Monatsarchiv: Dezember 2014

Montag ist PEGIDA-Tag

Montag ist PEGIDA-Tag. Was vor wenigen Monaten noch wie die Werbung einer Döner-Bude für das Sparangebot klang, sorgt heute bei mir für eine Mischung aus Schaudern, Wut und Hilflosigkeit. Schaudern muss ich, wenn ich an die letzte Woche denke, als ich unter, angeblich 17 500, PEGIDA stand, während Semperoper und Kreuzkirchen für einen grausigen Widerhall der „Wir sind das Volk“-Rufe sorgten. An diesem, eine starke Emotion hervorrufenden, physikalischen Phänomen, änderte auch die Beflaggung der unbeleuchteten Semperoper nichts, die sich für eine offene Gesellschaft aussprach.

Fahnen vor der Semperoper

Fahnen vor der Semperoper

Weniger enthusiastisch war die Teilnahme der PEGIDA am angekündigten Weihnachstliedersingen. Das Singen glich eher einem kollektives Brummen, als hätte der Grinch persönlich eingeladen. Ich hätte von den Hütern der abendländischen Kultur, mehr praktisches Engagement für diese erwartet. Es schien fast, als seien die TeilnehmerInnen weniger zum Singen als viel mehr zum Brüllen gekommen. Und natürlich zum empörten Schweigen.

Da die Gelegenheit zum gemeinschaftlichen, schreitenden Schweigen nicht gegeben war, rief der Bachmann Lutz zum stehenden Schweigen auf. Zum Anlass nahm verlies man Nachrichten der vorigen Woche, deren gemeinsames Thema „Gewalt durch den Islam“ war. Dass die Opfer der vorgetragenen Gewalttaten ebenfalls vorwiegend Menschen muslimischen Glauben gewesen waren, schien niemanden zu einer Denkpause zu motivieren. Oder vielleicht dazu, seine Denkpause zu unterbrechen. Die 30 Schweigesekunden (!) wurden vom Lutz stilecht mit „Zeit ist Geld“ beendet. Nicht, dass die Teilnehmer wegen ausbleibender Hetze unruhig werden.

Der Lutz versuchte, den die PEGIDA umgebenen Opfermythos weiter fortzuschreiben. Er zitierte Aussagen diverse Unions-Politiker zum Thema Asyl und stellte Übereinstimmungen fest. Die Politiker würden jedoch, im Gegensatz zu den PEGIDA, nicht als „Nazis“ beschimpft. Wo er Recht hat, hat er Recht. Das zeigt, warum es falsch ist, Menschen als Nazis zu titulieren, die keine sind. Man muss kein Nazi sein, um menschenfeindliche und rassistische Einstellungen zu haben und zu verbreiten. Die, wahrscheinlich gut gemeinten aber sehr unbedachten, Äußerungen einiger Politiker aus der Anfangszeit der Proteste, werden jetzt genutzt, um sich gegen Kritik zu immunisieren. Lustigerweise war es gerade „die Antifa“ die bereits auf den ersten Gegendemos immer wieder betonten, es handele sich bei den PEDIGA eben nicht einfach um Nazis. Aber das sind ja „linke Chaoten“, mit denen spricht man nicht.

Projektion über der Rednerbühne der Kundgebung

Projektion über der Rednerbühne der Kundgebung

Während auf dem Theaterplatz andächtig gebrummt und enthusiastisch gebrüllt wurde, drangen vom Schlossplatz, nach Definition der Polizei in Hör- und Sichtweite liegend, leise Rufe des Gegenprotests herüber. Der Wind wehte, „gegen den Schall“, leider in die falsche Richtung und so spielte ein weiteres physikalisches Phänomen den PEGIDA in die Hände. Auch die sächsische Polizei tat ihr Bestes, damit Lutz ungestört seine, an Behauptungen reiche und an Fakten arme, Rede vor vielen Menschen halten zu können. Der Theaterplatz war während der gesamten Veranstaltung frei zugänglich. Jedenfalls solange man die Gesichtskontrolle durch die Polizei überstand (so wie ich, ob das nun für oder gegen mich spricht, weiß ich auch nicht).

Der hermetisch abgeriegelte Schlossplatz von den Brühlschen Terrassen.

Der hermetisch abgeriegelte Schlossplatz von den Brühlschen Terrassen.

Der Schlossplatz hingegen war von der Altstadtseite durch die Ordnungshüter hermetisch abgeriegelt worden. Zugang war ausschließlich über die Augustusbrücke möglich. Das führte zu orientierungslos durch die Stadt wandernden Gegendemonstranten, die sich überlegen konnten, den 4-5km langen Weg auf die Neustadtseite auf sich zu nehmen, um zur Gegendemo zu gelangen. Das müssen die „sächsischen Verhältnisse“ sein von den man in den letzten Wochen so viel hört.

So gab es nicht viel neues am 22.12.2014 in Dresden. Auf der Kundgebung von PEGIDA wurde in den Reden wieder soviel Kontext der dargestellten Fakten weggelassen, dass die getätigten Aussagen sich für den Begriff „Lüge“ qualifizieren. Von Lutz und seinen Freunden könnte die „Lügenpresse“ noch einiges lernen.

Die PEGIDA geben vor, gegen die Islamisierung des Abendlandes zu sein und stellen den IS als existentielle Bedrohung für unsere Gesellschaft dar. Und sie haben Recht. Wenn die Sicht der PEGIDA tatsächlich von großen Teilen der Bevölkerung geteilt und gelebt werden sollte, wird das wahrscheinlich zu einer vermehrten Radikalisierung der hier lebenden Menschen führen, die sich dem islamischen Glauben zugehörig fühlen. Diese Destabilisierung spielt dem IS in die Hände und ist von ihm ausdrücklich gewollt. Die Kritik der PEGIDA ist eine exklusive, faktenresistente und hermetisch abgeschlossene. Wir benötigen eine inklusive, offene und anpassungsfähige Kritik.

Plakat am Staatsschauspiel. Menschen, die sich mit Kultur auskennen, scheinen die "abendländische" nicht für bedroht oder nicht für schützenswert zu halten...

Plakat am Staatsschauspiel. Menschen, die sich mit Kultur auskennen, scheinen die „abendländische“ nicht für bedroht oder nicht für schützenswert zu halten…

Wo es in Dresden nichts neues gibt, mehren sich die Stimmen in der „Lügenpresse“ die um Verständnis für die PEGIDA werben. Der eine sieht die Gefahr „Neukölner“ Verhältnisse, der nächste meint, die PEGIDA würden reale Probleme in der Flüchtlings- und Asylpolitik ansprechen, und es sei wichtig, dass das jemand mache. Machen sie aber gar nicht. Die PEGIDA sprechen keine Probleme an, sondern drücken ein Gefühl der Unzufriedenheit mit den Verhältnissen aus. Sie werden abgehängt von der Entwicklung in diesem Land und wünschen sich eine romantisierte, provinzielle Beschaulichkeit der 50er Jahre zurück. Früher war alles besser, das wollen die PEGIDA zurück. Früher ist vorbei, Zeit kennt nur eine Richtung. Ein physikalisches Phänomen mit dem die PEGIDA sich abfinden müssen.

Weitere Texte über PEGIDA:

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PEGIDA Live – Auf der Dunklen Seite

Mein Hintern war, bedingt durch die hervorragende Wärmeleitfähigkeit des Betonklotzes auf dem ich saß und mein Käsebrötchen aß, ziemlich kalt. Direkt von der Arbeit kommend hatte ich mich auf dem Weg zu Nopegida entschieden, mir das Original anzuschauen. Bereits als Teenager hatte ich jeden Montag Notruf mir Hans Meiser gesehen und kann auch bei Unfällen nicht wegschauen. Einige Dinge muss ich mit eigenen Augen sehen, um sie fassen zu können

Nun saß ich am Rande der PEGIDA-Demo. Generatoren brummten hinter dem Lautsprecherwagen, auf dem einige Personen geschäftig rumturnten. Die Scheinwerfer leuchteten den Versammlungsplatz aus, vielleicht auf der Suche nach den, auf der Facebookseite angekündigten, angeblich eingeschleusten Störern. An diesem Abend, so hatte es dort geheißen, sei jeder ein Ordner, mit der Aufgabe, Störer zu melden. Eine Order mit Tradition und wenn die Ansichten der PEGIDA Schule machen, womöglich auch mit Zukunft. Ich war zwar weder eingeschleust, noch hatte ich vor zu stören. Meine Ansichten wären jedoch als störend empfunden worden. Allein, die Parole der Gewaltlosgkeit fand ich nicht beruhigend. Ihre wiederholte Betonung klang wie ein Mantra, ihre Einhaltung wollte ich nicht auf die Probe stellen. Und so setzte ich mich auf den Betonklotz und aß mein Abendbrot. Wer isst, dachte ich, ist unverdächtig, zumindest solange es sich nicht um einen Wirtschaftsflüchtling handelt.

Eigentlich sah ich aus, wie viele im Skaterspart an diesem 15.12.14: normal. Die „Nazis im Nadelstreifen“ sahen sogar erschreckend normal aus. Vollintegriert sozusagen, die Ansichten und Meinungen integrieren sich hervorragend ins eigene Leben und umgekehrt. Abgesehen von einem überrepräsentativen Anteil junger Männer mit ausgeprägter Brust- und Nackenmuskulatur, schien es, als sei das Publikum der Mitte der Gesellschaft entsprungen. Wobei man „Mitte“ und „Querschnitt“ nicht verwechseln sollte. Männer waren ebenfalls deutlich überrepräsentiert, der Altersdurchschnitt dürfte recht hoch gewesen sein. Anschaulich wird der Unterschied in dieser Hinsicht, wenn man sagt, dass die PEGIDA den Gegendemonstranten das Studium finanzieren. Kinder wurden auch mitgebracht, ich möchte nicht sagen, instrumentalisiert. Denn ich halte es für das Privileg der Eltern, ihren Kindern zu zeigen, wogegen sie in der Pubertät revoltieren müssen. Es waren noch nicht viele TeilnehmerInnen anwesend, es war noch nicht mal 18 Uhr und die Kundgebung sollte um 18:30 beginnen. Wer zu früh kommt, gerät vielleicht schnell in Verruf, nicht zu arbeiten.

Ungefähr 250 Personen tummelten sich im Flutlicht des Lautsprecherwagens. Unter die Teilnehmer mischten sich mindestens fünf Kamerateams, die mit Scheinwerfern versuchten, Licht ins Dunkel der Gedankenwelt zu bringen. Erschwert wurden diese Versuche durch die erneuerte Parole: Kein Wort zu den Öffentlich Rechtlichen. Es war nicht zu erfahren, was die Gruppe von Teilnehmern, die eine Abschaffung der GEZ-Gebürhen forderten, davon hielt.

Das I-Tüpfelchen der patriotischen Ausrüstung waren die frisch gebügelten Deutschlandfahnen, welche in jeder Größe anzutreffen waren. Hier zeigt sich, welch hohen Preis wir für den Party-Patriotismus zahlen müssen. Die fehlende Party wurde mit einer Extraportion Patriotismus ausgeglichen. Die Schwere der Last, die die PEGIDA für uns alle tragen, erkennt man an der Ernsthaftigkeit des Herumstehens und den Unterhaltungen im Brustton der Überzeugung. Hier und da, hörte ich Fetzen von Anekdoten des Schreckens. Nicht unbedingt selbst erlebt, dafür geeignet um die Brust von Angst eng werden zu lassen, die man sich später von der Seele schreien konnte: „Wir sind das Volk!“

Aus Richtung der Prager Straße war leiser Bass zu hören und ich bekam ein wenig Heimweh nach meinen linken Chaoten. Allerdings war es mittlerweile 18:15 und ich wollte wenigstens einmal Lutz Bachmann, den Hans Wurst der Rechtspopulisten hören und mit eigenen Augen sehen wie man ihm zujubelt. Meinen Hang zum Katastrophentourismus hatte ich ja bereits erwähnt.

Als Herr Bachmann, seiner Selbstbeschreibung zufolge „ein Mensch“, beginnt, sind laut Twitter ca. 10 000 Menschen auf dem Platz. Als erstes verteilt er die Rollen: PEGIDA ist das Opfer! Alle dreschen auf die arme Bewegung ein. Alle Zuschreibungen und Beleidigungen von Politikern, Kommentatoren und Medien der letzten Tage werden wiederholt und fleißig ausgebuht. Am lautesten ist der Protest als sich Bachmann Cem Özdemir und „die Linken“ vornimmt. Kennt man seine Gegner, kommt die gemeinsame Linie von ganz allein. Diese führt die Spaziergänger heute durch eine relativ triste Gegend. Laut Bachmann zur Schonung der Geschäftsleute in der Innenstadt, es gehe ohnehin vor allem um das Symbol. PEGIDA sei nicht aufzuhalten (frenetischer Jubel). Andererseits ist die kurze Strecke auch relativ wenig Blockadegefährdet, was die Gefahr, dass man doch aufgehalten wird, gering hält.

Doch ich greife vor, es wurde noch nicht über alle geschimpft, „Politikerkaste“, „Blockflötenparteien“ (höhö), Gutmenschen, die Antifa (eigentlich synonym mit „den Linken“, um des großartigen Effekts aber immer eine Erwähnung wert). Auch von der Bühne wird ausdrücklich vor eingeschleusten Störern gewarnt, die verfassungsfeindliche Transparente zeigen und Parolen von sich geben könnten. Laut Bachmann werde in genau dem Moment, wo das passiere „eine Fernsehkamera in der Nähe“ sein. Um das zu verhindern, auch das wird wiederholt, sei heute jeder ein Ordner. Als aus einigen der zum Schweigen verdonnerten Teilnehmer des Spaziergangs „Frei, sozial und national“-Sprechchöre herausbrachen, hatten die vermutlich alle Pause.

Tobender Applaus erklang, als über Neugründungen von Pegida-Ablegern berichtet und Österreich erwähnt wurde. Vielleicht hofft man auf einen Reimport? Den Anhängern wäre ein charismatischer Rechtspopulist zu wünschen. Herr Bachmann klingt immer etwas selbstmitleidig. Es wirkt als machten ihm die Menschen Mut, die ihm zujubeln. Dabei sollte es doch umgekehrt sein. Vielleicht ist das seine Art der Demagogie.

Etwas mau schien mir die Reaktion der TeilnehmerInnen auf das vom „Orga-Team“ oft erwähnte Positionspapier. Nicht nur die bereits erwähnten muskulären Herren halten sich mit Applaus dazu zurück. Das finde ich verständlich. Man merkt dem Positionspapier an, dass die AutorInnen sich im Formulieren nicht sonderlich auskennen. Niemand aus den eigenen Reihen schien je kritisch hinterfragt zu haben, was sie überhaupt sagen wollen. Wie es scheint, fehlt es am demokratischen Prozess. Etwas, was das Orga-Team der PEGIDA zwar fordert, aber offenbar selbst nicht lebt. Es muss halt schnell gehen und schnelle Entscheidungen lassen manchmal keinen Platz für Demokratie. Aber wenn „die Politikerkaste“ endlich abgesetzt ist, dann wird das alles sowas von demokratisch! Dann gibt es nur noch Volksabstimmung! Als erstes fällt die GEZ.

Wirklich erschrocken haben mich letztendlich weniger die Reaktionen auf Herrn Bachmann, die waren mir aus den Wochen vorher von der anderen Seite der Absperrung bereits bekannt. Erschrocken hat mich die Reaktion auf eine Äußerung seiner Nachfolgerin. Diese empörte sich darüber, dass die Stadtverwaltung angeblich jedem Gegendemonstranten der Vorwoche 10 Euro gezahlt hätte. Dieser Mythos war bereits eine Woche vorher auf Facebook aufgetaucht und schnell widerlegt worden. Die Stadt hatte eine Agentur beauftragt, während des Sternmarsches weiße Luftballons verteilen zu lassen. Die Verteiler der Ballons wurden dafür bezahlt. Trotzdem wurde die Aussage vom Lautsprecherwagen wiederholt. Wenn die PEGIDA sich selbst gegen eine so offensichtliche Falschinformation faktenresistent zeigen, wie sieht es dann erst bei komplexen gesellschaftlichen Fragen aus? Gegen patriotische Esoterik ist noch kein Kraut gewachsen.

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Position ohne Haltung

Die PEGIDA werden missverstanden! Ich, Ihr, wir alle unterstellen ihnen Böses. Sogar mein Chef! Er, seine Kollegen und viele andere Menschen die mit Wissenschaft in Dresden zu tun haben, sehen durch das Auftreten von PEGIDA den Wissenschaftsstandort Dresden in Gefahr. Irgendwie entsteht durch die Demonstrationen der Eindruck, fremd anmutende Menschen seien in Dresden nicht willkommen. Dabei meinen die PEDIGA das gar nicht so!

Wissenschaft lebt vom Austausch von Ideen. Diese Ideen sind in Menschen eingepackt und viele dieser Menschen sind nicht deutsch sondern ‚anders‘. Diese Ideen mit Mensch drumrum sollen weiter nach Dresden kommen um sich auszutauschen, von Mensch zu Mensch.

Weil alle die PEGIDA missverstehen, haben Wissenschaftler Angst, dass bald keiner mehr kommt und uns die Ideen ausgehen. Die PEGIDA haben zwar auch Ideen aber die sind weder gut, noch sind die PEGIDA bereit, sich darüber auszutauschen. Sie vertreten ihre Position, weil sie nicht mit Gutmenschen diskutieren. Die PEGIDA wollen, dass ihre Kinder in Frieden aufwachsen. Von der Systempresse wird ihnen aber unterstellt und in die Welt hinausposaunt, dass dieser Frieden durch eine mit Brutalität durchgesetzte kulturelle Homogenität erreicht werden soll. Das ist natürlich ein Missverständnis. Gegen ein wenig Folklore aus dem Morgenland hat nämlich niemand etwas einzuwenden. Auch nicht gegen angepasste Menschen, denen man nicht ansieht, dass sie anders sind (WEIL sie nicht anders sind).  Es ist doch alles ganz anders, liebe Gutmenschen und Systemmarionetten.

Darum gibt es jetzt auch ein Positionspapier. Und darin kann man lesen, dass wir alle die PEGIDA missverstehen. Denn die guten Ausländer, die mit den tollen Ideen innen drin, die wollen die PEGIDA haben, weil sei gut für die Wirtschaft, den Standort Deutschland, sind. Und den PEGIDA nehmen die auch keinen Job weg, denn die Ideen der PEGIDA laufen sozusagen außer Konkurrenz. Die guten Ausländer sollen kommen, die schlechten Ausländerradikale Muslime, Wirtschaftsflüchtlinge und kriminelle Asylanten, die will man hier nicht haben. Die machen nur Ärger, kosten Geld und demontieren das hübsche Abendland. Die echten Flüchtlinge, die dürfen selbstverständlich auch kommen, das ist Menschenpflicht. Die mögen nur nicht in der eigenen Nachbarschaft dezentral untergebracht werden, aber kommen dürfen sie.

Es muss sich auch niemand Sorgen machen, dass man da den Einen mit dem Anderen verwechselt, also den guten mit dem schlechten Ausländer. Wenn die PEGIDA etwas wissen, dann, wie man einen Moslem erkennt und einzuordnen hat. Denn mit Moslems kennen die patriotischen Europäer sich aus. Man hat ja auch Ausländer als Freunde.

Moslems müssen zum Beispiel einmal im Leben übers Reisen mekkan, und dürfen Schweinefleisch nur nach Sonnenuntergang essen. In der Moschee dürfen sie keinen Alkohol trinken, wenn ein Lebewesen auf der Flasche abgebildet ist. Den radikalen Moslem erkennt man am zotteligen Bart, der verschleierten Frau, die er mit Steinen bewirft, sobald sie nicht drei Meter hinter ihm geht und dem Rucksack mit selbst gebauter Bombe. So einfach ist das, warum machen das denn immer alle so kompliziert?

Die PEGIDA machen sich außerdem total Sorgen um die Flüchtlinge. Die sind sogar für dezentrale Unterbringung, weil in so großen Heimen mit Vollversorgung, das geht gar nicht, die sind nämlich auch traumatisiert! Denkt denn niemand an die Menschen? Wichtig ist den PEGIDA auch eine null Toleranz-Politik: wer falsch parkt wird abgeschoben. Wer sich mit überfordertem Wachpersonal anlegt, fliegt.

Denn eines muss klar sein: wer traumatisiert ist, wird nicht kriminell und wer kriminell wird, ist nicht traumatisiert. Opfer mögen sich bitte auch wie Opfer verhalten. Wir bitten allen Flüchtlinge inständig, die PEGIDA nicht mit der Komplexität ihrer Existenz zu überfordern. Und ein bisschen Dankbarkeit wäre schön.

Wenn Flüchtlingsheime brennen, hat das nichts mit den PEGIDA zu tun. Wenn Faschos, sich von 10000 Wutbürgern ideologisch bestärkt fühlend, das erste mal die Fäuste sprechen lassen, auch nicht. „So haben wir das nicht gemeint!“ wird es dann von Herrn Bachmann heißen. „Die haben uns missverstanden.“ Das scheint irgendwie vielen so zu gehen. Vielleicht wird es Zeit, sich zu fragen, warum.

Weitere Texte über PEGIDA:

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Für eine Hand voll Globuli

Nachdem ich zum Thema „Impfmythen“ bereits als „Experte“ beim Science-Cafe anwesend war, durfte ich nun auch zum Thema Homöopathie die Fahne des kritischen Denkens hochhalten. Die Veranstaltung hätte natürlich „Pseudoscience-Cafe“ heißen müssen aber dann wäre wohl niemand gekommen.

Ich hatte mich gut vorbereitet und eine Woche vorher begonnen, drei mal täglich fünf Globuli Coffea C30 zu nehmen. In Anlehnung an die 10^23 Aktionen, bei denen eine „Überdosis“ Homöopathie genommen wird, machte ich dies als homöopathischen Selbstversuch. Nach homöopathischem Verständnis handelte es sich dabei um eine Arzneimittelprüfung. Gesunde Personen nehmen Globuli, stellen fest, welche Symptome sie bekommen und sammeln diese. Daraus wird das Arzneimittelbild erstellt. Meine mutigen Vorgängerinnen und Vorgänger haben für Coffea C30 unter anderem „migräneartigen Kopfschmerz“, „Schlaflosigkeit“ und „Ohnmacht bei großer Freude“ herausgearbeitet. Es gibt aber auch Symptome wie „wird um 3 Uhr morgens Wach“, „trägt einen Hut“, „hat Angst vor dem nach Hause kommenden Ehemann“. Allerdings war von vornherein klar, dass bei mir nichts passieren würde, denn Hahnemann selbst forderte eine Offenheit der Methode gegenüber, um „Prüfling“ sein zu können. Ich war so offen, wie ich konnte aber nicht offen genug, wie es scheint. Denn obwohl ich nach vier Tagen die Dosis steigerte, auf drei mal drei Globuli und am letzten Tag gar auf drei mal ein Globuli, blieb jeglicher Effekt aus. Abgesehen davon, und hier sollten Homöopathen hellhörig werden, dass ich die letzten fünf Tage einen Ohrwurm hatte.

Im „Cafe“ selbst herrschte eine angenehme Atmosphäre. Nach dem Einführungsfilm sammelten sich schnell Menschen an meinem Tisch und diskutierten engagiert. Dabei hatte ich ein meiner Ansicht eher zugeneigtes Publikum, was für einen GWUPi wohl eher ungewöhnlich ist. Ein Herr zeigte sich jedoch sehr skeptisch ob meiner Skepsis (um nicht zu sagen, Ablehnung) und versuchte, seine Punkte loszuwerden. Wichtig war ihm, dass Homöopathie nur von Ärzten durchgeführt werden dürfe, da nur diese verantwortlich damit umgehen könnten. Das hieß für ihn auch, keine schweren Erkrankungen zu behandeln. Viele Fragen, zum Beispiel die Frage, wo eine „schwere Erkrankung“ anfängt, konnten in diesem Rahmen nicht ausreichend geklärt werden, weil sonst andere Gäste zu kurz gekommen wären.

Trotzdem habe ich gefragt, ob zum Beispiel Ebola eine schwere Erkrankung sei, was er bejahte, jedoch anfügte, Ebola sei auch „schulmedizinisch“ (von ihm ohne Anführungszeichen genutzt) nicht zu behandeln. Ich musste widersprechen, denn Ebola ist zwar nicht ursächlich zu behandeln, sehr wohl jedoch symptomatisch (was Homöopathen gar nicht mögen). Durch die „unterstützende Behandlung“ (etwas, was Homöopathen eigentlich für sich in Anspruch nehmen) kann die Sterblichkeit immerhin deutlich gesenkt werden. Ein Argument gegen komplementär zur Medizin eingesetzte Homöopathie bei Ebola sind die knappen Ressourcen vor Ort. Mit dem Geld für die Homöopathen, die kürzlich in Liberia waren, hätte man Besseres anfangen können, als Globuli zu verteilen…oder nicht zu verteilen.

Ich hatte den Herren nicht zufällig nach Ebola gefragt, denn während der Film (s.u.) lief, las ich den Namen der Ärztin, die als Expertin für Homöopathie eingeladen war. Denselben Namen hatte ich in einem Spiegel-Artikel gelesen, in dem es um die vier Homöopathen ging, die in Liberia waren, um Ebola-Patienten zu behandeln und denen dies von der Regierung verweigert wurde. Dabei handelte sich um die Frau des Honorarkonsuls von Liberia, der den Tripp organisiert und zu finanzieren geholfen hatte. Beide waren nun im Science-Cafe anwesend..

Ich denke, der Herr und ich führten ein, bedenkt man unsere Einstellungen, konstruktives Gespräch mit einigen Gemeinsamkeiten und vielen Differenzen. Nach der Veranstaltung trafen auch seine Frau und ich aufeinander und auch zwischen ihr und mir war ein Gespräch nicht nur möglich, sondern sogar erfreulich. Wobei wir die ganz heißen Eisen liegen ließen 🙂 An einer Vertiefung wäre ich dennoch einmal interessiert. Und sei der um der Erfahrung willen. Es wäre natürlich einfacher, Homöopathie zu kritisieren, wenn ihre Vertreter unsympathische Gesellen wären, aber man kann nicht alles haben im Leben.

Skurril empfand ich die Frage, ob „Skeptiker“ denn wirklich von der Pharmaindustrie finanziell unterstützt würden. Falls das so ist, dann nur in homöopathischen Dosen. Ich denke, ich konnte vermitteln, dass, dem kritischen Denken verpflichten Menschen egal ist, wer schlechte Wissenschaft macht. Durchgehen lassen wir das niemandem. Aber Pharmakritik ist nicht unser Kerngeschäft.

In dem Video mache ich einen Schnitzer, wer ihn findet, darf ihn behalten.

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