Archiv der Kategorie: Atheismus

Morgenandacht – Achtung Logikfalle

Ein zugleich humoristischer und aufregender Start in den Tag ist die Morgenandacht im Radio. Beglückt werden damit täglich Menschen jeglicher Weltanschauung (außer Sonntag, da ist Messe). Die beiden großen christlichen Konfessionen teilen sich den Sendeplatz.

Am Samstag sinnierte Pfarrer Markus Karsch aus St. Wendel über Ostern und wie das Leben so spielt. „Was wäre“, fragt er seine Frau, „wenn wir damals nicht zusammengekommen wären?“ “Dann wäre ich heute glücklich verheiratet“ antwortet diese. Witzig.

Nach diesem einleitenden Scherz macht sich der Gottesmann ernsthafte Gedanken. Er überlegt, welche Folgen das Leben Jesu hatte. Insbesondere macht er sich Gedanken darüber, wie es wohl gekommen wäre, wenn Joseph und Maria nicht nach dem Hinweis eines Engels als Flüchtlinge ihr Kind vor der Ermordung durch Herodes Schergen in Sicherheit gebracht hätten. Flüchtling zu sein, sei bereits damals sicher nicht leicht gewesen, hätte doch jeder an Moses Flucht aus Ägypten gedacht.

„Auch damals wird es MisstrauenFlüchtlingen gegenüber gegeben haben. Schon aus der Geschichte heraus: der Auszug von Gottes Volk aus der Sklaverei im Ägyptenland. Damals schon eine alte Legende. Aber sie verursachte bestimmt noch immer Unbehagen vor umherziehenden Menschen, stelle ich mir vor.“

Moses wird in der populären Kultur häufig in der Zeit Ramses II. verortet. Das wären 1300 Jahre vor Jesu Geburt. Da haben also die Menschen in einer römischen Provinz nichts besseres zu tun als über ein Ereignis nachzudenken, welches 1300 Jahre vorher stattgefunden haben soll? In der Zwischenzeit ist vermutlich sonst nicht viel passiert. Steht ja nicht in der Bibel.

Kurz: Maria und Joseph hatten es schwer und haben Jesus in Sicherheit gebracht. Wenn sie das nicht gemacht hätten, wäre er nie gekreuzigt worden und nie auferstanden. Es gäbe keine Christen! Und Pfarrer Karsch hätte uns nicht mit seinen Gedanken beglücken dürfen. Er wäre auch kein Pfarrer, denn es gäbe keine Kirche, wenn es Jesus nicht gegeben hätte.

Dass es keine historischen Belege für den Kindermordenden Herodes gibt, ist geschenkt, es gibt genug Gründe zu flüchten. Dass niemand weiß, ob Moses je existiert hat und es keine Hinweise auf den Auszug der „Israelisten“ aus Ägypten gibt, kann mal passieren. Blöd ist allerdings, dass es wahrscheinlich ist, dass es die historische Figur „Jesus von Nazareth“ nie gegeben hat. Es scheint also, dass genau das zutrifft, was Pfarrer Karsch so froh abstreitet. Trotzdem gibt es die Kirche. Trotzdem darf mir ein Pfarrer am Samstag Morgen die Zeit stehlen.

Wenn ich erfahren, dass Menschen, deren Ansichten ich schätze, nicht existiert hätten, bringt mich das nicht in eine tiefe Sinnkrise. Ich wäre höchstens verwundert, welcher Schauspieler Christopher Hitchens wohl dargestellt hat. Die Ideen dieser Personen wären aber nicht mehr oder weniger wertvoll für mich. Die von Ihnen vertretenden Werte wären mir genauso wichtig.

Bei Pfarrer Karsch scheint das anders zu sein. Zieht doch Jesus seine Autorität daraus, der „Sohn Gottes“ zu sein. Wichtig sind nicht die Idee, sondern wer sie gesagt hat. Ich finde das beunruhigend. Was passiert, wenn heute jemand eine Mehrzahl von Christen davon überzeugen könnte, er (oder sie? eher nicht) sei der Sohn Gottes und die großen Kirchen hätten seine Botschaft missverstanden? Was, wenn er sagt, wer ins Himmelreich will, müsse alle gottlosen Personen aus dem Leben befördern? Wer von Gottes Weisheit und Größe überzeugt ist, müsste danach handeln. Ich müsste nicht anders handeln, wenn Hitchens zurück kommt und sagt, ich hätte ihn falsch verstanden.

Wenn also Jesus zurückkommt und alle ihn missverstanden haben, dann Gnade uns Gott.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Atheismus

BH Verbot – Was nach der Burka kommt

[In diesem Text geht es nicht um die politische Bedeutung der Vollverschleierung. Es geht nicht um ihren symbolischen und tatsächlichen Stellenwert in Bezug auf die Gleichstelltung der Rechte von Frauen. Es geht um Menschen und deren Bedürfnisse.]

Prolog:
Vor 20 Jahren ging ich durch die Fußgängerzone einer norddeutschen Kleinstadt. Als mir ein paar junge Männer entgegenkamen und abwertende sowie drohende Gesten in meine Richtung machten, versuchte ich, meine Verunsicherung hinter ein paar Scherzen zu verbergen und mutiger zu wirken, als ich mich fühlte. Ein paar Monate spater versuchte ich in einer Diskothek in einer Kleinstadt in Westfalen zu tanzen, während mich der düstere Blick eines Hünen fixierte, der wohl nur deshalb keine Auseinandersetzung suchte, weil ich kein Gegner für ihn gewesen wäre. Auf der Abschlussfeier meiner Schullaufbahn spürte ich den Frust meines Vaters, der sich von seinem Sohne etwas anderes gewünscht hätte. Mich unterschied von meinen Geschlechtsgenossen,dass ich keine Hose trug. Ich trug einen Rock. Keinen „Schottenrock“ oder ein langes Lederteil auf einer Szeneparty, sondern ein modisches Kleidungsstück (oder was ich dafür hielt), wie es auch einen weiblichen Unterleib verhüllen könnte.

Heute
Im Sommer 2016 wird in Deutschland darüber debattiert, ein Kleidungsstück zu illegalisieren. Denn, so heißt es, dieses Kleidungsstück gefährde unsere freie, offene Gesellschaft. Es stehe nicht für die Werte unserer Gesellschaft. Menschen aus ideologischen oder kulturellen Gründen dazu zu zwingen, sich einem bestimmten Kleidungskodex zu unterwerfen, ist nicht, was wir uns in Deutschland wünschen. Natürlich wird nicht in solch abstrakter Form diskutiert, sonder man diskutiert über die Burka. Oder das, was wir dafür halten.

Einige JournalistInnen haben Menschen interviewt, die Kleidungsstücke tragen, welche die Kriterien von Vollverschleierung erfüllen. Einige dieser Menschen haben angegeben, es würde ihnen Sicherheit geben, sich nicht allen Blicken aussetzen zu müssen. Es dauerte nicht lange, bis hämische Kommentare abgesetzt wurden. Von „ausgedacht“ bis „die wissen es halt nicht besser“ war alles dabei. Es scheint für einige Menschen schwer vorstellbar zu sein, dass ein Kleidungsstück Sicherheit geben kann.
Das Gefühl von Sicherheit ist eines der Grundbedürfnisse von Menschen. Dabei können der subjektive Eindruck von Sicherheit und die tatsächliche Sicherheit durchaus im Missverhältnis stehen. So ist Autofahren deutlich weniger sicher als fliegen, doch deutlich mehr Menschen haben Angst davor zu fliegen, als Angst davor Auto zu fahren. Wenn Menschen Auto fahren, haben sie die Illusion von Kontrolle und fühlen sich sicher.

Wie dieses Grundbedürfnis befriedigt wird, ist individuell sowiedurch unsere Kultur geprägt. So ist es möglich, dass ein Kleidungsstück, welches mit einer unemanzipatorischen Intention eingeführt wurde, einem Menschen das Gefühl von Sicherheit gibt. ‚Die Burka‘ kann ein menschliches Grundbedürfnis erfüllen. Wenn wir als Gesellschaft dieses Kleidungsstück verbieten, bleibt das Bedürfnis nach Sicherheit trotzdem bestehen. Wenn wir als Gesellschaft die Bedürfnisse von Menschen ignorieren werden wir als Bedrohung wahrgenommen. Dabei sind unsere Intentionen (aufklärerisch oder rassistisch) egal. Zumindest aus Sicht der Menschen, denen wir das Gefühl von Sicherheit nehmen

Es gibt Menschen, die eigene Gewohnheiten so wenig hinterfragen, dass sie gar nicht auf die Idee kommen, diese könnten ebenfalls nicht in den kühlen Höhlen der Ratio entstanden sein. Schauen wir uns mal so ein Kleidungsstück an, welches ein Gefühl von Sicherheit geben kann.

Der Büstenhalter oder BH erfüllt, schenkt man Studien glauben, seinen Zweck nicht. Anstatt dafür zu sorgen, die Brüste von Frauen für Männer möglichst ansehnlich und die Folgen von Schwangerschaft und Schwerkraft klein zu halten, scheint er das Gegenteil zu bewirken. Trotzdem entscheiden die meisten Frauen sich dafür, dieses Kleidungsstück zu tragen. Die Motivation mag unterschiedlich sein. Eine Motivation dürfte sein, dass viele Frauen sich wohler fühlen, wenn sie einen BH tragen. Auch wenn sie darüber schimpfen, dass diese unbequem, warm und teuer sind.

In unserer Kultur ‚gehört es sich‘ heute einfach für Frauen, einen BH zu tragen. Entscheiden Frauen sich dagegen, wird das bemerkt. Man(n) spricht darüber oder – wenn ich an meine Schulzeit denke – macht sich darüber lustig. Frauen, die sich entscheiden, keinen BH zu tragen, zahlen einen Preis. Der mag, so weit sind wir als Gesellschaft immerhin, gering sein, doch er ist vorhanden.

Ein Kleidungsstück, welches seinen Sinn nicht erfüllt, wird aufgrund kultureller Normen getragen. Bei den aktuellen Temperaturen gilt das für so ziemlich jedes Kleidungsstück. Wieso trägt noch jemand Kleidung, bei Temperaturen jenseits der 30°C? Weil wir uns als Gesellschaft darauf geeinigt haben. Wir sind kulturell so geprägt, dass wir uns unwohl fühlen, wenn wir nackt durch die Straßen laufen, egal wie schön das wäre. Ich weiß nicht, ob es Gesetze gibt, die das verbieten, ich bin aber sicher, dass sie für die meisten Menschen nicht nötig wären.

Wenn es jedoch um die Verschleierung des Gesichtes geht, gestehen wir Menschen nicht zu, dass sie kulturell so geprägt sind, sich mit mehr oder weniger ausgeprägter Verschleierung wohler fühlen. In den letzten zwei Jahren scheint mir der Kampf für eine humanistische Gesellschaft dadurch geprägt zu sein, dass ich für die Rechte der Menschen eintreten muss, die Ideen anhängen, die, konsequent zuende gedacht, nicht mit einer humanistischen Gesellschaft vereinbar wären. Dabei muss ich mich gegen Menschen stellen, die angeben, für diese humanistische Gesellschaft einzutreten. In ihrem Eifer vergessen sie dabei immer öfter, was eine humanistische Gesellschaft so lebenswert macht: die Menschen darin und deren unterschiedliche Sicht auf die Welt.

Epilog

Mein Vater hatte sich bereits seit den 80er Jahren mit dem Klimawandel und dem Ozonloch beschäftigt. Im Fernsehen wurde über die Zuhnahme von Hautkrebs in Australien berichtet. Neben dem Ozonloch, so die Hypothese meines Vaters, gebe es einen weiteren Grund für den Anstieg. Ein Rückgang der prüden Kleidungsvorschriften die in britisch geprägten Gesellschaften lange vorherrschten. Es ist noch nicht so lange her, dass es in ‚unserem‘ Kulturkreis angemessen war sich bedeckt zu halten. Und nicht jeder fühlt sich heute wohl, sich ausführlich zu zeigen.

Ich hatte befürchtet, im Falle eines Verbotes aus Protest selbst einen Burkini tragen zu müssen. Doch meine wunderbare Familie war mir einen Schritt vorraus. Einige Mitglieder erkannten im Burkini eine Möglichkeit sich an öffentlichen Badeplätzen aufzuhalten, ohne den eigenen Körper öffentlich zur Schau zu stellen. In meiner Familie trägt man Burkini und das macht mich stolz.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Atheismus, Ideologisch, Kontrovers, Uncategorized

AIDS, Abstinenz und Yoda

Schwerer Rückschlag für Moral und Glauben! Die Wissenschaft straft Aussagen von Papst und Evangelikalen (und EvangeligalInnen?) lügen. Wieder einmal.

Eine Infektion mit HIV und dem, in Entwicklungs- und Schwellenländern fast sicher darauf folgenden AIDS, sei durch Abstinenz und Treue zu verhindern. So predigen Glaubensvertreter seit Jahrzehnten von ihren Kanzeln und dem Petersplatz. In den USA gerne ergänzt durch einen ähnlichen Tipp, um ungewollte Schwangerschaften zu vermeiden. Auch wenn diese Aussage natürlich faktisch richtig ist, verhindert der Tipp nicht eine HIV-Infektion (oder Schwangerschaft). Das zumindest war meine Meinung und die Meinung vieler Menschen, die menschliche Triebe weltlich betrachten.

Und nun hat eine Studie genau diese Alltagsweisheit bestätigt. Auch das gibt es. Im Gegensatz zur Alltagsweisheit, die Erde sei flach, die weiterhin falsch ist (und bleibt, sorry Xavier). Der Rat an uns kaum behaarte Primaten, keinen Sex zu haben oder treu zu bleiben, um die Verbreitung von HIV zu verhindern und ungewollte Schwangerschaften zu verhindern, führt zum Gegenteil.

Die Studie sollte einen Teil von PEPFAR evaluieren. PEPFAR ist ein von George W. Bush initiiertes Programm gegen die Ausbreitung von HIV in Entwicklungsländern. Ein Teil der Gelder aus diesem Programm wurde für die Propagierung von Abstinenzprogrammen genutzt. Als wiedergeborener Christ war das George W. sicher eine Herzensangelegenheit. Nun, das Geld hätte er sich sparen können. Wenn es zu Beginn des Programm noch keine Belege für die oben genannte Alltagsweisheit gab (?), so gibt es sie jetzt. Nun kann das Geld also sinnvoll eingesetzt werden. Auch gegen Teenagerschwangerschaften in den USA wirken übrigens Abstinenzratschläge nicht.

Insgesamt war übrigens PEPFAR ein Erfolg und konnte, durch die sinnvollen Interventionen Leben retten und verbessern. Natürlich wirkt Abstinenz gegen die Infektion mit HIV und ungewollte Schwangerschaften. Leider sehen viele, spirituell sehr fähige, in der Lebenswirklichkeit ihrer Artgenossen jedoch eher unbeleckte, ältere Herren nicht, dass zwischen Abstinenzratschlag und Abstinenz etwas steht. Für den auch weiterhin dogmatisch sprechenden Papst und seine Freunde vom anderen Ufer sei dies, in Anlehnung an Meister Yoda, wie folgt illustriert: „Big, the urge to fuck is in this one. And this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one. But not this one. But this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one…

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Atheismus, Überleben, Humor, Teure Medizin

Der Terrorist, das missverstandene Wesen

Ups! Ich haben mich auf Twitter gestritten. In diesem Fall ging es um das Zitat aus einem Artikel in Psychologie-Heute:

Atrans Forschung zeigt, dass die meisten, die sich dem Dschihad anschließen, eine gemäßigte und vorwiegend säkulare Erziehung hatten. Muslime, die religiös aufwachsen, scheinen sogar eher gegen eine Radikalisierung gefeit zu sein. Die meisten Gotteskrieger, so Atran, werden als ältere Teenager oder mit Anfang zwanzig „wiedergeboren“ und wissen wenig über den Islam.

Der Versuch, die Motive von Terroristen zu entschlüsseln, indem man sich mit dem Islam beschäftigt und den Koran studiert, ist nach Atrans Meinung nutzlos. Die Bemühungen, gemäßigte Imame zu fördern, bezeichnet er in seinem Buch als „irrelevant“. Schließlich wird nur selten jemand in einer Moschee zum Terroristen. Einige wurden im Gegenteil aus der Gemeinde ausgeschlossen, weil sie zu radikal waren.

Darauf wurde geantwortet:

„Wo sind die christl. oder buddhist. Selbstmordattentäter? Siehe Scott Atran vs Sam Harris“

Sam Harris vertritt, wie viel „New Atheists“ die Ansicht, Gewalt sei „dem Islam“ immanent. Harris fordert eine Reformation aus dem Islam heraus um diese Tendenz zu Gewalttätigkeit zu beenden.

Auf meine Frage, was der Einwurf mit dem Zitat aus dem Artikel zu habe, wurde geantwortet:

(Weil)… „dort behauptet wird, dass der Koran keine zentrale Rolle für die Motivation der Attentäter spielt.“

Wenn man den Artikel liest, wird schnell klar, dass es sich dabei nicht um eine Behauptung handelt, sondern um eine auf Evidenz begründete Aussage. Harris interpretiert die Daten jedoch anders als deren Urheber. Dafür muss er sich, auch von Seiten vieler Atheisten, Kritik gefallen lassen.

Harris ist Neurowissenschaftler, veröffentlicht Bücher zum Thema Glauben und debattiert ausgiebig zum Thema. Wenn er eine weniger polarisierende Sicht auf den Islam einnehmen würde, dürfte es für ihn schwerer werden, weiterhin in der Form aufzutreten und Bücher zu verkaufen. Dass heißt nicht, dass er falsch liegt. Das heißt nur, dass die Schwelle, ihn zu überzeugen höher liegen dürfte, als bei jemandem, dessen Einkommen weniger von seiner Meinung abhängt.

Scott Atran ist Anthropologe und scheint zu versuchen, Gewalt die von Islamisten ausgeht dort zu verstehen, wo sie entsteht: bei den Menschen. Einige Belege für seine Thesen werden in dem zitierten Artikel angeführt. Das heißt nicht, dass er Recht hat. Aber es bedarf mehr als eines „aber trotzdem“ um die Belege zu entkräften.

Wenn ich Harris (und vielen „Islamkritikern“ in Deutschland) etwas vorwerfe, dann, dass sie implizieren, dass Menschen, die dem Islam anhängen, anders sind als die Gruppe von Menschen, der sich die Kritiker gerade zugehörig fühlen. Wir werden aber nicht verstehen, warum Menschen handeln, wie sie handeln, wenn wir uns im „Othering“ üben. Atran macht die Selbstmordatentäter und Djiahdisten wieder zu Menschen. Menschen mit Gefühlen, Sehnsüchten, Freunden. Menschen wie „wir“. Das kann natürlich nicht sein, sonst würden sie ja nicht solch monströse Handlungen begehen.

Atrans Ergebnisse bedeuten nicht, dass der Koran und eine bestimmte Kultur innerhalb des Islam nicht dazu beitragen können, dass Menschen durch Paris laufen und ihre Artgenossen abknallen. Religionen können dazu genutzt werden, dass „gute“ Menschen „böse“ Taten begehen. So wie jede Ideologie. An anderer Stelle zitierte ich bereits Hitchens:

“Name one ethical statement made, or one ethical action performed, by a believer that could not have been uttered or done by a nonbeliever. Think of a wicked statement made, or an evil action performed, precisely because of religious faith?”

Mir scheint jedoch, dass Religion (oder andere Ideologien) eine notwendige aber keine hinreichende Bedingung dafür ist. Nun haben wir „den Islam“ als eine mögliche notwendige Bedingung identifiziert. Wenn wir eine Lösung wollen, müssen wir auch den Rest rausfinden. Auf Harris und andere „besorgte“ Islamkritiker scheinen wir da nicht zählen zu können.

Ein ähnliche Dämonisierung von Menschen kennen wir aus der Verarbeitung der deutschen Geschichte. Die Täter des Nazireiches wurden zu Monstern erklärt. Dabei waren es Väter und Söhne, Mütter und Töchter. Ganz „normale“ Menschen. Denn gerade weil sie Menschen sind, wie wir, begingen und begehen sie monströse Taten. Das Monster schlummert in jedem von uns. Das einzusehen befreit und nimmt die Angst.

Roooaahhhhhrrrrrr!

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Atheismus, Überleben, Kontrovers

Schlechte Sache, selbst entschieden

Eine Frau erkrankt unheilbar an einem Hirntumor und entscheidet, selbstbestimmt aus dem Leben zu scheiden. Im Kreise ihrer Familie nimmt sie ein Dosis tödlicher Medikamente und stirbt. Der Vatikan nennt das: eine „schlechte Sache“. Klar ist das eine „schlechte Sache“, mit einem unheilbaren Hirntumor wird die Anzahl der guten Sachen die einem Menschen bleiben jeden Tag weniger. Brittany Maynard hat jedoch entschieden, dass es eine schlechtere Sache gebe als ihren Tod und das war, weiter zu leben. Aus ihrer Sicht hat sie die am wenigsten schlechte Sache gemacht. Manchmal gibt es Menschen die sind in dieser Situation. Das passt natürlich nicht zu Dogmen und alten Männern mit lustigen Hüten.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Atheismus, MEINung

Äh! Nö, Herr Thierse

Wolfgang Thierse, ausgesprochener Christ und Bundestagspräsident a.D., durfte zum Thema „Reformation und Politik“ predigen und ließ sich zu folgendem Satz hinreißen:

„Sie (Anm.: Religion) ist für das ethische Fundament gelingender Demokratie unersetzlich, gerade auch deshalb, weil sie auf die Grenzen von Politik verweist, Totalitätsansprüchen widerspricht“

Äh…nö, Herr Thierse. Dass Religion und Demokratie unter den richtigen Rahmenbedingungen vereinbar sind, darauf können wir uns einigen. Sie „unersetzlich“ zu nennen weist allerdings auf eine etwas verzerrte Wahrnehmung religiösen Wirklichkeit hin. Gerade heute wurde z.B. bekannt, dass die Glaubenskongregation, also die Nachfolgeinstitution der Inquisition, ein Verfahren gegen Priester in Chile eröffnet, die sich für ein Menschenrecht ausgesprochen haben: (Sexuelle) Selbstbestimmung.

Wie soll denn etwas, was Menschenrechte einzuschränken versucht, (und zwar für alle Menschen, nicht nur für diejenigen, die sich den Dogmen, die der internen Logik folgen, unterwerfen), „unersetzlich“ sein, für das „ethische Fundament“ der Demokratie? Dass die Grenzen der Politik von einer mehrere Tausend Jahre alten Geschichtensammlung und den daraus konstruierten Dogmen gezogen werden sollen, erscheint mir auch nicht sehr demokratisch.

Was den Totalitätsanspruch angeht, sollten Sie vielleicht mal schauen, wie es sich bei den drei monotheistischen Religionen damit verhält. Gerade hat Herr Kretschmann verlauten lassen, wer fände es in Ordnung, dass kirchliche Arbeitgeber Menschen anderer Glaubensrichtung aus genau diesem Grund die Einstellung verweigern dürften. Was ist ethisch daran, jemanden wegen des falschen imaginären Freundes auszuschließen? Das klingt eher nach Totalitätsanspruch, als nach Fundament gelingender Demokratie.

Also, Herr Thierse, nur weil man etwas behauptet, und sei es mit noch so viel innerer Überzeugung, wird es weder logisch, noch richtig. Auch wenn Vertreter diverser Religionen seit Jahrhunderten so tun, als sei das so.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Atheismus, MEINung

"Das ist nicht der wahre…"

Wir wissen alle, wie der Satz in der Überschrift weitergeht. Damit wird uns Unwissenden erklärt, dass diejenigen, die unmenschliche Grausamkeiten (oder besser „menschliche Grausamkeiten“?) im Namen des, von ihnen als Rechtfertigung, angeführten Glaubenssystems begehen, eben dieses Glaubenssystem nicht vertreten. Aktuell höre ich solche Aussagen oft im Zusammenhang mit dem IS und den in seinem Namen handelnden Schlächtern. „Das ist nicht der wahre…“

Ist er aber doch. Das ist genauso der „wahre Islam“, wie der von Millionen anderen friedlich gelebte Islam. Aber man kann nicht einerseits der Meinung sein, ein Buch sei 1:1 das Wort Gottes (allmächtig, allwissend u.s.w.) und dann sagen, die gewaltverherlichenden Teile seien eine Metapher. Selbst als Metapher ist das Abschlagen eines Kopfes wegen der falschen Religionszugehörigkeit (oder gar keiner) ziemlich krasser Scheiß.

8:12 Da dein Herr den Engeln offenbarte: «Ich bin mit euch; so festiget denn die Gläubigen. In die Herzen der Ungläubigen werde Ich Schrecken werfen. Treffet (sie) oberhalb des Nackens und schlagt ihnen die Fingerspitzen ab!»

8:12 When thy Lord inspired the angels, (saying): I am with you. So make those who believe stand firm. I will throw fear into the hearts of those who disbelieve. Then smite the necks and smite of them each finger.

Falls jemand mir vorwerfen möchte, dass ich etwas aus dem Zusammenhang gerissen habe, möge mir doch einen Zusammenhang nennen, in dem diese Passagen weniger abstoßend sind.

Nun entscheiden sich die meisten Menschen die sich dem Islam zugehörig fühlen (wobei sich zwei Menschen die sich dem Islam zugehörig fühlen, nicht unbedingt gegenseitig dieses Etikett zugestehen würden) gegen Gewalt um ihren Glauben durchzusetzen. Das tun sie aber nicht, weil ihre heilige Schrift das verbieten würde (eher im Gegenteil), sondern weil sie mitfühlende Menschen sind. Sie wissen intuitiv, dass Grausamkeit gegen Artgenossen Mist ist, egal was ihnen der Prophet (angeblich) von Gott überliefert haben mag.

Das Ganze erinnert mich an Christopher Hitchens Herausforderung:

„Name one ethical statement made, or one ethical action performed, by a believer that could not have been uttered or done by a nonbeliever. Think of a wicked statement made, or an evil action performed, precisely because of religious faith?“

Hitchens wollte damit sagen, dass man nicht religiös sein muss, um ethisch zu handeln. Er wollte außerdem ausdrücken, dass man mithilfe von Religion „gute“ Menschen dazu bekommt, „böse“ Dinge zu machen.

Ben Affleck hat Bill Maher und Sam Harris kürzlich heftig für ihre Kritik am Islam angegriffen:


Interessant ist vielleicht auch dieser Text, wenn es darum geht, wie man versuchen kann, die ideologischen Grundlagen einer Glaubensgemeinschaft in einem freundlichen Licht erscheinen zu lassen. Vertreter der anderen monotheistischen Religionen können das natürlich genauso gut. Alle drei gehen von den gleichen Annahmen aus:

  1. Es gibt eine allmächtige, allwissende Wesenheit.
  2. Diese Wesenheit sprach zu bestimmten Menschen und sagte diesen wörtlich, wie sie zu leben haben.
  3. Diese Wesenheit scheint, folgt man den Worten, der unter Punkt 2 genannten Menschen, der Ansicht zu sein, alle Menschen müssten ihren Weisungen folgen, oder ewig leiden.
  4. Um dieses ewige Leiden zu verhindern, sind die bereits überzeugten Anhänger dazu angehalten, Menschen möglichst bereits im Diesseits vom rechten Pfad zu überzeugen. In einigen Fällen darf man sie sonst auch schon vorzeitig dem ewigen Leid zuführen.

Das klingt irgendwie nicht nach einem friedlichen zusammenleben, wenn man diese Vorgaben ernst nimmt. Machen zum Glück die wenigsten.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Atheismus, MEINung

„Das ist nicht der wahre…“

Wir wissen alle, wie der Satz in der Überschrift weitergeht. Damit wird uns Unwissenden erklärt, dass diejenigen, die unmenschliche Grausamkeiten (oder besser „menschliche Grausamkeiten“?) im Namen des, von ihnen als Rechtfertigung, angeführten Glaubenssystems begehen, eben dieses Glaubenssystem nicht vertreten. Aktuell höre ich solche Aussagen oft im Zusammenhang mit dem IS und den in seinem Namen handelnden Schlächtern. „Das ist nicht der wahre…“

Ist er aber doch. Das ist genauso der „wahre Islam“, wie der von Millionen anderen friedlich gelebte Islam. Aber man kann nicht einerseits der Meinung sein, ein Buch sei 1:1 das Wort Gottes (allmächtig, allwissend u.s.w.) und dann sagen, die gewaltverherlichenden Teile seien eine Metapher. Selbst als Metapher ist das Abschlagen eines Kopfes wegen der falschen Religionszugehörigkeit (oder gar keiner) ziemlich krasser Scheiß.

8:12 Da dein Herr den Engeln offenbarte: «Ich bin mit euch; so festiget denn die Gläubigen. In die Herzen der Ungläubigen werde Ich Schrecken werfen. Treffet (sie) oberhalb des Nackens und schlagt ihnen die Fingerspitzen ab!»

8:12 When thy Lord inspired the angels, (saying): I am with you. So make those who believe stand firm. I will throw fear into the hearts of those who disbelieve. Then smite the necks and smite of them each finger.

Falls jemand mir vorwerfen möchte, dass ich etwas aus dem Zusammenhang gerissen habe, möge mir doch einen Zusammenhang nennen, in dem diese Passagen weniger abstoßend sind.

Nun entscheiden sich die meisten Menschen die sich dem Islam zugehörig fühlen (wobei sich zwei Menschen die sich dem Islam zugehörig fühlen, nicht unbedingt gegenseitig dieses Etikett zugestehen würden) gegen Gewalt um ihren Glauben durchzusetzen. Das tun sie aber nicht, weil ihre heilige Schrift das verbieten würde (eher im Gegenteil), sondern weil sie mitfühlende Menschen sind. Sie wissen intuitiv, dass Grausamkeit gegen Artgenossen Mist ist, egal was ihnen der Prophet (angeblich) von Gott überliefert haben mag.

Das Ganze erinnert mich an Christopher Hitchens Herausforderung:

„Name one ethical statement made, or one ethical action performed, by a believer that could not have been uttered or done by a nonbeliever. Think of a wicked statement made, or an evil action performed, precisely because of religious faith?“

Hitchens wollte damit sagen, dass man nicht religiös sein muss, um ethisch zu handeln. Er wollte außerdem ausdrücken, dass man mithilfe von Religion „gute“ Menschen dazu bekommt, „böse“ Dinge zu machen.

Ben Affleck hat Bill Maher und Sam Harris kürzlich heftig für ihre Kritik am Islam angegriffen:


Interessant ist vielleicht auch dieser Text, wenn es darum geht, wie man versuchen kann, die ideologischen Grundlagen einer Glaubensgemeinschaft in einem freundlichen Licht erscheinen zu lassen. Vertreter der anderen monotheistischen Religionen können das natürlich genauso gut. Alle drei gehen von den gleichen Annahmen aus:

  1. Es gibt eine allmächtige, allwissende Wesenheit.
  2. Diese Wesenheit sprach zu bestimmten Menschen und sagte diesen wörtlich, wie sie zu leben haben.
  3. Diese Wesenheit scheint, folgt man den Worten, der unter Punkt 2 genannten Menschen, der Ansicht zu sein, alle Menschen müssten ihren Weisungen folgen, oder ewig leiden.
  4. Um dieses ewige Leiden zu verhindern, sind die bereits überzeugten Anhänger dazu angehalten, Menschen möglichst bereits im Diesseits vom rechten Pfad zu überzeugen. In einigen Fällen darf man sie sonst auch schon vorzeitig dem ewigen Leid zuführen.

Das klingt irgendwie nicht nach einem friedlichen zusammenleben, wenn man diese Vorgaben ernst nimmt. Machen zum Glück die wenigsten.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Atheismus, MEINung

Gottes Lotterie des Todes

Halleluja! Dr. Kent Brantly hat Ebola überlebt. Wahrscheinlich auch durch den Einsatz einer neuen, noch experimentellen Therapie. Vielleicht aber einfach durch Glück (sprich, die Produktion eines passenden Antikörpers, zur richtigen Zeit durch sein, im Rahmen der Evolution entstandenes, Immunsystems). Wie auch immer, es haben sich viele Menschen um das Wohlergehen Brantlys bemüht. Nachdem er neun Tage mit Ebola in Liberia lag und er dort das experimentelle Medikament bekam, wurde er in die USA geflogen. Dort erholte er sich und wurde, nachdem er kein Virus mehr ausschied, entlassen.

Und dann dankte er „Gott“. Denn der habe ihn geheilt. Und natürlich all die Gebete, der vielen Menschen. Durch seine Heilung habe „Gott“ dafür gesorgt, dass diese Erkrankung mehr Aufmerksamkeit bekommen habe. Ja, das ist wahr, weil Ebola bis vor einige Tagen kaum Aufmerksamkeit bekommen hatte. Er dankte auch allen, an seiner Heilung beteiligten Menschen; man ist ja gut erzogen. Aber eigentlich waren das alles nur Gottes Werkzeuge. Da werden die sich aber alle freuen.

Es scheint also, Gott interessiere sich vor allem vor Menschen, die mediale Aufmerksamkeit bekommen, um dann die, von ihm zumindest zugelassene, Erkrankung in diesem Menschen zu heilen und der Menschheit dadurch deutlich zu machen, dass diese schlimme Erkrankung, die Menschen wahllos dahinrafft, nicht vergessen werden sollte. Gottes Wege sind unergründlich.

Brantly mag, verständlicherweise, glücklich sein, über seine unwahrscheinliche Genesung. Er mag auch das von ihm bevorzugte imaginäre Wesen für seine Heilung preisen. Seine Aufgabe erfüllt er damit jedoch nicht. Er arbeitet nämlich als Arzt für Samaritan’s Purse, eine christliche Hilfsorganisation, die Katastrophen nutzt, um Menschen davon überzeugen, dass Jesus ihr Retter sei. Was in genau dem Moment auf eine ganz eigenartige Weise ja auch stimmt.

Die chauvinistische Idee von Missionierung mal beiseite, überzeugt mich dieses postulierte Handeln „Gottes“ nicht davon, wieder in den Schoß der Kirche zurückzukehren. Was hat dieser Gott davon, in einem der ärmsten Gebiete auf unserem Planeten, ein Virus sein Unwesen treiben zu lassen, welches, aufgrund schlechter Hygiene, vor allem die Armen befällt? Die reichen Menschen sind nur mit sehr viel Pech davon betroffen. Soll das Massensterben dazu dienen, christlichen Organisationen die Gelegenheit zu geben, seine Nachricht zu verbreiten? Dabei nähme er sogar Menschen, die noch nicht von seiner Nachricht erreicht wurden die Chance, ewiges Leben zu erreichen, weil sie vorher an dem Virus versterben. Unter einem „gütigen Gott“ stelle ich mir etwas anderes vor.

Das klingt fast wie die Geschichte von Noahs Arche, in der ja auch fast die gesamte Bevölkerung ausgelöscht wird, weil sie so böse war. Es scheint sich also weiterhin um diesen alttestamentarischen Bastard zu handeln, wenn man der Logik Brantlys und wohl auch dem Leiter von Samaritan’s Purse, Franklin Graham, folgt. Zynischer geht es kaum.

Samaritan’s Purse sind übrigens dieselben Leute, die „Weihnachten im Schuhkarton“ verantworten. Da gibt es zum Spielzeug gleich noch eine Ideologie dazu. Und diese Ideologie hat Bratly mit seinem Dank an „Gott“ hübsch zur Kenntlichkeit entstellt. Vielleicht ist er nicht der Richtige in dieser Missionarsstellung.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Atheismus, MEINung

Seelenfriede gegen Ebola

Christopher Hitchens neigte dazu, darauf hinzuweisen, dass, wenn es um die von Religionen ausgehende Gefahr gehe, nicht die Radikalen unser Problem sind, sondern die Moderaten, die offiziellen Vertreter etablierter Kirchen. Als ein Beispiel nannte er die vom iranischen Ayatollah ausgesprochene Fatwa gegen Salman Rushdie. Dieser hatte in seinem Roman „Die satanischen Verse“ angeblich den Islam beleidigt und war daher für vogelfrei erklärt worden. Das Ganze wäre einfach nur skurril, wenn es nicht tatsächlich Anschläge auf sein Leben gegeben hätte. Und wenn nicht tatsächlich Menschen, die an der Verbreitung des Buches beteiligt waren, aufgrund der Fatwa getötet worden wären. Hitchens zeigte, wie die Vertreter christlicher, gesellschaftlich anerkannter Kirchen, wenn sie sich zu dem Thema äußerten, nicht etwa die Fatwa, einen Aufruf zum Mord aller an der Verbreitung des Buches beteiligten, kritisierten, sondern den Autoren. Ähnliches war im Rahmen der in dänischen Zeitungen gedruckten Mohammed-Karikaturen zu beobachten.

Der Gedanke, bei HIV handele es sich um eine „Strafe Gottes, dürfte jedem Leser dieses Textes lächerlich erscheinen. Dabei vergisst man, dass auch hier Bischöfe, eines großen christlichen Gottesclubs unter denjenigen waren, die diese Idee unter die Leute brachten. Es ist nur schon einige Jahre her. Josef Ratzinger meinte, man müsse nicht von einer Strafe Gottes sprechen, es sei die Natur, die sich wehre. Das klingt wie eine Art moralisch motivierter infektiologischer Animismus.

Und nun ist es wieder soweit. In Liberia verkündeten verschiedene hochrangige Vertreter christlicher Glaubensgemeinschaften, an der derzeitigen Ausbreitung von Ebola seien (u.a.) Menschen schuld, die sich sexuell gleichgeschlechtlich orientieren. Wie man diese Aussage und die Tatsache, dass das erste Opfer wahrscheinlich ein zweijähriger Junge war, zusammenbringt, dafür muss man wahrscheinlich auch seine Tage in einem Talar verbringen.
Bisher habe ich noch nichts davon gehört, dass Franziskus seinen Erzbischof berichtigt hätte. Wozu ist Unfehlbarkeit eigentlich da, wenn man nicht mal den Bullshit der eigenen Untergebenen richtigstellen darf. Man könnte fast meinen, der Papst sei mit den Worten der Kollegen einverstanden.

Führende Glaubensvertreter sind nur so weltoffen, wie sie sein müssen. In vielen Staaten Europas geben sie sich nett und freundlich, tolerant und kuschelig, doch damit folgen sie einer durch gesellschaftliche Kräfte erkämpften Linie, nicht ihren eigenen Dogmen. Doch dort, wo sie mehr Macht haben, sind sie weniger zurückhaltend. Sie zeigen sich lebensfeindlich und totalitär. Gerade in afrikanischen Staaten wird jede Gelegenheit genutzt, um gegen Menschenrechte, die sich (angeblich?) nicht mit dem Wertekodex der Kirchen decken lässt, zu kämpfen. Ohne auch nur annähernd behaupten zu wollen, alle oder auch nur die Mehrzahl ihrer Anhänger seien damit einverstanden, bleibt doch die Frage, warum die offiziellen Vertreter dem Treiben nicht endlich Ende setzen?

Für diese Glaubensvertreter wünscht man sich fast die Existenz des jüngstes Gerichts. Wenn die Idee nicht so scheiße wäre.

Weiterlesen: Anti Gay Bill kippt – Der Hass bleibt

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Atheismus, Überleben, MEINung