Herrenwitze

Wahrscheinlich im Grundschulalter habe ich das erste mal gehört, dass die ersten Siedler die „Indianer“ mit Glasperlen bezahlt haben. Irgendwie habe ich nicht gedacht, wie doof die „Indianer“ gewesen sein müssen, sondern hatte eher das Gefühl, mir fehlt ein Stück Information. So könnte es auch Harald Lesch und David Precht in „Herrschaft der Zahlen“ gegangen sein“ als sie unter anderem über Geld sprachen und an der falschen Stelle lachten.

Ich lese gerade „Schulden“  von David Graeber. Leider bin ich weit davon entfernt, alle von ihm vorgestellten Konzepte durchdrungen zu haben. Aber das Rätsel mit den Glasperlen hat sich aufgelöst. Es gab viele Gesellschaften in der Geschichte, in denen Objekte als „Währung“ genutzt wurden, die keinen anderen Zweck erfüllen konnten. Diese Währungen wurden nicht im Alltag benutzt sondern für besonders wichtige Ereignisse. Ein sinnloses Objekt wie eine Glasperle als Zahlungsmittel anzuerkennen, ist demnach nicht so weit hergeholt wie es sich für einen mitteleuropäischen Grundschüler anhören mag.

Harald Lesch spricht darüber, dass Geld heute nur noch aus Nullen und Einsen besteht, nur noch virtuell vorhanden ist. Es sei nicht genug Geld da, um all das virtuelle Geld auszuzahlen. Lesch und Precht sind sich darüber einig, dass das total lächerlich ist, mit dem virtuellen Geld. Eine Tollheit der Moderne.

Geld hatte in der großen Mehrzahl der Gesellschaften in denen es genutzt wurde auch einen virtuellen Wert. In den wenigsten Fällen war eine Münze soviel Wert, wie das Material aus dem sie gemacht wurde. Das Geld war soviel Wert, wie die Gesellschaft gemeinsam beschloss, dass es Wert war. Lesch und Precht sind sich in ihrer Lustigkeit einig, dass Bargeld etwas wert ist, virtuelles Geld, also die Nullen und Einsen auf unseren Konten hingegen nicht.

Dabei ist der Wert eines 500 Euroscheines fast nur virtuell. Denn es handelt sich um ein Stück aufwendig verarbeitetes Papier, dessen Materialwert sich nur darum rechtfertigen lässt, weil sein virtueller Wert so hoch ist.

Herr Precht und Herr Prof. Lesch waren sich einig. Unsinn überall Unsinn. Ich bin mir uneins, immer noch, ob ich den Herrn Prof. Lesch vor allem langweilig oder vor allem pastoral finde.

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Eingeordnet unter Fragment, Lachhaft, MEINung

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