Archiv der Kategorie: Berichterstattung

Sinupret in der Kritik

Das pflanzliche Arzneimittel Sinupret® ist bei akuter und chronischer Entzündung der Nasennebenhöhlen zugelassen. Die meisten Menschen nehmen es, wenn sie „Schnupfen“ haben. Ich habe als Kind auch so einiges an Sinupret® verstoffwechselt, geschadet hat es mir (wahrscheinlich) nicht.

Der Nutzen von Sinupret® ist laut „arznei-telegramm“ nicht belegt. Sinupret® warb vor einigen Jahren mal mit einer Reihe von Studien, deren Methoden eher fragwürdig waren.

Für mich gehört Sinupret® zu den Arzneimitteln, die im Rahmen einer Krankheitskultur bei banalen Infekten und Männergrippe eingenommen werden können. So eine Art „Placebo-Plus“: Es ist ein Arzneimittel mit schwacher Evidenz, dass seine Wirkung aber nicht mit Magie begründet. Also ein „normales“, wahrscheinlich nicht wirksames Mittel. Eigentlich gehört es vom Markt genommen, aber es gibt andere Medikamente, die deutlich mehr Schaden anrichten. Zumindest sah es bisher so aus.

In der aktuellen Ausgabe des „arznei-telegramm“ (11/16) wird von einer Überempfindlichkeitsreaktion nach der Einnahme von Sinupret Extract ® berichtet. Bei der Patientin mit einem bekannten Asthma bronchiale führte das zu einem schweren Asthmaanfall (Status asthmaticus).

Pflanzliche Arzneimittel haben bei vielen Menschen einen guten Ruf, weil sie „natürlich“ sind. Dass viele Pflanzen „natürliche“ Abwehrstoffe gegen Fraßfeinde (dazu gehört auch der Mensch) produzieren, die auch tödlich sein können, wird dabei gern vergessen. Nebenwirkungen sprechen nicht grundsätzlich gegen die Einnahme eines Medikamentes, sie müssen jedoch durch die positive Wirkung aufgehoben werden.

Bei Sinupret® scheint die positive Wirkung überwiegend subjektiver Natur zu sein. Man muss also entscheiden, ob dieser Nutzen die Gefahr von Schadwirkung aufhebt. Leider gibt es immer noch nicht die Transparenz, von Seiten der Pharmaindustrie, auf die Patienten ein Recht haben. Im Gegenteil. In derselben Ausgabe des „Arznei-telegramm“ wird davon berichtet, dass die chinesische Behörde, die die Pharmaindustrie überwachen soll, 80% (!) der Studienergebnisse in China als Fälschung nachweisen konnte. Wir brauchen ALLE DATEN!!!

Weiterlesen:

Tod durch Intransparenz – 1:0 für die Pharmariesen

The Heat Is On For The Chinese Pharmaceutical Industry

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Prognose I

Also, ich versuch mich mal in Hellseherei. Weil man da nix zu verlieren hat.

Müller-Milch hat sich einen (vorhersehbaren) Marketing-GAU geleistet und das Bild einer dunkelhäutigen Frau genutzt um für seine Schokomilch zu werden. Das freut verklemmte Nazis die zum masturbieren nur den Kühlschrank öffnen müssen. Aber „das Netz“ regt sich auf. So sehr das Müller sich zu einer Stellungnahme genötigt sah. Immer dieser Terror der Gutmenschen.

Hier meine Prognose. Am Montag wird in Dresden vom Plastikanhänger herunter jemand das als Beleg nehmen, was in diesem Land alles falsch läuft. Man darf nicht mal mehr…. Und schon kommen die… Dabei ist doch nichts dagegen einzuwenden… So ein leckeres Schockomädchen…

Mir ist jetzt schon übel. Ganz ohne Müller-Milch.

Danke an Marcel für den Hinweis.

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MDR an der Volksfront

Folgende Geschichte erzählte der MDR, mit dramatischem Anstrich:

Ein allein erziehender Vater verlegt den Wohnsitz der Familie von Kassel nach Leipzig. Die 15 Jahre alte Tochter muss mit. Soweit, so normal. Die Tochter lässt neben allen Freunden auch ihren Freund in Kassel zurück. Sie will nicht beim Vater bleiben und wendet sich ans Jugendamt. Das Jugendamt stellt den Willen der jungen Frau über den des Vaters und gewährt ihr die Möglichkeit in Kassel in eine WG zu ziehen. Der Freund scheint Schwierigkeiten zu haben, sich an die Regeln der Gesellschaft zu halten und gerät wiederholt mit dem Gesetz in Konflikt. Außerdem ist er Anhänger einer buddhistischen Glaubensgemeinschaft, denen bestimmte Glaubensregeln wichtig sind und die ihr Leben danach ausrichten. Auch die Tochter schließt sich dieser Glaubensgemeinschaft an und verändert ihr Äußeres. In der Familie ihres Freundes fühlt sie sich aufgenommen. Der Vater macht sich Sorgen wegen die Veränderung seiner Tochter. Er hatte nie etwas mit Buddhismus am Hut und versteht nicht, was sein Tochter daran findet. Außerdem hat er Angst, dass sich die Tochter noch weiter den Glaubenssätzen der Glaubensgemeinschaft unterwirft, sich womöglich radikalisiert (es gibt radikale Buddhisten die Gewalt gegen Andersgläubige ausüben). Die Tochter sagt, mit diesen Radikalen Kreisen habe sie nichts zu tun.

Der Versuch, ohne den Vater in Kassel zu leben, funktioniert nicht. Unter anderem, weil der Vater Himmel und Hölle in Bewegung setzt, um seine Tochter wieder nach Hause zu holen. Die Tochter sagt sich vom Vater los, will nichts mehr mit ihm zu tun haben. Doch der Vater findet in einem CDU-Politiker einen verständnisvollen Gehilfen und befreit die Tochter aus den Fängen des Jugendamtes und die Tochter kehrt zum Vater zurück. Der Freund der Tochter muss währenddessen die Konsequenzen seines Handelns tragen und geht ins Gefängnis.

Ein Versuch, die Tochter durch einen gemäßigten buddhistischen Mönch davon zu überzeugen, ihren Vater wieder zu lieben scheitert. Sie muss trotzdem bei ihm wohnen. So ist das manchmal. Kinder, die zu Erwachsenen werden lehnen die Eltern und deren Werte ab, manchmal sehr intensiv. So entwickelt sich Autonomie.

Und warum berichtet der MDR über einen solchen Fall in einem dramatisch inszenierten Beitrag? Wieso wird die Geschichte einer Jugendlichen die dabei ist, ihren Platz in der Welt zu finden, mit allen Risiken die diese Suche birgt, zur besten Sendezeit ausgeschlachtet? Weil die Glaubensgemeinschaft nicht buddhistisch ist, sondern muslimisch. Weil die junge Dame jetzt Kopftuch trägt. Kopftuch!!! Unglaublich! Vielen Dank MDR-Sachsen, Du hast nichts verstanden und bist, zumindest in diesem Beitrag, Teil der sächsischen Verhältnisse.

Und die junge Frau? Die wird sich durch kaum etwas so bestätigt fühlen, wie die durch die Ablehnung der Erwachsenenwelt. Herzlichen Glückwunsch MDR, dank Dir sind Moslems die neuen Punks. Wer heute seine Eltern schockieren will, konvertiert.

[Fairerweise möchte ich anmerken, dass die anderen Beiträge durchaus differenziert über geflüchtete Menschen und ihr Leben in Sachsen berichteten. Unter anderem dieser hier, der auch ein wenig Hoffnung macht.]

Mehr zu Religion (und was ich dazu denke) auf Diaphanoskopie:

Gottes Stimme an der Türschwelle

Zeugen im Kreuzverhör

Das ist nicht der wahre…

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Verwirrung über Pirinccis Rede

Mittlerweile ist sicher allgemein bekannt, dass Akif Pirinçci gestern bei PEGIDA eine Rede gehalten hatte, die ihm heute bereits erste Schwierigkeiten bereitete. Lutz Bachmann hat sich auf der Facebook-Seite von PEGIDA (‚Ami Go Home‘) mittlerweile für die Rede entschuldigt. Beziehungsweise dafür, nicht früher eingeschritten zu sein. Er schreibt:

Einen gravierenden Fehler habe ich gestern begangen, als unser Gastredner Akif Pirinçci ans Mikrofon trat und seine ersten Sätze verlas, dass er eigentlich aus seinem Buch „Umvolkung“ lesen wollte, auf einmal aber stattdessen eine eigene Rede für den besonderen Anlass ankündigte.

Dies geschah ohne Absprache mit uns und wir waren völlig überrumpelt. Ich hätte in diesem Moment die einzig richtige Entscheidung treffen müssen und sofort das Mikro abschalten. Im Regelfall lesen wir die Vorträge unserer Gäste quer, um derartige Vorfälle zu verhindern. Das von Herrn Pirinçci Vorgetragene lag uns so nicht vor, sonst hätten wir von vornherein abgesagt.

Ich nehme diese Entschuldigung nicht an.

Er hat also von nichts gewusst. Das hat in Deutschland Tradition, hinterher „von nichts gewusst“ zu haben. Dabei hätte beispielsweise Frau Festerling Herrn Pirincci ja einfach mal fragen können, was er denn so erzählen wird? Kaum vorstellbar, dass sich die beiden RednerInnen nicht im Vorfeld über ihre Reden ausgetauscht haben. Sie scheinen sich ja gut zu verstehen, wenn man Pirinccis Twitter-Account glauben darf. Doch bereits am Tag vorher hätte Bachmann einfach mal auf die Website seines Redners (mittlerweile offline*) schauen müssen. Der schrieb da bereits:

Morgen, also Montag (19. 10. 2015), werde ich anläßlich des einjährigen Bestehens von PEGIDA in Dresden auftreten und einen hübschen Text vorlesen, der in Sachen Wutrede in diesem Lande Maßstäbe setzen wird. Es wird um die Verbrechen gehen, die man diesem Volk gegenwärtig antut. Man erwartet bis zu 30.000 Leute, ich glaube, daß es mehr werden. Ach, Herr Staatsanwalt…

Gruß und Kuß!

Euer kleiner Akif

Das klingt nicht nach Buchlesung. Das klingt nach eigens geschriebener „Wutrede“. Eine „Wutrede“ auf die Lutz Bachmann seinen Redner im Vorfeld hätte ansprechen können. Entweder wusste also Bachmann Bescheid, dann lügt er. Oder er war tatsächlich ahnungslos, dann ist er unfähig. Ich denke, er hatte nichts konkretes abgesprochen und damit gerechnet, dass der kleine Akif das Ding sauber über die Bühne bringt. Der hat nun leider über das Ziel hinausgeschossen. Allerdings anders als die PEGIDA jetzt glauben machen wollen. Er hat einfach zu lange gebraucht und ist kein guter Redner. Die Masse auf dem Theaterplatz war nicht empört. Sie war gelangweilt. Deswegen wird nächsten Montag frische Hetze geliefert.

Ergänzung:

Am Anfang seiner Rede sagt Herr Pirincci, er habe eigentlich aus seinem Buch „Umvolkung“ lesen wollen. Der Teil der Aussage Bachmanns scheint also wahr zu sein. Bleibt, die öffentliche Ankündigung Pirinccis und die Vermutung, dass Frau Festerling Bescheid wusste. Vielleicht zeigen sich hier erste Risse in der aktuellen PEGIDA-Führung?

*Teilweise im Google-Cache einsehbar.

Update 21.10.15 13 Uhr:

Auf Freitag.de ergänzt Magda:

„Es ist in der Tat so, dass Pirincci nicht intendiert hat, dass man Flüchtlinge ins KZ’s stecken sollte, sondern dem Landrat Lübcke ironisch untestellt, er könne ja leider die KZ’s – gegen Deutsche – nicht in Betrieb nehmen.“

Das macht die Rede von ihm nicht weniger übelkeiterregend, soll aber der Vollständigkeit halber erwähnt werden.

Auf Dame von Welt hat sich ein paar Gedanken zum „kleinen Akif“ gemacht.

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Schon wieder Dresden – Ohne Worte

Gestern fand in Dresden eine Demonstration zur Unterstützung von Geflüchteten statt. Erstmals seit dem Auftreten von PEGIDA scheint die Anzahl der Demonstranten auf der Gegendemo zumindest gleich hoch gewesen zu sein. Es war eine Demonstration die den Namen verdient hat, eine Demonstration wie sie einer Stadt wie Dresden angemessen ist. Dank gilt auch der Unterstützung durch von außerhalb Zugereiste.

Die Organisation um „Dresden Nazifrei“ entschied, nicht direkt an der Flüchtlingsunterkunft vorbei zu ziehen, um die Menschen dort nicht zu stören. Nach dem Ende der Demo versuchten einige hundert TeilnehmerInnen zum Lager zu gelangen. Ziel war es die Menschen dort vor den erwarteten Angriffen Rechtsextremer zu schützen. Die waren am Montag Abend immer wieder in Kleingruppen in der Gegend gesichtet worden. Die Polizei, die in den letzten Tagen und besonders am Freitag Schwierigkeiten hatte, die Menschen im Lager angemessen zu schützen, war Zahlreich zugegen.

Die Beamten nutzten die Gelegenheit, zu üben, wie man Menschen daran hindert, zum Ziel zu kommen. Die Flüchtlingsunterstützer wurden wiederholt behindert. Gegen 22 Uhr wurden dann die Wege geöffnet und eine Mahnwache angemeldet. Die Beamten sollen sich gegen Mitternacht weitgehend entfernt haben. Einige Demonstranten blieben vor Ort. Die verbliebenen Beamten schienen sich bemüht zu haben, ihre Anwesenheit durch Schikane zu rechtfertigen.

Für 0:42 Uhr findet sich dann folgender Eintrag im Ticker von „PEGIDA#Watch“:

„+00:42+
#Alerta! Die letzten Supporter werden gerade von ca. 50 Hooligans angegriffen und u.a. mit Flaschen beworfen. Ein Verletzter mit Platzwunde… Täter weiterhin in der Gegend, sind im Bereich des Alberthafens unterwegs. Höchste Alarmstufe! Polizei wurde bereits 3x angerufen. Seit 10 Minuten noch immer keine Kräfte vor Ort!“

Leider ist somit das Kalkül der linken Demonstration nicht aufgegangen. In Kenntnis der sächsischen Verhältnisse waren durch die Anwesenheit linker Demonstranten Polizeikräfte zum Flüchtlingscamp gelockt worden. Die Polizei hätte dann, während sie auf die wartenden Linken aufpasst, nebenbei das Lager auch vor Angriffen durch Rechtsextreme beschützt. Leider hat die Polizei in Sachsen diesem Plan durch den vorzeitigen Abzug und das dann verspätete Eintreffen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es bleibt dabei: In Sachsen ist man seinen Rechten näher als seinen Pflichten.

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Der kleine dumme Arier

Nazis müssen jetzt ganz tapfer sein. Auch Rassisten und die, die nicht rechts sein wollen aber rechst sind, das wird jetzt eine bittere Nachricht.  Die Nachricht bedeutet, alles Herumgezüchte an den Ariern, der obergeilen Herrenrasse, hat nicht nur nichts gebracht sondern einen, dem eigentlichen Ziel entgegengesetzten Effekt auf den Volkskörper gehabt. Lebensborn, gedacht als Veredelungsverein für die kleinen hässlichen Deutschen, hatte nie ein Chance. Auch hier stand den Nationalsozialisten ihr Hang dazu im Weg, sich ausschließlich von ihrer durch Esoterik geprägten Ideologie leiten zu lassen. Glücklicherweise, sollte ich vielleicht hinzufügen.

In einer Studie haben Wissenschaftler herausgefunden, das mit dem Grad der genetischen Vielfalt zwei Dinge verbunden sind. Zum einen werden Menschen größer, zum anderen werden sie klüger.

Those who are born to parents from diverse genetic backgrounds tend to be taller and have sharper thinking skills than others, the major international study has found.

Wer Eltern mit vielfältigem genetischen Hintergrund hat, neigt dazu größer zu sein und besser denken zu können als andere (…).

Nun ist vielleicht auch klar, warum Anhänger der Identitären Bewegung und anderer Neurechter Ideologien so eine große Angst vor der „Durchmischung“ der „Rassen“ haben. Sie befürchten, mit ihrem kleinen Geist weiter ins Hintertreffen zu geraten. Nachts träumen sie davon, umgeben zu sein von großen, klugen Menschen, die irgendwie anders aussehen als sie. So eine Art  überlegener rassischer Einheitsbrei statt hübschem „Ethnopluralismus“.

Die Studie hat aber noch etwas herausfinden können. Menschen die einen weniger vielfältigen genetischen Hintergrund haben, sind nicht weniger gesund als andere. Heißt, genetische Vielfalt schützt nicht unbedingt vor schweren Erkrankungen. Wer sich etwas mit Genetik und Evolution auskennt, wird etwas überrascht von diesem Ergebnis sein.

Überraschend dürfte das Ergebnis auch für all diejenigen sein, die sich über Verwandtenhochzeiten in anderen Kulturen aufregen. Natürlich nur um die Rückständigkeit dieser Kultur zu betonen und um sich darüber zu beschweren, dass wir® für die daraus angeblich resultierenden erkrankten Kinder zahlen müssen, wenn Menschen zu uns flüchten. Denn bei uns® würde es sowas schließlich nicht geben, weil wir® weiter sind und Verwandte nicht heiraten.

It had been thought that close family ties would raise a person’s risk of complex diseases but the researchers found this not to be the case. The only traits they found to be affected by genetic diversity are height and the ability to think quickly.

Bisher dachte man, das enge Verwandtschaft das Risiko von komplexen Erkrankungen erhöhen würde, doch die Forscher konnten das nicht bestätigen. Die einzigen Merkmale die durch genetische Vielfalt verändert waren, waren die Größe und die Fähigkeit, schnell zu denken.

Dummerweise wird es sehr lange dauern, bis dieses Ergebnis in die Gruppe rechts und rechtsextrem eingestellter Menschen diffundiert ist. Ironischerweise liefert die Studie gleich die Erklärung, warum das so ist.

[Die Überschrift ist natürlich ungerecht. Nicht jeder Arier ist klein.]

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Freitaler Selbstverständnis

Manchmal sind des die kleinen Äußerungen, die sehr tief blicken lassen. Die Verantwortlichen von „Freital wehrt sich. Nein zum Heim.“ distanzieren sich immer wieder davon, rechtsextrem genannt zu werden. Das passt nicht zum Selbstbild. Man sei kein Nazi. Nun kommt es weniger darauf an, was man behauptet, als darauf, was man macht. Auf der Facebookseite von „Freital wehrt sich. Nein zum Heim“  wurden wiederholt hasserfüllte, menschenverachtende und eindeutig rechtsextreme Kommentare gepostet. Auch gegen eine Grüne Kommunalpolitikerin wurde dort gehetzt. In einer Konfrontation vor der Kamera versuchte eine Verantwortlicher der freitaler Bürgerinitiative sich von jeglicher Verantwortung freizusprechen. Man habe die Kommentare gelöscht…

Seit einigen Tagen geht über Twitter der Link für die Seite „Perlen aus Freital“ herum. Dort werden die schlimmsten Kommentare rund um die Geschehnisse in Freital dokumentiert. Heute erschien ein Post auf der Facebookseite von „Freital wehrt sich.“, in dem ebenfalls aus „Perlen aus Freital“ verwiesen wird.

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Entlarvend ist dabei, dass sich der oder die postende der Facebookseite nicht von den gemachten Äußerungen distanziert, nicht darauf hinweist, dass so eine rassistische Kackscheiße nicht erwünscht ist und nicht darauf hinweist, dass man nichts mit Menschen zu tun haben will, die Äußerungen, wie die dokumentierten machen. Nein, es wird darauf hingewiesen, dass man vorsichtig sein soll. „Lasst Euch nicht erwischen!“ Es scheint kein Verständnis dafür zu bestehen, dass dort etwas richtig, richtig schief gelaufen ist.

Wie soll sich denn jemand als rechtsextrem bezeichnen, der offensichtlich nicht mal weiß, was das ist? Natürlich ist meine Überschrift falsch. Es handelt sich um das Selbstverständnis einiger Freitalerinnen und Freitaler. Leider hört man bisher wenig darüber, wie es sich mit dem Selbstverständnis der restlichen Einwohner dieses Ortes ein einem rechten Winkel Deutschlands verhält. Wir hören zu. Sprecht zu uns, Liebe MitbürgerInnen!

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Esoterik und psychische Gesundheit

Durch die fleißige Arbeit von Andreas Weimann im Hintergrund, ist nun auch mein Vortrag der diesjährigen Skepkon auf Youtube verfügbar. Ich versuchte darzulegen, warum Menschen, die irrationalen Ideen anhängen nicht „verrückt“ sein müssen. Unabhängig davon, wie abgefahren anderen die Idee erscheinen kann. Im kommenden Skeptiker (03/15) ist ein Text zum Thema geplant.

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Lara Liqueur rettet Dresden

PEGIDA lässt seine eigene Kandidatin, die homophob-rassistische Bölkröhre Tatjana „Taddel“ Festerling antreten und befürchtet schlimme Wahlmanipulation vom politischen Mainstream, auch bekannt als „Volksverräter“. Wahlhelfer sollen es richten! Abgesandte von PEGIDA sollen in alle Wahllokale Dresdens gehen und sich dort von der Richtigkeit der Wahl überzeugen. Mehrere hundert Menschen wünschen sich der Bachmann Lutz und seine freundlichen Stiernacken. Es ist zu vermuten, dass der eine oder andere juristisch unbeleckte PEGIDIST seinem, über die letzten Monate, auf der Demonstration mit verbalrassistischen Steroiden aufgepumpten, Gerechtigkeitssinn vertrauen wird. Ich sehe sie schon vor mir, wie sie, im Namen des Volkes, Einlass und Einblicke verlangen und sich über die Verwehrung ihrer gefühlten Rechte empören. Eklats sind vorprogrammiert, wenn der eine oder andere des Wahllokals verwiesen wird. Diese Belege der Niedertracht der „herrschenden Kaste“ werden dann über soziale Medien von den „Spaziergängen“ hoch- und runtergeleiert. Man wird Parallelen zur DDR, wenn nicht zum Dritten Reich ziehen. Der Opfermythos wird weitergeschrieben werden, in der Hoffnung, der Wut noch einmal Zunder zu geben, um den mit sinkenden Teilnehmerzahlen kämpfenden Demos wieder Aufwind zu verschaffen. Man will auch im Hellen Dresden, Deutschland und der Welt Sachsens hässlichste Seite zeigen: Wütende BürgerInnen an der Seit von Faschisten, die sich friedlich geben und auf die Gelegenheit warten, es „denen da Oben“ endlich einmal so richtig zu zeigen. „Die da Oben“, eine Gruppenzuschreibung die man auch ohne umständlich zu erstellende Nürnberger Gesetze gut ausweiten kann. Auf alle, die dem eigenen Weltbild nicht entsprechen. Mit dem entsenden von Wahlbeobachtern und dem Raunen des vorbereiteten Wahlbetrugs, aus Angst vor „dem Volk“, wird bereits im Vorfeld das Narrativ für die verlorene Wahl vorbereitet.

Durch den Antritt einer eigenen Kandidatin kann PEGIDA nur gewinnen. Wenn Frau Festerling gewinnt und wenn sie verliert. Ein genialer Schachzug von Bachmann Lutz. Man traut ihm das eigentlich nicht zu und kann nur hoffen, es handelt sich eher um Glück als um Verstand.

Das ist alles nicht lustig. So bleibt eigentlich nur, Lara Liqueur zu wählen, die nicht immer lustig aber nie ernst ist, sich aber trotzdem an ihr Wahlversprechen hält und mit allen einen Schnaps trinkt, die wollen. Auch mit Frau Festerling, die sich an den Arbeitsplatz von Frau Liqueur begab, um von ihren widerlichen Äußerungen bezüglich sexuell anders als hetero orientierten Menschen abzulenken. Vielleicht. Vielleicht wollte sie auch nur zeigen, dass sie hipp und cool ist und nichts gegen Menschen hat, die „anders“ sind. Solange sie ihren Platz kennen. An der Unterhaltungsfront, um dem reaktionären Spießbürger ein wenig Abwechslung zu bieten. Auch in den goldenen 50ern, die sich die PEGIDA so sehr zurückwünschen, durften Transen auf der Bühne auftreten. Hauptsache sie ließen die Kinder in Ruhe.

Frau Liqueur betritt nun jedoch die politische Bühne. Dort vertritt sie die Parteilinie „Inhalte Überwinden“ im Kommunalwahlkampf eloquent und gut geschminkt. Was wäre es für ein Schlag ins Gesicht von PEGIDA und ihren reaktionären Anhängern, wenn dieser junge Mann mehr Stimmen erhält als Frau Festerling.

Gar nicht zu reden davon, dass der Ruf nach Wahlbetrug zumindest für alle anderen die spaßige Möglichkeit böte, zu fragen, welchen Nutzen die „Volksverräter“ daraus ziehen, Frau Festerling abzustrafen und eine Dragqueen zu belohnen? Auf die diesen Umstand erklärende Verschwörungstheorie freue ich mich jetzt schon. Bitte macht uns allen diese Freude und wählt im ersten Wahlgang Lara Liqueur (aka Lars Stosch).

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Blick nach Vorn – Skepkon 2015

Eine Frage, die nach meinem Vortrag gestellt wurde, habe ich mir in den Vorbereitungen dazu ebenfalls gestellt: Wenn es, wie ich behaupte, für das Individuum einen Nutzen haben kann, irrationalen Glaubenssystemen anzuhängen, ist es dann überhaupt sinnvoll, dagegen zu argumentieren?

Ich denke ja. Wer mich kennt, weiß, dass ich ein sehr hartnäckiger Diskussionspartner bin, wenn es um diese Fragen geht. Allerdings ist es wichtig, sich darüber Gedanken zu machen, was „wir“ wollen. Da ich nicht für den Verein sprechen kann, versuche ich an dieser Stelle einmal, besser herauszuarbeiten, worum es mir geht. Ich nehme als Beispiel die Homöopathie, weil „mein Bereich“ die Alternativmedizin und die Homöopathie die Mutter aller pseudomedizinischen Verfahren ist.

In der heutigen Medizin hat die Autonomie der Menschen einen sehr hohen Stellenwert. Es wird immer Beispiele aus dem Alltag geben, die dem widersprechen, weil Individuen diese Autonomie nicht achten. Im System wird aber ein möglichst hohes Maß an Autonomie des Individuums angestrebt. Pseudomedizinische Verfahren, wie die Homöopathie, untergraben die Autonomie des Menschen, u.a. weil sei intransparent sind. Sie funktionieren nur, wenn bestimmte Informationen den Anwendern von Beginn an vorenthalten werden. Diese Intransparenz selbst ist ein weiteres zentrales Problem pseudomedizinischer Verfahren. Fragen von Patienten können nicht transparent beantwortet werden, weil die Grundannahmen nicht belegbar sind. Bei der Homöopathie sind sie sogar widerlegt. Die Methoden sind nur für Eingeweihte nachvollziehbar und damit kommen wir zu einem weiteren Aspekt der Transparenz. Da in der Homöopathie jeder alles behaupten kann, gibt es keine Maßstäbe, anhand derer diese Methode überprüft werden könnte. Wenn wir Homöopathie zulassen, können wir alles zulassen. Erwähnt sei hier die „Slapping-Therapy“ (Schlag-Therapie), der kürzlich ein Siebenjähriger Junge in Australien zum Opfer fiel (Man könnte sagen, alle Anwender fallen ihr zum Opfer, aber der Junge ist daran gestorben). Dieses extreme Beispiel nehme ich, weil die Mechanismen, mit denen die Therapien begründet werden, überall dieselben sind: „Ich sehe doch, dass es hilft.“ „Wer heilt, hat Recht“ usw usf.

Ein weiterer Faktor, den ich problematisch finde, ist die Ideologie, die vielen pseudomedizinischen Verfahren innewohnt. Ein mehr oder weniger pseudodarwinistischer Ansatz findet sich fast überall: Wer stirbt, ist auf die eine oder andere Weise selbst Schuld. Schuld spielt gerade in der Homöopathie eine nicht unerhebliche Rolle, wird doch das Grundleiden, die Ur-Ursache aller Störungen der Lebenskraft, mit dem Sündenfall im Paradies begründet. Damit haftet der Homöopathie nicht nur in der Praxis, sondern auch in der Theorie etwas Religiöses an. Darum sollten wir uns auch überlegen, konsequent von ideologischer Medizin zu sprechen.

In seinem Vortrag zum Thema Coaching sprach Professor Kanning, dass Ziele möglichst Konkret und messbar (auch „abrechenbar“) formuliert sein sollten. Darum werden ich als nächstes versuchen, diese Ziele für die Homöopathie zu formulieren:

  1.  Aufhebung des Binnenkonsens
  2.  Abschaffen aller durch die Ärztekammern legitimierten Zusatzbezeichnungen
  3.  Abschaffung der Apothekenpflicht (sowohl, dass Apotheken verpflichtet sind, H. zu führen, als auch, das H. nur in Apotheken geführt werden darf).

Diese drei Ziele würden zum einen dafür sorgen, dass das Thema Homöopathie mehr in die Öffentlichkeit gezogen wird. Homöopathen müssten sich erklären, warum sie anderen Maßstäben unterliegen als Pharmakonzeren. Das erreichen der Ziele würde der Homöopathie einen Tiel ihres Nimbus nehmen.

Als allgemeines Ziel wäre zu überlegen, ob das Unmöglichkeitsprinzip dazu genutzt werden kann, die Therapiefreiheit von ÄrztInnen auf ein sinnvolles Maß zu beschränken. Das ist aber sicher ein Problem mit welchem sich Juristen beschäftigen sollten.

Wir werden jedoch nicht die Bedürfnisse der Menschen aus der Welt schaffen, die dafür sorgen, dass Menschen ideologische Medizin für sich als sinnvoll betrachten. Wenn wir wirklich wollen, dass Medizin transparent und evidenzbasiert ist, müssen wir fragen, was Menschen von dieser Art von Medizin erwarten. Erst wenn wir diese Antwort kennen, haben wir eine Chance am Kernproblem etwas zu ändern.

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Eingeordnet unter Berichterstattung, MEINung, Quatschmedizin