Archiv der Kategorie: Lachhaft

Herrenwitze

Wahrscheinlich im Grundschulalter habe ich das erste mal gehört, dass die ersten Siedler die „Indianer“ mit Glasperlen bezahlt haben. Irgendwie habe ich nicht gedacht, wie doof die „Indianer“ gewesen sein müssen, sondern hatte eher das Gefühl, mir fehlt ein Stück Information. So könnte es auch Harald Lesch und David Precht in „Herrschaft der Zahlen“ gegangen sein“ als sie unter anderem über Geld sprachen und an der falschen Stelle lachten.

Ich lese gerade „Schulden“  von David Graeber. Leider bin ich weit davon entfernt, alle von ihm vorgestellten Konzepte durchdrungen zu haben. Aber das Rätsel mit den Glasperlen hat sich aufgelöst. Es gab viele Gesellschaften in der Geschichte, in denen Objekte als „Währung“ genutzt wurden, die keinen anderen Zweck erfüllen konnten. Diese Währungen wurden nicht im Alltag benutzt sondern für besonders wichtige Ereignisse. Ein sinnloses Objekt wie eine Glasperle als Zahlungsmittel anzuerkennen, ist demnach nicht so weit hergeholt wie es sich für einen mitteleuropäischen Grundschüler anhören mag.

Harald Lesch spricht darüber, dass Geld heute nur noch aus Nullen und Einsen besteht, nur noch virtuell vorhanden ist. Es sei nicht genug Geld da, um all das virtuelle Geld auszuzahlen. Lesch und Precht sind sich darüber einig, dass das total lächerlich ist, mit dem virtuellen Geld. Eine Tollheit der Moderne.

Geld hatte in der großen Mehrzahl der Gesellschaften in denen es genutzt wurde auch einen virtuellen Wert. In den wenigsten Fällen war eine Münze soviel Wert, wie das Material aus dem sie gemacht wurde. Das Geld war soviel Wert, wie die Gesellschaft gemeinsam beschloss, dass es Wert war. Lesch und Precht sind sich in ihrer Lustigkeit einig, dass Bargeld etwas wert ist, virtuelles Geld, also die Nullen und Einsen auf unseren Konten hingegen nicht.

Dabei ist der Wert eines 500 Euroscheines fast nur virtuell. Denn es handelt sich um ein Stück aufwendig verarbeitetes Papier, dessen Materialwert sich nur darum rechtfertigen lässt, weil sein virtueller Wert so hoch ist.

Herr Precht und Herr Prof. Lesch waren sich einig. Unsinn überall Unsinn. Ich bin mir uneins, immer noch, ob ich den Herrn Prof. Lesch vor allem langweilig oder vor allem pastoral finde.

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Humorzone Dresden – Das weinende Auge

„Ich gebe zu, wir hatten auch unsere Vorurteile aber Ihr wart ein geiles Publikum!“
Khalid Bounouar

Viel zu Lachen gibt es in Dresden in den letzten eineinhalb Jahren nicht. PEGIDA hat, gemeinsam mit dem völkendenden Haufen von der AfD die braune Suppe in Sachsen, über dem von der Landes-CDU geschürten Feuer, richtig zum Kochen gebracht. Und so richtig schlimm scheint das hier niemand zu finden. Zumindest, wenn ich mir viele der Reaktionen im Alltag anschaue.

Darum habe ich mich auf die Humorzone Dresden gefreut. Ich hatte Tickets für vier Veranstaltungen gekauft, in der Erwartung, mich dort mit körpereigenen Endorphinen in den Pointen-Orbit schießen zu können und die Welt wieder etwas leichter zu nehmen. Pustekuchen.

Donnerstag begann das Festival für mich mit Kay Ray. Zu Kay Ray geht man eigentlich um Tabubrüche zu erleben, die auch den Rahmen „normaler“ Comedy sprengen. Weil er Witze erzählt, die sich sonst keiner zu erzählen traut. Gerne über Minderheiten. Kay Ray sagt, Minderheiten werden nur wirklich integriert, wenn sie ernst genommen werden. Dann macht man auch Witze über sie, wie über alle anderen Gruppen. Soweit so plausibel.
Nun scheint Kay Ray geläutert; kein Rauchen auf der Bühne, kein Alkohol auf der Bühne, keine Figuren mit dem Penis.

Dafür gab es intime Einsichten in die dunklen Zeiten eines Menschen. Und ein paar harte Wahrheiten über unser Gesundheitssystem und wie es Menschen behandelt. Kay Ray hatte einige Anekdoten aus der Kur mitgebracht und die Banalität des dortigen Alltags schmerzhaft zutage gefördert. Wird es eigentlich erst auf der Bühne deutlich, wie grotesk es ist, einem erwachsenen Menschen als Freizeitbeschäftigung „Stricken“ anzubieten? Wenn man in Bad Wildung die Patienten so ernst nehmen würde, wie Kay Ray Menschen mit Behinderung in seinen Witzen, wäre viel gewonnen.

„Die haben mich nicht entlassen, ich habe das Gefühl, ich bin entkommen“ Kay Ray

Leider hat sich Kay Ray in seiner Fundamentalopposition etwas verrannt. Nur weil er nicht in „die rechte Ecke“ gehört, wenn er „politisch unkorrekte“ Dinge sagt, heißt dass nicht, dass es nicht Menschen gibt, die politisch unkorrekte Dinge sagen, die dort hervorragend hinpassen. Und gerade Eva Herrmann als Kronzeugin heranzuziehen, wie fies der Mainstream mit Abweichlern umgeht, ist hoffentlich mangelnder Information über ihre völkischen Äußerungen geschuldet und nicht Überzeugung. Dann müsste ich den zweiten Satz in diesem Absatz nämlich nochmal überdenken.

Kay Ray mach Witze über den Islam aber nicht über Moslems. Mir ist unklar ob allen im Publikum der Unterschied klar ist. Das lässt jede Pointe bitter im Hals zurück. Wer sich als „Menschenrechtspopulist“ bezeichnet kann eigentlich von PEGIDA-Apologeten keinen Applaus bekommen wollen. Andererseits meint Kay Ray die Aussage, „wenn nichts mehr verboten wäre, hätte ich hier oben nichts mehr zu tun“ wahrscheinlich sehr ernst.
Brüche im Programm waren die Lieder. Keine Interpretationen bekannter Hits, sondern Lieder, die wie der Versuch klangen, einem Schmerz Ausdruck zu verleihen, der – ohne Alkohol, Zigaretten und Nacktheit – im Rest des Programms keinen Platz mehr findet.

Am Freitag Abend durfte Olaf Schubert, der Schirmherr der Veranstaltung, gemeinsam mit Klaus Weichelt „Eine ganz normale Freakshow“ in der Schauburg improvisierend moderieren. Untertitelt was das Ganze mit „The dark side of Olaf Schubert und Klaus Weichelt“. Dark side indeed!

Johnny Armstrong, Carl-Einar Häckner, Der Tod und Matthias Egersdörfer lieferten solide Comedy ab. Doch was für mich den Abend überschattete waren die sächsischen Verhältnisse.

Olaf Schubert zitierte in einem Witz die Zeichnung des ertrunkenen Jungen am Mittelmeerstrand in Charlie Hebdo. Er hatte ein Foto mit zwei dunkelhäutigen Kindern und sagte etwas in der Art: „Hier, das sind die Kanackenkinder, wenn die klein sind, sind die ja ganz süß…aber wenn die groß werden…“. Lachen im Publikum. Den beiden Herren vor mir gefiel dieser Scherz ganz besonders gut. Es waren dieselben Herren, die in der Pause die meiste Zeit damit verbrachten auf einer Bautzner Nazi-Seite auf Facebook zu surfen.

So wusste ich spätestens nach der Pause, wer da mit mir lachte. Wobei mein Lachen immer öfter auf dem Weg zum Kehlkopf stecken blieb. Spätestens als Olaf Schubert über die Herkunft von schlechten Zigaretten sinnierte, war klar, dass es sich bei ihm auch um ein sächsisches Urgestein handelt. Denn, so klärte er auf, Zigaretten gebe es bei den „Tschechenfidschis“, den „Polenfidschis“ und den „Rumänienfidschis“. Keine Pointe. Trotzdem ein brüllender Saal. Willkommen in Sachsen.

Dass „der Tod“ mit seinem Scherz, PEGIDA-Demonstranten gerne auf Arabisch begrüße, nur vereinzelten Applaus erntete, war da nur das i-Tüpfelchen dieses peinlichen Stelldicheins sächsischen Kleingeists.

Am Samstag war Zeit für Jochen Malmsheimer und Uwe Rössler, dem riskantesten Kartenkauf. Was soll ich sagen, „Zwei Füße für ein Halleluja – Mit einem Regenten unterwegs.“ war großartig! Malmsheimer hatte sichtlich Spaß am gemeinsamen Spiel mit Uwe Rössler, der musikalische Pointen setzte. Dabei schaffte es Malmsheimer, Heinrich IV. zum Leben zu erwecken, in die heutige Sprache zu überführen und meine Abdominalmuskulatur an ihre Kapazitätsgrenze zu bringen. Anschauen!

Am Sonntag sagte meine Begleitung „Nicht das typische Scheunenpublikum…“. Ja, das stimmte, so unkaukasisch wie am Sonntag Abend habe ich es in der Scheune, ja irgendwo in Dresden, noch nicht erlebt. Als wäre ich zurück in Aachen, herrlich!
Aus dem Saal drang lauter Bass. Dass ich nicht mehr zur „jungen Generation“ gehöre, wurde an der Entscheidung deutlich, vor „dem Lärm“ zu flüchten, bis die Show beginnt. In fünf Jahren gehe ich dann zum DJ und frage, ob das wirklich so laut sein muss?

Auf dem Programm stand „Rebell Comedy„! Und was in NRW vielleicht normaler Bühnenalltag ist, kam in Dresden einem Erdbeben gleich. Die Souveränität mit der die Künstler aus verschieden Kulturen schöpfend vor den Augen des Dresdner Publikums etwas Neues erschufen, war Balsam auf meine neusächsische Seele. Und dem Rest des Publikums schien es ähnlich zu gehen. Lachen und Applaus wirkten befreit: so also kann sich Normalität in Deutschland anfühlen. So ist das, wenn „die anderen“ zum „wir“ werden, weil wir alle gleich sind. So wie der 13 Jahre alte Junge, der bei seinem ersten Urlaub im Iran erfahren muss, dass er „deutscher“ ist, als er angenommen hatte. Oder der Sohn, der sich beim Elternsprechtag über die sprachlichen Unzulänglichkeiten seines Vaters lustig macht. Wie es sich für Jugendliche gehört, die Autonom werden. Gleichzeitig erklärt er jedoch etwas über die Unterschiede deutscher und arabischer Grammatik und plötzlich wird klar, warum „die“ so komisch sprechen.

Es ist nämlich gar nicht so, dass „man nichts mehr sagen darf“ oder „gleich in die Rechte Ecke“ gestellt wird, wenn man etwas „politisch nicht korrektes“ äußert. Nur wenn man etwas politisch unkorrektes sagt, weil man Rechts ist, passiert einem das. Der Unterschied liegt nicht immer in den Worten aber immer in der zu Haltung.

Mir haben Benaissa Lamroubal, Ususmango, Pu, Khalid Bounouar, Hany Siam, Alain Frei und Özcan Cosar (leider war die einzige auf dem Plakat sichtbare Dame, Anissa Amani, in Dresden nicht anwesend. Typisch Moslems!!!elf1!) neben vielem Lachen, ein paar Stunden mit dem Gefühl verschafft, wie schön das Zusammenleben in diesem Land sein kann. Rebell Comedy zeigte im Tal der Ahnungslosen das Potential der real existierenden Demokratie in Deutschland. Danke dafür!

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Deutsche Knaben trotzen der Islamisierung

Die deutsche Jugend gibt nicht auf! Trotz ununterbrochener Angriffe durch die Muselmannen, kämpft die deutsche Jugend für Ihr Abendland.

Entgegen der Behauptungen, verweichlichte Hedonisten zu sein, keine Leistungsbereitschaft mehr zu zeigen und überhaupt ein Haufen Waschlappen, zeigt die deutsche Jugend® ‚wie es geht‘. Wer den montäglichen Einsatz der PEGIDA auf irgendeinem Platz in Dresden laut zu grölen für aufopferungsvoll hält, hat keine Ahnung was die deutsche Jugend auf sich nimmt, um unsere Leitkultur zu verteidigen!

Zumindest die männliche deutsche Jugend®. Entgegen dem Bundestrend haben die thüringischen Burschen gezeigt dass es auch anders geht. „Saufen gegen die Barbaren“ ist das Motto der strammen Knaben und sie scheuen sich auch nicht über ihre Grenzen zu gehen! Im stolzen Thüringen hat die Anzahl von jungen männlichen Jugendlichen mit Alkoholvergiftung zugenommen.

Nichts sagt christlich-jüdisch abendländische Kultur so sehr, wie eine vollgekotzte Nierenschale. Die „besorgten Bürger“ können sich beruhigt in ihre Sessel zurücklehnen, das Abendland ist in guten Händen.  Weiter so deutsche Jugend®.

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Globuli gegen Krebs?

Natürlich würden vernünftig arbeitende ÄrztInnen Homöopathie niemals gegen Krebs einsetzen. Ich würde ja sagen, sie würden Homöopathie gegen Nichts einsetzen aber das ist ein anderes Thema. Und wie wäre es mit ein paar Globuli gegen ein Virus, dass das Krebsrisiko deutlich erhöht? So wie das Humane Papilloma Virus (HPV) zum Beispiel? Eine Infektion damit erhöht das Risiko für Gebärmutterhalskrebs. Dazu sagt die Autorin einer Seite, die sich „Homöopathie Online – honatur“ nennt:

“Generell gibt es bisher noch keine wirksame Therapie gegen den Papillomavirus. Das betrifft sämtliche mögliche Behandlungsmethoden. Allerdings gibt es verschiedene Möglichkeiten von der Allopathie bis zur Naturmedizin und der Homöopathie, welche die negativen Auswirkungen dieser Infektion lindern können”

Interessant. Unser Virologie-Professor sagte uns, wir sollten niemals dem fachlichen Urteil von Menschen trauen, die „der Virus“ sagen. Zumindest wenn es um biologische Viren geht. Suche ich nach der Autorin Clara Garcia werde ich denn auch nicht enttäuscht. Sie scheint einzig auf Honatur zu veröffentlichen. Sie schreibt im weiteren Text wenig qualifiziert über HP-Viren und schwärmt von diversen Methoden, die den Infektionsverlauf positiv beeinflussen sollen.

Nur über die einzige Methode, mit der man eine Infektion mit (Hochrisikotypen von) HPV verhindern kann, nennt sie nicht. Die Impfung. Dabei verlinkt sie sogar auf eine Seite, die ausführlich Studien zitiert, welche die Sicherheit und Wirksamkeit der Impfung belegen.

Die Impfung verschweigt sie, nennt dafür jedoch den Shiitake-Pilz als möglichen Heilsbringer. Zu dem und seinen Inhaltsstoffen gibt es zwar ein paar Studien, belastbare Ergebnisse gibt es jedoch noch nicht. Dafür gibt es aber Produkte! Pulver, Pillen und die ganze Frucht. Und der Pilz hilft eigentlich gegen alles. Vor dem Shiitake-Pilz hat das Bundesamt für Risikobewertung empfindlich gewarnt. In Einzelfällen (genaueres ließ sich nicht sagen) kommt es zu allergischen Hautreaktionen nach dem Verzehr. Das ist bei Nahrungsmitteln natürlich weder ungewöhnlich, noch an sich skandalös. Auf der Seite wird das jedoch mit keinem Wort erwähnt.

Dass auf einer anderen, von der Autorin verlinkten, Seite die HPV-Impfung skandalisiert wird, muss ich sicher nicht erwähnen? Falls sich jemand darüber aufregen sollte, dass solche Halbwahrheiten und Falschinformationen verbreitet werden, gibt es dazu jedoch keinen Grund! Denn auf der Seite findet sich dieser (Pflicht-)Hinweis.

„Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt von honatur.com kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.“

Na, dann ist ja gut. Fehlt nur noch der Satz:

„Die Kompetenz unserer Autoren darf in keinem Falle als gegeben angenommen werden! Dies ist eine reine Werbeplattform.“

Das nennt man „conflict of interest“.

 

[Übrigens, schon für eine bessere Medizin unterschrieben?]

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Kindesmisshandlung: Tipps für Profis

[In diesem Beitrag geht es um Kinder, Gewalt und Pseudomedizin, eine Mischung die bei mir Zynismus hervorruft. Das schlägt sich im Text nieder. Wer das nicht verträgt, hört besser hier auf zu lesen.]

Über den KinderDoc bin ich auf eine Seite gestoßen, die Bachblüten gegen Kindesmisshandlung anbietet. Das hört sich doch nach einer guten Sache an. Wer kann denn dagegen sein, dass weniger Kinder misshandelt werden? Auf der Seite heißt es, die Bachblütenmischung helfe…

  • Die traumatische Erfahrung zu verkraften
  • Das Selbstvertrauen wiederherzustellen
  • Ein positiveres Selbstbild zu schaffen
  • Ängste zu verringern
  • Wieder Lebensmut zu bekommen
  • Gemütsruhe zu bringen
  • Sich wieder trauen, Kontakte mit anderen zu knüpfen

Klar, wer Kinder misshandelt, hat sicher selbst einige Probleme und da ist es gut, wenn Bachblüten helfen die zu lösen. Da wird die Ursache der Kindesmisshandlung bekämpft. Etwas weiter unten heißt es allerdings zu den Details:

Bachblüten heilen emotionale Wunden durch Kindesmisshandlung

…die Mischung ist also für die Kinder? Das ergibt nun wirklich keinen Sinn. Kinder werden in der Mehrheit der Fälle von den Eltern oder anderen ihnen nahestehenden Personen misshandelt. Wieso sollten dieser Personen für ihr Kind Bachblüten bestellen? Erstens werden die wenigsten vor sich zugeben, dass sie ihr Kind misshandeln, sowas passt einfach schlecht in das Selbstbild der meisten Menschen. Und zweitens können diejenigen, die es vor sich zugegeben etwas anderes tun, um dem Kind zu helfen: aufhören. Und wer es vor sich zugibt aber kein Problem damit hat, wird sich bestimmt nicht mit Bachblütenmischungen aufhalten. Insofern sehe ich einfach auch keinen Markt für das Zeug. Vielleicht sollte man es einfach anders bewerben:

„Am Wochenende ist Ihnen wieder wiederholt die Hand ausgerutscht? Sie konnten die Gürtel wieder nicht im Schrank lassen? Montag waren zwar die Striemen weg aber das Balg hat wieder in der Schule nicht gesprochen? In seiner Undankbarkeit schaute es traurig in die Welt, so dass der Lehrer anrief und lästige Fragen stellte, weil er sich Sorgen machte?

Das muss nicht sein!

Unserer Bachblütenmischung gegen Kindesmissbrauch verschafft Ihnen ein neues Kind, widerstandsfähig, duldsam und voller Lebensmut. Egal was am Wochenende passiert ist, am Montag steht ein lächelndes Kind in der Schule, dass seine traumatischen Erfahrungen verkraftet hat und mit seinem positiven Selbstbild lästige Nachfragen der Lehrer verhindert.

Doch das ist noch nicht alles!

Durch die neu gewonnene Gemütsruhe verkürzt sich die Zeit, die das Kind nach Erziehungsmaßnahmen mit heulen und wimmern verbringt auf ein Minimum. Endlich wieder in Ruhe fernsehen!

Bestellen sie noch heute!“

Vielleicht sollte ich doch ins Marketing gehen.

Auch die Ruhrbarone haben das Thema aufgegriffen.

[Update 25.11.13 22:58: Der Anbieter hat das Angebot mittlerweile von seiner Seite entfernt]

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Impfen – Pseudokontroverse im Deutschlandfunk

Impfen ist wieder ein Thema. Der Grund dafür ist nicht schwer zu erraten, die Masern haben gerade wieder einen großen Auftritt Europas Kinderzimmern (man vergisst, dass die Äußerungen von Impfgegnern in Großbritannien verheerende Folgen hatte). Und mit den Masern werden Apologeten der Impfgegnerschaft vor die Mikrophone gezerrt und dürfen sich für eine individuelle Impfentscheidung stark machen. Dass es sich dabei um die individuelle Entscheidung hat, sich gegen sichere Erkenntnisse zu entscheiden, wird von diesen Apologeten nur selten erwähnt. Oft wird eine Verunsicherung der Eltern beim Thema Impfen ins Feld geführt, die für deren Impfskepsis sorge. Ja klar, sind Menschen verunsichert, wenn man sie verunsichert!

Im Deutschlandfunk durfte heute Michael Friedl die Legende von den Masern als einer für die Entwicklung des Kindes positive Erkrankung weiter verbreiten. Auch stellte er die Behauptung auf, „der Mensch“ habe sich schon immer mit den Masern auseinandersetzen müssen. Nach Belegen für diese Aussagen wird man lange suchen müssen und wird im ersteren Fall Anekdoten und im zweiten Fall ein widersprechende Hypothese finden.
Masern begleiten die Menschheit wahrscheinlich erst sei der neolithischen Revolution, als dem Zeitpunkt als er anfing Viehhaltung und Ackerbau zu betreiben. Masern entwickelten sich wahrscheinlich aus einem Rindervirus. Was auch bedeutet, dass es große Teile der Welt gab, deren Bewohner lange die vermeintlich positiven Folgen einer Masernerkrankung missen mussten.
Ich verstehe nicht, warum jemand mit einer Außenseiterposition innerhalb der wissenschaftlichen Medizin in eine Studio eingeladen wird und dort behandelt wird, als wären seine Aussagen genauso relevant wie desjenigen der einen Stapel Studien vorweisen kann.
Link zur Sendung:

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Zecken übertragen keinen Autismus

Alberne Überschrift? Nur im ersten Moment. Bei meinen Recherchen zu den Ansichten von Luc Montagnier zum Thema Autismus bin ich auf eine Szene gestoßen, in der man die Ansicht vertritt, Lyme-Borreliose würde zu Autismus führen. Als Therapie wird dort auch, Überraschung Langzeittherapie mit Antibiotika gefordert. Damit liegen sie auf einer Linie mit Montagnier.

Wenn diese Annahme zuträfe, müssten Kinder mit Autismus Antikörper gegen Borrelien aufweisen und zwar häufiger als Kinder ohne Autismus. Juhu! Eine falsifizierbare Aussage!

„It has been proposed that Borrelia burgdorferi infection is associated with ∼25% of children with autism spectrum disorders. Here antibodies against Borrelia burgdorferi were assessed in autistic (n=104), developmentally delayed (n=24) and healthy control (n=55) children. No seropositivity against Borrelia burgdorferi was detected in the children with and without autism. There was no evidence of an association between Lyme disease and autism.“

Left Brain Right Brain berichtet ausführlich und weißt darauf hin, dass selbst die Organisation nicht behauptet alle Fälle von Autismus seien auf Borreliose zurückzuführen:

„A subset a children on the autism spectrum also have active Borreliosis, we don’t know how large of a subset this is, we do know from informal studies that it is AT LEAST 20-30% which would be over 200,000 children in the United States alone.“

Glücklicherweise hat man dort vorgesorgt, so dass die Ergebnisse der Studie nicht das Ende ihrer Idee bedeuten, es wäre doch so schade um den  ganzen Webspace.

„Children with a family history for auto-immune disorders, genetic predispositions to neurotoxins may be subject to a false negative result.“

Bestens, dann muss man nur noch Argumentieren, alle Kinder in der Studie, hätten einen Immundefekt. Ich gehe mal eben die Torpfosten verschieben.

[Vorsicht, in diesem Text können Spuren von Ironie oder ironieähnliche Satzteile versteckt sein]

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Mehr Autismus aus dem Darm

Es ist gerade mal eine Woche her, dass ich auf der GWUP-Konferenz über Pseudomedizin und Autismus gesprochen habe. Den Schwerpunkt habe ich dabei auf eine postulierte „Darm-Hirn-Achse“ gelegt. Und gestern lese ich bei sciencebasedmedicine von der „GAPS Diet„. GAPS steht für „Gut and Psychology Syndrome“ und ist damit ein noch weitreichenderes Konzept als Prof. Montagnier und andere postulieren. Aber es schließt Autismus mit ein, was die Quarks sicher beruhigen wird. Die „Therapie“ besteht, in groben Zügen aus hungern, Eigelb (roh) und Entgiftung. Entgiftet wird u.a. mit Saft, Bädern und Pro-Biotika.

Das Konzept passt zu einem Thema, welches mir in letzter Zeit immer öfter auffällt. Neue Erkenntnisse zeigen, dass wir die Rolle der Darmflora auf unsere Gesundheit in der Vergangenheit unterschätzt haben und die Riege der Pseudotherapeuten fängt an, sie zu überschätzen. Immerhin können sie sich auf Hippokrates berufen, der hat auch schon gesagt, alle Krankheit komme aus dem Bauch, na dann!

Wenn ich mir vorstelle, wie ein Kind mit Autismus auf so eine Hunger-Kur reagiert, wird mir ganz anders. Perfekt ist natürlich, dass eine Verhaltensverschlechterung (die ziemlich sicher eintreten wird) zeigt, dass die Therapie wirkt. Das schlechte muss eben erst raus und richtet dabei allerlei Schaden an. Hört sich an wie Säftelehre mit iPhone-App (kein Link!)

Und soeben sehe ich, dass der Kram auch in Deutschland schon Fuß gefasst hat (ebenfalls kein Link). Argh!

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Homöopathische Schlankheitspillen vom Markt genommen

In den USA wurde mit homöopathischen Mitteln zur Gewichtsreduktion geworben, die auf  Human chorionic gonadotropin (HCG) basieren. Dabei handelt es sich um ein in der Plazenta gebildetes Hormon. Die Pillen sollen zusammen mit einer Diät eingenommen werden, die wenig Kalorien enthält. Die FDA nimmt diese Mittel vom Markt, weil ihre Sicherheit und Wirksamkeit nicht geprüft worden sind [1]. In der Meldung ist nichts über die Potenz zu finden, wenn die D23 oder C12 überschreitet, dürfte das Produkt ziemlich sicher sein. Aber auch ziemlich unwirksam^^

 

[1] http://www.fda.gov/NewsEvents/Newsroom/PressAnnouncements/ucm282334.htm

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Globulis im Kreißsaal und Bill Cosby

Die Süddeutsche Zeitung schreibt über die „Globulisierung des Kreißsaals“ [1]. Viele Menschen haben dort den ersten Kontakt mit Methoden der Alternativmedizin.

Viele Hebammen suggerieren, ohne Homöopathie, Aromatherapie, Akupunktur oder andere sogenannte alternative Behandlungen könne kein Kind zur Welt kommen. Schwangere lassen sich häufig darauf ein, weil diese Mittel als natürlich und dadurch automatisch als sicher gelten. Aber stimmt das überhaupt?

Das Thema ist immer aktuell, wie dieses Video von Bill Cosby zeigt:

[1] http://www.sueddeutsche.de/wissen/alternativmedizin-die-globulisierung-des-kreisssaals-1.1197133

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