Archiv der Kategorie: End/t-Warnung

Maulwurf gräbt im Verfassungsschmutz

Ich setze mal meinen Aluhut auf.

Ist es vorstellbar, dass der „Maulwurf“ beim Verfassungsschutz, der einer islamistischen Ideologie angehangen haben soll, gezielt dort platziert wurde? Vom Verfassungsschutz? Immerhin häufen sich die Aufforderungen an die Behörde, sich intensiver mit dem rechtsextremen Rand der Gesellschaft zu beschäftigen. Traditionell scheinen die Schnittmengen der Rechtsextremisten und der Schlapphütte besorgniserregend groß zu sein. Die NSU-Morde sind dafür nur der letzte Beleg.

So kommt der Maulwurf zur passenden Zeit. Gerade wurde der Verfassungsschutz angewiesen, die „Reichsbürgerbewegung“ zu beobachten, was man dort bisher nicht für notwendig erachtet hatte. In den nächsten Monaten dürften wir wieder mehr über die Gefahr „des Islam“ und weniger über die Gefahr nationaler Faschisten hören. So wird der Verfassungsschutz die rechtsextreme Szene weiter „führen“ und die radikalen Islamisten bekämpfen. Die Folgen dieser Politik versucht man gerade am Oberlandesgericht München aufzuklären. Er könnte mindestens 10 Menschen das Leben gekostet haben.

Jetzt setze ich den Aluhut wieder ab.

Das Problem an dem Gedanken ist, dass es bisher keiner Möglichkeit zu geben scheint, wie der Verfassungsschutz zu transparentem Handeln gezwungen werden kann. Er verweigert sich bisher erfolgreich demokratischer Kontrolle. Das hat er den Reichsbürgern voraus. Es liegt in der Natur eines Geheimdienstes, nicht alles öffentlich zu machen. Bisher hat sich der Verfassungsschutz jedoch auch einer parlamentarischen Kontrolle weitgehend entzogen. Wäre der Verfassungsschutz eine demokratische Behörde, könnten Abgeordnete seine Arbeit überprüfen, vor die Presse treten und uns mitteilen, ob es ein Problem gegeben hat oder nicht. Ob dieses Problem öffentlich diskutiert und gelöst werden sollte, hängt vom Einzelfall ab. Diesem Vorgehen entzieht sich der Verfassungsschutz jedoch, indem er Akten vernichtet und Ermittlungen behindert.

Als Freund unserer Verfassung müsste ich eigentlich auch Freunde einer Behörde sein, deren Name angibt die Verfassung zu schützen. Im Moment scheint der Name aber eher eine Form von orwellschem Neusprech zu sein. Oh, jetzt hatte ich aus Versehen den Aluhut wieder aufgesetzt.

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Eingeordnet unter End/t-Warnung, Ideologisch, Prognose

Alter Käse – Die lieben Kollegen

Die lieben Kollegen. Immer auf das Wohl der Patienten bedacht. Darum ist es ihnen auch so wichtig, das medizinische Wissen durch Forschung zu vermehren. Wissenschaft! Um so besser, wenn man das auch noch bezahlt bekommt. Während das akademische Prekariat mit Erdnüssen und Zeitverträgen abgespeist wird, klotzen die Pharmaunternehmen bei den niedergelassenen KollegInnen richtig ran. 100 000 000 Euro haben sie sich beispielsweise „Anwendungsbeobachtungen“ kosten lassen. Die Aufregung der Presse ist mal wieder groß. Man wirft Medizinern und Industrie vor, diese nur als Tarnung zum Verschreiben unnützer und/oder überteuerter Medikamente zu verwenden. Das wäre im besten Fall kreatives Marketing und im schlechtesten Falle nicht justiziable Bestechung.

Dabei ist es doch logisch, warum Verschreiber und Hersteller hier eng zusammenarbeiten müssen! Dass es keine (Zusatz-)Nutzen gibt, liegt doch nur daran, dass BISHER noch niemand den Nutzen der Medikamente bei bestimmten Erkrankung herausgefunden hat! Darum nehmen Hersteller und Verschreiber die mühsame Arbeit auf sich und machen aus jeder Behandlung ein Experiment. Das ist gelebter Altruismus auf Seiten der Patienten. Die Patienten wären stolz auf sich, wenn sie denn wüssten, was da mit Ihnen passiert.

Und es ist immerhin besser, wenn man ein bereits am Menschen erprobtes Medikament nimmt, als ein vollkommen Unbekanntes. Denn trotz (mindestens) zweier katastrophal verlaufender Phase-I Tests von Wirkstoffen in Industrieländern, schaffen es die Regulierungsbehörden nicht, die Unternehmen dazu zu bringen, alle Daten herauszurücken. So weiß manchmal das eine Unternehmen nicht, was das andere schon herausgefunden hat, Probanden riskieren unnötig ihre Gesundheit oder ihr Leben.

Und deswegen sollte man die niedergelassenen KollegInnen auch verstehen! Wenn nicht mal führende Pharmaunternehmen sich human verhalten, wieso sollten sie dann mit gutem Beispiel voran gehen und sich an eigene ethische Standards halten? Noch dazu, wenn der Status Quo so gut bezahlt wird.

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Eingeordnet unter Überleben, End/t-Warnung, Forschung, Kolumne, Teure Medizin

Plötzlich unfreiwillig ungeimpft – Durch Masern zur Vernunft

Eine Mutter von sieben Kindern entschied sich vor einigen Jahren, diese nicht (mehr) zu impfen. Sie hatte Angst, weil sie den falsch verbreiteten Informationen glaubte, Impfungen würden ihren Kindern schaden. Als in den USA in Disneyland Masern ausbrechen, entscheidet sie sich, die Evidenz zum Thema noch einmal zu prüfen. Als auch in ihrem direkten Umfeld Kinder an Masern erkranken, plant sie gemeinsam mit ihrem Kinderarzt, die Impfungen für ihre Kinder nachzuholen. Wenige Tage bevor der Termin stattfinden kann, erkranken ihre Kinder an Keuchhusten. Alle sieben Kinder. Keuchhusten ist eine Erkrankung gegen die man impfen kann. Wer sich einen Eindruck verschaffen will, schaue sich dieses Video an:

Auch Erwachsene können Keuchhusten bekommen und es so an Kinder weitergeben. In den USA werden einige Ausbrüche auf Erwachsene ohne Impfschutz zurückgeführt.

Im Originaltext der Mutter kann man auch sehr schön lesen, dass sie ihre Kinder nun mit derselben Motivation impfen lässt mit der sie sie vorher hat nicht impfen lassen: Der Versuch, sie zu schützen. Klug scheint mir ihr Vorgehen zu sein, konkrete Fragen und Befürchtungen auszuschreiben, die man zum Thema impfen hat und diese zu klären. Und zwar nicht auf zusammenfantasierten Websites von Milchwirten mit Verschwörungsideen. Sondern, beispielsweise auf den Seiten des Robert Koch Instituts. Wer dem RKI nicht vertraut, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen.

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Eingeordnet unter Überleben, End/t-Warnung, Quatschmedizin

Chinesischer Selbstmordhoax – Das kommt davon

Vor einigen Tagen habe ich eine Nachricht über einen jungen Mann in China verbreitet, der Selbstmord begangen habe soll, nachdem seine Freundin weiter shoppen wollte. Hach, das war zu gut um es nicht zu verbreiten: beliebte Klischees und ein tragisches Ende. Und totaler Unsinn.

No, a Guy Didn’t Kill Himself Because His Girlfriend Wouldn’t Stop Shopping

Ups!

Aber es stand doch in der Zeitung!

Ich gelobe Besserung.

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22. Dezember 2013 · 12:25

Psychopharmaka bei Kindern

Ritalin ist ja mittlerweile mehr ein Reizstoff, als ein Medikament. Dabei steht es für eine ganze Gruppe von Medikamenten, so genannte Stimulanzien im Allgemeinen und Methylphenidat (MPH) im Besonderen. Ich weiß gar nicht, über welche Gruppe von Medikamenten die meisten Falschinformationen kursieren aber MPH gehört sicher zu den Top drei (Neben Impfungen und Chemotherapeutika). MPH wird für die ADHS verschrieben (etwas, was man wahrscheinlich nicht mehr erwähnen muss).

Viel diskutiert wird beim Thema ADHS der, wahlweise explosionsartige oder exponentielle, Anstieg der Verschreibungsmengen. Oft werden düstere Absichten von „Pharmakonzernen“ als Ursache gesehen, die, zum eigenen Profit, möglichst vielen Kindern „Ritalin“ verschrieben sehen wollen (von den ärztlichen Profiteuren der „Pharmaindustrie ganz zu schweigen). Wenn ich auch meine Hand nicht für Intentionen irgendeines Unternehmens ins Feuer halten werde, ist diese Darstellung doch arg vereinfacht. Ich würde sagen, sie ist soweit vereinfacht, dass sie falsch ist.

Und vielleicht argumentieren viele „ADHS-Kritiker“ (gibt es auch Gastroenteritiskritiker?) mit veralteten Argumenten. Und das nicht nur, wie auf der Facebookseite von ADHS Deutschland gerade hübsch dargestellt wird, wenn es um die Entstehung, Ursachen und Behandlung der ADHS geht. Auch die Menge an Psychopharmaka, die Kinder bekommen, scheint, entgegen der oft kolportierten Meinung, zu sinken. Ich schreibe das gerne nochmal: Eine kürzlich herausgekommene Studie zeigt, dass, im ganzen, die Menge an verschriebenen Psychopharmaka sinkt. Und das obwohl die Anzahl von Kindern, die eine psychische Störung diagnostiziert bekommen steigt.

Nun mag man von letztgenanntem Fakt halten, was man will, beide Befunde zusammen sprechen zumindest gegen eine „Medikalisierung unserer Kinder“, von der hier und da öfter mal etwas zu hören ist. Wenn es einen unkritischen Einsatz von Psychopharmaka bei Kindern gab, scheint sich ein Bewusstseinswandel ergeben zu haben. Es wird interessant, ob diese Zahlen sich auch in weiteren Studien, in weiteren Ländern bestätigen lassen.

Wie auch immer, „ADHS-Kritiker“ wird das wohl nicht zum Schweigen bringen.

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Zecken übertragen keinen Autismus

Alberne Überschrift? Nur im ersten Moment. Bei meinen Recherchen zu den Ansichten von Luc Montagnier zum Thema Autismus bin ich auf eine Szene gestoßen, in der man die Ansicht vertritt, Lyme-Borreliose würde zu Autismus führen. Als Therapie wird dort auch, Überraschung Langzeittherapie mit Antibiotika gefordert. Damit liegen sie auf einer Linie mit Montagnier.

Wenn diese Annahme zuträfe, müssten Kinder mit Autismus Antikörper gegen Borrelien aufweisen und zwar häufiger als Kinder ohne Autismus. Juhu! Eine falsifizierbare Aussage!

„It has been proposed that Borrelia burgdorferi infection is associated with ∼25% of children with autism spectrum disorders. Here antibodies against Borrelia burgdorferi were assessed in autistic (n=104), developmentally delayed (n=24) and healthy control (n=55) children. No seropositivity against Borrelia burgdorferi was detected in the children with and without autism. There was no evidence of an association between Lyme disease and autism.“

Left Brain Right Brain berichtet ausführlich und weißt darauf hin, dass selbst die Organisation nicht behauptet alle Fälle von Autismus seien auf Borreliose zurückzuführen:

„A subset a children on the autism spectrum also have active Borreliosis, we don’t know how large of a subset this is, we do know from informal studies that it is AT LEAST 20-30% which would be over 200,000 children in the United States alone.“

Glücklicherweise hat man dort vorgesorgt, so dass die Ergebnisse der Studie nicht das Ende ihrer Idee bedeuten, es wäre doch so schade um den  ganzen Webspace.

„Children with a family history for auto-immune disorders, genetic predispositions to neurotoxins may be subject to a false negative result.“

Bestens, dann muss man nur noch Argumentieren, alle Kinder in der Studie, hätten einen Immundefekt. Ich gehe mal eben die Torpfosten verschieben.

[Vorsicht, in diesem Text können Spuren von Ironie oder ironieähnliche Satzteile versteckt sein]

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HPV-Impfung erfolgreich

Im BMJ ist Mitte April eine Studie erschienen, in der die Rate an Infektionen mit dem Humanen Pappiloma Virus (HPV) untersucht wurde. Diese ist bei den geimpften Frauen ( unter 30 Jahre) von 11% auf 0,85% zurückgegangen. Wenn sich das, zumindest ungefähr, auf die Rate der Erkrankungen von Gebärmutterhalskrebs überträgt, wäre das ziemlich beeindruckend. In Australien sind 87% der Zielgruppe geimpft, Deutschland hängt mit 30% ziemlich zurück. Das könnte auch mit der zum Teil aggressiven Werbung zusammen hängen, mit der die Impfung eingeführt wurde und die misstrauisch machte. Die Gemeinde der Impfgegner hatte leichtes Spiel.

Interessant an der Studie ist ein Anstieg der Infektionen mit Clamydien. Das könnte auf eine falsches Sicherheitsgefühl bei Geimpften hinweisen, was sie dazu verleitet ungeschützt Sex zu haben.

Auch in der SZ wird berichtet.

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Eingeordnet unter Überleben, End/t-Warnung, Vorläufig

Wissenschaft in fremder Hand

Die „Union of Concerned Scientists“ hat such ein paar Gedanken darüber gemacht, wie man dafür sorgen kann, dass die Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeiten die Realität eher widerspiegeln, als die Interessen der Auftraggeber [1]. Gerade in der Medizin kommen in regelmäßigen Abständen Manipulationen von Daten ans Licht, die dafür sorgen, dass Ärzte und Patienten keine Entscheidungen treffen können, die in ihrem Interesse ist. Außer natürlich, man unterstellt ÄrztInnen, ihr einziges Interesse sei es, in kurzer Zeit viel Geld zu verdienen, egal was für Folgen das haben mag.

„Federal decision makers need access to the best available science in order to craft policies that protect our health, safety, and environment.

Unfortunately, censorship of scientists and the manipulation, distortion, and suppression of scientific information have threatened federal science in recent years.

This problem has sparked much debate, but few have identified the key driver of political interference in federal science: the inappropriate influence of companies with a financial stake in the outcome.

A new UCS report, Heads They Win, Tails We Lose, shows how corporations influence the use of science in federal decision making to serve their own interests.“

[1] http://www.ucsusa.org/scientific_integrity/abuses_of_science/how-corporations-corrupt-science.html

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Eingeordnet unter End/t-Warnung, Kohle

Homöopathie und besser Wissen

In der Süddeutschen Zeitung ist gerade von einigen Forschern zu lesen, die richtig stellen, von Homöopathen falsch zitiert worden zu sein [1]. Sehr aufschlussreich. Und ein bisschen lustig, das sieht aber sicher jeder anders.

[1] http://www.sueddeutsche.de/wissen/umstrittenes-heilverfahren-homoeopathie-missbrauchte-studien-1.1267699

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Eingeordnet unter End/t-Warnung

Rotwein bleibt vorerst ‚gesund‘

Wahrscheinlich wird die Meldung bald von weiteren Medien aufgegriffen. Bisher berichten der Standard [1] und die Ärzte Zeitung [2] über die gefälschten Studien zu Rotwein und dem Wirkstoff Resveratrol. Resveratrol soll für die positive Wirkung geringer Mengen Rotwein auf das Herz verantwortlich sein.

Die gefälschten Studien bedeuten jedoch nicht, alles, was in dem Feld erforscht wurde, falsch ist. Im Gegenteil, auf dem Blog „Retraction Watch“ berichtet einer der führenden „Rotweinforscher“ [3]:

Now for the last big issue: what does this do to the whole resveratrol/sirtuin field? Not as much as you might think. As mentioned above, Das really doesn’t seem to have been that big a figure in it, despite cranking out the publications, and a lot of interesting (although often confusing) work has come from a variety of other labs.

Na dann: Prost!

[1] http://derstandard.at/1326466469056/Forschungsbetrug-Daten-ueber-gesundheitlichen-Nutzen-von-Rotwein-gefaelscht

[2] http://www.aerztezeitung.de/news/article/801149/rotwein-forscher-studien-gepanscht.html

[3] http://retractionwatch.wordpress.com/2012/01/12/so-how-peripheral-was-dipak-das-resveratrol-work-really/

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Eingeordnet unter Überleben, End/t-Warnung