Archiv der Kategorie: Teure Medizin

Sinupret in der Kritik

Das pflanzliche Arzneimittel Sinupret® ist bei akuter und chronischer Entzündung der Nasennebenhöhlen zugelassen. Die meisten Menschen nehmen es, wenn sie „Schnupfen“ haben. Ich habe als Kind auch so einiges an Sinupret® verstoffwechselt, geschadet hat es mir (wahrscheinlich) nicht.

Der Nutzen von Sinupret® ist laut „arznei-telegramm“ nicht belegt. Sinupret® warb vor einigen Jahren mal mit einer Reihe von Studien, deren Methoden eher fragwürdig waren.

Für mich gehört Sinupret® zu den Arzneimitteln, die im Rahmen einer Krankheitskultur bei banalen Infekten und Männergrippe eingenommen werden können. So eine Art „Placebo-Plus“: Es ist ein Arzneimittel mit schwacher Evidenz, dass seine Wirkung aber nicht mit Magie begründet. Also ein „normales“, wahrscheinlich nicht wirksames Mittel. Eigentlich gehört es vom Markt genommen, aber es gibt andere Medikamente, die deutlich mehr Schaden anrichten. Zumindest sah es bisher so aus.

In der aktuellen Ausgabe des „arznei-telegramm“ (11/16) wird von einer Überempfindlichkeitsreaktion nach der Einnahme von Sinupret Extract ® berichtet. Bei der Patientin mit einem bekannten Asthma bronchiale führte das zu einem schweren Asthmaanfall (Status asthmaticus).

Pflanzliche Arzneimittel haben bei vielen Menschen einen guten Ruf, weil sie „natürlich“ sind. Dass viele Pflanzen „natürliche“ Abwehrstoffe gegen Fraßfeinde (dazu gehört auch der Mensch) produzieren, die auch tödlich sein können, wird dabei gern vergessen. Nebenwirkungen sprechen nicht grundsätzlich gegen die Einnahme eines Medikamentes, sie müssen jedoch durch die positive Wirkung aufgehoben werden.

Bei Sinupret® scheint die positive Wirkung überwiegend subjektiver Natur zu sein. Man muss also entscheiden, ob dieser Nutzen die Gefahr von Schadwirkung aufhebt. Leider gibt es immer noch nicht die Transparenz, von Seiten der Pharmaindustrie, auf die Patienten ein Recht haben. Im Gegenteil. In derselben Ausgabe des „Arznei-telegramm“ wird davon berichtet, dass die chinesische Behörde, die die Pharmaindustrie überwachen soll, 80% (!) der Studienergebnisse in China als Fälschung nachweisen konnte. Wir brauchen ALLE DATEN!!!

Weiterlesen:

Tod durch Intransparenz – 1:0 für die Pharmariesen

The Heat Is On For The Chinese Pharmaceutical Industry

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AIDS, Abstinenz und Yoda

Schwerer Rückschlag für Moral und Glauben! Die Wissenschaft straft Aussagen von Papst und Evangelikalen (und EvangeligalInnen?) lügen. Wieder einmal.

Eine Infektion mit HIV und dem, in Entwicklungs- und Schwellenländern fast sicher darauf folgenden AIDS, sei durch Abstinenz und Treue zu verhindern. So predigen Glaubensvertreter seit Jahrzehnten von ihren Kanzeln und dem Petersplatz. In den USA gerne ergänzt durch einen ähnlichen Tipp, um ungewollte Schwangerschaften zu vermeiden. Auch wenn diese Aussage natürlich faktisch richtig ist, verhindert der Tipp nicht eine HIV-Infektion (oder Schwangerschaft). Das zumindest war meine Meinung und die Meinung vieler Menschen, die menschliche Triebe weltlich betrachten.

Und nun hat eine Studie genau diese Alltagsweisheit bestätigt. Auch das gibt es. Im Gegensatz zur Alltagsweisheit, die Erde sei flach, die weiterhin falsch ist (und bleibt, sorry Xavier). Der Rat an uns kaum behaarte Primaten, keinen Sex zu haben oder treu zu bleiben, um die Verbreitung von HIV zu verhindern und ungewollte Schwangerschaften zu verhindern, führt zum Gegenteil.

Die Studie sollte einen Teil von PEPFAR evaluieren. PEPFAR ist ein von George W. Bush initiiertes Programm gegen die Ausbreitung von HIV in Entwicklungsländern. Ein Teil der Gelder aus diesem Programm wurde für die Propagierung von Abstinenzprogrammen genutzt. Als wiedergeborener Christ war das George W. sicher eine Herzensangelegenheit. Nun, das Geld hätte er sich sparen können. Wenn es zu Beginn des Programm noch keine Belege für die oben genannte Alltagsweisheit gab (?), so gibt es sie jetzt. Nun kann das Geld also sinnvoll eingesetzt werden. Auch gegen Teenagerschwangerschaften in den USA wirken übrigens Abstinenzratschläge nicht.

Insgesamt war übrigens PEPFAR ein Erfolg und konnte, durch die sinnvollen Interventionen Leben retten und verbessern. Natürlich wirkt Abstinenz gegen die Infektion mit HIV und ungewollte Schwangerschaften. Leider sehen viele, spirituell sehr fähige, in der Lebenswirklichkeit ihrer Artgenossen jedoch eher unbeleckte, ältere Herren nicht, dass zwischen Abstinenzratschlag und Abstinenz etwas steht. Für den auch weiterhin dogmatisch sprechenden Papst und seine Freunde vom anderen Ufer sei dies, in Anlehnung an Meister Yoda, wie folgt illustriert: „Big, the urge to fuck is in this one. And this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one. But not this one. But this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one…

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Alter Käse – Die lieben Kollegen

Die lieben Kollegen. Immer auf das Wohl der Patienten bedacht. Darum ist es ihnen auch so wichtig, das medizinische Wissen durch Forschung zu vermehren. Wissenschaft! Um so besser, wenn man das auch noch bezahlt bekommt. Während das akademische Prekariat mit Erdnüssen und Zeitverträgen abgespeist wird, klotzen die Pharmaunternehmen bei den niedergelassenen KollegInnen richtig ran. 100 000 000 Euro haben sie sich beispielsweise „Anwendungsbeobachtungen“ kosten lassen. Die Aufregung der Presse ist mal wieder groß. Man wirft Medizinern und Industrie vor, diese nur als Tarnung zum Verschreiben unnützer und/oder überteuerter Medikamente zu verwenden. Das wäre im besten Fall kreatives Marketing und im schlechtesten Falle nicht justiziable Bestechung.

Dabei ist es doch logisch, warum Verschreiber und Hersteller hier eng zusammenarbeiten müssen! Dass es keine (Zusatz-)Nutzen gibt, liegt doch nur daran, dass BISHER noch niemand den Nutzen der Medikamente bei bestimmten Erkrankung herausgefunden hat! Darum nehmen Hersteller und Verschreiber die mühsame Arbeit auf sich und machen aus jeder Behandlung ein Experiment. Das ist gelebter Altruismus auf Seiten der Patienten. Die Patienten wären stolz auf sich, wenn sie denn wüssten, was da mit Ihnen passiert.

Und es ist immerhin besser, wenn man ein bereits am Menschen erprobtes Medikament nimmt, als ein vollkommen Unbekanntes. Denn trotz (mindestens) zweier katastrophal verlaufender Phase-I Tests von Wirkstoffen in Industrieländern, schaffen es die Regulierungsbehörden nicht, die Unternehmen dazu zu bringen, alle Daten herauszurücken. So weiß manchmal das eine Unternehmen nicht, was das andere schon herausgefunden hat, Probanden riskieren unnötig ihre Gesundheit oder ihr Leben.

Und deswegen sollte man die niedergelassenen KollegInnen auch verstehen! Wenn nicht mal führende Pharmaunternehmen sich human verhalten, wieso sollten sie dann mit gutem Beispiel voran gehen und sich an eigene ethische Standards halten? Noch dazu, wenn der Status Quo so gut bezahlt wird.

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Wissen zum Abgewöhnen

Sterben ist nicht so leicht wie man denkt. Wenn man es nicht aktiv versucht, sind die Chance in unseren Breiten, die 6. Dekade nicht zu erleben ziemlich gut. Und wenn man ein bisschen was dagegen macht, sind auch die 7. und 8. Dekade ein realistisches Ziel. Die Regeln dafür sind mittlerweile bekannt und Allgemeinplätze: Regelmäßige Bewegung, Alkohol in Maßen und nicht Rauchen. Trotzdem sind die Zeitungen voll von Ratschlägen, die behaupten, diese oder jene Aktion sorge dafür, dass man gesund bleibt und Alt wird. Besonders Essen wird dabei gerne mythisch aufgeladen.

Aber nicht nur über die Prävention eines vorzeitigen Todes wird in den Medien geschrieben, auch für Alltagsleiden werden „Behandlungen“ angeboten. Meist sind diese Berichte schlecht und schlicht falsch. Das sage nicht nur ich, das wurde nun auch systematisch untersucht. 11% ist die magische Nummer. 11% der Berichte zu Gesundheitsthemen in den Medien entsprechen dem aktuellen wissenschaftlichen Stand. Der Wetterbericht ist genauer, das Horoskop hat mehr Informationsgehalt als Berichte über Gesundheitsthemen. Dabei ist es fast egal, ob man eine Illustrierte liest oder eine „Qualitätszeitung“. Man kann es sich also sparen diese Berichte zu lesen und unter Umständen deren unsinnige Ratschläge zu umzusetzen und die Zeit anders nutzen. Hier wäre ein Vorschlag:

Weiterlesen:

Nur 11% der Gesundheits-Nachrichten stimmen

Medizin Transparent – Wissen was stimmt

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Hurra, wir dürfen Leben!

Da sag noch einer, es brächte nichts, wenn man sich beschwert. Wie es aussieht hat die EMA es sich anders überlegt und ihre sinnfreie Idee, man dürfe Studiendaten nur am Bildschirm anschauen, beerdigt. Das zumindest twitterte das IQWiG.

Nun bin ich gespannt, was daraus wird. Im besten Falle fallen für jeden ein paar Monate durchschnittliche Lebenszeit ab!

Hier der Text der EMA:

(…)

In light of discussions at the Board, the wording of the policy, including practical arrangements for academic and non-commercial research users, will now be finalised with a view to its adoption by the Board through written procedure by mid-July 2014, and will be effective from 1 October 2014. Importantly, the Agency will ensure that the policy will not prejudice citizens’ rights under existing access to documents legislation and the new clinical trials regulation.

(…)

Ich weiß das ist ein sehr kurzer Text. Aber ich freu mich so!

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Tod durch Intransparenz – 1:0 für die Pharmariesen

Wenn ich es mir richtig überlege, retten heute vielleicht gar nicht Mediziner die meisten Menschenleben, sondern Mathematiker. Ohne die systematische Auswertung von Daten ist es nicht möglich, die Wirksamkeit und den möglichen Schaden eines neuen Medikaments zu bewerten. Wenn ein Medikament Schrott ist, werden die Daten das ergeben. Schadet ein Medikament mehr als es nutzt, ebenso. Das kann geschäftsschädigend sein. Darum fürchten Pharmaunternehmen wohl nichts so sehr wie MathematikerInnen. Die und Transparenz.

Mit den neuen Regularien der europäische Zulassungsbehörde EMA (European Medicines Agency) dürfte die Industrie hochzufrieden sein. Angetreten mit dem Ziel, Daten aus Zulassungsstudien vollständig (!)* zu veröffentlichen, läuft es jetzt auf den Erhalt alter Schutzwälle der Industrie hinaus anstatt diese einzureißen, um den Horizont zu erweitern. Die EMA möchte am 12 Juni beschließen, dass „Interessenten die klinischen Studiendaten lediglich am Bildschirm betrachten . Untersagt sind dagegen das Herunterladen, das Abspeichern, die Bearbeitung, das Abfotografieren, das Ausdrucken, die Verteilung und die Übertragung der Informationen.“ Die ist auf der Seite des IQWiG unter dem Titel „Nur gucken, nicht anfassen“ zu finden.

Die durch den Arzt und Journalisten Ben Goldacre mitinitiierte Plattform „alltrials.net“ machte vor zwei Tagen ebenfalls auf dieses Desaster aufmerksam und forderte dazu auf, Paola Testori Coggi, Leiterin des Direktorats der EMA,  zu schreiben:

„The Agency is due to agree the policy on Thursday 12th June. Before then we need you to write to Paola Testori Coggi, the head of the directorate of the European Commission which oversees the EMA, asking her to tell the EMA not to finalise the policy until the concerns are satisfactorily addressed. Email her today.“

Auf der Seite ist unter anderem auch ein Vorschlag für eine Email zu finden, die man an Testori Coggi senden kann.

Goldacre hat ein Buch, auf Deutsch „Die Pharmalüge„, geschrieben. Darin legt er, entgegen dem etwas reißerischen Titel, eloquent dar, wo die Probleme bei der Entwicklung von Medikamenten heute liegen (Spoiler: es ist keine Verschwörung mit dem Ziel uns alle krank zu machen).  Das Buch ist 100mal spannender als jede Verschwörungstheorie. Leider, und hier liegt die Krux, sind die Probleme auch 1000mal komplexer und darum nur langfristig und mit harter Arbeit zu lösen. Transparenz ist dabei nur ein erster, jedoch notwendiger Schritt.

Mittlerweile habe ich bereits einige Beiträge zu diesem Thema geschrieben und bin immer etwas Fassungslos, wie wenig Leser dieses Thema findet. Wenn ich bedenke, wie viel Empörung eine in der Form nicht Existente EU-Heilpflanzenverordnung hervorgerufen hat, kann ich nicht verstehen, wieso hier soviel ruhig bleiben. Ich bin sogar bereit, Caps Lock zu nutzen: DIESE REGELUNG WIRD MENSCHENLEBEN KOSTEN!!! Es kann Deine Oma, Dein Kind oder Dich treffen. Also schreib eine verfickte Email!!!1elf!!

 

Transparenz rettet leben!**

 

 

*Ausnahme wären Daten, die Rückschlüsse auf die Identität von Patienten ermöglichen.

** Von Lebensqualität und geringeren Kosten gar nicht zu reden.

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Meine Nominierung für das goldene Brett: DZVhÄ

Es ist wieder so weit: In Wien wird am 29.11.13 das Goldene Brett vorm Kopf verliehen.

Ich habe den Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) nominiert. Der DZVhÄ gab einer im September in Mühlheim an der Ruhr abgehaltenen Veranstaltung seinen Segen. Auf dieser Veranstaltung wurden CEASE-Therapeuten ausgebildet. Über die CEASE-Therapie habe ich unter anderem in meinem Vortrag im Rahmen der GWUP-Konferenz in Köln gesprochen und sie im Artikel über Pseudomedizin bei Autismus im Skeptiker thematisiert. Zum schnellen einlesen ist dieser Artikel im Wiki von Psiram.com ausreichend:

CEASE ist ein Akronym für Complete Elimination of Autistic Spectrum Expression[1] und wurde vom niederländischen Homöopathen Tinus Smits (29. Dezember 1946 – 1. April 2010) als Therapie bei tiefgreifenden Entwicklungsstörungen, insbesondere Autismusspektrumsstörungen, erdacht. Smits behauptete, mit seiner Methode über 300 Kinder von Autismus geheilt zu haben. Nach aktuellem wissenschaftlichem Stand ist Autismus nicht heilbar, mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen lassen sich jedoch deutliche Besserungen in der Symptomatik erreichen. Seine Methode veröffentlichte Smits 2010 in einem Buch, dessen Vorwort von J.B. Handley stammt, einem Mitbegründer von Generation Rescue, einer von der Impfgegnerin Jenny McCarthy gegründeten Organisation.[2]
CEASE ist aus mehreren pseudomedizinischen Therapieformen zusammengesetzt:

  • Homöopathie
    • Isotherapie
    • Klassische Homöopathie
    • „Inspiring“ Homöopathie

Sieht man einmal von den Ideen ab, die hinter CEASE stehen, hat es ganz praktische Auswirkungen auf das Leben von betroffenen Familien, wenn sie sich in die Hände eines CEASE-Therapeuten begeben. Es ist ziemlich sicher, dass eine möglichst früh beginnende „konventionelle“ Therapie die Prognose der Kinder verbessert. Es gibt für viele Fähigkeiten bestimmte „Entwicklungsfenster“, in denen es deutlich leichter fällt, diese zu erlernen. Wer seine Zeit in die CEASE-Therapie investiert, verpasst andere Möglichkeiten, wirksame Möglichkeiten.

Natürlich hindert eine CEASE-Therapie nicht prinzipiell daran, alle Möglichkeiten auszuschöpfen. Doch die Ressourcen der betroffenen Kinder und Familien sind begrenzt. Finanzielle Ressourcen. Zeitliche Ressourcen. Motivation: je mehr Therapien ein Kind macht, desto höher die Gefahr, dass es Therapiemüde wird. Eltern und Therapeuten die schon länger dabei sind, wissen, dass es manchmal auch Therapiepausen geben muss. Je mehr Therapie, desto eher eine Therapiepause. Ärgerlich, wenn eine der Therapien wirkungslos ist.

In der Fortbildung in Mühlheim an der Ruhr müssen den angehenden Therapeuten in knapp drei Tagen neben der (Pseudo)Therapie auch die Grundlagen und die Diagnostik von Autismus beigebracht werden. Das ist ein Witz, leider ein schlechter. Allein, um den Goldstandard der Autismusdiagnostik, das Autism Diagnostic Interview-Revised (ADI-R) und das Autism Diagnostic Observation Schedule (ADOS) zu erlernen, muss man einen Kurs besuchen, der 3,5 Tage dauert.

Da gab es also einen Kurs, in dem eine Therapie vermittelt wurde, die bei Autismus unmöglich helfen kann, jedoch eine Heilung verspricht. Eine Therapie welche die Eltern selbst zahlen müssen und die sich an Kinder richtet, die sich nicht dagegen wehren können. Ein Kurs dessen Dauer dem Krankheitsbild Autismus unmöglich gerecht werden kann. Und der DZVhÄ gibt sowohl dem Kurs, wie auch der Therapie sein Qualitätssiegel.

Das verdient die Nominierung für das Goldene Brett.

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Nashorn: Ausgerottet für den Aberglauben

Aberglaube ist eine alte Kackbratze!

Es ist möglich, dass uns der Glaube an die magische Wirkung von Horn auf bestimmte Bereiche der Gesundheit die Existenz einer Art von Nashörnern kostet.

Zugegeben, der Mensch als Spezies braucht kein magisches Weltbild um eine eine andere Spezies vom Antlitz unseres hübschen Planeten zu fegen. Gerade kann man in den Nationalparks des afrikanischen Kontinents jedoch beobachten, wie ein eben solches magisches Weltbild die Mitglieder einer anderen Spezies das Leben kostet. Ein Exemplar nach dem anderen wird hingeschlachtet. Und das Wort habe ich nicht ohne bedacht gewählt.

In Südafrika sind in diesem Jahr bereits über 500 Nashörner von Wilderern erlegt worden. Dabei geht es den Tätern einzig um das Horn, der Rest des Tieres wird einfach liegen gelassen. Bei Youtube gibt es Videos mit Nashörnern, denen mit einer Kettensäge der halbe Schädel abgesägt wurde. Es gibt Museen, in denen Sicherheitsvorkehrungen erhöht wurden, damit ihnen die Hörner nicht gestohlen werden.

Nashorn erzielt auf dem Schwarzmarkt mittlerweile höhere Preise als Gold oder Kokain.

Getrieben wird der Preis durch den Markt für traditionelle Chinesische Medizin (TCM) in der Nashorn unter anderem für die Behandlung von Potenzproblemen genutzt wird. Das ist so als würde man Fingernägel kauen.

Leider ist außer Empörung nicht viel möglich. TCM nutze ich ohnehin nicht und in Deutschland wird wohl auch kein Nashorn verwendet dafür aber Fledermauskot. Das ist zwar ekelig und wirkungslos, immerhin aber ein nachwachsender Rohstoff.

Achtung! Die Bilder in den eingebetteten Videos sind ausgesprochen schwer zu ertragen!

[youtube:http://youtu.be/HdCGIagJnTs%5D [youtube:http://youtu.be/URD9TUeBYTQ%5D

Den Kanal EarthTouch kann ich übrigens nur empfehlen! Tolle Bilder.

Links:

Stop Rhino Poaching Now (Achtung ebenfalls unschöne Bilder)

Rhino poaching hits new high in South Africa

Political solution necessary for rhino poaching war

Rhino deaths reach tipping point

Ein Kommentar

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Stammzellen gegen Autismus? Fuck off!

Manchmal bekomme ich Links geschickt, mit der Frage, ob diese oder jene Therapie etwas gegen Autismus sei. Meist sind es Diäten oder Vitaminpillen, nutzloses aber eher harmloses Zeug. Aber manchmal fällt mir auch einfach die Kinnlade runter:

Seit dem Jahr 2005 hat Beike Biotech über 150 Autismus Patienten mit Stammzellen behandelt.

Genau, eine Methode, die wenig erforscht ist, aber das Potential hat, Tumore wachsen zu lassen, wird an Kindern mit Autismus ausprobiert. Zur Behandlung muss man nach China reisen:

Neben der nachgewiesen Sicherheit der Behandlung sind wir auch von den Behandlungserfolgen überzeugt. Leider ist aus unterschiedlichsten Gründen diese Behandlung zur Zeit nicht in Europa oder in den USA möglich. Wer nicht darauf warten kann oder will, dass auch diese Länder das Potenzial einer Stammzellbehandlung erkennen, muss zu Beike Biotech nach China reisen.

Na, wenn Ihr überzeugt seit, muss sich die Reise nach China ja lohnen. Die Fallgeschichten sprechen ja für sich. Ein ziemlich sicheres Zeichen für Scharlatane im medizinischen Bereich sind Fallgeschichten um die Wirksamkeit einer Therapie zu belegen.

Die Menschen von Beike kennen sich so gut mit Autismus aus, dass sie sogar „bisherige“ Therapiemöglichkeiten nennen:

Die aktuellen Behandlungsformen lassen sich in entwicklungs- und ernährungsbezogene sowie medizinische Ansätze differenzieren, aber alle genannten Therapieformen sind limitiert. Gleichzeitig werden zahlreiche klinische Studien durchgeführt, die von hyperbaren Sauerstofftherapien über die Verabreichung von Zink und der Gabe von Medikamenten mit entzündungshemmenden Eigenschaften reichen. Da aber bedauerlicherweise die Krankheitsursache bis heute nicht gefunden werden konnte, werden die angesprochenen Behandlungsansätze mit unterschiedlichem Erfolg durchgeführt.

Kein Wort von Verhaltenstherapie und Strukturierung, dafür viele unseriöse Methoden. Die Botschaft lautet somit: „Wenn sie von bisherigen unseriösen Methoden enttäuscht sind, probieren Sie doch mal unsere unseriöse Methode. Wir spritzen ihrem Kind dafür ein Mischung unbekannter Substanzen mit unbekannter Wirkung ins Blut und ins Rückenmark. Wenn das nicht hilft, wissen wir auch nicht weiter.“

Gut auch, dass bis heute keine Ursache gefunden wurde, wir aber fröhlich drauflos injizieren. Immerhin, im Preis ist sogar der Flughafentransfer (nicht der Flug) enthalten:

Die Kosten für eine Behandlung liegen bei $17,500 bis zu $30,000. Die meisten Behandlungen kosten zwischen $18,000 und $26,000. Der Preis schließt neben der Injektion der Stammzellen auch den Flughafentransfer, alle bei Ankunft im Krankenhaus vorzunehmenden Tests und Untersuchungen, ein Krankenhauszimmer mit einem zusätzlichen Bett für den Betreuer des Patienten (…).

Alles was ich zu Stammzellen und Autismus finden konnte, ist Grundlagenforschung, die noch nicht den Sprung aus der Petrischale ins Tiermodell geschafft hat. Wer möchte, dass etwas für 20 000 Euro an seinem Kind ausprobiert wird, was seriöse ForscherInnen noch nicht mal Ratten zumuten, für den ist China das Land der Träume.

[Da Verlinkungen das Google-Ranking einer Seite verbessern, habe ich darauf verzichtet. Wer die Seite sehen will, nehme einfach eines der Zitate und kopiere sie in einer Suchmaschine seiner oder ihrer Wahl]

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Hoffen, zahlen, sterben.

Eine Reportage von AlJazeera zeigt die Grenze Mexikos zu den USA in einem anderen Drogenkrieg. Ein Krieg, der vorgibt gegen Krebs geführt zu werden, jedoch letztlich vor allem um Geld geht. Das Geld der Kranken und Sterbenden.

In Mexiko gibt es eine blühende Industrie, die alternative Heilmethoden gegen Krebs anbietet. Vor allem Menschen, die mit konventionellen Methoden keine Chance auf Heilung haben, wenden sich an diese „Kliniken“. Deren Therapien sind wirkungslos im Besten, gefährlich im schlechtesten Fall. Eines sind sie immer: teuer. Behandelt wird gegen Bares.

Sarah Macdonald, die selbst eine Brustkebserkrankung und deren Behandlung hinter sich hat, ist nach Mexiko gefahren und hat sich die Kliniken, ihre Versprechungen und ihre Methoden genauer angesehen. Unterwegs sprach sie mit anderen, die in der Hoffnung auf Heilung dorthin gefahren sind. Dabei ist eine sehr einfühlsame Reportage entstanden. Die Motivation der einzelnen wird sehr deutlich und ist überaus verständlich.

This film came about because I wanted to find out more, to investigate these treatments and the clinics behind them. At first it seemed easy enough. The facilities promote their services through glossy brochures and online video testimonials, such as one from a woman called Lorraine Weaver, who describes how she reacted to suggestions for conventional medical treatment for lung cancer: „They said they were going to do chemo and radiation and I said I don’t think so. I walked out and called my niece and she said you go to Oasis of Hope … and I came down and I was cured and I thank God every day, don’t ever give up hope.“

Das Video [1] ist auf der Website von AlJaazera zu sehen und dauert 25min.

 

[1] http://www.aljazeera.com/programmes/peopleandpower/2012/01/2012111152415164558.html

 

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