Monatsarchiv: Juni 2015

Albert Einstein war kein Atheist

Ob Albert Einstein an Gott geglaubt hat oder nicht, scheint vor allem Menschen wichtig zu sein, die es tun. Wenn man die Äußerungen Einsteins als Hinweis auf seine echte Einstellung zu „Gott“ ernst nehmen kann, dann hat er nicht an Gott geglaubt und fand die Idee eines Gottes kindisch. Er selbst hat sich aber eher als Agnostiker gesehen. Mir scheint jedoch von atheistischen Menschen unterschied ihn vor allem die Leidenschaft, mit der diese ihre Position vertreten. Nicht die Position, die sie vertreten.

Relevanz hat die Tatsache, ob Albert Einstein an Gott geglaubt hat oder nicht, allerdings nicht. Für die Beantwortung der Frage, ob es so etwas wie Gott gibt oder nicht und ob man an ihn glaubt, hat das keine keine Bedeutung. Wenn Morgen ein Brief veröffentlicht wird, in dem steht, Einstein hätte immer gelogen und eigentlich „geglaubt“, würde sich für „den Atheismus“ wenig ändern. Doch die Gemeinde der Gläubigen, zumindest der Teil der Gemeinde, der versucht, die Existenz Gottes nicht nur für sich selbst, sondern für alle nachzuweisen, wäre das ein große Freude.

Denn wer sich auf ein Buch beruft um seine Position zu belegen, wer seine Moral aus diesem einem Buch, geschrieben von diesem einem Wesen ableitet, der giert nach Bestätigung. In einer Zeit, in der alles, woran man glaubt in Frage gestellt wird, eine Zeit in der die unbeantworteten Fragen so kompliziert sind, dass die meisten sie nicht verstehen, von den Antworten ganz zu schweigen, braucht man Halt. Und was bietet, in der Abwesenheit rationaler Argumente, festeren Halt als eine Autorität? Eine Autorität die in einer Welt gelebt hat, die der eigenen nicht unähnlich war. Eine Welt die durch diese Person fundamental verändert wurde. So eine Autoritätsperson würde den Bund auffrischen, der durch Jesus von Nazareth geschlossen worden sein soll.

Es sieht aber weiterhin nicht danach aus, als würde es dazu kommen. Außer vielleicht, man sagt, es sei ohnehin alles relativ, das hat immerhin Einstein herausgefunden.  Und warum soll das nicht für seine Aussagen gelten?

Weiterlesen:

Did Einstein Believe In God?

Alles Relativ?

Die Zeugen Jehovas und ich:

– Zeugen im Kreuzverhör

Gottes Stimme an der Türschwelle

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized

Wissen zum Abgewöhnen

Sterben ist nicht so leicht wie man denkt. Wenn man es nicht aktiv versucht, sind die Chance in unseren Breiten, die 6. Dekade nicht zu erleben ziemlich gut. Und wenn man ein bisschen was dagegen macht, sind auch die 7. und 8. Dekade ein realistisches Ziel. Die Regeln dafür sind mittlerweile bekannt und Allgemeinplätze: Regelmäßige Bewegung, Alkohol in Maßen und nicht Rauchen. Trotzdem sind die Zeitungen voll von Ratschlägen, die behaupten, diese oder jene Aktion sorge dafür, dass man gesund bleibt und Alt wird. Besonders Essen wird dabei gerne mythisch aufgeladen.

Aber nicht nur über die Prävention eines vorzeitigen Todes wird in den Medien geschrieben, auch für Alltagsleiden werden „Behandlungen“ angeboten. Meist sind diese Berichte schlecht und schlicht falsch. Das sage nicht nur ich, das wurde nun auch systematisch untersucht. 11% ist die magische Nummer. 11% der Berichte zu Gesundheitsthemen in den Medien entsprechen dem aktuellen wissenschaftlichen Stand. Der Wetterbericht ist genauer, das Horoskop hat mehr Informationsgehalt als Berichte über Gesundheitsthemen. Dabei ist es fast egal, ob man eine Illustrierte liest oder eine „Qualitätszeitung“. Man kann es sich also sparen diese Berichte zu lesen und unter Umständen deren unsinnige Ratschläge zu umzusetzen und die Zeit anders nutzen. Hier wäre ein Vorschlag:

Weiterlesen:

Nur 11% der Gesundheits-Nachrichten stimmen

Medizin Transparent – Wissen was stimmt

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Quatschmedizin, Teure Medizin

Essen ist nicht ungesund

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/96/Abraham_van_Beijeren_004.jpg

Prunkstillleben Abraham van Beijeren 1640–80 (Wikipedia)

In unsere Gesellschaft, legt ein tonangebender Teil sehr viel Wert darauf, möglichst „natürlich“ zu leben, sich „der Natur“ nahe zu fühlen. Ein Focus der Bemühungen liegt dabei auf dem Essen. Vergessen wird oft jedoch, dass Essen vor allem eines ist: lebensnotwendig. Wer nichts isst, stirbt. Der Zusammenhang ist dabei nicht so unmittelbar wie beim atmen, weil es länger dauert bis man verhungert ist als bis man erstickt ist. Doch er ist unbestreitbar, Lichtnahrung hin oder her.

Noch nie hatten so viele Menschen über einen so langen Zeitraum, eine so große Auswahl sicherer Lebensmittel wie heute in den Industrienationen. Den Wert der Nahrung, nämlich uns am Leben zu erhalten, scheinen dabei viele vergessen zu haben. Essen muss heute mehr sein. Öko, bio, regional, die Begriffe sind austauschbar und haben über Marketing hinaus keine Bedeutung. Natürlich ist auch diese Nahrung so wenig, wie alles andere was wir heute zu uns nehmen. Wichtig ist auch, dass Nahrung „gesund“ ist, wobei, wie gesagt, ignoriert wird, dass es am ungesundesten ist, keine Nahrung zu sich zu nehmen. Was es bedeutet, wenn Nahrung „gesund“ ist, kann oft ohnehin niemand sagen. Ob Nahrung in Zusammenhang mit der Entstehung von Krebs steht oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen soll, irgendwas ist ja immer.

Und meistens ist es falsch. Gelegentlich dauert es nur wenige Monate, manchmal aber auch Jahre oder Jahrzehnte bis falsche Informationen über gesundheitliche Effekte von Nahrungsmitteln im öffentlichen Bewusstsein richtig gestellt werden. Darum geht es in einem Artikel von „Mayo Clinic Proceedings“. Darin wird erklärt, warum die meisten Studien zu den gesundheitlichen Effekten falsche Ergebnisse liefern und oft so konstruiert sind, dass es auch gar nicht anders geht. Der Autor fordert, weniger Studien zum Thema Nahrung und Gesundheit zu machen, diese dafür jedoch vernünftig.

Nicht, dass dieser Artikel irgendetwas ändern würde. Nahrung wird weiter nahezu religiös betrachtet und aufgeladen werden. Über den moralischen Aspekt, der auch zunehmend anstrengend wird, habe ich dabei noch nicht mal etwas gesagt.

Weiterlesen: Why Everything We ‚Know‘ About Diet and Nutrition Is Wrong

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/4a/Heda%2C_Willem_Claeszoon_-_Breakfast_Table_with_Blackberry_Pie_-_WGA.jpg

Mahlzeitstillleben Willem Claesz. Heda Stillleben mit Brombeerpastete, 1631 (Wikipedia)

2 Kommentare

Eingeordnet unter Kontrovers, MEINung, Skeptizismus

Esoterik und psychische Gesundheit

Durch die fleißige Arbeit von Andreas Weimann im Hintergrund, ist nun auch mein Vortrag der diesjährigen Skepkon auf Youtube verfügbar. Ich versuchte darzulegen, warum Menschen, die irrationalen Ideen anhängen nicht „verrückt“ sein müssen. Unabhängig davon, wie abgefahren anderen die Idee erscheinen kann. Im kommenden Skeptiker (03/15) ist ein Text zum Thema geplant.

3 Kommentare

Eingeordnet unter Berichterstattung, Blog

Lara Liqueur rettet Dresden

PEGIDA lässt seine eigene Kandidatin, die homophob-rassistische Bölkröhre Tatjana „Taddel“ Festerling antreten und befürchtet schlimme Wahlmanipulation vom politischen Mainstream, auch bekannt als „Volksverräter“. Wahlhelfer sollen es richten! Abgesandte von PEGIDA sollen in alle Wahllokale Dresdens gehen und sich dort von der Richtigkeit der Wahl überzeugen. Mehrere hundert Menschen wünschen sich der Bachmann Lutz und seine freundlichen Stiernacken. Es ist zu vermuten, dass der eine oder andere juristisch unbeleckte PEGIDIST seinem, über die letzten Monate, auf der Demonstration mit verbalrassistischen Steroiden aufgepumpten, Gerechtigkeitssinn vertrauen wird. Ich sehe sie schon vor mir, wie sie, im Namen des Volkes, Einlass und Einblicke verlangen und sich über die Verwehrung ihrer gefühlten Rechte empören. Eklats sind vorprogrammiert, wenn der eine oder andere des Wahllokals verwiesen wird. Diese Belege der Niedertracht der „herrschenden Kaste“ werden dann über soziale Medien von den „Spaziergängen“ hoch- und runtergeleiert. Man wird Parallelen zur DDR, wenn nicht zum Dritten Reich ziehen. Der Opfermythos wird weitergeschrieben werden, in der Hoffnung, der Wut noch einmal Zunder zu geben, um den mit sinkenden Teilnehmerzahlen kämpfenden Demos wieder Aufwind zu verschaffen. Man will auch im Hellen Dresden, Deutschland und der Welt Sachsens hässlichste Seite zeigen: Wütende BürgerInnen an der Seit von Faschisten, die sich friedlich geben und auf die Gelegenheit warten, es „denen da Oben“ endlich einmal so richtig zu zeigen. „Die da Oben“, eine Gruppenzuschreibung die man auch ohne umständlich zu erstellende Nürnberger Gesetze gut ausweiten kann. Auf alle, die dem eigenen Weltbild nicht entsprechen. Mit dem entsenden von Wahlbeobachtern und dem Raunen des vorbereiteten Wahlbetrugs, aus Angst vor „dem Volk“, wird bereits im Vorfeld das Narrativ für die verlorene Wahl vorbereitet.

Durch den Antritt einer eigenen Kandidatin kann PEGIDA nur gewinnen. Wenn Frau Festerling gewinnt und wenn sie verliert. Ein genialer Schachzug von Bachmann Lutz. Man traut ihm das eigentlich nicht zu und kann nur hoffen, es handelt sich eher um Glück als um Verstand.

Das ist alles nicht lustig. So bleibt eigentlich nur, Lara Liqueur zu wählen, die nicht immer lustig aber nie ernst ist, sich aber trotzdem an ihr Wahlversprechen hält und mit allen einen Schnaps trinkt, die wollen. Auch mit Frau Festerling, die sich an den Arbeitsplatz von Frau Liqueur begab, um von ihren widerlichen Äußerungen bezüglich sexuell anders als hetero orientierten Menschen abzulenken. Vielleicht. Vielleicht wollte sie auch nur zeigen, dass sie hipp und cool ist und nichts gegen Menschen hat, die „anders“ sind. Solange sie ihren Platz kennen. An der Unterhaltungsfront, um dem reaktionären Spießbürger ein wenig Abwechslung zu bieten. Auch in den goldenen 50ern, die sich die PEGIDA so sehr zurückwünschen, durften Transen auf der Bühne auftreten. Hauptsache sie ließen die Kinder in Ruhe.

Frau Liqueur betritt nun jedoch die politische Bühne. Dort vertritt sie die Parteilinie „Inhalte Überwinden“ im Kommunalwahlkampf eloquent und gut geschminkt. Was wäre es für ein Schlag ins Gesicht von PEGIDA und ihren reaktionären Anhängern, wenn dieser junge Mann mehr Stimmen erhält als Frau Festerling.

Gar nicht zu reden davon, dass der Ruf nach Wahlbetrug zumindest für alle anderen die spaßige Möglichkeit böte, zu fragen, welchen Nutzen die „Volksverräter“ daraus ziehen, Frau Festerling abzustrafen und eine Dragqueen zu belohnen? Auf die diesen Umstand erklärende Verschwörungstheorie freue ich mich jetzt schon. Bitte macht uns allen diese Freude und wählt im ersten Wahlgang Lara Liqueur (aka Lars Stosch).

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Berichterstattung, Humor, MEINung