Monatsarchiv: April 2015

Ich war im Fernsehen – Journalismus hautnah

[Dieser Bericht beruht fast ausschließlich auf meiner Erinnerung, wie sie sich fast drei Monate nach dem Interview darstellt. Mit allen Fallstricken, die dem menschlichen Erinnerungsvermögen so innewohnen*. Das Video findet sich am Ende des Textes]

Das Fernsehen war bei mir, damit ich mich im Rahmen eines Berichtes zum Thema Homöopathie und Ebola äußere. Mittlerweile ist der Bericht veröffentlicht und ich konnte am eigenen Leib erfahren, wie Journalismus funktioniert (oder funktionieren kann). Doch von Anfang an.

Vermittelt durch die GWUP, traten ein Journalist vom MDR und ich in Kontakt. Er hatte einen Bericht geplant, in dem es um die Behandlung von an Ebola erkrankten Patienten durch eine Gruppe von Homöopathen gehen sollte. Der Journalist fand das nicht gut, ich fand das nicht gut. Wir machten einen Termin und ich wurde interviewt. Oder besser, eine gepimpte Version von mir.

Im Vorfeld wurde mir freundlich aber unmissverständlich nahegelegt, ein Sakko zu tragen. Ich trage nie ein Sakko. Außer ich will einen Job oder es nicht zu tun, würde Menschen vor den Kopf stoßen (Hochzeiten, Beerdigungen und so Sachen). In diesem Fall sollte das Sakko, so der Interviewer, dazu dienen, meinem Auftreten  (mehr?) Seriosität zu verleihen. Mein Einwand, dass die Seriosität durch meine Aussagen belegt werden sollte, wurde mit einer postulierten Erwartungshaltung der Zuschauer abgewiesen. So jemand wie ich, Dr. med., Arzt und Experte für Quatschmedizin trägt halt Sakko. Nach dem Motto: ‚Wer ein Sakko trägt, dem wird alles geglaubt‘. Da fühlt sich das Publikum sicher ernst genommen. Das Interview gab ich im Sakko und (!), auch auf expliziten Wunsch, blauem Hemd. Ich war so seriös, ich hätte mir selbst einen Bausparvertrag abgekauft. Und ich will gar keine Bausparvertrag. Die Homöopathin durfte bunte Tücher tragen 🙂 

Die meiste Zeit ging es in dem Interview um Homöopathen, Homöopathie, Infektionskrankheiten und Ebola. Alles Themen zu denen ich mir, im Kontext „Alternativmedizin“, qualifizierte (und seriöse) Aussagen zutraue. Ich habe durchaus ein paar knackige Aussagen zu gemacht, die hübsche Interviewsequenzen ergeben hätten (schreibt der Journalismuslaie). Zum Ende des Interviews wurde mir die Frage nach der Berechtigung der Gemeinnützigkeit des Vereins gestellt (Ich denke, es ging um „Homöopathen ohne Grenzen“, dem Veranstalter der Scherzaktion, Homöopathen nach Liberia zu schicken). Meine Antwort lautete ungefähr, dass Vereinsrecht nicht mein Fachgebiet sei und es Vereine gäbe, bei denen ich eine Gemeinnützigkeit weniger angemessen fände. Ob es nicht problematisch sei, dass Steuergelder dafür verbraucht würden? Auch hier gab ich an, dass das für mich nicht das primäre Problem sei und es relevantere Problemfelder der Steuerverschwendung gäbe. Trotz meiner Stellungnahme wurde ich jedoch einer (journalistischen?) Technik unterzogen, die mich dazu brachte, irgendwann eine Antwort zu geben, die den Herren zufriedenstellte. Mir wurde wiederholt die fast gleiche Frage stellen.

Dass er bereits eine Geschichte im Kopf hatte, die weniger von den wissenschaftlichen und medizinischen Schwierigkeiten rund um Homöopathie handeln sollte, hätte ich zu dem Zeitpunkt bereits ahnen können. Interessant war in der Situation auch, mich selbst zu beobachten. Denn meine letztendliche Antwort war ein Kompromiss zwischen meiner Einstellung  und dem Wunsch, dem Interviewer gegenüber nicht unhöflich zu sein. Im Vorfeld hatte er geschickt (?) eine Beziehung aufgebaut. Diese war zu dem Zeitpunkt stabil genug, damit ich ihm nicht gesagt habe, wenn ihm meine Antwort nicht gefällt, soll er jemanden anderen fragen. Ich habe mich letztlich dazu hinreißen lassen, zu sagen, dass ich eine Gemeinnützigkeit für gerechtfertigt halten würde, wenn der Zweck des Vereins eine medizinhistorische Betrachtung der Homöopathie sei, jedoch nicht, wenn es um die Verbreitung der Homöopathie als medizinische Behandlung gehe. Der allerletzte Teil hat es dann ins Video geschafft. Also die Aussage zu der ich am wenigsten qualifiziert war.

Mir ist klar, dass ein Journalist auch immer eine Geschichte erzählt, frage mich jedoch, ob hier dem Narrativ die Glaubwürdigkeit (vielleicht sogar meine?) geopfert wurde. Hätte man mir im Vorfeld gesagt, dass es um die Frage der Gemeinnützigkeit ginge, hätte ich an jemanden anders verwiesen. Im Bericht werde ich genutzt, etwas zu einem Thema zu sagen, zu dem jeder andere auf der Straße ebenso seriös eine Aussage hätte treffen können. Wahrscheinlich sollte ich deswegen ein Sakko tragen.

Der Bericht

*Irgendwo muss es Filmmaterial geben, das meine Erinnerung validieren oder widerlegen kann
Weiterlesen:

Für eine Hand voll Globuli: Im Rahmen des „Science-Cafe“ zum Thema Homöopathie durfte ich den Honorarkonsul von Liberia kennenlernen. Dieser hatte den homöopathischen Ausflug vermittelt.

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Eingeordnet unter Berichterstattung, Lernkurve

PEGIDAs Folterträume

Es ist mittlerweile schon ein paar Monate her, dass ich an dieser Stelle etwas zu den PEGIDA geschrieben habe. Mittlerweile stelle ich mir unter anderem die Frage, ob die Apologeten der proklamierten Volksgemeinschaft von vor einigen Monaten immer noch der Ansicht sind, es handele sich bei dem Verein um “besorgte Bürger”. Hat der nun offen zutage tretende rechte Eiter* die Ansichten geändert oder bleiben die “bürgerlichen” Anhänger Bachmanns faktenresistent?

Der Bachmannlutz entwickelt sich zum Propheten der Neuen Rechten und dampft eine Religiosität aus, die er bei anderen Menschen als Bedrohung ansieht. Er wird, was er bekämpft. Leider ist die Bachmannisierung Europas eine viel realere Gefahr, als die üblichen neurechten Untergangsfantasien (die ja auch nur altrechte Untergangsphantasien sind). Auf der Facebookseite der Patrioten predigt der Bachmannlutz zu seinen Anhängern (AnhängerInnen sollen auf den Demonstrationen mittlerweile wieder rarer geworden sein) und erklärt ihnen die Welt. So veröffentlichte er kürzlich eine Forderung, es doch mit “den Flüchtlingen” so wie Australien zu machen.

Flüchtlinge Australien

Die australische Regierung war es auch, die ob ihrer Flüchtlingspolitik, nämlich die Verfrachtung des Menschenmaterials auf zwei abgelegene Inseln – der feuchte Traum eines jeden Bachmannjüngers – kritisiert wurde. Die UNO warf der australischen Regierung vor, gegen die UN-Folterkonvention zu verstoßen. Während der Prophet und seine Bewegung sich also offiziell dagegen verwahrt, Flüchtlingen körperlich zu schaden und ihre Unterkünfte anzuzünden, spricht man sich sozusagen für Folter von Seiten des Staates aus. Natürlich nur, wenn es einer guten Sache dient.

Weiterlesen:

Mehr Texte über PEGIDA (es sind schon viel zu viele).

*Damit sind Aussagen und Ideologien gemeint, keine Individuen oder Gruppen von Menschen.

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Eingeordnet unter MEINung

Plötzlich unfreiwillig ungeimpft – Durch Masern zur Vernunft

Eine Mutter von sieben Kindern entschied sich vor einigen Jahren, diese nicht (mehr) zu impfen. Sie hatte Angst, weil sie den falsch verbreiteten Informationen glaubte, Impfungen würden ihren Kindern schaden. Als in den USA in Disneyland Masern ausbrechen, entscheidet sie sich, die Evidenz zum Thema noch einmal zu prüfen. Als auch in ihrem direkten Umfeld Kinder an Masern erkranken, plant sie gemeinsam mit ihrem Kinderarzt, die Impfungen für ihre Kinder nachzuholen. Wenige Tage bevor der Termin stattfinden kann, erkranken ihre Kinder an Keuchhusten. Alle sieben Kinder. Keuchhusten ist eine Erkrankung gegen die man impfen kann. Wer sich einen Eindruck verschaffen will, schaue sich dieses Video an:

Auch Erwachsene können Keuchhusten bekommen und es so an Kinder weitergeben. In den USA werden einige Ausbrüche auf Erwachsene ohne Impfschutz zurückgeführt.

Im Originaltext der Mutter kann man auch sehr schön lesen, dass sie ihre Kinder nun mit derselben Motivation impfen lässt mit der sie sie vorher hat nicht impfen lassen: Der Versuch, sie zu schützen. Klug scheint mir ihr Vorgehen zu sein, konkrete Fragen und Befürchtungen auszuschreiben, die man zum Thema impfen hat und diese zu klären. Und zwar nicht auf zusammenfantasierten Websites von Milchwirten mit Verschwörungsideen. Sondern, beispielsweise auf den Seiten des Robert Koch Instituts. Wer dem RKI nicht vertraut, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen.

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Eingeordnet unter Überleben, End/t-Warnung, Quatschmedizin

Osteopathie im Dialog

[Durch meinen Artikel in der Sächsischen Zeitung habe ich ein paar Zuschriften bekommen. Einige davon werde ich an dieser Stelle, mit Erlaubnis, veröffentlichen und Kommentieren. Die Mail habe ich (fast) ungekürzt veröffentlicht aber nicht auf jeden Punkt geantwortet. Hier schreibt jemand der/die osteopathisch Tätig ist]

vielen Dank für Ihren kürzlich erschienenen Artikel aus der SZ.Ich begann ihn mit großem Interesse zu lesen, doch im laufe des Lesens verebbte es und für den Schluss musste ich mich regelrecht durchringen den Artikel nicht aus der Hand zu legen.Es ist das schüren der alten Feindschaft zwischen Schul,- und Alternativ,- oder Komplementärmedizinern was bei mir Unverständnis und die Frage nach dem Warum aufwirft.

Es veranlasst mich diese Mail an sie zu verfassen.

Ich hege keine Feindschaft. Viele Menschen die Methoden anbieten, die ich ablehne sind mir sehr sympathisch. Mir geht es um die Kritik an Ideen, die bei mir in diesem Fall mit einer gewissen Leidenschaft angebracht wird. Eine kleine Anmerkung: Es gibt keine Schulmedizin. Es gibt Medizin die wirkt. Schulmedizin in als abwertender Begriff eingeführt worden.

Ich bin Osteopath, also eine der Berufsgruppen die Sie mit Geistheilern und Schamanen in einem Atemzug in Ihrem Artikel erwähnen.

Das ist eher dem Format geschuldet. Die Themen wurden durch die Zeitung vorgeben und ich hatte nur einen Text in dem ich alles unterbringen musste. Osteopathen sehe ich differenzierter als Geistheiler.

Sie sprechen von Aternativmedizin, ich sehe mich eher als der Komplementärmedizin angehörig.

Da es keine Definition von Alternativmedizin oder Complementärmedizin gibt und die eigenbezeichnung oft Complementary and alternative medicine (CAM) ist, hat das lediglich für ihr therapeutisches Selbstverständnis Relevanz.

In meiner Praxis behandle ich regelmäßig recht erfolgreich Patienten, deren Leiden zum Teil von der Schulmedizin nicht oder nur ungenügend erkannt oder einer erfolgreichen Behandlung zugeführt werden können.

Dazu nur kurz ein Link zu einer Sammlung von Möglichkeiten, warum, eine Behandlung zu wirken scheint obwohl sie nicht wirkt. Damit möchte ich nicht sagen, dass das auf ihre Behandlungen zutrifft, dazu habe ich weder den Anlass, noch die Kompetenz noch die Daten 🙂

Be – hand – lung schon im Wortstamm spielt die Hand eine große Rolle, die allerdings in der heutigen medizinischen Praxis eine weniger wichtige Position einnimmt da kaum ein Patient sich entkleiden braucht respektive manuell exploriert werden wird.

In meinem Studium habe ich gelernt, die körperliche Untersuchung gehört zu einer Behandlung. Das wird sicher aus ökonomischen Gründen in der Praxis eher pragmatisch gehandhabt. Allerdings möchte ich mich auch nicht bei jedem Schnupfen ausziehen. Letztlich ist das ihre Ansicht, ich wäre interessiert, ob das mit Daten zu unterfüttern ist.

Warum auch, in einem Zeitalter in dem die medizinische Diagnostik sich größtenteils auf Apparate stützt und die „Behandlung“ entweder iatrochemisch medikamentös oder Iatromechanisch per Operation erfolgt ist die Hand als Diagnostikum auch nicht von Nöten.

Die Diagnostik stützt sich auf verschiedene Säulen: Anamnese (!!!), klinische Untersuchung, Laboruntersuchungen und Bildgebung. Oft in der Reihenfolge. Dabei geht man pragmatisch und nach Dringlichkeit vor. Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt mache ich keine vollständige klinische Untersuchung, weil die Gefahr besteht, dass der Patient deren Ende nicht mehr erlebt.

Unsere Sinne wie Hören, Sehen, Fühlen, unsere Stärke Erfahrung in den Untersuchungsprozess mit einzubinden, eine Hypothese zu erstellen sie weiter bin zu einer Diagnose zu verfolgen, das ist es doch was den Mediziner ausmachen sollte.

So wurde es mich gelehrt und so erlebe ich es.

Zeit, spielt dabei eine wesentliche Rolle und nicht nur das vergleichen von Werten.

Zeit spielt eine Rolle, manchmal hat man keine.

Mir begegnen immer häufiger Patienten die sich von Ihrem Arzt nicht wahrgenommen, ungenügend untersucht oder auch nicht ernst genommen fühlen.

Das ist ein Problem. Aber, dass sich jemand ungenügend xxx fühlt, bedeutet nicht, dass das der Wirklichkeit entspricht. Es bedeutet in jedem Fall, dass es ein Kommunikationsproblem zwischen Arzt und Patient gibt.

Die Bemerkung „er hat gar nicht mit mir geredet“ ist nichts neues.

Das glaube ich Ihnen gern. Das hat allerdings keinen Einfluss auf die Wirkung oder Nichtwirkung von Alternativmedizin. Probleme im Medizinbetrieb können nicht als Rechtfertigung für wirkungslose Methoden dienen.

Kann es sein das sich die Ärzteschaft selbst abschafft?

Ich glaube nicht.

Gold Standards in der apparativen Diagnostik,

Wenn die eingehalten würden, gäbe es nicht so viele unnötige Untersuchungen.

Behandlungsregime auf Medikamentöser oder Operativer Ebene,

Standards retten leben, dass „jeder“ macht, was er will, es besser weiß, ist das Problem.

 ein Betriebswirt an der Spitze eines Krankenhauses der den pekuniären Aspekt fest im Blick behält. 

In der Tat, das stört mich ebenfalls sehr. Aber auch das spricht nicht für die Wirkung oder Nichtwirkung irgendeiner Methode. Es ist vielmehr eine komplexe gesellschaftliche und politische Aufgabe.

Da brauch es lediglich noch den Diagnostik Roboter.der dem Patienten seine Diagnose stellt die dann behandelt wird.so wie es heut auch in den meisten Praxen gehandhabt wird. Warum verliert denn die Schulmedizin in den Augen der Patienten an Wert, lesen sie doch einmal aktuelle Umfragen. 

http://www.aerzteblatt.de/archiv/162906/Umfrage-der-Techniker-Krankenkasse-Die-meisten-Versicherten-sind-mit-ihren-Aerzten-zufrieden?src=search (zugeben, das ist ein schwache Quelle ;-))

Handlanger der Pharmaindustrie, der Medizingerätehersteller und unter der Knute der Betriebswirtschaft.ich möchte kein Arzt in der heutigen Zeit sein. Wo bleibt die Selbstbestimmung? Den wachsenden Unmut bekommen dann die Patienten zu spüren.

Die meisten KollegInnen sind mit der Situation ähnlich unzufrieden und können dies den Patienten gegenüber auch artikulieren. Die meisten Patienten lasten die Verhältnisse weder ihrem Arzt, noch der „Schulmedizin“ an.

Ich würde mir wünschen das die Schulmedizin sich runderneuert, Ihren Stellenwert wieder herstellt, wieder gesundet und sich von den Parasiten befreit. Selbstbestimmt und sicher Ihren Weg geht, denn dann kann man auch andere „Alternative“ oder Komplementäre Heilverfahren neben Ihr stehen lassen ohne sie und sich verbal in Zeitungsartikeln zu disqualifizieren.

Alternativmedizin stellt für mich und die meisten KollegInnen keine Bedrohung dar. Wenn ich keine besseren Ergebnisse erziele als ein Placeboverfahren, sollte ich mir ohnehin ernsthaft fragen stellen. Wieso sollte ich mich durch etwas bedroht fühlen, was ich in Dresden von diversen Anbietern in wenigen Stunden lernen kann? Ich könnte mir das leben deutlich einfacher machen, wenn ich einfach Globuli verabreiche, wenn jemand das wünscht.

Ich arbeite im übrigen recht gut mit einer Handvoll Medizinern zusammen, Voraussetzung ist natürlich der respektvolle Umgang, die Anerkennung der eigenen Grenzen und ein gemeinsames Ziel. Es würde allen gut tun sich etwas weniger wichtig zu nehmen und dafür den Focus wieder auf den Patienten zu legen.

Da wir uns nicht persönlich kennen und sie mich nicht gefragt haben, halte ich es für angebracht, wenn Sie über mein Innenleben keine Spekulationen anstellen.

In diesem Sinne, wünsche ich eine gesunde Meinungsfindung wenn es wieder einmal heisst, die Schulmedizin im Kontext der Heilverfahren.

Danke, es handelt sich aber nicht um eine Meinung (auch wenn die Rubrik in der SZ das suggeriert) sondern um den Stand der aktuellen Forschung in dem Bereich. Sollte die sich ändern, ändert sich auch meine Meinung.


Und ich habe auch eine Antwort bekommen:

vielen Dank für Ihre prompte Reaktion auf meine Mail.
Es ist wie ich es befürchtet hatte, in der Sicht auf die Dinge teilen wir leider kein Alphabet.

Sie sind einfach nur Arzt, ich bin einfach nur Osteopath.

Als Dozent in der Ausbildung von Osteopathen habe ich auch gelegentlich Studenten aus Ihrer Profession (frische oder gestandene Mediziner) vor mir sitzen, es ist erstaunlich welche Entwicklung in den fünf Jahren Osteopathiestudium sie durchmachen.
Anfangs recht reserviert, sich eine Meinung bildend, später mehr und mehr hinterfragend und auch sich selbst und das eigene Tun mit dem neuen Wissen vergleichend und entdeckend das die Wahrheit doch irgendwo
dazwischen liegt.
Schwer zu verstehen das die Hand als Werkzeug so filigran agieren kann, ja das selbst kleinste Unterschiede in der Konsistenz von Geweben, Bewegungen und Rhythmen wahrgenommen werden können.
Das erfordert lange lange Übung, vor allem aber das Vertrauen in das eigene Tun, die genaue Kenntnis der Anatomie und der Physiologie, das verstehen von Adaptation, Ontogenese und Phylogenese des Menschen.

George Finet und Christian Willame haben in einer Studie die seit den 80er Jahren Patienten untersucht und noch immer andauert, nachgewiesen das Organe sich bewegen, einem Atemrhytmus folgen (Lungenatmung)
einer Körperbewegung folgen, aber auch ein embryologisches Bewegungsgedächtniss haben.

Matrix, Grundsubstanz, Kommunikation des neuronalen Netzwerkes, Faszien die von glatten Muskelfasern durchzogen, Organe, Muskeln, Gefäßstrassen bildend immunologisch arbeitend und auf das autonome Nervensystem hörend…alles Dinge
die in der Ausbildung von Medizinern nur am Rande wenn überhaupt behandelt werden…aber nachgewiesen wurden und existieren.( Robert Schleipp)

Nein es tut mir nicht leid Ihnen geschrieben zu haben, es hat seinen Grund und es wird seine Wirkung entfalten.
Ach und bitte führen sie nicht das Ärzteblatt an, das ist wie die Betriebszeitung für Siemens Angehörige, wenn eine Krankenkasse eine Befragung startet und sie den Leuten vorlegt denen sie im nächsten Quartal evtl. Regresszahlungen aufmacht…das ist
für mich nicht Seriös, sorry.
Hm und war nicht die TKK die erste Kasse die ihren Versicherten osteopathische Behandlungen subventionierte? Auch wenn es ein klasse Marketing Streich war….

Gut, ob ein Link zur Ärztezeitung zu einer Umfrage nun „unseriös“ ist, weiß ich nicht. Wenn man sich die Daten betrachtet, muss man auf jeden Fall Interessenskonflikte bedenken. Allerdings wäre die angemessene Antwort gewesen, eine Quelle zu bieten, welche die Angaben der TKK-Umfrage widerlegen kann.

Das Fach Osteopathie muss man sicher differenziert betrachten. Edzard Ernst schreibt in seinem Buch „Was kann die Alternativmedizin?“, dass es in der Osteopathie Gruppen gibt, die sich eher dogmatisch an die reine Lehre halten und andere, die Versuchen, die Methoden empirisch zu belegen. Letztere Gruppe kann das Fach sicher weiter bringen und Patienten nutzen. Langfristig wird sich die eine Gruppe entscheiden müssen, ob sie noch mit der anderen Gruppe gemeinsam betrachtet werden möchte. Sicher zu den magischen Methoden kann man die Craniosacraltherapie zählen. Achtung, jetzt kommt ein Eigenzitat:

Craniosacrale-Therapie
Vorwissenschaftliche Methode der Osteopathie. Schädelnähte erinnerten den Osteopathen Sutherland Anfang des 20. Jahrhunderts an Fischkie- men und er postulierte, sie dienten der Atmung. Dieses als „craniosacraler Rhythmus“ bezeichnete Phänomen wollen Therapeuten anhand von Bewegungen der Schädelknochen gegeneinander spüren. Diese sind möglich, jedoch so gering, dass menschliche Sinneszellen sie nicht „auflösen“ können. Bei einem Test 1994 waren die von Therapeuten getroffenen Aussagen nicht replizierbar, nicht einmal vom selben Therapeuten, beim selben Patienten.“ Quelle

Ich war übrigens selbst schon bei einer Osteopathin und ich denke, ihre Behandlung und Beratung hat mir geholfen. Allerdings war sie auch Physiotherapeutin. Und das wäre mein Rat an jeden, der zu einem Osteopathen geht, nämlich darauf zu achten, dass es sich um eineN PhysiotherapeutIn handelt.

Vielen Dank an den/die AutorIn für die Rückmeldung.

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Nichts wirkt so gut wie Homöopathie*

In der Sächsischen Zeitung läuft gerade unter dem Titel „Anders heilen“ eine Serie zum Thema Alternativmedizin. Ich durfte dort auch ein paar Zeilen zum Thema schreiben. Unter den einzelnen Themen ist ebenfalls der eine oder andere Kommentar von mir zu finden. Im Rahmen der Irisdiagnostik hatte ich das bereits thematisiert. Auch der Text zur Homöopathie bedarf einiger Erläuterungen.

Homöopathie ist ein pseudomedizinisches Verfahren, dass auf diversen magischen Annahmen beruht. Ich werde mir eine Einführung an dieser Stelle sparen, Interessierte seien auf den Wikipedia-Artikel verwiesen.

Im Artikel wird Frau Dr. Tost, eine homöopathische tätige Kollegin, mit dem Satz zitiert: „Es (anm.:Homöopathie) ist keine Religion, und ich kann es nicht erklären – aber nicht nehme es dankend an.“ Ob Homöopathie sich für die Bezeichnung „Religion“ qualifiziert, mögen andere bewerten. Es handelt sich jedoch mit Sicherheit um einen Glauben. Beispielhaft dafür steht die Aussage der 1. Vorsitzenden der homöopathischen Ärzte in Deutschland, Cornelia Bajic, ihr sei egal, welches Ergebnis Studien hätten, sie sehe jeden Tag, dass Homöopathie funktioniere. Das heißt, keine Belege werden genügen, um ihre Einstellung zu ändern. Damit handelt es sich um einen Glauben.

Die Tatsache, dass Homöopathie trotz fehlendem Wirkstoff wirke, erklärte Frau Dr. Tost mit einer „Energieübertragung“ im Rahmen der Potenzierung. Energie bezeichnet die Fähigkeit eines Systems Arbeit zu verrichten. Da in der Homöopathie Wasser und Zucker (früher Lactose, heute Sacharrose) die heilende Wirkung transportieren sollen, muss die Energie irgendwie auf die Wasser- und Zuckermoleküle übertragen und dort gespeichert werden. Nicht nur das, mit jedem Potenzierungsschritt (also mit jeder Verdünnung), wird der Effekt stärker, wenn es nach den Homöopathen geht. In welcher Form die Energie gespeichert wird, hat bisher niemand erklären können. Insgesamt scheint es, als hätten Vertreter der Homöopathie ein anderes Verständnis von „Energie“ als der Rest der Welt. Abgesehen davon, dass Energie an sich noch keine heilende Wirkung hat.

Ich musste mir etwas die Augen reiben aber die Kollegin wird sogar mit der Aussage zitiert, mit Homöopathie könne man Krebs heilen. Das ist nicht nur falsch, sondern auch mutig, um nicht zu sagen, fahrlässig. Allerdings ist diese Aussage, innerhalb der Homöopathie eine logische Schlussfolgerung.

Machtlos sei Homöopathie bei „strukturellen“ Schäden, so steht es in dem Artikel. Beispielhaft werden Narben und Typ I Diabetes (bestimmte Zellen der Bauchspeicheldrüse gehen zugrunde) genannt. Interessanterweise zwei Phänomene, die sich kaum durch Placebo-Effekte beeinflussen lassen, und bei denen es auch nicht zu einer Spontanheilung kommt. Komischerweise lese ich an anderer Stelle, für Knochenbrüche sei Homöopathie ganz hervorragend geeignet. Wenn dass kein struktureller Schaden ist, dann weiß ich auch nicht.

Als letztes finde ich die Äußerung erwähnenswert, es gebe keine Placebowirkung bei kleinen Kindern und Tieren. Mit diesem Argument „wischen Fachleute“ wie sie das Argument weg, bei Homöopathie handele es sich um Placebomedizin. Seit langem gibt es jedoch Belege für Placebo-Effekte bei Tieren und Kindern. Man müsste sie nur suchen.

*Den Text aus dem Titel habe ich irgendwo auf Twitter gelesen, er ist also nicht von mir…leider. Ich weiß aber auch nicht wo die Quelle ist :-/

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