Besorgter Journalist für Kinderschutz

Gestern habe ich Herrn Elsässer in Dresden gesehen. Er gesellte sich zu den besorgten Eltern in Dresden. Besorgt sind ja im Moment viele Dresdner. In diesem Fall geht es aber nicht um Europa und den Islam, sondern um die Kinder! Denkt denn niemand an die Kinder. Elsässer, ganz unhomophob, möchte nicht, dass Kinder und Jugendliche mehr über Sex wissen als er. Vor allem um die „schüchternen und frommen“ Kinder mache er sich Sorgen: „Wer schützt denn die?!“ Na, Elsman! Denn der wünscht sich die guten alten Zeiten zurück, nämlich „einen Sexualunterricht wie in den 70ern und 80ern“. Da war die Welt noch in Ordnung. Zumindest für weiße Männer der Mittelschicht in ihrer heteronormativen Realitätsblase. Da gab es einen Penis und eine Vagina und wenn sich zwei Menschen ganz doll lieb hatten, dann wurde die Frau schwanger. Homosexualität galt noch als Krankheit und war strafbar. Vergewaltigung in der Ehe war noch kein Straftatbestand und das Recht auf eine Gewaltfreie Erziehung war in weiter Ferne. Die guten alten Zeiten eben.

Und die wollen Herr Elsässer und seine MitstreiterInnen wieder zurück. Denn nicht nur die heutige Sexualerziehung, die sich skandalöserweise an der Realität der Kinder und Jugendlichen von heute und nicht an der ihrer Eltern orientiert, ist den „besorgten Eltern“ eine Dorn im Auge. Oder sollte ich sagen: macht sie ganz trocken Untenrum. Auch Gendermainstreaming und die Tatsache, dass Geschlecht als gesellschaftliches Konstrukt gilt und nicht unbedingt biologisch begründet sind, treibt ihnen Tränen in die Augen. Als Beweis lässt Elsässer alle mal in Ihre Hose gucken, dann sehe man mal wie „bescheuert“ diese Idee sei. Ich nenne es mutig, wenn man 100-200 Menschen zum Thema „Geschlecht als soziales Konstrukt“ spricht und den Unterschied zwischen „sex“ und „gender“ nicht kennt*. Früher, in der binären Welt der alten Bundesrepublik ,war es noch einfach seinen Platz zu finden.

Wie verquer die Sicht Elsässers ist zeigen seine Äußerungen zum Thema Sexuelle Identität (die er auch nicht von Geschlechtsidentität abgrenzt):

„Es wird ja auch behauptet, man könne seine sexuelle Identität laufend wechseln. Heute hat man Bock auf Hetero, morgen hat man Bock auf Homo, übermorgen hat man dann Bock auf Sado-Maso und im nächsten Jahr ist es ein Schaf von hinten.“

Ignorieren wir hier mal, dass Herr Elsässer, der ja eigentlich als Journalist Recherche gelernt haben sollte, sexuelle Orientierung, sexuelle Vorlieben und Paraphilien hier wild durcheinander wirft. Was spricht denn dagegen, seine sexuelle Identität zu wechseln? So what? LGBT-Verbände betonen oft, Homosexualität sei nichts, wozu man sich entscheidet. Aber was wäre, wenn das so wäre? Auch eine Entscheidung müsste jeder respektieren, denn es ist eine Entscheidung, die mich in keinster Weise betrifft (dass es keine Entscheidung ist, kommt bei Konversionstherapien ins Spiel, aber das ist ein anderes Thema).

Aber, und an dieser Stelle trumpft Elsässer als investigativer Checker auf, eigentlich geht es beim Sexualkundeunterricht nicht um Aufklärung, sondern darum für einen Bürgerkrieg zu sorgen! Ja, so habe ich auch reagiert. Waren wir nicht gerade noch bei den armen Kindern, denen verblendete Gutmenschen Penisbilder zeigen wollen? Richtig. Aber jetzt sind wird beim Bürgerkrieg und wie sexuelle Früherziehung diesen starten kann. Denn, obwohl Herr Wulff den Islam als Teil Deutschlands bezeichnete, würden durch diesen Unterricht Muslime provoziert und das führe, na wozu? Genau zum Bürgerkrieg. So ist dass. Pimmel im Unterricht, provozierte Muslime, Bürgerkrieg.

Gut, wer meint in einer so fragilen Gesellschaft zu leben, der haut sich auch einen Samstag Nachmittag um die Ohren, weil Jugendliche im Unterricht mit Kondomen rumspielen. Ich wüsste übrigens, wie man diesen Bürgerkrieg verhindern könnte: Es müssten einfach alle Muslime Deutschland verlassen…ach, da gibt es eine eigene Demo**?

*Ich nutze die englischen Begriffe, weil sie den Unterschied anschaulicher machen.

**ja, das ist ein Link für die Gegendemo, was denkt ihr denn?

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„Europäische Rechte unterstützen Initiative „Besorgte Eltern““

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Besorgter Journalist für Kinderschutz

  1. Pingback: Lara Liqueur rettet Dresden | diaphanoskopie

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