank für das Amüsement, you saved my day. MS

  9. Dr. Edmund Berndt

    https://glareanverlag.wordpress.com/category/robert-musil/
    Lieber Organer u. durchblicker!
    Der Bogen der Homöopathieanwender und der Homöopathietherpeuten und Ärzte sowie der Homöopathiegurus etc. ist sehr weit gespannt.
    Wenn sich jemand pro Woche ein Lotterielos für 3,- € kauft ist das ein harmloser Nervenkitzel, wenn jemand aber sein Hab und Gut verspielt und die Existenz seiner Familie ruiniert, dann hört sich die Harmlosigkeit auf.
    Und bei der Homöopathie ist es das gleiche. Auch hier kommt es durch den Glauben, den unbedingten und unbeirrbaren Glauben an die Wirksamkeit der Homöopathie zu beträchtlichen Schäden.
    http://books.google.at/books?id=r3Wkabpr2F8C&pg=PA64&lpg=PA64&dq=eso+Bio+globuli&source=bl&ots=4bnyYKsGyM&sig=XqSbJtBl2-TviZDVGHGRhnkqzN4&hl=de&sa=X&ei=tKccVIr8DOnmyQPtgYLwBw&ved=0CB8Q6AEwAA#v=onepage&q=eso%20Bio%20globuli&f=false

  10. Dr. Edmund Berndt

    Eine der zentralen Fragen ist: „Warum scheitern die Homöopathiediskussionen““ . Eine intellektuelle Erklärung dafür liefert Robert Musil, ohne diese namentlich zu erwähnen.

    Er hat das „Muster“ , die Verhaltensweise aufgezeigt, warum der Aha-Effekt in den Köpfen intelligenter, gebildeter und auch in den Naturwissenschaften bestens bewanderter Menschen und Persönlichkeiten in vielen Debatten und auch gerade in der Homöopathiediskussion ausbleibt..

    Der Autor von „Der Mann ohne Eigenschaften“ erblickte das Übel in der „höheren Dummheit“, die er in einem Vortrag über die Dummheit in Wien im Jahre 1937 als ein typisches Verhaltensmuster charakterisierte.

    Robert Musil unterschied zwischen der gewöhnlichen Dummheit (schwacher Verstand, lange Leitung usw.) und einer „höheren Dummheit“, die er als eine Konstellation beschrieb, in der Verstand, Bildung, Intellekt etc. nicht das Gemüt zügeln sondern das Gegenteil der Fall ist.

    Eine absolut noch im Normbereich befindliche Gemütslage bzw. eine bestimmte Überzeugung, eine Leidenschaft, ein fester Glaube an ein religiöses Dogma oder die Überzeugung eben, dass die Homöopathie auf jeden Fall wirken muss, beherrschen dann das Denken eines Menschen. Diese „höhere Dummheit“ – nach Robert Musil – ist sicher keine schwere inhaltliche Denkstörung sondern, was die Denkleistung betrifft, das Gegenteil. Der in aller Regel meist überdurchschnittliche Verstand, die intellektuellen Fähigkeiten, die Bildung, kurzum die ganze Begabung arbeiten einer vermeintlich guten, wichtigen und richtigen Sache unablässig zu oder verteidigen diese. Der Aberglauben Homöopathie beherrscht nun das Denken, zumindest partiell, wenn nicht überhaupt.

    Musil sieht in diesen Umständen die Ursache für ergebnislose Debatten. Er hat zwar nicht die Homöopathie erwähnt, aber die Diskussion rund um die Homöopathie läuft im Ergebnis exakt nach Musil ab, nämlich fruchtlos. Wichtig ist, sich vor Augen zu halten, dass die von ihm skizzierte „höhere Dummheit“ eben kein Mangel an Intelligenz und sonstigen geistigen Fähigkeiten ist, sondern eher das Gegenteil.

    So sind Skeptiker und Kritiker immer damit konfrontiert, dass ein exzellentes Denkvermögen, ein überragender Intellekt und eine gehobene Bildung bzw. eine diesen Umständen geschuldete fehlgeleitete Bildung dem Beweisen eines Aberglaubens und/oder der Bestätigung einer Verschwörungstheorie, dem Kreationismus und auch der Homöopathie ohne Unterlass zuarbeiten. Und das schneller und ausgiebiger als darauf sachlich geantwortet werden kann.

    Menschen, die an Dogmen festhalten, Ideologien propagieren oder an Verschwörungstheorien glauben, sind meist überdurchschnittlich intelligent, aber es ist eine Schraube locker, wie der Volksmund sagt. Diese Schraube ist, so vermeine ich eben, die Stellschraube zwischen Gemüt und Verstand. Und je nach Einstellung ist man eben in seinem Verhalten, Denken und Wahrnehmen mehr oder weniger von seiner Ideologie geleitet und es kommt dann eben zu einem mehr oder weniger festen Beharren von Ansichten, Gewohnheiten über ein unauffälliges Maß hinaus. Der Bogen reicht von harmlosen Angewohnheiten, einer Sammelleidenschaft, einer ausufernden Hingabe an ein Steckpferd bis hin zu offenkundigen Verfolgungs- oder Verschwörungswahnvorstellungen oder missionarischem Eifer.

    Ich bin kein Psychiater, aber trotzdem erlaube ich mir zu bemerken, dass diese „höhere Dummheit“ bei Überschreiten einer bestimmten Grenze schleichend in Wahn übergeht, wenn die inhaltliche Denkstörung die Denkleistung ausschaltet.

    Erst wenn die Lebensführung behindert wird, weil die Betroffenen trotz der Unvereinbarkeit mit einer unmittelbar objektiv nachprüfbaren Realität unbeirrt und unbedingt an ihren Überzeugungen festhalten, spricht man von Wahn, einem Krankheitssymptom aus dem Fachgebiet der Psychiatrie. Die Lebensführung der homöopathischen Upper Class ist, wie zu beobachten ist, jedoch nicht beeinträchtigt.

    In dieses Verhaltensmuster passt auch die selektive Wahrnehmung. Eine erfolgreiche und bewährte Eigenschaft, die wir alle haben. Sie hilft uns rasch und einfach im täglichen Datenwust meist das richtige zu sehen, aber nicht immer. Vorurteile gehören auch zur schnellen Entscheidungshilfe, sind nützlich, haben jedoch ihre Tücken. Manchmal sehen wir zu viel. Und dann kommt der Punkt, an dem die betroffenen Personen nur mehr Bestätigungen ihrer Vorstellungen sehen, die durchaus das Ausmaß eines Wahnes haben können. Ein Spielsüchtiger sieht sofort in zufälligen Zahlen ein Muster und jeder Misserfolg bestärkt ihn noch in seiner Theorie, die nicht verworfen sondern nach jedem Misserfolg pseudologisch verfeinert wird.

    Die Betrachtung von Musil ist natürlich zweischneidig oder auch objektiv, wenn man so will. Der hier aufgezeigte Ablauf läuft letztlich darauf hinaus, dass man einander Ideologie vorwirft. Alles war hier aufgezeigt wurde, kann und wird natürlich von den Vertretern der Homöopathie den Naturwissenschaftlern und Befürwortern evidenzbasierter Medizin im Gegenzug vorgeworfen.

    • Sie werden verstehen, dass das hier ohne längeren Kommentar bleibt. Denn es ist nun definitiv off-topic und ruft nach Stellungnahmen, wo Ihr identer Gastbeitrag bei nutzhirn.at (nutzhirn.at/?p=9424) aus gutem Grund unkommentiert geblieben ist: Das Stück offenbar nicht nur eine beängstigende Unkenntnis zu Musils Werk und Intentionen, sondern deren Missbrauch.

      Nicht umsonst hat der Autor den Militär General Stumm von Bordwehr parodiert und ihm eine geradezu physische Reaktion auf dessen Unvermögen hingeschrieben, den Wert geistiger („nicht-ärarischer“) Diskurse zu erkennen: Es sei „so wie wenn man in Galizien zweiter Klasse reist und sich Filzläuse holt! Es ist das dreckigste Gefühl der Ohnmacht, das ich kenne. Wenn man sich lange zwischen Ideen aufgehalten hat, juckt es einen am ganzen Körper, und man bekommt noch nicht Ruhe, wenn man sich bis aufs Blut kratzt!“ (http://gutenberg.spiegel.de/buch/der-mann-ohne-eigenschaften-erstes-buch-7588/86 )

      Bei anderer Gelegenheit und genügend Muße. MS

      • Dr. Edmund Berndt

        @ Marianschraube
        Ist Homöopathie eine Erkrankung? Dieser Beitrag ist ein Kapitel aus meinem Buch der Pillendreh.
        Den Vortrag von Robert Musil über die Dummheit, besonders die „Höhere Dummheit“ (siehe Link Glarean Verlag) habe ich erst vor wenigen Monaten zu Gesicht bekommen.
        Ich bin kein Literaturkenner und auch kein Kenner von Robert Musil. Irgendwann ist mir der Begriff höhere Dummheit in den Sinn gekommen und beim Stöbern im Internet kam ich dann auf diesen Vortrag.

        Bemerkenswert war für mich, das Musil eben alle Faktoren aufzählte, die auch mir im praktischen Leben aufgefallen sind, die eben für die Verteidigung und für den Glauben an die Homöopathie wichtig sind. Die Diskussion um die Homöopathie läuft eben nach diesem äußert trefflich beschriebenen Muster ab.
        Der Beitrag vom 20.9. 8 Uhr 46 ist nicht im Buch!
        Nicht mehr und nicht weniger!
        Sie sind herzlich eingeladen die Punkte aufzuzeigen. die nicht von Bedeutung sind!

    • natürlich kann die nutzung von homöopathie wahnhafte züge annehmen. lassen sie es mich an einem beispiel illustrieren. wenn sie globuli nehmen um die kopfschmerzen loszuwerden, die sie plagen, was in der vergangenheit funktioniert hat, ist das eine vernünftige entscheidung. wenn sie versuchen ihren tumor mit globuli loszuwerden, ist das eine unvernünftige entscheidung. wenn sie globuli nehmen damit die teufelshörner auf ihrem kopf schrumpfen, ist das wahnhaft.
      wenn ich ihrer argumentation folgen würde, wäre fast jede leidenschaftliche beschäftigung mit einem thema in irgendeiner weise krankhaft.
      da ich weiß, dass sie den vortrag auch gesehen haben, erinnere ich an das thema „schafe und ziegen“ auf der diesjährigen skepkon (http://blog.gwup.net/2014/06/19/skepkon-ruckblick-wie-tickt-das-schaf-skeptiker-und-glaubige-im-test/). in der dort vorgestellten arbeit konnte nur ein geringer unterschied zwischen „gläubigen“ und „ungläubigen“ festgestellt werden. wenn ich mir die instrumente anschaue, mit denen psychopathologien gemessen werden, kann ich mir kaum vorstellen, dass irgendeines dazu in der lage wäre, jemanden der an homöopathie glaubt von jemandem zu unterscheiden, der nicht daran glaubt. ich wüsste auch nicht, welcher existierenden entität man den glauben an homöopathie zuweisen sollte. „wahn“ (was ein symptom ist und keine krankheit) wäre der naheliegendste kanditat. aber die kriterien des wahns passen nicht zum erleben von menschen die homöopathie nehmen, ich habe bereits versucht das darzulegen. aber, nur um der diskussion willen, nehmen wir einmal an, dass die nutzung von homöopathie eine wahnhafte störung sei, dann müsste unter der gabe von neuroleptika das wahnerleben zurückgehen und die nutzer wieder brav zum „schul“mediziner gehen. ich denke, wenn man sich das vor augen führt, wird klar wie absurt diese annahme ist.
      was aberglaube angeht, ist dieser ein kulturübergreifendes phänomen und weit verbreitet. ich würde ja annehmen, jeder hat den einen oder anderen aberglauben, selbst wenn er oder sie weiß, dass dieser unvernünftig ist. ob es einen zusammenhang zwischen aberglauben und psychischen erkrankungen gibt, weiß ich nicht sicher, wage das aber zu bezweifeln, sie haben selbst geschrieben, dass in einigen fällen das gegenteil der fall sein könnte. religiöse menschen haben in studien sogar eine bessere gesundheit als nicht religiöse (wenn die erklärung auch weniger auf den glauben als auf die gemeinschaft abzielt).
      natürlich kann man homoöpathie zwanghaft nutzen, so wie man fast alles zwanghaft machen kann. dann ist aber nicht die homöopathie das problem, sondern der zwang.

      mir persönlich gefällt die erklärung von mark bennecke am besten, dass dem glauben an ein irrationales system in der regel eine falsche grundannahme zugrunde liegt, von da aus ist kommt man ganz logisch zu vielen falschen ergebnissen. das geht ein wenig in richtung der von ihnen erwähnten höheren dummheit, wenn ich das konzept auch für eher fragwürdig halte.

  11. Dr. Edmund Berndt

    Zunächst ist festzuhalten, dass auch Sie die Tastsache akzeptieren, dass Homöopathie, ich erspare uns die entsprechenden Erläuterungen dazu, nicht wirkt.
    Das heißt im Klartext, es ist egal welche Kügelchen welcher Potenz eingenommen werden, man muss nur daran glauben. Anstelle des Brimboriums Kügelchenschlucken und deiner skurriler Anamnese (die ohnehin praktisch nie gemacht wird, weil die Leute die Kügelchen auf Anamnese kaufen) könne auch andere magische Zeremonien vollführt werden. Die sind aber ebenfalls wirksam, aber nur dann, wenn dieses heilbringende Brimborium allgemein verbreitet ist.
    Gerade Kopfweh ist psychisch sehr gut beeinflussbar, auch bei Kindern. Und siehe da, man kann dann erfolgreich Kopfweh mit Globuli so lange behandeln, bis der Optiker (!!!!) beim Sehtetst Hirndruckanzeichen im Auge feststellt als Folge eines manifesten Hirntumors!

    Die Frage ist, was die Leute dazu bringt, an eine wirksamer Homöopathie zu glauben.
    Diesem Thema habe ich ein Buch gewidmet. (Der Pillendreh)
    Es geht nicht um die Naturwissenshaft sondern darum, wie die Homöopathen gleich den Scharlatanen von ehedem ihre Kunden manipulieren- Und die Gesetzgeber, die Konsumentenschutz auf ihre Fahnen heften, sehen dabei nicht zu sondern unterstützen diesen Betrug auf breiter Front. Als Einleitungskapitel habe ich Grete de Francesco: Die Macht des Scharlatans. In: “Ciba“-Zeitschrift, Nr. 37, Basel 1937 gewählt.
    Diese Kapitel ist ein Exzerpt aus dem Buch „Die Macht es Scharlatan“.

    Nirgendwo sonst im täglichen Leben werden die Menschen mehr getauscht und manipuliert.
    Das persönliche Heilserlebnis jetzt als Rechtfertigung dieses Betrugsarussells irgendwie ins Spiel zu bringen ist ein starkes Stück!
    Ich sehe keine Unterschied zwischen Zeugen Jehovas, die den Tod ihres Kindes mit der Verweigerung einer Bluttransfusion in Kauf nehmen und homöopathiegläubigen Eltern, die ihren Kindern eine unbedingt notwendige konventionelle medizinische Behandlung im Glauben an die Homöopathie um jeden Preis vorenthalten. Beiden wird das Sorgerecht entzogen!

  12. @ Edmund Berndt, https://diaphanoskopie.wordpress.com/2014/09/14/dem-wahnsinn-verfallen/#comment-156

    Guten Tag, Herr Berndt,
    vom Hölzchen aufs Stöckchen werde ich hier nicht leisten, indem ich Ihrem nun selbst eingestandenen Unwissen um Musil (und damit um Wiener Kreis und Verein „Ernst Mach“) auch noch aufhelfe, damit aber den Gegenstand des Artikels des Blogautors vergessen machen würde. Zumal zu Ihrer ganz seltsamen Bedingung: Was „nicht von Bedeutung“ sei, können Sie, mit Verlaub aus eben den Gründen der Nichtkenntnis wohl kaum beurteilen. Das wird an anderer Stelle zu thematisieren sein.

    Die simple Frage hier lautet: Ist die Schlagzeile „Homöopathie – Wahnsinn mit Methode“ gerechtfertigt? Ein simples Ja oder Nein würde genügen.
    Besten Sonntagnachmittag, MS

  13. Dr. Edmund Berndt

    Ich darf nochmals Grete de Franceso zitieren.

    http://www.amuseum.de/medizin/CibaZeitung/sep36.htm
    daraus der letzte Absatz

    .“…….Die zeitgenössischen Kritiker der Scharlatane werfen ihnen immer wieder ihren Wortreichtum, die bombastische Unklarheit ihrer Rede und ihre wiederholungsreiche Länge vor. Sie stoßen sich als Schüler klassischer Redekunst an Formalem und Unwesentlichem, sie erheben den Vorwurf mangelnder Bildung und übersehen dabei, daß das schillernde Wort methodisch das wichtigste und erfolgreichste Werbemittel jeder Scharlatanerie ist.
    Immer und ganz besonders in seiner sprachlichen Formulierung ist der Scharlatan prinzipieller Feind jeder Präzision, auf ständiger Flucht vor jeder Klarheit.
    Es ist fast unmöglich, die vielen Scharlatantypen von Eisenbarth bis Vitali, von den zahllosen Marktschreiern bis zum Grafen St. Germain auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Denn es darf nicht vergessen werden, daß, ganz abgesehen von der Ausübung der Scharlatanerie, das Wort Scharlatan einen menschlichen Typus bedeutet, der, auf der großen Skala der Individualitäten gespielt, jedesmal einen andern Ton hat. Man kann Gemeinsames zusammenfassen, man kann etwa sagen, daß viele Scharlatane im Negativen, in der Kritik an Irrtümern ihrer Zeit recht hatten, gemeinsam ist auch die Werbung durch die eigene Person und ein als Werbeschauspiel in Permanenz aufgefaßtes Erdendasein. Man kann, denkt man etwa an die moderne Scharlatanerie von Gallspach, immer wieder auf die Wirkung der Herkunft von Person und Lehre aus weiter Ferne hinweisen und darauf, daß ein vages Wissen der Menge um die Wissenschaft – in diesem Fall die moderne Strahlentherapie – zum eigenen Vorteil mit Erfolg ausgenützt wird, ja, dass selbst das magische Requisit, der Zauberstab, nichts an Werbekraft einbüßt.
    Alles das beweist, daß der Scharlatan auf der Basis halben Wissens halbe Wahrheit verbreitet und bewußt oder unbewußt die Verwandlungshoffnung der Leidbeladenen zum eigenen materiellen Vorteil, zur Befriedigung seines Geltungstriebes ausnutzt.
    Durch alle Zeiten schreitet seine Gestalt, schillernd in der unerschöpflichen Vielfalt menschlicher Individualität……“

  14. Dr. Edmund Berndt

    @al

    Heute habe ich endlich den neuen Skeptiker bekommen.
    Neugiering habe ich mich sofort aus den Artikel von Dr. Aust gestürzt.
    Wie sonst soll man treffender mit 7 (sieben) Wortern zusammenfassen , worum es geht.
    Aus naturwissenschaftlicher Sicht ist alles was hier geschieht in gewisser Weise Wahnsinn, und das mit viel Methode.
    Und die Homöopathen entwickeln viel Methode, wenn es gilt ihre aus naturwissenschaftlichen Blickwinkel nur zurecht als Wahninn bezeichenbare Methode zu rechtfertigen,
    Hier kommt die von mir so gerne zitierte „höhere Dummheit“ von Robert Musil voll zur Entfaltung.
    Zielsicher erkennen die hyperintelligenten Homöpathen getrieben von ihrem felsenfesten Glauben an die kausale Wirksamkeit der Homöopathie jede Schwachstelle und jede auch noch so ausgefallene und versteckte Möglichkeit, die dazu geeignet ist, endlich die Homöopathie als Phänomen nach 200 Jahren zu bestätigen und in Folge passendene Erklärungen zu erfinden, die ihrem transrealen Vorstellungen einen logischen Schein verpassen.
    Und Musil sagt zu diesem Treiben. „Die höhere Dummheit vermag sich alle Kleider der Wahrheit anzuzuzoehen, aber der Wahrheit passt nur ein Kleid! “
    Der Titel „In der Homäöopathie hat der Wahnsinn Methode“ ist ein treffender Titel. Was daran so viel Aufsehen erregt erschleißt sich mir nicht.

    Viel interessanter wäre es gewesen, sich mit der zentralen Aussage von Dr. Aust zu befassen, denn die ist nicht schwach.
    Dr. Aust stellt nicht mehr und nicht weniger fest, dass die bisherige Statistik verbesserungswürdig ist. Ich bin kein Statistiker, aber wenn jemand mit entsprechenden Argumenten feststellt, dass die Gewinnung und die Evaluierung zu wünschen übriglässt, so sollte das eigentlich mehr Aufsehen erregen als eine Überschrift!

    • sehr geehrter herr berndt,

      wahrscheinlich muss ich mich bei ihnen entschuldigen. gelang es mir doch nicht, ihnen auf eine verständliche weise darzulegen, worum es sich bei „wahn“ handelt, dass es sich bei den meisten falschen annahmen nicht um einen Wahn handelt und die kriterien für wahn oder irgendeine andere psychiatrische erkrankung auf homöopathie und deren anwender nicht zutreffen. ich werde versuchen, an meiner ausdrucksweise zu feilen. auch möchte ich mich entschuldigen, weil ich sie der gefahr ausgesetzt habe, von eigenen positionen abrücken zu müssen, die sie jedoch glücklicherweise erfolgreich abgewehrt haben. ihre äußerung, kein psychiater zu sein hatte bei mir den eindruck erweckt, sie könnten an etwas fachwissen aus dem gebiet interessiert sein, wo es ihnen doch scheinbar nur darum ging, mir mitzuteilen, dass ihnen egal ist, was ein psychiater zu dem thema sagen könnte, da sie sich ihre meinung bereits gebildet haben. das hätte ich erkennen müssen, nun bin ich klüger.
      auch möchte ich sie nicht in ihrem engagement bremsen, die welt weiterhin davon zu überzeugen, dass homöopathen und/oder ihre kunden spinner, verrückte oder wahnsinnige, aber immerhin zu höherer Dummheit fähig, sind, ohne sich um die langfristigen kollateralschäden solchen sprachgebrauchs, wie zum beispiel dem gesellschaftlichen klima gegenüber menschen mit psychiatrischen erkrankungen, gedanken zu machen.
      dass sich ihnen nicht erschließt, was an diesem kommentar und dessen platzierung soviel aufsehen erregt, hätten sie nicht extra noch einmal schreiben müssen, das ist evident. wobei „so viel aufsehen“ wohl eine deutliche übertreibung ist, diesen blog lesen nicht sehr viele menschen und ich habe ansonsten keine kritik am titel des skeptiker gesehen (allerdings auch nicht aktiv danach gesucht).
      früher, als ich selbst auch noch weniger sensibilisiert für die wirkung diskriminierender sprache war, hätte ich vielleicht sogar gesagt, sie hätten einen „knall“, heute weiß ich, dass es ihnen schwer fällt, ihre meinung zu ändern. darum stelle ich ihnen dieselbe frage, die ich bereits vielen anhängerInnen der homöopathie gestellt habe: welchen beleg bräuchten sie, um Ihre ansicht zu ändern?

      • Dr. Edmund Berndt

        Der erste und wichtigste Beleg wäre zunächst einmal eine belastbare Bestätigung dafür, dass Homöopathie tatsächlich kausal wirkt.
        Bis dato ist das seit 200 Jahren nicht geschehen. Alle Studien zeigen deutlich, dass dies nicht der Fall ist.
        Die von den Homöopathen kolportierten und vertreten Erklärungen zur angeblichen so tollen Wirkungen sind nicht, auch nicht nur ansatzweise oder irgendwie sonst, in Einklang mit den gesicherten Erkenntnissen zu bringen.
        Homöopathie ist nicht anderes als medizinscher Aberglaube.
        Im 21, Jahrhundert,nach nahezu 300 Jahren Aufklärung, diese Fakten zu wissentlich zu ignorieren und damit Geld und damit noch Geld zu verdienen ist schlicht ein Betrug, der jedoch weil es sich um „Medizin“ handelt genehmigt ist.
        Aus anderen Gebieten wird man dafür zu Rechenschaft gezogen.

  15. Michael Fischer

    „Natürlich wird “Wahnsinn” heute selten im eigentlichen Wortsinn genutzt, doch die Implikation ist, dass es sich um etwas Krankhaftes handelt.“ lautet die Prämisse des Autors.

    Wikipedia scheint diese Ansicht m.E. nicht zu teilen: „Historisch wurde der Begriff auch in der Fachsprache der Psychopathologie verwendet, bis er im 19. Jahrhundert durch den Terminus „Geisteskrankheit“ abgelöst wurde. Als Krankheitsbezeichnung wird er in den Wissenschaften heute jedoch nicht mehr gebraucht.“

    Auch was den allgemeinen Sprachgebrauch angeht, wird in der Wikipedia diese Ansicht nicht zwingend vertreten: „Heute werden die Wörter „Wahnsinn“ und „wahnsinnig“ im allgemeinen Sprachgebrauch neben ihrer alten Bedeutung auch im übertragenen Sinn sowohl in positiver als auch in negativer Weise zur Bezeichnung außergewöhnlicher, extremer Zustände benutzt.“

    • Die Wikipedia ist immer eine gute Wahl, wenn es darum geht schnell mal etwas nachzuschauen. Und dass die Interpretation dort meine Ansicht nicht zwingend wiedergibt war mir nach dem Lesen des Artikels auch klar. Die Nutzung des Begriffs ist jedoch, wie ich auch schrieb, in einem Kontext zu sehen. Der Kontext ist, dass von anderen als befremdlich empfundenes Verhalten schnell pathologisiert wird. Wie ernst es einige damit ist, können sie in den Kommentaren hier nachlesen.

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