Archiv der Kategorie: Quatschmedizin

Mein Energiefeld – Aktiv und Vital

Eines meiner Ziele im Leben ist es, mich vollumfänglich ganzheitlich, metaganzheitlich sozusagen, untersuchen zu lassen. Dazu war ich erneut auf der „aktiv und vital Messe“ in Dresden. Dort hatte ich letztes Jahr eine Irisdiagnostik machen lassen. Dieses Mal war mein Energiefeld an der Reihe! Dazu wurde die GDV Methode benutzt. Niemand am Messestand , an dem die Abkürzung in großen weißen Buchstaben als Methode angepriesen wurde, wusste, wofür „GDV“ steht. Aber dafür wusste man, wie ich das Problem lösen kann „googeln Sie doch mal“. Kompetenz! Das mag ich in meinen Heilern.

Bei diesem Verfahren werden die Fingerkuppen auf ein Gerät gelegt und das den Körper umgebene Energiefeld wird gemessen. Eine nette Dame am Computer sagt einem, welchen Finger man wann auf das Messfeld, welches unter einem schwarzen Tuch liegt, drücken soll. Das funktioniert, weil die Meridiane der Fingerkuppen durch das Messgerät gemessen werden. So klärte man mich auf Nachfrage auf.

Da eine Messung mit Ausdruck genauso viel kostete, wie eine Messung, eine bioenergetische Massage nach Viktor Philippi und eine erneute Messung, habe ich die bioenergetische Massage gleich mitgenommen. Also Messung, Massage, Messung.

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Im Bereich der unteren Extremitäten zeigen sich bei frontaler und rechtslateraler Ansicht deutliche heterogen verteilte hypokirlianische Bereiche.

Die Massage beschränkt sich darauf, dass jemand erst neben und dann hinter mir stand und seiner Hände entweder auf den Brustkorb und zwischen die Schulterblätter legte oder auf meine Schultern. Jeweils für 7 Minuten. Nach der ganzen Prozedur wurden meine Messungen ausgewertet. Toll, was da raus kam!

Der Herr, der die Auswertung machte, gab sich alle Mühe freundlich zu sein, wirkte aber irgendwie…wie eine leere Hülle, fahl. Das mag daran gelegen haben, dass der Messetag fast vorbei war. Trotzdem gab er sich alle Mühe durch Cold Reading Informationen aus mir herauszubekommen, um seine Aussagen zu meinem Energiefeld auf mich abstimmen zu können. Er stürzte sich auf jede konkrete Information die ich ihm gab. So interpretierte er die Lücken des Energiefeldes an den Beinen als Ausdruck von Problemen mit meiner Familie (ich hatte energisch genickt, als er „Probleme mit der Familie“ zur Auswahl gab). Denn, so seine Erklärung, so wie die Beine uns stützen, stützt uns auch die Familie.

Dass ich ein leichtes Druckgefühl spürte, als mir der bioenergetische Masseur die Hände auf die Brust legte, interpretierte der Herr als Angst. Weil, so seine vulgärpsychosomatische Erklärung, einem Angst die Kehle zuschnürt. Nur, dass die Kehle sehr weit vom Brustkorb entfernt liegt, anatomisch betrachtet.

Angst. Angst? Angst! Das war die Diagnose, ich habe Angst. Eine Angst, die ich selbst nicht spüre, die erst durch die fragwürdige Interpretation eines erwartbaren Symptoms im Rahmen einer bioenergetischen Massage erkennbar wird. Doch bevor ich das jetzt auf die leichte Schulter nahm, wurde mir deutlich gemacht, dass alle Erkrankungen durch seelische Probleme verursacht werden. „Alle?“ frage ich, „auch Krebs!?“. „Auch Krebs!“ sagt er, sanft lächelnd. Großer Hamer bewahre! Kann man da nicht was gegen machen?
Kann man! Eine Heilung könne er natürlich nicht versprechen – Zwinker, Zwinker – aber man könne da was machen. Und dass müsse man auch, denn Angst, bewusst oder unbewusst, mache krank.

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Die Behandlung hat die Symmetrisierung um 14% erhöht, jedoch deutliche Lücken im Bereich des Wurzelchakras aufgezeigt.

Ich bin gespannt auf die Behandlung. Psychotherapie? Exposition? Geburtstrauma verarbeiten? Reinkarnationstherapie? Öfter mal eine bioenergetische Massage?
Nein, eine Kerze. Ein Teelicht um genau zu sein. Das soll ich jeden Abend in der Wohnung anzünden und ausbrennen lassen. Denn Angst „geht ins Feuer“ und ist dann weg.
Also entweder macht mir meine unbewusste Angst Krebs oder ich zünde ein Teelicht an. Da fällt mir die Wahl nicht schwer. Doch vorher sollte ich vielleicht noch etwas über diese GDV Methode erfahren, vielleicht ist das ja alles Bullshit.

Das GDV Verfahren wurde von Dr. Konstantin Korotkov, einem Spezialisten des menschlichen Energiefeldes erfunden. Das Verfahren diene der „wissenschaftlichen Untersuchung“ des Energiefeldes und beruhe auf dem Kirlian-Effekt. Das GDV-Verfahren „erlaubt direkte, Echtzeitaufnahmen von Veränderungen“ im Energiefeld. Die „Information der Fingerspitzenkorona wird gemessen, sichtbar gemacht“ und mit einer Software analysiert. GDV demonstriere „den objektiven Einfluss mentaler und physischer Aktivität auf des menschliche Energiefeld.“

Ein tolles Verfahren. Irgendwie hat aber niemand gemerkt, dass ich meine Finger in der falschen Reihenfolge auf das Messfeld gedrückt hatte.

 

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Neue Heilmethode

ICH habe soeben eine neue Heilmethode empfangen! Hier habt Ihr zuerst von ihr gehört*. Es ist die

Astrohydroradionik

Man benötigt das Sternbild des Patienten. Mithilfe eines Teleskops wird ein Stern fokussiert, der sich im Sternzeichen des jeweiligen Patienten befindet. Je nach Symptom wird der richtige Stern vorher per Pendel bestimmt. Dazu können Patienten im Fachhandel zertifizierte Pendelsets erwerben, so dass eine Selbstbehandlung problemlos möglich ist. Das Licht des Sterns wird mit dem Teleskop gebündelt und durch einen Photonenpotenzierer geschickt. Dann wird mit der Energie des Sterns eine kleine Menge Wasser bestrahlt und die heilende Kraft auf das Wasser übertragen. Einige Behandler sagen das Wasser werde nicht bestrahlt, sondern „beschienen“, es gibt zwei Lager unter den Astrohydroradionikern.

Die Behandlungsergebnisse der Astrohydroradionik entsprechen übrigens denen der Homöopathie. Auch die Anwendungsbereiche zeigen erstaunliche Überschneidungen. Die Astrohydroradionik ist sanft, ganzheitlich und hat keine Nebenwirkungen. Sie bekämpft die Ursache der Erkrankung und unterdrückt nicht nur Symptome, wie es in der Schulmedizin so oft geschieht. Allerdings kann man die Mittel nicht patentieren, darum hat die Pharmaindustrie kein Interesse daran, dass das mir geschenkte Wissen in Umlauf kommt.

Obwohl das Verfahren mindestens so gut ist, wie die Homöopathie, wird es nicht anerkannt. Die Homöopathen wird ganz eindeutig bevorzugt. Somit werden Astrohydroradioniker und Astrohydroradionikerinnen in ihrer freien Berufswahl eingeschränkt. Daher fordert der, noch zu gründende Verband für Astrohydroradionik die Aufnahme der Methode in den Binnenkonsens oder dessen Abschaffung.

*Außer Ihr lest die Ruhrbarone, was ihr solltet, dann habt ihr es vielleicht Ruhrbaron Bartoschek zur Homöopathie schon gesehen.

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Wissen zum Abgewöhnen

Sterben ist nicht so leicht wie man denkt. Wenn man es nicht aktiv versucht, sind die Chance in unseren Breiten, die 6. Dekade nicht zu erleben ziemlich gut. Und wenn man ein bisschen was dagegen macht, sind auch die 7. und 8. Dekade ein realistisches Ziel. Die Regeln dafür sind mittlerweile bekannt und Allgemeinplätze: Regelmäßige Bewegung, Alkohol in Maßen und nicht Rauchen. Trotzdem sind die Zeitungen voll von Ratschlägen, die behaupten, diese oder jene Aktion sorge dafür, dass man gesund bleibt und Alt wird. Besonders Essen wird dabei gerne mythisch aufgeladen.

Aber nicht nur über die Prävention eines vorzeitigen Todes wird in den Medien geschrieben, auch für Alltagsleiden werden „Behandlungen“ angeboten. Meist sind diese Berichte schlecht und schlicht falsch. Das sage nicht nur ich, das wurde nun auch systematisch untersucht. 11% ist die magische Nummer. 11% der Berichte zu Gesundheitsthemen in den Medien entsprechen dem aktuellen wissenschaftlichen Stand. Der Wetterbericht ist genauer, das Horoskop hat mehr Informationsgehalt als Berichte über Gesundheitsthemen. Dabei ist es fast egal, ob man eine Illustrierte liest oder eine „Qualitätszeitung“. Man kann es sich also sparen diese Berichte zu lesen und unter Umständen deren unsinnige Ratschläge zu umzusetzen und die Zeit anders nutzen. Hier wäre ein Vorschlag:

Weiterlesen:

Nur 11% der Gesundheits-Nachrichten stimmen

Medizin Transparent – Wissen was stimmt

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Blick nach Vorn – Skepkon 2015

Eine Frage, die nach meinem Vortrag gestellt wurde, habe ich mir in den Vorbereitungen dazu ebenfalls gestellt: Wenn es, wie ich behaupte, für das Individuum einen Nutzen haben kann, irrationalen Glaubenssystemen anzuhängen, ist es dann überhaupt sinnvoll, dagegen zu argumentieren?

Ich denke ja. Wer mich kennt, weiß, dass ich ein sehr hartnäckiger Diskussionspartner bin, wenn es um diese Fragen geht. Allerdings ist es wichtig, sich darüber Gedanken zu machen, was „wir“ wollen. Da ich nicht für den Verein sprechen kann, versuche ich an dieser Stelle einmal, besser herauszuarbeiten, worum es mir geht. Ich nehme als Beispiel die Homöopathie, weil „mein Bereich“ die Alternativmedizin und die Homöopathie die Mutter aller pseudomedizinischen Verfahren ist.

In der heutigen Medizin hat die Autonomie der Menschen einen sehr hohen Stellenwert. Es wird immer Beispiele aus dem Alltag geben, die dem widersprechen, weil Individuen diese Autonomie nicht achten. Im System wird aber ein möglichst hohes Maß an Autonomie des Individuums angestrebt. Pseudomedizinische Verfahren, wie die Homöopathie, untergraben die Autonomie des Menschen, u.a. weil sei intransparent sind. Sie funktionieren nur, wenn bestimmte Informationen den Anwendern von Beginn an vorenthalten werden. Diese Intransparenz selbst ist ein weiteres zentrales Problem pseudomedizinischer Verfahren. Fragen von Patienten können nicht transparent beantwortet werden, weil die Grundannahmen nicht belegbar sind. Bei der Homöopathie sind sie sogar widerlegt. Die Methoden sind nur für Eingeweihte nachvollziehbar und damit kommen wir zu einem weiteren Aspekt der Transparenz. Da in der Homöopathie jeder alles behaupten kann, gibt es keine Maßstäbe, anhand derer diese Methode überprüft werden könnte. Wenn wir Homöopathie zulassen, können wir alles zulassen. Erwähnt sei hier die „Slapping-Therapy“ (Schlag-Therapie), der kürzlich ein Siebenjähriger Junge in Australien zum Opfer fiel (Man könnte sagen, alle Anwender fallen ihr zum Opfer, aber der Junge ist daran gestorben). Dieses extreme Beispiel nehme ich, weil die Mechanismen, mit denen die Therapien begründet werden, überall dieselben sind: „Ich sehe doch, dass es hilft.“ „Wer heilt, hat Recht“ usw usf.

Ein weiterer Faktor, den ich problematisch finde, ist die Ideologie, die vielen pseudomedizinischen Verfahren innewohnt. Ein mehr oder weniger pseudodarwinistischer Ansatz findet sich fast überall: Wer stirbt, ist auf die eine oder andere Weise selbst Schuld. Schuld spielt gerade in der Homöopathie eine nicht unerhebliche Rolle, wird doch das Grundleiden, die Ur-Ursache aller Störungen der Lebenskraft, mit dem Sündenfall im Paradies begründet. Damit haftet der Homöopathie nicht nur in der Praxis, sondern auch in der Theorie etwas Religiöses an. Darum sollten wir uns auch überlegen, konsequent von ideologischer Medizin zu sprechen.

In seinem Vortrag zum Thema Coaching sprach Professor Kanning, dass Ziele möglichst Konkret und messbar (auch „abrechenbar“) formuliert sein sollten. Darum werden ich als nächstes versuchen, diese Ziele für die Homöopathie zu formulieren:

  1.  Aufhebung des Binnenkonsens
  2.  Abschaffen aller durch die Ärztekammern legitimierten Zusatzbezeichnungen
  3.  Abschaffung der Apothekenpflicht (sowohl, dass Apotheken verpflichtet sind, H. zu führen, als auch, das H. nur in Apotheken geführt werden darf).

Diese drei Ziele würden zum einen dafür sorgen, dass das Thema Homöopathie mehr in die Öffentlichkeit gezogen wird. Homöopathen müssten sich erklären, warum sie anderen Maßstäben unterliegen als Pharmakonzeren. Das erreichen der Ziele würde der Homöopathie einen Tiel ihres Nimbus nehmen.

Als allgemeines Ziel wäre zu überlegen, ob das Unmöglichkeitsprinzip dazu genutzt werden kann, die Therapiefreiheit von ÄrztInnen auf ein sinnvolles Maß zu beschränken. Das ist aber sicher ein Problem mit welchem sich Juristen beschäftigen sollten.

Wir werden jedoch nicht die Bedürfnisse der Menschen aus der Welt schaffen, die dafür sorgen, dass Menschen ideologische Medizin für sich als sinnvoll betrachten. Wenn wir wirklich wollen, dass Medizin transparent und evidenzbasiert ist, müssen wir fragen, was Menschen von dieser Art von Medizin erwarten. Erst wenn wir diese Antwort kennen, haben wir eine Chance am Kernproblem etwas zu ändern.

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YiXue – Krebsbehandlung mit magischem Sport

Gestern war in Dresden das „Mutter-Erde-Festival“, veranstaltet durch die Lotus-Akademie e.V.

„Das Mutter Erde Festival entstand als eine Initiative zum Schutz der Erde und für ein friedliches und harmonisches Miteinander.“

Das klingt schon mal gut, irgendwie. Als weitere Motivation für das Festival gibt der Verein an:

„Das Festival und der Umzug „Ein liebendes Herz für die Mutter Erde“ bezwecken mehr als nur Toleranz und Akzeptanz für fremde Kulturen – sie sind ein interaktives Fest aller beteiligten Menschen mit unserer Lebensgrundlage, der Erde.“

Da haben die Organisatoren sich aber einiges vorgenommen für einen Samstagnachmittag in Dresden. Eein wenig harmonisches Miteinander könnte Dresden aktuell nicht schaden und Toleranz ist ebenfalls Mangelware.

Ob allerdings der Weg über das Mutter-Erde-Festival der Richtige ist? Auf der YiXue-Veranstaltungswebsite ist zu lesen, „wir“ seien „alle“ durch Schwingungen miteinander verbunden und irgendwie sei alles eins. Darum müssten wir in Harmonie mit Mutter Erde leben. Oder so. Belegt wird das mit dem Albert Einstein Zitat „Alles Leben ist Schwingung“, das von Abraham Lincoln übermittelt wurde.

Die YiXue-Akademie bietet, statt Hilfe für „Mutter-Erde“, doch wieder nur eine Art ideologisch aufgeladene Sportveranstaltung an. Ein besondere Form der QiGong wird gepriesen, um das Chi wieder in Ordnung zu bringen. Die kann man in Nossen, in der Nähe von Dresden praktizieren, im YiXue-Bildungszentrum. Erklärt, wie das nun mit „Mutter-Erde“ zusammenhängt wird leider nirgendwo. Vielleicht weil keine fragt. Wahrscheinlich sind es die „Schwingungen“. Am Informationsstand gibt es nur die üblichen Plattitüden über „Ganzheitlichkeit“, „Energie“, „Blockaden“ und so weiter.

Bereits im letzten Jahr schrieb „S.T.“ zu der Veranstaltung:

„Das ganze ist nämlich nichts anderes als eine Werbeveranstaltung für die Lotusakademie e.V., eine Sekte die sich dem „Großmeister Wei Ling Yi” verpflichtet fühlt.“

Die Geschichte mit der Sekte konnte ich nicht validieren. Wo die Reise jedoch hingehen soll und welche Zielgruppe YiXue anspricht, wird schnell klar, wenn man das „YiXue-Journal“ aufschlägt. Das wurde extra für die Veranstaltung gedruckt und angeblich mit Spenden finanziert.

Die Veranstaltung ist hervorragend geeignet, um starken Fremdscham hervorzurufen. So bei der „Zeremonie“ auf der Bühne, in deren Rahmen verschiedene Menschen bunte Synthetikbänder (die hat „Mutter-Erde“ besonders gerne) an einen kleinen Baum binden und Wünsche in Form von Phrasen ins Mikrophon flüstern („Frieden“, „Harmonie“ „Alles wird gut“). Auch schön ist die Tanzgruppe aus einem „Land, das gaaaanz weit weg ist, wo es warm ist und wo Elefanten leben“ (auf der Bühne anwesende Kinder wurde genötigt „Afrika“ zu sagen. Sie waren höflich genug, nicht darauf hinzuweisen, dass es sich um einen Kontinent handelt), deren Teilnehmer in Kleidung mit Leopardenfellmuster gekleidet waren und komische Kopfbedeckungen aus Federn trugen. So wie sich alte (und sehr junge) weiße Menschen „die Afrikaner“ halt so vorstellen. Höchste Verzückung rief bei mir der wiederholte Aufruf aus, sich gegen eine Spende Luftballons zu holen, die am Ende der Veranstaltung mit „Wünschen an Mutter-Erde“ fliegen gelassen wurde. Nichts drückt Respekt vor der Natur besser aus, als sie vollkommen unnötig mit einer, kaum abzubauenden, elastischen Substanz füllen, an der Lebewesen elendig zugrunde gehen wenn sie sie fressen.

Apropos, elendig zugrunde gehen. Im 4-Seitigen „YiXue“-Journal widmet man sich auf einer Seite der Behandlung von an Krebs erkrankten Patienten. Diesen bietet man in Nossen „YiXue-Kang Ai“-Seminare an, wobei es sich um „Energie-Regulierungsworkshops“ handelt. In der Einleitung steht, es gehe darum, die „schulmedizinische“ Behandlung zu „begleiten“. Der größte Teil der Seite wird jedoch dem Bericht einer Studentin gewidmet, die durch das Chi-Gedöns geheilt worden sei. Von Krebs. Das könne vorkommen, steht in der Einleitung, nur verlassen kann man sich nicht darauf, weil es „auch bei Kant Ai zur Ausnahme (gehöre)“. Man wundert sich, warum dem Auftreten so einer Ausnahme so viel Aufmerksamkeit geschenkt wird?

„Anfangs hielt ich Kang Ai einfach für eine Chance, die Tumorerkrankung zu besiegen. Doch jetzt, wo ich gesund geworden bin, würde ich sagen, dass die Ursache für all unsere Leiden in der Seele liegt. Durch Praktizieren und Energieübertragungen von Wei Ling Yi kommen wir in unsere Kraft, damit wir mit uns selbst arbeiten können. Und so ist es für mich beides: Energietankstelle und auch harte aber wirklich unbezahlbar kostbare und nachhaltige Arbeit an sich selbst.“

Den Grund warum einige Menschen geheilt werden und andere nicht, liefert die geheilte Studentin gleich mit:

„Was passierte, war mehr, als ich je für möglich gehalten hätte: Nachdem ich bereits viele Male die kostbare Erfahrung machen durfte, in der Meditation der Seele von Wei Ling Yi zu begegnen, besuchte sie mich am 29. Mai 2013 erneut in der Meditation um 21 Uhr. Es war eine Begegnung, in der ich erkannte, dass die Ursachen meiner Krankheiten bei mir selbst lagen und in der ich den Entschluss fasste, gesund zu werden und die dafür nötige Energie und die dafür nötigen Informationen von Wei Ling Yi auch erhielt.“

Wer nicht gesund wird, erkennt nicht, dass man nur gesund werden wollen muss und erkennen, dass die Ursachen bei einem selbst liegen. Esoterischer Zynismus in seiner reinsten Form. Und das Schöne ist, man kann ihn für eine Kursgebühr von 199,- Euro am eigenen Leib erfahren. Oder man schreibt auf, dass man gesund werden will und lässt den Wunsch an einem Luftballon in den Himmel steigen. Das ist genauso sinnvoll aber deutlich billiger.

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Journalismus wie von der Tarantel gebissen

Das Werbeblättchen Eltern, Kind + Kegel hatte in der Vergangenheit bereits einen Auftritt in diesem Blog, als dort unseriös über Impfen berichtet wurde. Seitdem blättere ich das Heft immer mal durch, um meine Rolle als ARO (AußerRedaktionelle Opposition) zu erfüllen. Dass in jedem Heft, in redaktionell anmutenden Texten, ungeniert für Apotheken und deren Globuliangebot in geworben wird, hatte ich bereits im letzten Text erwähnt. Eine Praxis die man beibehält. So füllt sich das Heft und die Kasse.

Einen besonders gelungenen journalistischen Kunstfehlers möchte ich an dieser Stelle würdigen. Es geht um Zeckenstiche und das Risiko einer FSME-Infektion. Das ganze wird unter der Rubrik „Kinderarztfragen“ abgehandelt. Kinderärzte kommen jedoch nicht zu Wort. Dafür eine Heilpraktikerin und ein PTA aus einer namentlich erwähnten Apotheke.

Die Autorin („elm“) hat wahrscheinlich nicht mal den Versuch gemacht, für den Artikel außerhalb des Kreises der Werbekunden zu recherchieren. Wer über Zecken schreibt und behauptet, sie würden beißen, weiß nicht, wovon er oder sie spricht. Zecken stechen. Das muss man nicht wissen, wenn man sich über Zecken unterhält, das sollte man aber wissen, wenn man das Thema journalistisch bearbeitet. Andernfalls ist man eben Journalistendarsteller im Werbetheater.

Die Autorin erwähnt gleich zu Beginn, dass es eine Impfung gegen FSME gibt, erwähnt jedoch, diese sei nicht „risikolos“ und es „sollte abgewogen werden, ob diese notwendig ist.“  Nach diesem soliden Phrasenfundament widmet sich die Autorin den verschiedenen homöopathischen „Behandlungsmöglichkeiten“. Ob der Tipp lautet, Globuli am Anfang der Zeckensaison zu schlucken, um sich vor Bissen zu schützen (kein „hundertprozentiger Schutz“) oder in der „Bissstelle“ verbliebene „Zeckenstücke“ mit Globuli „raus zutreiben“, dem magischen Ritual sind scheinbar keine Grenzen gesetzt.

Die Autorin hätte die Möglichkeit gehabt, in diesem Text wirklich mal einen informativen Artikel zu einer Impfung zu liefern, bei der es tatsächlich rationale Gründe gibt, sie eventuell nicht durchzuführen. Man hätte darüber schreiben können, wie aus „Endemiegebieten“ „Risikogebiete“ gemacht wurden. Oder sich damit beschäftigen, wieviele FSME-Fälle es seit 2002 in Sachsen gab (34) und wieviele davon auf Dresden entfielen (5: 2003, 2004, 2011, 2012 und 2013). Damit hätte man den LeserInnen ein Gefühl für das Risiko geben können, dem sie ausgesetzt sind. Man hätte sich auf das Arznei-Telegramm beziehen können, um die Einschätzung der FSME-Impfung für Kinder zu zitieren:

„28% der Ein- bis Zweijährigen bzw. 7% der Drei- bis Fünfjährigen reagieren auf (Impfstoffname entfernt) mit Fieber von 38-39° Celsius, 3% bzw. 0,6% mit Temperaturen von 39,1-40° Celsius.6 Kopfschmerzen sind sehr häufig. Nervenentzündungen, Enzephalitis u.a. kommen vor. Die Impfung von Kindern gegen FSME erscheint uns hierzulande in der Regel entbehrlich.“

Damit hätte man zumindest die Zielgruppe seines brotgebenden Werbeblattes abgedeckt. Wenn man noch etwas Service für die Großeltern hätte bieten wollen, hätte man, wieder aus dem Arznei-Telegramm, erwähnen können, dass „bei naturnahen Aufenthalten in tatsächlichen Risikogebieten zumindest für Ältere die Nutzen-Schaden-Abwägung eher positiv (erscheint).“

Die Autorin entschied sich jedoch dazu, das Thema Zeckenstiche, deren Vermeidung und Folgen magisch zu behandeln. Ein paar faktische Informationsfeigenblätter eingestreut ergibt das ganze den perfekten Werbetext. Der Informationsgehalt des Textes entspricht seinem Thema, er ist homöopathisch.

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Plötzlich unfreiwillig ungeimpft – Durch Masern zur Vernunft

Eine Mutter von sieben Kindern entschied sich vor einigen Jahren, diese nicht (mehr) zu impfen. Sie hatte Angst, weil sie den falsch verbreiteten Informationen glaubte, Impfungen würden ihren Kindern schaden. Als in den USA in Disneyland Masern ausbrechen, entscheidet sie sich, die Evidenz zum Thema noch einmal zu prüfen. Als auch in ihrem direkten Umfeld Kinder an Masern erkranken, plant sie gemeinsam mit ihrem Kinderarzt, die Impfungen für ihre Kinder nachzuholen. Wenige Tage bevor der Termin stattfinden kann, erkranken ihre Kinder an Keuchhusten. Alle sieben Kinder. Keuchhusten ist eine Erkrankung gegen die man impfen kann. Wer sich einen Eindruck verschaffen will, schaue sich dieses Video an:

Auch Erwachsene können Keuchhusten bekommen und es so an Kinder weitergeben. In den USA werden einige Ausbrüche auf Erwachsene ohne Impfschutz zurückgeführt.

Im Originaltext der Mutter kann man auch sehr schön lesen, dass sie ihre Kinder nun mit derselben Motivation impfen lässt mit der sie sie vorher hat nicht impfen lassen: Der Versuch, sie zu schützen. Klug scheint mir ihr Vorgehen zu sein, konkrete Fragen und Befürchtungen auszuschreiben, die man zum Thema impfen hat und diese zu klären. Und zwar nicht auf zusammenfantasierten Websites von Milchwirten mit Verschwörungsideen. Sondern, beispielsweise auf den Seiten des Robert Koch Instituts. Wer dem RKI nicht vertraut, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen.

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Osteopathie im Dialog

[Durch meinen Artikel in der Sächsischen Zeitung habe ich ein paar Zuschriften bekommen. Einige davon werde ich an dieser Stelle, mit Erlaubnis, veröffentlichen und Kommentieren. Die Mail habe ich (fast) ungekürzt veröffentlicht aber nicht auf jeden Punkt geantwortet. Hier schreibt jemand der/die osteopathisch Tätig ist]

vielen Dank für Ihren kürzlich erschienenen Artikel aus der SZ.Ich begann ihn mit großem Interesse zu lesen, doch im laufe des Lesens verebbte es und für den Schluss musste ich mich regelrecht durchringen den Artikel nicht aus der Hand zu legen.Es ist das schüren der alten Feindschaft zwischen Schul,- und Alternativ,- oder Komplementärmedizinern was bei mir Unverständnis und die Frage nach dem Warum aufwirft.

Es veranlasst mich diese Mail an sie zu verfassen.

Ich hege keine Feindschaft. Viele Menschen die Methoden anbieten, die ich ablehne sind mir sehr sympathisch. Mir geht es um die Kritik an Ideen, die bei mir in diesem Fall mit einer gewissen Leidenschaft angebracht wird. Eine kleine Anmerkung: Es gibt keine Schulmedizin. Es gibt Medizin die wirkt. Schulmedizin in als abwertender Begriff eingeführt worden.

Ich bin Osteopath, also eine der Berufsgruppen die Sie mit Geistheilern und Schamanen in einem Atemzug in Ihrem Artikel erwähnen.

Das ist eher dem Format geschuldet. Die Themen wurden durch die Zeitung vorgeben und ich hatte nur einen Text in dem ich alles unterbringen musste. Osteopathen sehe ich differenzierter als Geistheiler.

Sie sprechen von Aternativmedizin, ich sehe mich eher als der Komplementärmedizin angehörig.

Da es keine Definition von Alternativmedizin oder Complementärmedizin gibt und die eigenbezeichnung oft Complementary and alternative medicine (CAM) ist, hat das lediglich für ihr therapeutisches Selbstverständnis Relevanz.

In meiner Praxis behandle ich regelmäßig recht erfolgreich Patienten, deren Leiden zum Teil von der Schulmedizin nicht oder nur ungenügend erkannt oder einer erfolgreichen Behandlung zugeführt werden können.

Dazu nur kurz ein Link zu einer Sammlung von Möglichkeiten, warum, eine Behandlung zu wirken scheint obwohl sie nicht wirkt. Damit möchte ich nicht sagen, dass das auf ihre Behandlungen zutrifft, dazu habe ich weder den Anlass, noch die Kompetenz noch die Daten 🙂

Be – hand – lung schon im Wortstamm spielt die Hand eine große Rolle, die allerdings in der heutigen medizinischen Praxis eine weniger wichtige Position einnimmt da kaum ein Patient sich entkleiden braucht respektive manuell exploriert werden wird.

In meinem Studium habe ich gelernt, die körperliche Untersuchung gehört zu einer Behandlung. Das wird sicher aus ökonomischen Gründen in der Praxis eher pragmatisch gehandhabt. Allerdings möchte ich mich auch nicht bei jedem Schnupfen ausziehen. Letztlich ist das ihre Ansicht, ich wäre interessiert, ob das mit Daten zu unterfüttern ist.

Warum auch, in einem Zeitalter in dem die medizinische Diagnostik sich größtenteils auf Apparate stützt und die „Behandlung“ entweder iatrochemisch medikamentös oder Iatromechanisch per Operation erfolgt ist die Hand als Diagnostikum auch nicht von Nöten.

Die Diagnostik stützt sich auf verschiedene Säulen: Anamnese (!!!), klinische Untersuchung, Laboruntersuchungen und Bildgebung. Oft in der Reihenfolge. Dabei geht man pragmatisch und nach Dringlichkeit vor. Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt mache ich keine vollständige klinische Untersuchung, weil die Gefahr besteht, dass der Patient deren Ende nicht mehr erlebt.

Unsere Sinne wie Hören, Sehen, Fühlen, unsere Stärke Erfahrung in den Untersuchungsprozess mit einzubinden, eine Hypothese zu erstellen sie weiter bin zu einer Diagnose zu verfolgen, das ist es doch was den Mediziner ausmachen sollte.

So wurde es mich gelehrt und so erlebe ich es.

Zeit, spielt dabei eine wesentliche Rolle und nicht nur das vergleichen von Werten.

Zeit spielt eine Rolle, manchmal hat man keine.

Mir begegnen immer häufiger Patienten die sich von Ihrem Arzt nicht wahrgenommen, ungenügend untersucht oder auch nicht ernst genommen fühlen.

Das ist ein Problem. Aber, dass sich jemand ungenügend xxx fühlt, bedeutet nicht, dass das der Wirklichkeit entspricht. Es bedeutet in jedem Fall, dass es ein Kommunikationsproblem zwischen Arzt und Patient gibt.

Die Bemerkung „er hat gar nicht mit mir geredet“ ist nichts neues.

Das glaube ich Ihnen gern. Das hat allerdings keinen Einfluss auf die Wirkung oder Nichtwirkung von Alternativmedizin. Probleme im Medizinbetrieb können nicht als Rechtfertigung für wirkungslose Methoden dienen.

Kann es sein das sich die Ärzteschaft selbst abschafft?

Ich glaube nicht.

Gold Standards in der apparativen Diagnostik,

Wenn die eingehalten würden, gäbe es nicht so viele unnötige Untersuchungen.

Behandlungsregime auf Medikamentöser oder Operativer Ebene,

Standards retten leben, dass „jeder“ macht, was er will, es besser weiß, ist das Problem.

 ein Betriebswirt an der Spitze eines Krankenhauses der den pekuniären Aspekt fest im Blick behält. 

In der Tat, das stört mich ebenfalls sehr. Aber auch das spricht nicht für die Wirkung oder Nichtwirkung irgendeiner Methode. Es ist vielmehr eine komplexe gesellschaftliche und politische Aufgabe.

Da brauch es lediglich noch den Diagnostik Roboter.der dem Patienten seine Diagnose stellt die dann behandelt wird.so wie es heut auch in den meisten Praxen gehandhabt wird. Warum verliert denn die Schulmedizin in den Augen der Patienten an Wert, lesen sie doch einmal aktuelle Umfragen. 

http://www.aerzteblatt.de/archiv/162906/Umfrage-der-Techniker-Krankenkasse-Die-meisten-Versicherten-sind-mit-ihren-Aerzten-zufrieden?src=search (zugeben, das ist ein schwache Quelle ;-))

Handlanger der Pharmaindustrie, der Medizingerätehersteller und unter der Knute der Betriebswirtschaft.ich möchte kein Arzt in der heutigen Zeit sein. Wo bleibt die Selbstbestimmung? Den wachsenden Unmut bekommen dann die Patienten zu spüren.

Die meisten KollegInnen sind mit der Situation ähnlich unzufrieden und können dies den Patienten gegenüber auch artikulieren. Die meisten Patienten lasten die Verhältnisse weder ihrem Arzt, noch der „Schulmedizin“ an.

Ich würde mir wünschen das die Schulmedizin sich runderneuert, Ihren Stellenwert wieder herstellt, wieder gesundet und sich von den Parasiten befreit. Selbstbestimmt und sicher Ihren Weg geht, denn dann kann man auch andere „Alternative“ oder Komplementäre Heilverfahren neben Ihr stehen lassen ohne sie und sich verbal in Zeitungsartikeln zu disqualifizieren.

Alternativmedizin stellt für mich und die meisten KollegInnen keine Bedrohung dar. Wenn ich keine besseren Ergebnisse erziele als ein Placeboverfahren, sollte ich mir ohnehin ernsthaft fragen stellen. Wieso sollte ich mich durch etwas bedroht fühlen, was ich in Dresden von diversen Anbietern in wenigen Stunden lernen kann? Ich könnte mir das leben deutlich einfacher machen, wenn ich einfach Globuli verabreiche, wenn jemand das wünscht.

Ich arbeite im übrigen recht gut mit einer Handvoll Medizinern zusammen, Voraussetzung ist natürlich der respektvolle Umgang, die Anerkennung der eigenen Grenzen und ein gemeinsames Ziel. Es würde allen gut tun sich etwas weniger wichtig zu nehmen und dafür den Focus wieder auf den Patienten zu legen.

Da wir uns nicht persönlich kennen und sie mich nicht gefragt haben, halte ich es für angebracht, wenn Sie über mein Innenleben keine Spekulationen anstellen.

In diesem Sinne, wünsche ich eine gesunde Meinungsfindung wenn es wieder einmal heisst, die Schulmedizin im Kontext der Heilverfahren.

Danke, es handelt sich aber nicht um eine Meinung (auch wenn die Rubrik in der SZ das suggeriert) sondern um den Stand der aktuellen Forschung in dem Bereich. Sollte die sich ändern, ändert sich auch meine Meinung.


Und ich habe auch eine Antwort bekommen:

vielen Dank für Ihre prompte Reaktion auf meine Mail.
Es ist wie ich es befürchtet hatte, in der Sicht auf die Dinge teilen wir leider kein Alphabet.

Sie sind einfach nur Arzt, ich bin einfach nur Osteopath.

Als Dozent in der Ausbildung von Osteopathen habe ich auch gelegentlich Studenten aus Ihrer Profession (frische oder gestandene Mediziner) vor mir sitzen, es ist erstaunlich welche Entwicklung in den fünf Jahren Osteopathiestudium sie durchmachen.
Anfangs recht reserviert, sich eine Meinung bildend, später mehr und mehr hinterfragend und auch sich selbst und das eigene Tun mit dem neuen Wissen vergleichend und entdeckend das die Wahrheit doch irgendwo
dazwischen liegt.
Schwer zu verstehen das die Hand als Werkzeug so filigran agieren kann, ja das selbst kleinste Unterschiede in der Konsistenz von Geweben, Bewegungen und Rhythmen wahrgenommen werden können.
Das erfordert lange lange Übung, vor allem aber das Vertrauen in das eigene Tun, die genaue Kenntnis der Anatomie und der Physiologie, das verstehen von Adaptation, Ontogenese und Phylogenese des Menschen.

George Finet und Christian Willame haben in einer Studie die seit den 80er Jahren Patienten untersucht und noch immer andauert, nachgewiesen das Organe sich bewegen, einem Atemrhytmus folgen (Lungenatmung)
einer Körperbewegung folgen, aber auch ein embryologisches Bewegungsgedächtniss haben.

Matrix, Grundsubstanz, Kommunikation des neuronalen Netzwerkes, Faszien die von glatten Muskelfasern durchzogen, Organe, Muskeln, Gefäßstrassen bildend immunologisch arbeitend und auf das autonome Nervensystem hörend…alles Dinge
die in der Ausbildung von Medizinern nur am Rande wenn überhaupt behandelt werden…aber nachgewiesen wurden und existieren.( Robert Schleipp)

Nein es tut mir nicht leid Ihnen geschrieben zu haben, es hat seinen Grund und es wird seine Wirkung entfalten.
Ach und bitte führen sie nicht das Ärzteblatt an, das ist wie die Betriebszeitung für Siemens Angehörige, wenn eine Krankenkasse eine Befragung startet und sie den Leuten vorlegt denen sie im nächsten Quartal evtl. Regresszahlungen aufmacht…das ist
für mich nicht Seriös, sorry.
Hm und war nicht die TKK die erste Kasse die ihren Versicherten osteopathische Behandlungen subventionierte? Auch wenn es ein klasse Marketing Streich war….

Gut, ob ein Link zur Ärztezeitung zu einer Umfrage nun „unseriös“ ist, weiß ich nicht. Wenn man sich die Daten betrachtet, muss man auf jeden Fall Interessenskonflikte bedenken. Allerdings wäre die angemessene Antwort gewesen, eine Quelle zu bieten, welche die Angaben der TKK-Umfrage widerlegen kann.

Das Fach Osteopathie muss man sicher differenziert betrachten. Edzard Ernst schreibt in seinem Buch „Was kann die Alternativmedizin?“, dass es in der Osteopathie Gruppen gibt, die sich eher dogmatisch an die reine Lehre halten und andere, die Versuchen, die Methoden empirisch zu belegen. Letztere Gruppe kann das Fach sicher weiter bringen und Patienten nutzen. Langfristig wird sich die eine Gruppe entscheiden müssen, ob sie noch mit der anderen Gruppe gemeinsam betrachtet werden möchte. Sicher zu den magischen Methoden kann man die Craniosacraltherapie zählen. Achtung, jetzt kommt ein Eigenzitat:

Craniosacrale-Therapie
Vorwissenschaftliche Methode der Osteopathie. Schädelnähte erinnerten den Osteopathen Sutherland Anfang des 20. Jahrhunderts an Fischkie- men und er postulierte, sie dienten der Atmung. Dieses als „craniosacraler Rhythmus“ bezeichnete Phänomen wollen Therapeuten anhand von Bewegungen der Schädelknochen gegeneinander spüren. Diese sind möglich, jedoch so gering, dass menschliche Sinneszellen sie nicht „auflösen“ können. Bei einem Test 1994 waren die von Therapeuten getroffenen Aussagen nicht replizierbar, nicht einmal vom selben Therapeuten, beim selben Patienten.“ Quelle

Ich war übrigens selbst schon bei einer Osteopathin und ich denke, ihre Behandlung und Beratung hat mir geholfen. Allerdings war sie auch Physiotherapeutin. Und das wäre mein Rat an jeden, der zu einem Osteopathen geht, nämlich darauf zu achten, dass es sich um eineN PhysiotherapeutIn handelt.

Vielen Dank an den/die AutorIn für die Rückmeldung.

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Nichts wirkt so gut wie Homöopathie*

In der Sächsischen Zeitung läuft gerade unter dem Titel „Anders heilen“ eine Serie zum Thema Alternativmedizin. Ich durfte dort auch ein paar Zeilen zum Thema schreiben. Unter den einzelnen Themen ist ebenfalls der eine oder andere Kommentar von mir zu finden. Im Rahmen der Irisdiagnostik hatte ich das bereits thematisiert. Auch der Text zur Homöopathie bedarf einiger Erläuterungen.

Homöopathie ist ein pseudomedizinisches Verfahren, dass auf diversen magischen Annahmen beruht. Ich werde mir eine Einführung an dieser Stelle sparen, Interessierte seien auf den Wikipedia-Artikel verwiesen.

Im Artikel wird Frau Dr. Tost, eine homöopathische tätige Kollegin, mit dem Satz zitiert: „Es (anm.:Homöopathie) ist keine Religion, und ich kann es nicht erklären – aber nicht nehme es dankend an.“ Ob Homöopathie sich für die Bezeichnung „Religion“ qualifiziert, mögen andere bewerten. Es handelt sich jedoch mit Sicherheit um einen Glauben. Beispielhaft dafür steht die Aussage der 1. Vorsitzenden der homöopathischen Ärzte in Deutschland, Cornelia Bajic, ihr sei egal, welches Ergebnis Studien hätten, sie sehe jeden Tag, dass Homöopathie funktioniere. Das heißt, keine Belege werden genügen, um ihre Einstellung zu ändern. Damit handelt es sich um einen Glauben.

Die Tatsache, dass Homöopathie trotz fehlendem Wirkstoff wirke, erklärte Frau Dr. Tost mit einer „Energieübertragung“ im Rahmen der Potenzierung. Energie bezeichnet die Fähigkeit eines Systems Arbeit zu verrichten. Da in der Homöopathie Wasser und Zucker (früher Lactose, heute Sacharrose) die heilende Wirkung transportieren sollen, muss die Energie irgendwie auf die Wasser- und Zuckermoleküle übertragen und dort gespeichert werden. Nicht nur das, mit jedem Potenzierungsschritt (also mit jeder Verdünnung), wird der Effekt stärker, wenn es nach den Homöopathen geht. In welcher Form die Energie gespeichert wird, hat bisher niemand erklären können. Insgesamt scheint es, als hätten Vertreter der Homöopathie ein anderes Verständnis von „Energie“ als der Rest der Welt. Abgesehen davon, dass Energie an sich noch keine heilende Wirkung hat.

Ich musste mir etwas die Augen reiben aber die Kollegin wird sogar mit der Aussage zitiert, mit Homöopathie könne man Krebs heilen. Das ist nicht nur falsch, sondern auch mutig, um nicht zu sagen, fahrlässig. Allerdings ist diese Aussage, innerhalb der Homöopathie eine logische Schlussfolgerung.

Machtlos sei Homöopathie bei „strukturellen“ Schäden, so steht es in dem Artikel. Beispielhaft werden Narben und Typ I Diabetes (bestimmte Zellen der Bauchspeicheldrüse gehen zugrunde) genannt. Interessanterweise zwei Phänomene, die sich kaum durch Placebo-Effekte beeinflussen lassen, und bei denen es auch nicht zu einer Spontanheilung kommt. Komischerweise lese ich an anderer Stelle, für Knochenbrüche sei Homöopathie ganz hervorragend geeignet. Wenn dass kein struktureller Schaden ist, dann weiß ich auch nicht.

Als letztes finde ich die Äußerung erwähnenswert, es gebe keine Placebowirkung bei kleinen Kindern und Tieren. Mit diesem Argument „wischen Fachleute“ wie sie das Argument weg, bei Homöopathie handele es sich um Placebomedizin. Seit langem gibt es jedoch Belege für Placebo-Effekte bei Tieren und Kindern. Man müsste sie nur suchen.

*Den Text aus dem Titel habe ich irgendwo auf Twitter gelesen, er ist also nicht von mir…leider. Ich weiß aber auch nicht wo die Quelle ist :-/

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Für eine Hand voll Globuli

Nachdem ich zum Thema „Impfmythen“ bereits als „Experte“ beim Science-Cafe anwesend war, durfte ich nun auch zum Thema Homöopathie die Fahne des kritischen Denkens hochhalten. Die Veranstaltung hätte natürlich „Pseudoscience-Cafe“ heißen müssen aber dann wäre wohl niemand gekommen.

Ich hatte mich gut vorbereitet und eine Woche vorher begonnen, drei mal täglich fünf Globuli Coffea C30 zu nehmen. In Anlehnung an die 10^23 Aktionen, bei denen eine „Überdosis“ Homöopathie genommen wird, machte ich dies als homöopathischen Selbstversuch. Nach homöopathischem Verständnis handelte es sich dabei um eine Arzneimittelprüfung. Gesunde Personen nehmen Globuli, stellen fest, welche Symptome sie bekommen und sammeln diese. Daraus wird das Arzneimittelbild erstellt. Meine mutigen Vorgängerinnen und Vorgänger haben für Coffea C30 unter anderem „migräneartigen Kopfschmerz“, „Schlaflosigkeit“ und „Ohnmacht bei großer Freude“ herausgearbeitet. Es gibt aber auch Symptome wie „wird um 3 Uhr morgens Wach“, „trägt einen Hut“, „hat Angst vor dem nach Hause kommenden Ehemann“. Allerdings war von vornherein klar, dass bei mir nichts passieren würde, denn Hahnemann selbst forderte eine Offenheit der Methode gegenüber, um „Prüfling“ sein zu können. Ich war so offen, wie ich konnte aber nicht offen genug, wie es scheint. Denn obwohl ich nach vier Tagen die Dosis steigerte, auf drei mal drei Globuli und am letzten Tag gar auf drei mal ein Globuli, blieb jeglicher Effekt aus. Abgesehen davon, und hier sollten Homöopathen hellhörig werden, dass ich die letzten fünf Tage einen Ohrwurm hatte.

Im „Cafe“ selbst herrschte eine angenehme Atmosphäre. Nach dem Einführungsfilm sammelten sich schnell Menschen an meinem Tisch und diskutierten engagiert. Dabei hatte ich ein meiner Ansicht eher zugeneigtes Publikum, was für einen GWUPi wohl eher ungewöhnlich ist. Ein Herr zeigte sich jedoch sehr skeptisch ob meiner Skepsis (um nicht zu sagen, Ablehnung) und versuchte, seine Punkte loszuwerden. Wichtig war ihm, dass Homöopathie nur von Ärzten durchgeführt werden dürfe, da nur diese verantwortlich damit umgehen könnten. Das hieß für ihn auch, keine schweren Erkrankungen zu behandeln. Viele Fragen, zum Beispiel die Frage, wo eine „schwere Erkrankung“ anfängt, konnten in diesem Rahmen nicht ausreichend geklärt werden, weil sonst andere Gäste zu kurz gekommen wären.

Trotzdem habe ich gefragt, ob zum Beispiel Ebola eine schwere Erkrankung sei, was er bejahte, jedoch anfügte, Ebola sei auch „schulmedizinisch“ (von ihm ohne Anführungszeichen genutzt) nicht zu behandeln. Ich musste widersprechen, denn Ebola ist zwar nicht ursächlich zu behandeln, sehr wohl jedoch symptomatisch (was Homöopathen gar nicht mögen). Durch die „unterstützende Behandlung“ (etwas, was Homöopathen eigentlich für sich in Anspruch nehmen) kann die Sterblichkeit immerhin deutlich gesenkt werden. Ein Argument gegen komplementär zur Medizin eingesetzte Homöopathie bei Ebola sind die knappen Ressourcen vor Ort. Mit dem Geld für die Homöopathen, die kürzlich in Liberia waren, hätte man Besseres anfangen können, als Globuli zu verteilen…oder nicht zu verteilen.

Ich hatte den Herren nicht zufällig nach Ebola gefragt, denn während der Film (s.u.) lief, las ich den Namen der Ärztin, die als Expertin für Homöopathie eingeladen war. Denselben Namen hatte ich in einem Spiegel-Artikel gelesen, in dem es um die vier Homöopathen ging, die in Liberia waren, um Ebola-Patienten zu behandeln und denen dies von der Regierung verweigert wurde. Dabei handelte sich um die Frau des Honorarkonsuls von Liberia, der den Tripp organisiert und zu finanzieren geholfen hatte. Beide waren nun im Science-Cafe anwesend..

Ich denke, der Herr und ich führten ein, bedenkt man unsere Einstellungen, konstruktives Gespräch mit einigen Gemeinsamkeiten und vielen Differenzen. Nach der Veranstaltung trafen auch seine Frau und ich aufeinander und auch zwischen ihr und mir war ein Gespräch nicht nur möglich, sondern sogar erfreulich. Wobei wir die ganz heißen Eisen liegen ließen 🙂 An einer Vertiefung wäre ich dennoch einmal interessiert. Und sei der um der Erfahrung willen. Es wäre natürlich einfacher, Homöopathie zu kritisieren, wenn ihre Vertreter unsympathische Gesellen wären, aber man kann nicht alles haben im Leben.

Skurril empfand ich die Frage, ob „Skeptiker“ denn wirklich von der Pharmaindustrie finanziell unterstützt würden. Falls das so ist, dann nur in homöopathischen Dosen. Ich denke, ich konnte vermitteln, dass, dem kritischen Denken verpflichten Menschen egal ist, wer schlechte Wissenschaft macht. Durchgehen lassen wir das niemandem. Aber Pharmakritik ist nicht unser Kerngeschäft.

In dem Video mache ich einen Schnitzer, wer ihn findet, darf ihn behalten.

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