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Omas Tasche

„Was ist das denn?“ fragt mich ein junges Mitglied der Familie, 1. Kind meiner Schwester und noch nicht in der Schule. Es muss komisch aussehen, dieses hässliche rote Packet aus Kunstleder.

„Das ist eine Tasche von Oma.“ antworte ich und noch bevor mir ein ungläubiges „Oma!?“ entgegenkommt, fällt mir ein, dass das Kind seine Oma meint, die meine Mutter ist und ich meine Oma, die… „Ich meinte von Uroma, die kennst Du gar nicht mehr, die lebt schon lange nicht mehr.“ Nach ein paar kurzen Fragen zu Zeiträumen und Vergänglichkeit, was ja Hand in Hand geht, widmet sich das Kind anderen, wichtigeren Fragen: Wie weit fliegt dieser Papierflieger.

Ich bleibe noch ein wenig an der Tasche hängen und mir wird bewusst, dass ich diese Tasche seit 30 Jahren kenne und seit 20 Jahren nutze. Vermutlich hat meine Oma sie von der Sparkasse zum Weltspartag erhalten. Weltspartag. Das war mal ein wichtiges Datum in unserer Familie. Wenn ich sie früher besucht habe, sind wir mit der roten Tasche einkaufen gegangen. Manchmal war ich auch alleine unterwegs. Und dann war mir dieser fiese Lappen peinlich. Vielleicht könnte die Tasche eine Renaissance in der Hipsterkultur (ist man noch Hipster oder ist das schon vorbei?) erleben.

Wenn meine Oma uns besucht hat, ging sie immer einkaufen. Im beigen Mantel immer die rote Tasche verborgen. Meine Oma hatte die Einkaufstaschen immer zum bersten voll und meine Mutter hat sich immer geärgert, dass „alles verschimmelt“. Ich fand die vollen Taschen nicht so schlimm. Denn der Inhalt der Taschen, der mich interessierte, ist nie verschimmelt. Das hat meine Mutter auch gestört. Süßigkeiten hatten in Deutschland schon immer einen schlechten Leumund.

Als wäre die Tasche nicht schon peinlich genug, hat meine Oma sie eines Tages repariert als die Henkel herausgerissen waren. Die Reparatur hat mein Oma mittlerweile 25 Jahre überlebt. Das ist deutsche Wertarbeit. Diese merkwürdige Mischung aus Sparsamkeit und Verschwendung hatte ihre Wurzel wahrscheinlich im Krieg. Zumindest war das die Begründung meiner Mutter, wenn es um das Verhalten meiner Oma ging. Wenn ich das heute schreibe, klingt das merkwürdig. Unvorstellbar, dass in Deutschland Krieg geherrscht haben soll. Schaue ich mir an, was man heute in Sachsen wieder vertreten kann, ohne sich sofort ins gesellschaftliche Abseits zu katapultieren, bin ich mit diesem Gefühl anscheinend nicht allein. Nur sind meine Konsequenzen andere.

Irgendwann, ich weiß nicht mehr genau wann, habe ich die rote Tasche in meinen Rucksack gesteckt und hatte sie immer dabei. Wenn der Rucksack meinem Einkauf nicht genug Platz bot, habe ich einfach Omas rote Tasche rausgeholt und befüllt. Ich bin jedes Mal erstaunt, was diese, von meiner Oma hergestellten Nähte aushalten. Und so wie mir die Tasche früher peinlich war, bin ich heute ein wenig stolz darauf, diesen häßlichen Lappen aus meinem Rucksack zu pulen und den Reißverschluss zu öffnen. Ich könnte das Ding der Sparkasse anbieten, damit können die Werbung machen, für Beständigkeit oder so.

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Danke Merkel

Mein Weltbild ist wieder intakt. Das ist ein gutes Gefühl! Als Merkel ihren Parteigenossen und dem Rest der Bevölkerung ihr „Wir schaffen das!!!“ entgegenschleuderte sowie im Zuge einiger Äußerungen, die sie danach machte, erwischte ich mich immer wieder dabei, Frau Merkel zuzustimmen. Das ging so weit, dass ich mir in den letzten Wochen hatte vorstellen können, der CDU bei der Bundestagswahl unter bestimmten Umständen meine Stimme zu geben. Das wäre vor allem eine Stimme für Merkel gewesen. Für ihre Geste der Humanität (vielleicht war es auch nur Realpolitik, doch ich will ihr mal das Beste unterstellen), für ihr Einstehen für die Menschenrechte gegen das Parteiestablishment. Sogar dem Herrn de Maizière musste ich in den letzten Monaten dann und wann zustimmen. Ich hatte bereits Angst, zu werden, wie mein Vater!!1!!

Doch jetzt ist alles wieder gut. Die von Angela Merkel geführte Bundesregierung hat Afghanistan zum sicheren Herkunftsland erklärt und damit die Abschiebung von 1000en Menschen afghanischer Herkunft ermöglicht. Das ist eine Doppelstrategie. Nicht nur kann sich Christenunion mit dieser Form der Law-And-Order Politik auf dem Rücken unserer Mitmenschen bei den Anhängern der AfD anbiedern. Sie machen sich mit der Einschätzung Afghanistans als „sicher“ auch fit für das postfaktische Zeitalter. Da hatte die Union noch großen Nachholbedarf. Die SPD verkauft die Hartz-Reformen und die Riester-Rente als sozial gerecht. Die Grünen halten genetisch modifizierte Organismen für gefährlich. Die Linke sagt, sie geht angemessen mit den Querfronttendenzen in den eigenen Reihen um. Die FDP sagt, sie sei liberal.

Vielen Dank Frau Merkel, dass mein Weltbild wieder intakt ist. Irgendwie hält sich meine Freude aber in Grenzen. Ich frage mich, warum.

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Achtsamkeit am Sonntag

[Alternativer Titel: Die sieben Höllen der Achtsamkeit]

Es gibt nur wenige Momente in denen ich nicht mit irgendwas beschäftigt bin. Ich habe einen recht unruhigen Geist und neige dazu, schnell angespannt zu sein. Das nervt mich bisweilen sehr und manchmal spiele ich mit dem Gedanken, ob ich vielleicht eine AD(H)S haben könnte. Das würde mich aber zum einen noch mehr nerven und zum andere habe ich ein ausreichend hohes Funktionsniveau, also verwerfe ich diesen Gedanken wieder und entscheide mich für „Ist halt so“. Es wäre aber schon schön, wenn ich mal (EINMAL!) zur Ruhe kommen könnte: „Ist halt so, muss aber nicht“.

Als Sohn von Hippie-Eltern fand ich buddhistische Mönche (gemeint ist die Idee von buddhistischen Mönchen, die jungen Menschen typischerweise in einem kleinen norddeutschen Dorf vermittelt werden) immer toll. Diese Ruhe, diese Ausgeglichenheit, dieses achtsame Sein. Achtsamkeit! Das ist der Begriff der Zeit. Alle wollen achtsam sein: achtsam essen, sitzen, liegen, schlafen. Achtsam kaufen, investieren, traden. Mindfullness ist ein anderer Begriff für Achtsamkeit. Wir. Alle. Sind. Nicht. Achtsam. N.O.T. M.I.N.D.F.U.L.L.

Das sei, so höre ich immer wieder, eine Krankheit unserer Zeit, auf uns prasselten so viele Informationen ein, da könne ja niemand zur Ruhe kommen. Wir Armen! Wir wünschen uns in eine Zeit zurück, in der wir, frei von Smartphone und Email, durch stille Wälder streichen, auf der Suche nach Nahrung und Unterschlupf. In der wir, auf der Fährte eines Tieres durch die Savanne wandern und nur das rascheln des Grases hören. Lauschen auf jedes Geräusch, entscheiden blitzschnell, ob es eine Bedrohung unserer materiellen Existenz bedeutet oder die nächste Mahlzeit. In letzterem Fall müssen wir blitzschnell dafür sorgen, die Beute nicht zu verscheuchen und die richtige Taktik anwenden, sie zu erlegen, ohne dass sie dabei unsere materielle Existenz bedroht. Wenn wir sie erlegt haben, verspeisen wir sie am Feuer, immer ein Auge und ein Ohr in der Umgebung, um Futterneidern gewahr zu werden, die unsere materielle Existenz bedrohen könnten. Um dann, wenn wir satt sind, in einen unruhigen Schlaf zu fallen. Was wären wir achtsam!

Am heutigen Sonntag, während der körperlichen Ertüchtigung im Freien, schalt ich mich: „Du bist noch immer nicht achtsam! Schäme Dich dieses Mangels!“ Und plötzlich war ich trotz des schönen Wetters und der prächtigen Umgebung angespannt und unzufrieden mit mir. Da war er wieder, der mindfull Stress.

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Herrenwitze

Wahrscheinlich im Grundschulalter habe ich das erste mal gehört, dass die ersten Siedler die „Indianer“ mit Glasperlen bezahlt haben. Irgendwie habe ich nicht gedacht, wie doof die „Indianer“ gewesen sein müssen, sondern hatte eher das Gefühl, mir fehlt ein Stück Information. So könnte es auch Harald Lesch und David Precht in „Herrschaft der Zahlen“ gegangen sein“ als sie unter anderem über Geld sprachen und an der falschen Stelle lachten.

Ich lese gerade „Schulden“  von David Graeber. Leider bin ich weit davon entfernt, alle von ihm vorgestellten Konzepte durchdrungen zu haben. Aber das Rätsel mit den Glasperlen hat sich aufgelöst. Es gab viele Gesellschaften in der Geschichte, in denen Objekte als „Währung“ genutzt wurden, die keinen anderen Zweck erfüllen konnten. Diese Währungen wurden nicht im Alltag benutzt sondern für besonders wichtige Ereignisse. Ein sinnloses Objekt wie eine Glasperle als Zahlungsmittel anzuerkennen, ist demnach nicht so weit hergeholt wie es sich für einen mitteleuropäischen Grundschüler anhören mag.

Harald Lesch spricht darüber, dass Geld heute nur noch aus Nullen und Einsen besteht, nur noch virtuell vorhanden ist. Es sei nicht genug Geld da, um all das virtuelle Geld auszuzahlen. Lesch und Precht sind sich darüber einig, dass das total lächerlich ist, mit dem virtuellen Geld. Eine Tollheit der Moderne.

Geld hatte in der großen Mehrzahl der Gesellschaften in denen es genutzt wurde auch einen virtuellen Wert. In den wenigsten Fällen war eine Münze soviel Wert, wie das Material aus dem sie gemacht wurde. Das Geld war soviel Wert, wie die Gesellschaft gemeinsam beschloss, dass es Wert war. Lesch und Precht sind sich in ihrer Lustigkeit einig, dass Bargeld etwas wert ist, virtuelles Geld, also die Nullen und Einsen auf unseren Konten hingegen nicht.

Dabei ist der Wert eines 500 Euroscheines fast nur virtuell. Denn es handelt sich um ein Stück aufwendig verarbeitetes Papier, dessen Materialwert sich nur darum rechtfertigen lässt, weil sein virtueller Wert so hoch ist.

Herr Precht und Herr Prof. Lesch waren sich einig. Unsinn überall Unsinn. Ich bin mir uneins, immer noch, ob ich den Herrn Prof. Lesch vor allem langweilig oder vor allem pastoral finde.

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Doch, es war auch Sexismus

Es gibt die Hypothese, dass ein Teil der Ursache für die Wahlniederlage Hillary Clintons Sexismus war. Um diese Hypothese zu widerlegen wird dann gesagt, Hillary wäre nicht eine so schlimme Politikerin, weil sie eine Frau ist, sondern weil so furchtbare Sachen gemacht hat. Schaut man sich diese „Sachen“ aber genauer an, erscheinen sie als relativ undramatische Ereignisse in einem Politikerleben. Das entschuldigt sie nicht, das heißt nur, sie gehören zum Geschäft. Ich glaube den meisten Menschen, dass sie tatsächlich meinen, wenn sie sagen, dass sie Hillary im Prinzip wählen würden, wenn sie eben nicht so schrecklich wäre.

Aber warum erscheint sie so schrecklich, obwohl sie eine normale Politikerin ist? Sexismus. Es gibt kaum einen Politiker (!), der seit Jahrzehnten dermaßen angegriffen wurde, für im Grunde alles. Bevor ich das selbst versuche zu erklären, werde ich ein paar Videos und Texte verlinken, die meine Hypothese stützen.

Video: Let Hillary be Hillary – Wie wurde aus Hillary Rodham Hillary Clinton. Der zweite Teile lohnt sich auch (Emails!!!)

Video: Scandals – John Oliver über den Unterschied zwischen Clinton und Trump

Text: How Hillary became Hillary

Text: „War on“ – Trumps schrille und stille Helfer – Schön herausgearbeitet wie subtil Sexismus in dieser Kampagne gewirkt hat.

Text: How Hillary Clinton met Satan

 

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Ich im Trumpland

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Vor 200 Jahren muss die Straße, die ich gerade mit meinem Mietwagen entlangfahre, schwer vorstellbar gewesen sein. Links der Straße fällt die Küste steil ab, geformt von flüssigem Gestein, welches auf dem Weg zum Pazifik erkaltete. Rechts dicht bewachsene Hänge, die ebenso steil in den Himmel ragen. Dazwischen, ein dünner Streifen Zivilisation, die Straße. Auch die Geschwindigkeit mit der ich das Land bereise, dürften auf Menschen, die hier vor 200 Jahren lebten, unrealistisch wirken. Ganz zu schweigen von der unanständigen Menge an Energie, die benötigt wurde, mich hierher zu bringen. Liebe Enkel, die Dörfer auf den Nordseeinseln mögen nur noch bei Ebbe sichtbar sein, aber meine Reise war wirklich ein tolles Erlebnis.

In diesen Wäldern soll Bigfoot wohnen. Doch zur Zeit wohnt hier ein anderes Schreckgespenst. Seine Anhängerschaft ist mindestens so Leidenschaftlich, wie die des mythischen Affenmenschen der pazifischen Regenwälder. Und genauso in der Realität verhaftet. Oregon ist ein „blauer Staat“, relativ fest in der Hand der Demokraten, doch Schilder auf auf dem Land werben ausschließlich für „Trump Pence 2016“. Hillary findet kaum statt, nur in den Städten sind vereinzelt „Stronger Together“ Schilder zu sehen. Die einzige rationale und demokratische Kandidatin in diesem Rennen bekommt weniger Werbung als Bigfoot. Weibliche Ambitionen sind uns immer noch suspekt: „What is she up to?“

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Lewis und Clark erschlossen vor 200 Jahren den pazifischen Nordwesten der USA und machten damit den Rest des amerikanischen Kontinents der Zivilisation -damals „dem weißen Mann“- zugänglich. Vorher waren einige unzivilisierte Taten notwendig, deren Echo noch widerhallt. Die Eroberung des Kontinents durch den Menschen haben Narben hinterlassen. Sie erzählen, wie überall auf diesem Planeten, die Geschichte unserer Spezies. Den Pfad von Lewis und Clark können wir noch heute nachvollziehen, wenn wir das Quecksilber nachweisen, welches sie als Medikament einnahmen und als Sondermüll ausschieden.

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Hinter mir liegt meine erste direkte Beobachtung von Grauwalen und ein regnerischer Abend an der unruhigen Pazifikküste. Geschlafen habe ich in einem Motel in der Tsunamizone. Der politische Tsunami der auf die USA in Form der Kandidatur Donald Trumps zurollt, hinterlässt im Alltag bisher wenige sichtbare Spuren, in Oregon. Die Schilder am Rande der Straße wirken wie Menetekel. Kaum vorstellbar, wer die aufgestellt hat. Bisher bringt sich niemand in Sicherheit. Wohin auch? Dies ist „the greatest country on earth.“

Überall in den USA werden Menschen am 8.11.16 nicht nur über ihr nächstes Staatsoberhaupt abstimmen, sondern auch über Gesetze in ihren Bundesstaaten. Was in Amerika „Wahl“ genannt wird, heißt bei uns „direkte Demokratie“, als wäre es etwas Besonderes. Im Vorfeld erhalten die BürgerInnen dafür ein Heft, in dem Gegner und Befürworter ihre Argumente darlegen können. In Wahlkampfzeiten ist spürbar, wie tief die Demokratie in den USA verwurzelt ist. So unperfekt ihre Ergebnisse zuweilen auch sein mögen. So unperfekt wie die Menschen, die sie hervorbringen. Donald Trump ist so ein Ergebnis. So wie das Bild von Hillary Clinton als eine besonders verlogene und korrupte Politikerin: „What is she up to?“

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Illegaler Import aus Japan. Nicht in Trumps AMERICA!!!

Für die erste Debatte der beiden BewerberInnen bin ich in Deutschland noch am frühen Morgen aufgestanden. Ich sah ein souveräne Kandidatin, die ihren Widersacher dahin lockte, wo sie ihn haben wollte. Eine Woche ging Trump danach mithilfe von Tweets und Interviews auf Alicia Machado los. Die zweite Debatte sah ich bei Burger und Bier in einer Bar mit dunklem Holz und tiefen Decken. Am Tisch neben uns saß ein Musiker, der schon mal in Chemnitz gespielt hatte und nach der Debatte hier das Publikum unterhalten sollte. Auch hier Ratlosigkeit und Fatalismus. In Oregon wohnen auf ⅔ der Fläche von Deutschland knapp 4 Millionen Menschen. Da kann man sich auch 4 Jahre im Wald verstecken. Bigfoot gelingt das seit Jahrzehnten.

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Einem Tsunami gehen ein oder mehre Erdbeben voraus. Die Erdbebenserie der Stärke „Trump“ auf der nach rechts offenen Faschismusskala entstand aus einer gemeinsamen Anstrengung führender Vertreter der republikanischen Partei. Die hatten vermutlich nicht damit gerechnet, selbst von der Wucht der Welle weggespült zu werden drohen. Im Gegensatz zu den Bürgern, die das mögliche Unheil mit stoischer Ruhe und Sarkasmus erwarten, laufen die Parteioberen Hügel hinauf, halten Ausschau, kommen wieder herunter, versuchen Alltag zu spielen und können sich nicht entscheiden, ob es auf dem Hügel nicht doch besser ist.

Mein Vater hat auf die amerikanische „Kultur“ (seine Anführungszeichen, nicht meine) geschimpft und für meine „Comicsprache“ (meine Anführungszeichen, nicht seine) verantwortlich gemacht. Als ich in der 5. Klasse war, haben 4 Klassenkameraden und ich zu fünft gegen den 1. Irakkrieg demonstriert. Ich bin, aus heutiger Sicht, mit latentem Antiamerikanismus aufgewachsen und so war es beinahe ein Schock, wie deutlich dieses Land aus jeder Pore Demokratie ausdünstet. In Deutschland wird Wahlkampf für die Bürger gemacht. In den USA machen die Bürger Wahlkampf. Bei uns kommt davon nur die Pompöse Getöse der Wahlkampfmaschinerie der Präsidentschaftskandidaten an. Hier stehen in „jedem“ Vorgarten Schilder, mit denen die jeweiligen Menschen ihre Meinung deutlich machen. Nicht nur für Kandidaten (Bürgermeister, Senat, Präsident), sondern auch für Gesetze.

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Mount St. Helens

Am Morgen des 18.05.1980 rutschte in Washington der Berghang des Mount St. Helens erst ab und explodierte dann. Ich stehe auf einem Hügel, dessen Hänge noch heute kahl sind. Der spärliche Bewuchs duckt sich unter dem kalten, trocken Wind, der hier weht. Der Explosion war eine Serie von Erdbeben vorangegangen. Die Gegend war zur Sicherheit evakuiert worden. Soweit man schauen kann, sind nur die Überreste des Waldes zu sehen, der diese Hügel bis vor fast 40 Jahren bedeckt hatte. In den Wochen vor der Explosion hatte sich reger Tourismus um den Berg gebildet. Wir Menschen haben manchmal Schwierigkeiten, die langfristigen Folgen unserer Handlungen abzusehen. Tragen müssen wir sie trotzdem. Der Hügel auf dem ich stehen, befindet sich in der „Todeszone“. Der Berghang, der ca. 6 Km vor mir abgerutscht war, hatte genug Geschwindigkeit, um meinen sicheren Hügel hochzurutschen. Mount St. Helens ist noch immer nicht zur Ruhe gekommen. Im Krater bildet sich bereits eine neue Bergspitze, die von glühendem Gestein aus dem inneren der Erde gespeist wird.

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Reste eines umgeknickten Baumes am Mt. St. Helens.

Trump ist überall und reißt sicher Geglaubtes hinweg. Trump fördert Dinge zutage, über die seit Jahren Gras wachsen soll. Wenn es etwas gutes am Tsunami Trump gibt, dann, dass er zeigt, wie weit der Weg zu einer inklusive Gesellschaft noch ist. Wie tief Ressentiments z. T. sitzen. Das hat er mit der AfD gemeinsam. Auch wenn der Tsunami nicht auf die Küste treffen sollte, wird das Erdbeben eine Trümmerlandschaft hinterlassen. Es bleibt zu hoffen, dass „die Amerikaner“ den Neuaufbau klug gestalten. Die Ressourcen dafür sind da. Und mit dem „Big One“ rechnet man seit Jahren. Nach dem 8. November wird die Welt sehen, wie gut die Amerikaner vorbereitet waren.

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Viele Menschen die ich treffen durfte, wirkten, auf Trump angesprochen, wie in einem Zustand zwischen Schock und Fatalismus. Eine Art demokratischer Fatalismus, mit dem vollen Bewusstsein, dass wenn die Amerikaner Trump wollen, sie Trump bekommen. Im Zuge der Weigerung Frankreichs, dem 2. Irakkrieg zuzustimmen, sollten French Fries, Freedom Fries genannt werden. Als eurozentrischer Pazifist fand ich das damals zum einen anmaßend und zum anderen albern. Heute stimme ich mir von 2003 zu, kann aber mittlerweile nachvollziehen, welche Einstellung dahintersteht. Ich denke, die USA sind „The Greatest Contra On Earth“. Und damit zeigen sie uns, wie weit die Menschheit gekommen ist, und dass unsere Spezies noch einen langen Weg vor sich hat, bis wir stolz auf unsere Zivilisation sein können.

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PEGIDA und die schützende Hand

Obwohl ich seit einige Monaten selbst nicht mehr auf der Gegendemo war, verfolge ich das Geschehen medial regelmäßig mit. Über den routiniert ablaufenden Marsch der Besorgten in Dresden lohnt es sich nicht wirklich, Worte zu verlieren. Abgesehen von bewährter verbaler Eskalation und erneutem Streit im PEGIDA Führungsteam (diesmal mit Frau Festreling – der Lutz und seine Damen, was läuft da nur falsch?), handelt es sich um rassistische Routine in Dresden.

Aber manchmal gibt es schon Vorkommnisse, die schön vor Augen führen, wie dünn der demokratische Putz ist, in den sich Institutionen in Sachsen hüllen. Am Montag war wieder die Polizei Sachsen an der Reihe das zu zeigen.

Dem Marsch der Besorgten stellten sich auf der Prager Straße (eine breite Einkaufsstraße) 26 Personen entgegen und hielten ein Plakat hoch auf dem „Rassismus tötet“ zu lesen war. Die Polizei war sofort zur Stelle und setzte die Störer fest. Dabei gingen die Beamten gewohnt sächsisch, handfest vor.

Nun könnte man einwenden, auch die Besorgten hätten ein Recht auf Versammlung und Demonstration und die Aufgabe der Polizei bestünde darin, dieses Recht durchzusetzen. Und diesem Einwand würde ich, zähneknirschend, nicht widersprechen.
Nur ist es, man sieht es auf den Videos, nicht so, als hätten die 26 Menschen an dieser Stelle, in dieser Formation, den Marsch der PEGDIA aufhalten können. Die Demo wäre gut an den Menschen vorbei gekommen. Ob es also notwendig war, die Gegendemonstranten derart anzugehen, bezweifle ich stark.

Allerdings begnügete sich die Einsatzleitung nicht damit, die Protestierenden rabiat aus dem Weg räumen zu lassen. Sie hielt es auch für notwendig, sie „erkennungsdienstlich“ zu behandeln.

So wird jungen Menschen klar gemacht, dass ihr Protest nicht nur nicht erwünscht ist, sie werden aktiv eingeschüchtert. Die Polizei Sachsen macht sich durch ihr Verhalten zum Büttel der PEGIDA, zum Erfüllungsgehilfen einer faschistisch, völkischen Protestbewegung. Die Polizei Sachsen schützt nicht unserer Demokratie, sie schaufelt ihr Grab.

Ich übertreibe? Ja, das würde ich selbst auch denken, wenn ich diesen Text bis hierhin gelesen hätte. Das Verhalten der Einsatzkräfte, beschränkt auf diesen Fall mag meine Bewertung nicht rechtfertigen. Der Vergleich des Verhaltens der Kommunal- und Landesbehörden gegenüber den PEGIDA und dem bürgerlichen Gegenprotest hingegen schon.

Da ist zum Beispiel der Herr, der versucht, den 26 Protestierenden ihr Plakat zu entreißen. Dieser Herr konnte in aller Seelenruhe an den Polizeibeamten, die die Demonstranten festgesetzt hatten, vorbeimarschieren und nach dem Plakat greifen. Als das misslang, ging er ungehindert wieder zurück, träge beobachtet von den Ordnungshütern. Stellen wir uns einmal vor, ähnliches wäre durch jüngere Menschen aus „dem linken Spektrum“ passiert. In Dresden wurden junge Menschen wegen geringerer Vergehen schikaniert. Wir können die Reaktionen mit der Reaktion in diesem Video vergleichen (zugegeben, es handelt sich nich um die Polizei Sachsen und die beiden jungen Herren gehen energischer vor und sind erfolgreich…zumindest kurz).

Die Beispiele für das unterschiedliche Verhalten von Polizei Sachsen gegenüber den PEGIDA und deren Gegendemonstranten sind zahlreich. Im Herbst letzten Jahres gab die Stadt ein „Vollzugsdefizit“ bei PEGIDA zu. Lakonisch wurde das mit der hohen Teilnehmerzahl begründet. Ein Zustand an dem sich bis heute nichts geändert hat. Ich selbst stand neben Menschen auf der PEGIDA-Demo, die, nachdem sie keine 10m von Polizisten entfernt waren, Teleskopfahnenstangen von 3m und mehr auszogen, während die Auflagen verlesen wurden, nach denen nur 1,5m erlaubt waren. Den Alkoholkonsum muss ich sicher nicht erwähnen. Das Bündnis Herz statt Hetze hat dutzende Vorfälle vom PEGIDA-Geburtstag dokumentiert und veröffentlicht.

Passiert ist nichts. Die kleine Gegenbewegung die sich in Dresden gegen PEGIDA auflehnt, wird von behördlicher Seite aktiv behindert und kriminalisiert, während bei den PEGIDA die Augen zugedrückt werden. So baut man eine Bewegung auf, die die eigene Abschaffung fordert. Das lässt den Eindruck zurück als verhülle der demokratische Putz der sächsischen Behörden ein Fundament, in dem der Rost den Stahlbeton langsam braun färbt. Doch die DresdnerInnen haben andere Probleme, sie sorgen sich um ihr Image. Die Stadt nutzt lieber Putz als am Fundament zu arbeiten, Hauptsache das sieht keiner.

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Deeskalation a la Sachsen

 So schnell sind sie dahin, die guten Vorsätze. Immerhin bieten die erschütternden Bilder aus Clausnitz die Gelegenheit, meinen Fachbereich wenigstens am Rand in diesen Blog zu bringen. Das ist dann aber auch schon der letzte Lichtblick in diesem Beitrag.

Als ich gestern die pöbelnde, grölende Maße sächsischer Männer im Video auf Spiegel-Online sah, setzte meine sächsische Schamroutine ein und ich hakte dieses, zur Zeit mein zu Hause genannte, Bundesland wieder ein Stückchen ab. Frankfurt am Main ist auch ganz schön. Eigentlich jede größere Stadt Deutschlands außerhalb Sachsens. Am Rande sei bemerkt, wie erschreckend die eigene emotionale Verrohung in Angesicht des Schreckens ist, den meine -da führt kein Weg dran vorbei- Mitbürger unter geflüchteten Menschen in Deutschland verbreiten.

Heute morgen sah ich dann einen Post auf Facebook zu dem zweiten Video, auf dem zu sehen ist, wie ein Vertreter des Gewaltmonopols einen höchstens neun Jahre alten Jungen unter dem Johlen der umstehenden Faschisten gegen dessen Willen aus dem Bus zerrt. Zwei Dinge an diesem Video haben es durch meine sächsische Schamroutine geschafft und mich bis ins Mark erschüttert. Zum einen ist deutlich, dass der umstehende Pöbel die Beamten der sächsischen Polizei als Vollstrecker des hausgegrölten Volkswillens sieht. Zwar widersprechen sich die Willensäußerungen diametral („Fahrt nach Hause!“ vs „Hol ihn raus!“), doch die Sympathien zwischen Polizei und Folg scheinen in Sachsen so tief zu gehen, dass die gegenseitige Liebe auch in schweren Gewässern hält.

Wenn es sich dabei um den ersten Vorfall dieser Art in Sachsen handeln würde, könnte man von einem Ausreißer sprechen. Vieles spricht jedoch für ein, wie Sebastian Bartoschek schrieb, „strukturelles Problem“. Ich bin froh, dass ich mittlerweile ein sächsische Schamroutine entwickelt habe, so werde ich die kommende Zeit emotional überstehen. Die geflüchteten Menschen in Sachsen haben da weniger Glück.

Der zweite Aspekt in dem Video ist die zur Schau gestellte Unprofessionalität der Polizei. Gibt es so etwas wie eine Einsatzleitung, die, abseits vom direkten Geschehen einen kühlen Kopf bewahrend, die Situation überschaut? Gibt es Deeskalationsausbildung? Ist der Begriff bekannt?

In der Kinder- und Jugendpsychiatrie gibt es immer wieder Situationen in denen körperliche Gewalt (ich nenne es so, weil es vom Empfänger so empfunden wird, nicht weil es vom Ausübenden so intendiert ist!) im Rahmen von Zwangsmaßnahmen notwendig sein kann, um einen Menschen vor sich oder andere vor ihm zu schützen. Durch Deesekalationsstrategien lässt sich die Fequenz dieser Maßnahmen jedoch auf Einzelfälle reduzieren. Mir ist klar, dass ein Polizeieinsatz andere Bedingungen hat als eine psychiatrische Behandlung. Die Prinzipien sollten sich aber in beiden Fällen aus den Menschenrechten herleiten lassen.

So muss es die Abwägung geben, ob die ausgeübte Zwangsmaßnahme im Verhältnis zu dem steht, was ich durchsetzen will oder ob es mildere Mittel gibt. In Clausnitz war das Ziel (?), Menschen aus einem Fahrzeug in ein Gebäude zu bringen. Diese Menschen haben sich, aus einer nicht unberechtigten Angst, geweigert oder gesträubt, diesen Bus zu verlassen. Denn sie sahen durch sächsische Männer ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit gefährdet. Und offensichtlich waren sie der Ansicht, das die sächsische Polizei in der anwesenden Personaldecke und der gezeigten Haltung ihnen gegenüber nicht in der Lage war oder sein wollte, sie adäquat zu schützen.

Doch Anstatt die Ursache für die Angst der Menschen zu beseitigen und dafür zu sorgen, dass der Pöbel gebührenden Abstand hält, zwingt man die Menschen, sich diesem Pöbel auszusetzen. Hat der junge Mensch, der von einem sächsischen Polizisten mit Gewalt aus dem Bus gezerrt wird*, den Krieg, die Reise über das Mittelmeer, die Reise durch das winterliche (klimatisch und emotional) Europa und die Zeit in den Erstaufnahmestellen ohne ein Trauma überstanden, sorgt sächsische Polizei fürsorglich für Abhilfe. Weiß sie doch, dass PEGIDA & Co nur traumatisierte Geflüchtete akzeptieren. Man hilft ja, wo man kann. Danke Polizei.

Eine weitere Möglichkeit wäre gewesen, einfach zu warten. Die Menschen auf der Straße wären nicht ewig dort geblieben. Man hätte den Menschen sagen könne, dass man sie schützen wird, Präsenz zeigen und wenn die Lage sich beruhigt hat, die Menschen aussteigen lassen.

Oder man hätte, den Bus umdrehen lassen können und am nächsten Tag einen erneuten Anlauf starten können, besser vorbereitet und mit einem neuen Heimleiter.

Oder, mein Favorit, man hätte die Personalien der Pöbler feststellen sollen, den Bus zum nächsten hochklassigen Hotel bringen lassen und die Menschen darin solange unterbringen, bis eine sichere Ankunft in Clausnitz möglich wäre. Die Hotelrechnung wäre dann den Pöblern zugestellt worden.

*Es ist natürlich möglich, dass die Art zu handeln aus der immer noch weit verbreiteten Ansicht resultiert, es sei kein Problem, Kinder mit körperlicher Gewalt zu etwas zu zwingen. In dem Fall könnte die Polizei gleich zwei Probleme in den eigenen Reihen angehen.

Weiterlesen:

Mehr Texte zu PEGIDA und den sächsischen Verhältnissen aus Sicht eines Wirtschaftsflüchtlings (das bin ich) auf Diaphanoskopie.

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Dresdner Frust

 

Blick von der Augustusbrücke auf das Terrassenufer

 
13 000 Menschen waren am 13.02.2016 bei der Menschenkette, welche die Dresdner Altstadt symbolisch schützen soll. 13 000 meiner MitbürgerInnen, die sonst jeden Montag zentrale Plätze ihrer Altstadt einem rassistischen Mob überlassen, haben sich an einem Samstag Abend im Februar an den Händen gehalten und durften sich dem warmen Gefühl hingeben…? Tja das weiß ich auch nicht, welches Gefühl da transportiert werden sollte. Im besten Fall eines, die offene Gesellschaft vor denen zu schützen, die sie bedrohen (in Sachsen wohl am ehesten „Linksfaschisten“). Im schlechtesten Fall ein Gefühl von, in lokaler Tradition verbundener, Gemeinschaft. Ein Gefühl, dass im sächsischen Alltag ohnehin schon aus jeder Pore trieft. Der Lokalpatriotismus in diesem Bundesland ist schwer zu ertragen, vor allem im Hinblick auf den Preis, den er mit sich bringt.

Ich weiß gar nicht, was mich seit Oktober 2014 mehr zermürbt hat. Zu demonstrieren, ohne einen relevanten Effekt zu sehen, mal davon abgesehen, dass viele der Forderungen von PEGIDA im politischen Mainstream angekommen sind. Oder von Gesellschaft und Politik in Dresden und Sachsen das Gefühl vermittelt zu bekommen, mit dem Protest gegen eine faschistische Bewegung, zu den eigentlichen Störern zu gehören.

Ich weiß nicht mehr, wie oft ich hörte oder las, dass demokratischer Gegenprotest in Sachsen mit Gewalt und Aggression gleichgesetzt wurde. Wie oft ich mich fragte, wieso die Dresdnerinnen und Dresdner solche Abneigung gegen die pflegen, die für Demokratie und humanistische Werte eintreten?

Mich hat das zermürbt und müde gemacht. Ich verlor die Lust am Schreiben und den Glauben an Dresden. Darum mache ich jetzt Pause. Der Täterspuren Mahngang wird für die nächste Zeit meine letzte Demo gewesen sein. Ich habe Lust, mich wieder mehr dem eigentlichen Thema dieses Blogs zu widmen. Mal schauen, ob das klappt 🙂

Es ist ein bisschen so, als würden die Emotionen, die besorgte Bürger bei PEGIDA vereint, aus mir herausgesaugt. Als am 06.02.16 PEGIDA am Königsufer brüllte und der beschämend kleine Rest der Dresdner Zivilgesellschaft demonstrierte, war ich vor allem resigniert. Das liegt auch daran, dass Gegenprotest in dieser Stadt einfach nicht willkommen ist, das sind alles Unruhestifter. Ich kann jetzt verstehen, wie man in dieser Stadt phlegmatisch wird und lange auch Horden von Nazis mit einem Schulterzucken hinnahm.

Es ist fast, als wäre der Lebenswille, Mut dieser Stadt am 13.02.1945, in den letzten Tagen des faschistischen Terrorregimes, verbrannt. Doch man hat nicht verstanden, dass man große Teile des Weges, der zur Katastrophe vom 13.2. geführt hat, mitgegagengen war. Das man, so wie man Opfer wurde auch Täter war. Anstatt aus der Asche zu steigen, geht man in ihr und begnügt sich darin, Opfer zu sein. Opfer der Stasi, Opfer der Wessis, Opfer der PEGIDA. Armes Dresden.

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Besorgte für die ‚Freie Gesellschaft‘

Gerade wollen viele eine freie Gesellschaftsordnung schützen, indem sie sie unfreier machen. Insbesondere durch Gesetzverschärfungen. Die besorgten Bürger mögen sich darüber freuen, dass „die Ausländer“ – wahlweise „die Flüchtlinge“ – jetzt härter angepackt werden sollen. Dabei vergessen Sie, dass viele dieser Menschen nur zeitweise in Deutschland bleiben werden. Ausbaden müssen die Gesetzverschärfungen die, die bleiben. Dazu dürfte die Mehrzahl derer gehören, die jetzt den populistischen Vorschlägen applaudieren. So wird uns aus Angst vor dem rechten Michel Law and Order Politik untergejubelt. Freiheit stirbt mit Sicherheit.

Dabei ist das was in Köln passiert ist, gerade eine Zeichen dafür, dass wir in einer freien Gesellschaft leben. Denn deren Mitglieder gestalten ihr Leben weitgehend selbständig, ohne ständiger Kontrolle zu bedürfen. Dabei können Dinge schief gehen. Und wenn die Umstände passen, können sie sogar gewaltig schief gehen. So wie in Köln.

Schärfere Gesetze werden uns nicht vor einer Wiederholung schützen. Denn „verboten“ war das alles bereits in der Silvesternacht 2015. Schützen könnte uns ein solidarisches Verständnis von Zivilcourage. Eines, das Menschen dazu ermutigt, einander zu helfen, wenn sie in Not sind. Spontane Solidarität. Wir können darüber sprechen, ob die Ereignisse mit „dem Islam“ oder sonst einer „importierten Kultur“ (gähn) zu tun haben. Oder wir sprechen darüber, wieso die Mitglieder unserer „freien, liberalen, zivilisierten Gesellschaft“ einander an diesem Abend nicht solidarisch zu Hilfe gekommen sind.

In ersterem Fall müssten „die anderen“ sich verändern im zweiten wir alle.

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