Besorgte für die ‚Freie Gesellschaft‘

Gerade wollen viele eine freie Gesellschaftsordnung schützen, indem sie sie unfreier machen. Insbesondere durch Gesetzverschärfungen. Die besorgten Bürger mögen sich darüber freuen, dass „die Ausländer“ – wahlweise „die Flüchtlinge“ – jetzt härter angepackt werden sollen. Dabei vergessen Sie, dass viele dieser Menschen nur zeitweise in Deutschland bleiben werden. Ausbaden müssen die Gesetzverschärfungen die, die bleiben. Dazu dürfte die Mehrzahl derer gehören, die jetzt den populistischen Vorschlägen applaudieren. So wird uns aus Angst vor dem rechten Michel Law and Order Politik untergejubelt. Freiheit stirbt mit Sicherheit.

Dabei ist das was in Köln passiert ist, gerade eine Zeichen dafür, dass wir in einer freien Gesellschaft leben. Denn deren Mitglieder gestalten ihr Leben weitgehend selbständig, ohne ständiger Kontrolle zu bedürfen. Dabei können Dinge schief gehen. Und wenn die Umstände passen, können sie sogar gewaltig schief gehen. So wie in Köln.

Schärfere Gesetze werden uns nicht vor einer Wiederholung schützen. Denn „verboten“ war das alles bereits in der Silvesternacht 2015. Schützen könnte uns ein solidarisches Verständnis von Zivilcourage. Eines, das Menschen dazu ermutigt, einander zu helfen, wenn sie in Not sind. Spontane Solidarität. Wir können darüber sprechen, ob die Ereignisse mit „dem Islam“ oder sonst einer „importierten Kultur“ (gähn) zu tun haben. Oder wir sprechen darüber, wieso die Mitglieder unserer „freien, liberalen, zivilisierten Gesellschaft“ einander an diesem Abend nicht solidarisch zu Hilfe gekommen sind.

In ersterem Fall müssten „die anderen“ sich verändern im zweiten wir alle.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Überleben, Fragment, Ideologisch

Eine Antwort zu “Besorgte für die ‚Freie Gesellschaft‘

  1. Bernd

    Bei der hohen Anzahl untereinander vernetzter und abgesprochen agierender Täter in Banden müsste sich selbst in gewalttätig agierende Gruppen zusammengeschlossen werden. Bürgerwehr und Selbstjustiz. Das hätte sicher die Silvesterfeier gerettet. Nicht.

    Aus der Provinz ist mir das allerdings seit der Jugend wohlbekannt, da die Dorfpolizisten bei gewalttätigen Auseinandersetzungen lieber Ehrenrunden drehen, bis die Handlungen beendet wurden. Oder gleich am Telefon meinten „Bevor niemand ernsthaft verletzt wurde, fahren wir gar nicht erst los. Sie können ja auf der Wache eine Anzeige aufgeben, wenn Sie meinen, daß das was bringt.“ – Das bringt wirklich was: die Täter bekommen, falls das Verfahren nicht eingestellt wird, ein paar Arbeits- und „Therapie“stunden in der „Gruppe“ (lernt man schön Gleichgesinnte kennen), deren Ableisten nicht mal ordentlich kontrolliert wird – und haben auch noch die Adresse des Opfers, falls sie sich für die Anzeige „bedanken“ wollen.

    Was man aus Problemvierteln kennt – persönliche Bewaffnung und „wir regeln das selbst“ – war in strukturschwacher Region schon in den 90ern Ouzo.

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