Beschimpfte Hüter des Abendlandes

Es tut sich was, bei den Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes (PEGIDA). Nicht nur erreichen die Faceook-Likes die Anzahl der Einwohner einer kleinen Stadt, auch die Wir-gegen-den-Rest-des-Systems-Märsche, die jeden Montag in Dresden stattfinden, haben weiterhin Zulauf. Und, ganz im Sinne einer aufmerksamen Public-Relations Arbeit, achtet man auf die öffentliche Rezeption. So wurde das Organisationsteam auch auf meinen letzten Text zum Thema PEGIDA aufmerksam und stellte ihn zur Diskussion.

Unter anderem meine unzureichenden orthografischen Fähigkeiten wurden von KommentatorInnen bemerkt und bemängelt. Die haben jedoch nichts, wie Detlef spekuliert, mit dem Besuch einer Waldorfschule zu tun. Als versiffter, arbeitsloser, Dreckslinker schreibe ich die Texte so gegen 17 Uhr, kurz nach dem Frühstück. Und da ich dann schon ein paar Bier intus habe, nehme ich es mit dem jüdisch-christlichen Kulturgut des Abendlandes oft nicht mehr so genau. Zu meinem Leidwesen wird ein Arschloch, wie ich jedoch von niemandem dafür bezahlt, wie Evy spekuliert. Doch Detlef hat die Lösung, denn ich bin einfach von Haus aus so blöd. Freie Meinungsäußerung scheint von PEGIDA für ein schützenswertes Gut gehalten zu werden, solange die geäußerte Meinung der eigenen entspricht. Ansonsten ist es schlimm, typisch Gutmensch (und damit jenseits jeglicher Auseinandersetzung) und eine Freie Presse? Fehlanzeige!

Wichtiger als Texte über die eigene Bewegung zu thematisieren, ist natürlich, den aufrechten, bürgerlichen Schein des besorgten „Volksanteils“ zu wahren! Um nicht der „Systempresse“ und Idioten (wie mir) Material in Form von komischen Kommentaren zu liefern, welche, glauben wir Sabine nicht die durchschnittliche Meinung der Bewegung widerspiegeln, dürfte das Organisationsteam bei deren Entfernung Schwerstarbeit leisten. Das Organisationsteam betont immer wieder, man dulde keine Gewaltaufrufe. Diese seien allerdings ohnehin oft von Linksfaschisten hinterlassen um die PEGIDA in Misskredit zu bringen. Dabei schaffen das die eigenen Anhänger ganz gut selbst. Und so ist es um so interessanter zu sehen, was an Kommentaren akzeptiert wird.

Ebenso aussagekräftig sind die Pressetexte, welche das Organisationsteam einer Erwähnung für würdig erachtet. Seit ich die PEGIDA-Facebook-Seite verfolge, habe ich zum Beispiel so viel über die Antifa (auch Antifanten) erfahren, wie in meinem Leben davor nicht. Irgendwie hängt scheinbar, die Antifa mit der Islamisierung des Abendlandes zusammen. Die politische Linke ist aber eigentlich eher für einen kritischen Umgang mit Religion bekannt. Warum nun gerade eine Gruppe von Menschen, die sich in linker Tradition sehen, der Verbreitung der faschistischen Ausprägung einer Religion Vorschub leisten sollte, wird nirgends erklärt.

Wie überhaupt sehr wenig erklärt, dafür jedoch sehr viel behauptet wird im PEGIDAversum. Die Tatsache, dass es Menschen gibt, die Religion gegenüber kritisch (bis ablehnend) sind UND trotzdem jedem Mensch das Recht, zugestehen (und dafür auf die Straße gehen) zu Glauben was er oder sie möchte, scheint jenseits des Horizonts der PEGIDA zu liegen.

Den PEGIDA-Moderatoren, immerhin verantwortlich für eine Seite mit (zu dem Zeitpunkt) mehr als 12 000 Likes, war ein Bericht wichtig genug, der über eine Demonstration von 35 Personen berichtet, die man der Antifa zurechnet um ihn zur Diskussion zur stellen. Holger merkt dazu an, dass sich dieses dreckspack (nur vermummt) auf die Straße (traut). Und Eddie findet, Sowas arbeitsscheues gehört standrechtlich erscho……. ,denn das schade nur der Allgemeinheit. Man favorisiert einfache, klare und endgültige Lösungen. Evy sieht die Ursache in der „antiautoritären Erziehung“ der 80er und meint eine ordentliche Schelle in der Kindheit, hätte vermutlich nicht geschadet. Moritz ergänzt, neben körperlicher Züchtigung, gehörten die Rotzbengel richtig arbeiten geschickt. Dann würden Tränen fließen. Neben einfachen Lösungen und gewaltfreiem Demonstrieren, plädiert man also für Gewalt in der Erziehung und Arbeitslager als Strafe. Enrico will sich die Arbeit gleich sparen und die gleich mit abschieben.

Klar ist, PEGIDA finden die Antifa doof. Doof und wichtig genug, um deren „Treiben“ sehr viel Aufmerksamkeit zu schenken.

Peer bemängelt, in meinem Text würde ich die anderen Kommentare ignorieren und fühlt sich ungerecht behandelt, aus der Wut heraus schreibt der Mensch eben auch manchmal „unschön“. So ist es! Zum Beispiel wenn über die Zustände im Görlitzer Park in Kreuzberg berichtet wird. Dort zeigt die Polizei, mit welcher Motivation auch immer, seit einiger Zeit wenig Präsenz. Dealern, oftmals schwarze Dealer, bietet das Gelegenheit, sich ungestört zu betätigen, nicht selten zum Unbehagen der Anwohner. Da schreibt man schon mal unschön, aus der Wut heraus* wie Paul, der das viehzeug abknallen will. Julius ist für Selbstjustiz!!! Jetzt!!! Moderater wird in einem anderen Kommentar gefordert die Affen solle man in den Zoo sperren. Klar, man wendet sich damit nur gegen Islamismus und hat auf keinen Fall etwas gegen „Ausländer“.

Es macht sich aber auch niemand Illusionen, wer das alles „inszeniert“. Einer der im Video zum Bericht interviewten Dealer trägt eine Jacke mit der Aufschrift „New World“ und Heinz kombiniert messerscharf: Man Beachte das T-Chirt mit der Aufschrift New World Ordnung, und man weiss wer das alles angezettelt hat. Um Heinz hinters Licht zu führen, müssen die Bilderberger schon früher aufstehen und mal ihre Uniformen überarbeiten. Jan beschwert sich über die grenzdebilen Kommentare, ohne jedoch zu begründen, warum sie ihm nicht gefallen. Ramon weißt ihn darauf hin, diese Meinungen sollten und dürften gesagt werden, denn Alles hin nehmen und geduldig abwarten ist vorbei.

In der Rede vor der Start der 5. Demo hieß es:

Wir sind gegen den Asylmissbrauch, aber wir sind nicht gegen die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen

Dann lässt man auf der Facebookseite einen Bericht zu einem geplanten Flüchtlingsheim in einem kleinen Ort diskutieren. Dort beschäftigt man sich differenziert und tiefgründig mit den wirklich relevanten Problemen der Flüchtlingspolitik. Kevin rät, man solle seine Handys in Sicherheit bringen und würde sich nicht wundern, wenn das ding brennt. Philipp denkt, in dem Ort bräuchte man keinen Einkaufsladen, weil die sich bei den Einheimischen holen, was sie brauchen. Steffen findet, Männer können für ihr Land kämpfen. Damit gebe er per Definition keine männlichen Kriegsflüchtlinge, Problem gelöst. Falk ist der Ansicht, es gehe ohnehin darum dass die Deutschen weg sollen. Jan ist der Ansicht, Vergewaltigung der wenigen Mädchen und Frauen ist dort vorpogrammiert! Steffen verlinkt einen Blog in dem von der geplanten Zerschlagung Deutschlands fantasiert wird. Tom denkt, diese Regierung treibt uns in den Bürgerkrieg und gibt sich damit als Anhänger der Ideen von Herrn Elsässer zu erkennen.

Anhänger der nicht rassistischen PEGIDA scheinen nicht in der Lage zu sein, unter einem Artikel in dem es um ein Flüchtlingsheim geht, keine rassistischen Kommentare zu hinterlassen.

Wenn die PEGIDA so unrassistisch sind, wie sie immer betonen, wundert es, dass so viele Menschen unter ihnen gibt, die so unheimlich rassistische Aussagen machen, sobald sich auch nur kleinste Anlässe dazu gibt. Wenn die PEGIDA so unrassistisch sind, wie sie immer betonen, dann erwecken sie gegenüber Ihren Anhängerinnen und Anhängern offenbar den falschen Eindruck. Ich befürchte jedoch, sie erwecken den Richtigen.

*Prinzipiell ist es wenig relevant, welcher Hautfarbe ein Menschen hat, wenn es um die Bekämpfung von Kriminalität geht, erwähnt habe ich es hier, weil sonst der Rassismus, des „Affenkommentars“ nicht so deutlich geworden wäre.

Ergänzung zur Überschrift:

Zitat aus der  Rede zur 5. PEGIDA-Demonstration:

„Wir ALLE haben in der letzten Woche durch verschiedene Medienberichte erleben dürfen, WIE in unserem Land das Recht auf Meinungsfreiheit respektiert wird…

Nämlich GAR NICHT…!!!

In dem Moment, wo man von der vorgefertigten Meinung abweicht, ist diese Freiheit abgeschafft !!!

Wir haben erleben dürfen, dass WIR ALLE als RECHTE… als NAZIS… als RASSISTEN… beschimpft werden.

Vielen Medien und Politikern scheint dabei JEDES Mittel Recht zu sein, uns ALLE in ein schlechtes Licht zu rücken und diverse Gegenproteste auf den Hals zu hetzen, welche letzte Woche aggressiv, vermummt und grölend durch Dresden gezogen sind.“

Weitere Texte über PEGIDA:

Montag ist PEGIDA-Tag

PEGIDA-Live – Auf der dunklen Seite

Position ohne Haltung

Dresdens besorgte Bürger

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6 Kommentare

Eingeordnet unter MEINung

6 Antworten zu “Beschimpfte Hüter des Abendlandes

  1. ajki

    Man muß sich bei solchen Anlässen klar machen, was dabei herauskommen kann. Und wenn das Abdriften in Wut- und Gewaltdenken zu groß wird bei mindesten einigen: auch herauskommen *wird* – unweigerlich und unvermeidbar.

    Was bei solchen Behauptungen wie „Islamisierung“, „Antifa“, „linke Zersetzer“ etc. herauskommt ist gemäß seines eigenen „Manifestes“:

    Anders Breivik.

    Beziehungsweise die NSU. Aber wie die Unterstützerszene für Breivik gilt ja auch für die hier betrachtete Szene der übliche Spruch, sie seien keine Wasauchimmer, auf jeden Fall keine Verbrecher. Das stimmt – sie produzieren sie nur.

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