Archiv der Kategorie: Überleben

Sinupret in der Kritik

Das pflanzliche Arzneimittel Sinupret® ist bei akuter und chronischer Entzündung der Nasennebenhöhlen zugelassen. Die meisten Menschen nehmen es, wenn sie „Schnupfen“ haben. Ich habe als Kind auch so einiges an Sinupret® verstoffwechselt, geschadet hat es mir (wahrscheinlich) nicht.

Der Nutzen von Sinupret® ist laut „arznei-telegramm“ nicht belegt. Sinupret® warb vor einigen Jahren mal mit einer Reihe von Studien, deren Methoden eher fragwürdig waren.

Für mich gehört Sinupret® zu den Arzneimitteln, die im Rahmen einer Krankheitskultur bei banalen Infekten und Männergrippe eingenommen werden können. So eine Art „Placebo-Plus“: Es ist ein Arzneimittel mit schwacher Evidenz, dass seine Wirkung aber nicht mit Magie begründet. Also ein „normales“, wahrscheinlich nicht wirksames Mittel. Eigentlich gehört es vom Markt genommen, aber es gibt andere Medikamente, die deutlich mehr Schaden anrichten. Zumindest sah es bisher so aus.

In der aktuellen Ausgabe des „arznei-telegramm“ (11/16) wird von einer Überempfindlichkeitsreaktion nach der Einnahme von Sinupret Extract ® berichtet. Bei der Patientin mit einem bekannten Asthma bronchiale führte das zu einem schweren Asthmaanfall (Status asthmaticus).

Pflanzliche Arzneimittel haben bei vielen Menschen einen guten Ruf, weil sie „natürlich“ sind. Dass viele Pflanzen „natürliche“ Abwehrstoffe gegen Fraßfeinde (dazu gehört auch der Mensch) produzieren, die auch tödlich sein können, wird dabei gern vergessen. Nebenwirkungen sprechen nicht grundsätzlich gegen die Einnahme eines Medikamentes, sie müssen jedoch durch die positive Wirkung aufgehoben werden.

Bei Sinupret® scheint die positive Wirkung überwiegend subjektiver Natur zu sein. Man muss also entscheiden, ob dieser Nutzen die Gefahr von Schadwirkung aufhebt. Leider gibt es immer noch nicht die Transparenz, von Seiten der Pharmaindustrie, auf die Patienten ein Recht haben. Im Gegenteil. In derselben Ausgabe des „Arznei-telegramm“ wird davon berichtet, dass die chinesische Behörde, die die Pharmaindustrie überwachen soll, 80% (!) der Studienergebnisse in China als Fälschung nachweisen konnte. Wir brauchen ALLE DATEN!!!

Weiterlesen:

Tod durch Intransparenz – 1:0 für die Pharmariesen

The Heat Is On For The Chinese Pharmaceutical Industry

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AIDS, Abstinenz und Yoda

Schwerer Rückschlag für Moral und Glauben! Die Wissenschaft straft Aussagen von Papst und Evangelikalen (und EvangeligalInnen?) lügen. Wieder einmal.

Eine Infektion mit HIV und dem, in Entwicklungs- und Schwellenländern fast sicher darauf folgenden AIDS, sei durch Abstinenz und Treue zu verhindern. So predigen Glaubensvertreter seit Jahrzehnten von ihren Kanzeln und dem Petersplatz. In den USA gerne ergänzt durch einen ähnlichen Tipp, um ungewollte Schwangerschaften zu vermeiden. Auch wenn diese Aussage natürlich faktisch richtig ist, verhindert der Tipp nicht eine HIV-Infektion (oder Schwangerschaft). Das zumindest war meine Meinung und die Meinung vieler Menschen, die menschliche Triebe weltlich betrachten.

Und nun hat eine Studie genau diese Alltagsweisheit bestätigt. Auch das gibt es. Im Gegensatz zur Alltagsweisheit, die Erde sei flach, die weiterhin falsch ist (und bleibt, sorry Xavier). Der Rat an uns kaum behaarte Primaten, keinen Sex zu haben oder treu zu bleiben, um die Verbreitung von HIV zu verhindern und ungewollte Schwangerschaften zu verhindern, führt zum Gegenteil.

Die Studie sollte einen Teil von PEPFAR evaluieren. PEPFAR ist ein von George W. Bush initiiertes Programm gegen die Ausbreitung von HIV in Entwicklungsländern. Ein Teil der Gelder aus diesem Programm wurde für die Propagierung von Abstinenzprogrammen genutzt. Als wiedergeborener Christ war das George W. sicher eine Herzensangelegenheit. Nun, das Geld hätte er sich sparen können. Wenn es zu Beginn des Programm noch keine Belege für die oben genannte Alltagsweisheit gab (?), so gibt es sie jetzt. Nun kann das Geld also sinnvoll eingesetzt werden. Auch gegen Teenagerschwangerschaften in den USA wirken übrigens Abstinenzratschläge nicht.

Insgesamt war übrigens PEPFAR ein Erfolg und konnte, durch die sinnvollen Interventionen Leben retten und verbessern. Natürlich wirkt Abstinenz gegen die Infektion mit HIV und ungewollte Schwangerschaften. Leider sehen viele, spirituell sehr fähige, in der Lebenswirklichkeit ihrer Artgenossen jedoch eher unbeleckte, ältere Herren nicht, dass zwischen Abstinenzratschlag und Abstinenz etwas steht. Für den auch weiterhin dogmatisch sprechenden Papst und seine Freunde vom anderen Ufer sei dies, in Anlehnung an Meister Yoda, wie folgt illustriert: „Big, the urge to fuck is in this one. And this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one. But not this one. But this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one, and this one…

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Alter Käse – Die lieben Kollegen

Die lieben Kollegen. Immer auf das Wohl der Patienten bedacht. Darum ist es ihnen auch so wichtig, das medizinische Wissen durch Forschung zu vermehren. Wissenschaft! Um so besser, wenn man das auch noch bezahlt bekommt. Während das akademische Prekariat mit Erdnüssen und Zeitverträgen abgespeist wird, klotzen die Pharmaunternehmen bei den niedergelassenen KollegInnen richtig ran. 100 000 000 Euro haben sie sich beispielsweise „Anwendungsbeobachtungen“ kosten lassen. Die Aufregung der Presse ist mal wieder groß. Man wirft Medizinern und Industrie vor, diese nur als Tarnung zum Verschreiben unnützer und/oder überteuerter Medikamente zu verwenden. Das wäre im besten Fall kreatives Marketing und im schlechtesten Falle nicht justiziable Bestechung.

Dabei ist es doch logisch, warum Verschreiber und Hersteller hier eng zusammenarbeiten müssen! Dass es keine (Zusatz-)Nutzen gibt, liegt doch nur daran, dass BISHER noch niemand den Nutzen der Medikamente bei bestimmten Erkrankung herausgefunden hat! Darum nehmen Hersteller und Verschreiber die mühsame Arbeit auf sich und machen aus jeder Behandlung ein Experiment. Das ist gelebter Altruismus auf Seiten der Patienten. Die Patienten wären stolz auf sich, wenn sie denn wüssten, was da mit Ihnen passiert.

Und es ist immerhin besser, wenn man ein bereits am Menschen erprobtes Medikament nimmt, als ein vollkommen Unbekanntes. Denn trotz (mindestens) zweier katastrophal verlaufender Phase-I Tests von Wirkstoffen in Industrieländern, schaffen es die Regulierungsbehörden nicht, die Unternehmen dazu zu bringen, alle Daten herauszurücken. So weiß manchmal das eine Unternehmen nicht, was das andere schon herausgefunden hat, Probanden riskieren unnötig ihre Gesundheit oder ihr Leben.

Und deswegen sollte man die niedergelassenen KollegInnen auch verstehen! Wenn nicht mal führende Pharmaunternehmen sich human verhalten, wieso sollten sie dann mit gutem Beispiel voran gehen und sich an eigene ethische Standards halten? Noch dazu, wenn der Status Quo so gut bezahlt wird.

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Besorgte für die ‚Freie Gesellschaft‘

Gerade wollen viele eine freie Gesellschaftsordnung schützen, indem sie sie unfreier machen. Insbesondere durch Gesetzverschärfungen. Die besorgten Bürger mögen sich darüber freuen, dass „die Ausländer“ – wahlweise „die Flüchtlinge“ – jetzt härter angepackt werden sollen. Dabei vergessen Sie, dass viele dieser Menschen nur zeitweise in Deutschland bleiben werden. Ausbaden müssen die Gesetzverschärfungen die, die bleiben. Dazu dürfte die Mehrzahl derer gehören, die jetzt den populistischen Vorschlägen applaudieren. So wird uns aus Angst vor dem rechten Michel Law and Order Politik untergejubelt. Freiheit stirbt mit Sicherheit.

Dabei ist das was in Köln passiert ist, gerade eine Zeichen dafür, dass wir in einer freien Gesellschaft leben. Denn deren Mitglieder gestalten ihr Leben weitgehend selbständig, ohne ständiger Kontrolle zu bedürfen. Dabei können Dinge schief gehen. Und wenn die Umstände passen, können sie sogar gewaltig schief gehen. So wie in Köln.

Schärfere Gesetze werden uns nicht vor einer Wiederholung schützen. Denn „verboten“ war das alles bereits in der Silvesternacht 2015. Schützen könnte uns ein solidarisches Verständnis von Zivilcourage. Eines, das Menschen dazu ermutigt, einander zu helfen, wenn sie in Not sind. Spontane Solidarität. Wir können darüber sprechen, ob die Ereignisse mit „dem Islam“ oder sonst einer „importierten Kultur“ (gähn) zu tun haben. Oder wir sprechen darüber, wieso die Mitglieder unserer „freien, liberalen, zivilisierten Gesellschaft“ einander an diesem Abend nicht solidarisch zu Hilfe gekommen sind.

In ersterem Fall müssten „die anderen“ sich verändern im zweiten wir alle.

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Der Terrorist, das missverstandene Wesen

Ups! Ich haben mich auf Twitter gestritten. In diesem Fall ging es um das Zitat aus einem Artikel in Psychologie-Heute:

Atrans Forschung zeigt, dass die meisten, die sich dem Dschihad anschließen, eine gemäßigte und vorwiegend säkulare Erziehung hatten. Muslime, die religiös aufwachsen, scheinen sogar eher gegen eine Radikalisierung gefeit zu sein. Die meisten Gotteskrieger, so Atran, werden als ältere Teenager oder mit Anfang zwanzig „wiedergeboren“ und wissen wenig über den Islam.

Der Versuch, die Motive von Terroristen zu entschlüsseln, indem man sich mit dem Islam beschäftigt und den Koran studiert, ist nach Atrans Meinung nutzlos. Die Bemühungen, gemäßigte Imame zu fördern, bezeichnet er in seinem Buch als „irrelevant“. Schließlich wird nur selten jemand in einer Moschee zum Terroristen. Einige wurden im Gegenteil aus der Gemeinde ausgeschlossen, weil sie zu radikal waren.

Darauf wurde geantwortet:

„Wo sind die christl. oder buddhist. Selbstmordattentäter? Siehe Scott Atran vs Sam Harris“

Sam Harris vertritt, wie viel „New Atheists“ die Ansicht, Gewalt sei „dem Islam“ immanent. Harris fordert eine Reformation aus dem Islam heraus um diese Tendenz zu Gewalttätigkeit zu beenden.

Auf meine Frage, was der Einwurf mit dem Zitat aus dem Artikel zu habe, wurde geantwortet:

(Weil)… „dort behauptet wird, dass der Koran keine zentrale Rolle für die Motivation der Attentäter spielt.“

Wenn man den Artikel liest, wird schnell klar, dass es sich dabei nicht um eine Behauptung handelt, sondern um eine auf Evidenz begründete Aussage. Harris interpretiert die Daten jedoch anders als deren Urheber. Dafür muss er sich, auch von Seiten vieler Atheisten, Kritik gefallen lassen.

Harris ist Neurowissenschaftler, veröffentlicht Bücher zum Thema Glauben und debattiert ausgiebig zum Thema. Wenn er eine weniger polarisierende Sicht auf den Islam einnehmen würde, dürfte es für ihn schwerer werden, weiterhin in der Form aufzutreten und Bücher zu verkaufen. Dass heißt nicht, dass er falsch liegt. Das heißt nur, dass die Schwelle, ihn zu überzeugen höher liegen dürfte, als bei jemandem, dessen Einkommen weniger von seiner Meinung abhängt.

Scott Atran ist Anthropologe und scheint zu versuchen, Gewalt die von Islamisten ausgeht dort zu verstehen, wo sie entsteht: bei den Menschen. Einige Belege für seine Thesen werden in dem zitierten Artikel angeführt. Das heißt nicht, dass er Recht hat. Aber es bedarf mehr als eines „aber trotzdem“ um die Belege zu entkräften.

Wenn ich Harris (und vielen „Islamkritikern“ in Deutschland) etwas vorwerfe, dann, dass sie implizieren, dass Menschen, die dem Islam anhängen, anders sind als die Gruppe von Menschen, der sich die Kritiker gerade zugehörig fühlen. Wir werden aber nicht verstehen, warum Menschen handeln, wie sie handeln, wenn wir uns im „Othering“ üben. Atran macht die Selbstmordatentäter und Djiahdisten wieder zu Menschen. Menschen mit Gefühlen, Sehnsüchten, Freunden. Menschen wie „wir“. Das kann natürlich nicht sein, sonst würden sie ja nicht solch monströse Handlungen begehen.

Atrans Ergebnisse bedeuten nicht, dass der Koran und eine bestimmte Kultur innerhalb des Islam nicht dazu beitragen können, dass Menschen durch Paris laufen und ihre Artgenossen abknallen. Religionen können dazu genutzt werden, dass „gute“ Menschen „böse“ Taten begehen. So wie jede Ideologie. An anderer Stelle zitierte ich bereits Hitchens:

“Name one ethical statement made, or one ethical action performed, by a believer that could not have been uttered or done by a nonbeliever. Think of a wicked statement made, or an evil action performed, precisely because of religious faith?”

Mir scheint jedoch, dass Religion (oder andere Ideologien) eine notwendige aber keine hinreichende Bedingung dafür ist. Nun haben wir „den Islam“ als eine mögliche notwendige Bedingung identifiziert. Wenn wir eine Lösung wollen, müssen wir auch den Rest rausfinden. Auf Harris und andere „besorgte“ Islamkritiker scheinen wir da nicht zählen zu können.

Ein ähnliche Dämonisierung von Menschen kennen wir aus der Verarbeitung der deutschen Geschichte. Die Täter des Nazireiches wurden zu Monstern erklärt. Dabei waren es Väter und Söhne, Mütter und Töchter. Ganz „normale“ Menschen. Denn gerade weil sie Menschen sind, wie wir, begingen und begehen sie monströse Taten. Das Monster schlummert in jedem von uns. Das einzusehen befreit und nimmt die Angst.

Roooaahhhhhrrrrrr!

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Flucht und Klimawandel

Das Wissen um die global steigenden Temperaturen begleitet mich bereits seit meiner Kindheit. Damals nannte mein Vater das Phänomen noch Klimakatastrophe. Bei Spaziergängen zeigte er uns Kindern immer die Knospen an den Bäumen und sagte, diese seien zu früh dran. Für ihn war das ein Zeichen für durch die Klimaerwärmung verursachte Veränderungen. Für mich war seit meiner Kindheit klar, dass die Welt sich durch die zunehmend Erwärmung verändern würde. Illustriert wurde diese Veränderung nachhaltig, durch einen Film. Ich erinnere mich nicht mehr an den Titel. Es ging darum, dass Klimaveränderungen in den USA zu katastrophalen Dürren geführt hatten und die Menschen nach Kanada flohen. Die Szene, in der abgekämpfte Menschen glücklich an der kanadischen Grenze ankamen und dort von den Grenzbeamten freundlich empfangen wurden* blieb mir besonders im Gedächtnis.

Obwohl in den letzten Jahren die Diskussion um die Klimakatastrophe, die heute Klimawandel genannt wird, an prominenter Stelle geführt wird, waren die Veränderungen aus meiner Sicht eher marginal. Hier gab es eine Dürre, dort stiegen Lebensmittelpreise, da gab es Überschwemmungen. Mir ist klar, dass diese Ereignisse für die Menschen vor Ort katastrophal waren, doch für mich blieben sie Abstrakt. Für mich fand der Klimawandel nicht spürbar statt.

Dachte ich zumindest. Doch die Auswirkungen des Klimawandels zeigten sich auf den Straßen Dresdens. Entgegen dem Trend der Temperatur, kühlte sich das gesellschaftliche Klima in Dresden deutlich ab. Die PEGIDA gingen auf die Straße. Damals angeblich als Reaktion auf Ausschreitungen zwischen Kurden und Salafisten in deutschen Städten (die bisher, entgegen dunklen Ankündigungen, Einzelfälle blieben) und gegen die Islamisierung des Abendlandes. Das man sich Menschen mit kurdischen Wurzeln als Kronzeugen für diese angebliche Islamisierung aussuchte, zeigte bereits, dass es eigentlich um etwas anderes ging: Die Etablierung einer neuen völkischen Bewegung.

Diese hätte vielleicht nicht das Momentum erreicht, welches die Reste der deutschen Zivilgesellschaft Anfangs überrollte, wenn nicht die Anzahl der nach Europa und Deutschland flüchtenden Menschen merkbar gestiegen wäre. So steigerte sich die Angst vor dem gesellschaftlichen Abstieg (was in Deutschland vor allem materiellen Abstieg bedeutet) in Teilen der bürgerlichen Mitte zur Panik. Einige ihrer Mitglieder begannen wild um sich zu schlagen. Mit dem Scheinargument „nur“ gegen „Wirtschaftsflüchtlinge“ zu sein, hetzte man gegen alles und jeden, der oder die andere Werte und Ideen vertrat.

Der hohe Anteil von PEGIDA AnhängerInnen, die Verschwörungstheorien verfallen sind, lässt vermuten, dass auch Klimawandelleugner stark vertreten sind. Immerhin haben Menschen, die an eine Verschwörungstheorie glauben ein erhöhtes Risiko, auch weiteren Verschwörungstheorien anzuhängen (das sogenannte „Lex Bartoschek“). Damit verleugnen sie einen Grund für die steigende Anzahl von Menschen, die nach Europa flüchten. Unter anderem die aus Syrien stammenden Menschen sind aufgrund der Global steigenden Temperatur aus ihrer Heimat geflüchtet**.

Damit ist der Klimawandel vor unserer Haustür angekommen. In Form vom Menschen die vor den Folgen flüchten, die aus steigenden Temperaturen auf diesem Planeten resultieren. Und es wird wärmer. Das bedeutet, wir können damit rechnen, dass in den nächsten Jahren mehr Menschen ein neues zu Hause bei uns*** suchen. Die Aufnahmen von klatschenden Menschen an Bahnhöfen in Deutschland, die Geflüchtete begrüßen, erinnerten mich an den Film, den ich vor ca. 20 Jahren gesehen hatte. Wir müssen uns darauf einstellen, dass mehr Menschen zu uns kommen werden und einen Weg finden, auch emotional ein Einwanderungsland zu werden. Sonst steuern wir auf eine gesellschaftliche Klimakatastrophe zu. Und das letzte Mal als Menschen aus Deutschland flüchten mussten, endete das für die ganze Welt katastrophal.

*Ich glaube, das war das Happy End des Filmes. Es kann aber auch sein, dass ich das im Nachhinein positiver erinnere als es dargestellt wurde.

** It’s a little bit more complicated than that. Obviously.

Bildquelle

*** uns = alle Mitglieder dieser Gesellschaft = alle in diesem Land lebenden Menschen.

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YiXue – Krebsbehandlung mit magischem Sport

Gestern war in Dresden das „Mutter-Erde-Festival“, veranstaltet durch die Lotus-Akademie e.V.

„Das Mutter Erde Festival entstand als eine Initiative zum Schutz der Erde und für ein friedliches und harmonisches Miteinander.“

Das klingt schon mal gut, irgendwie. Als weitere Motivation für das Festival gibt der Verein an:

„Das Festival und der Umzug „Ein liebendes Herz für die Mutter Erde“ bezwecken mehr als nur Toleranz und Akzeptanz für fremde Kulturen – sie sind ein interaktives Fest aller beteiligten Menschen mit unserer Lebensgrundlage, der Erde.“

Da haben die Organisatoren sich aber einiges vorgenommen für einen Samstagnachmittag in Dresden. Eein wenig harmonisches Miteinander könnte Dresden aktuell nicht schaden und Toleranz ist ebenfalls Mangelware.

Ob allerdings der Weg über das Mutter-Erde-Festival der Richtige ist? Auf der YiXue-Veranstaltungswebsite ist zu lesen, „wir“ seien „alle“ durch Schwingungen miteinander verbunden und irgendwie sei alles eins. Darum müssten wir in Harmonie mit Mutter Erde leben. Oder so. Belegt wird das mit dem Albert Einstein Zitat „Alles Leben ist Schwingung“, das von Abraham Lincoln übermittelt wurde.

Die YiXue-Akademie bietet, statt Hilfe für „Mutter-Erde“, doch wieder nur eine Art ideologisch aufgeladene Sportveranstaltung an. Ein besondere Form der QiGong wird gepriesen, um das Chi wieder in Ordnung zu bringen. Die kann man in Nossen, in der Nähe von Dresden praktizieren, im YiXue-Bildungszentrum. Erklärt, wie das nun mit „Mutter-Erde“ zusammenhängt wird leider nirgendwo. Vielleicht weil keine fragt. Wahrscheinlich sind es die „Schwingungen“. Am Informationsstand gibt es nur die üblichen Plattitüden über „Ganzheitlichkeit“, „Energie“, „Blockaden“ und so weiter.

Bereits im letzten Jahr schrieb „S.T.“ zu der Veranstaltung:

„Das ganze ist nämlich nichts anderes als eine Werbeveranstaltung für die Lotusakademie e.V., eine Sekte die sich dem „Großmeister Wei Ling Yi” verpflichtet fühlt.“

Die Geschichte mit der Sekte konnte ich nicht validieren. Wo die Reise jedoch hingehen soll und welche Zielgruppe YiXue anspricht, wird schnell klar, wenn man das „YiXue-Journal“ aufschlägt. Das wurde extra für die Veranstaltung gedruckt und angeblich mit Spenden finanziert.

Die Veranstaltung ist hervorragend geeignet, um starken Fremdscham hervorzurufen. So bei der „Zeremonie“ auf der Bühne, in deren Rahmen verschiedene Menschen bunte Synthetikbänder (die hat „Mutter-Erde“ besonders gerne) an einen kleinen Baum binden und Wünsche in Form von Phrasen ins Mikrophon flüstern („Frieden“, „Harmonie“ „Alles wird gut“). Auch schön ist die Tanzgruppe aus einem „Land, das gaaaanz weit weg ist, wo es warm ist und wo Elefanten leben“ (auf der Bühne anwesende Kinder wurde genötigt „Afrika“ zu sagen. Sie waren höflich genug, nicht darauf hinzuweisen, dass es sich um einen Kontinent handelt), deren Teilnehmer in Kleidung mit Leopardenfellmuster gekleidet waren und komische Kopfbedeckungen aus Federn trugen. So wie sich alte (und sehr junge) weiße Menschen „die Afrikaner“ halt so vorstellen. Höchste Verzückung rief bei mir der wiederholte Aufruf aus, sich gegen eine Spende Luftballons zu holen, die am Ende der Veranstaltung mit „Wünschen an Mutter-Erde“ fliegen gelassen wurde. Nichts drückt Respekt vor der Natur besser aus, als sie vollkommen unnötig mit einer, kaum abzubauenden, elastischen Substanz füllen, an der Lebewesen elendig zugrunde gehen wenn sie sie fressen.

Apropos, elendig zugrunde gehen. Im 4-Seitigen „YiXue“-Journal widmet man sich auf einer Seite der Behandlung von an Krebs erkrankten Patienten. Diesen bietet man in Nossen „YiXue-Kang Ai“-Seminare an, wobei es sich um „Energie-Regulierungsworkshops“ handelt. In der Einleitung steht, es gehe darum, die „schulmedizinische“ Behandlung zu „begleiten“. Der größte Teil der Seite wird jedoch dem Bericht einer Studentin gewidmet, die durch das Chi-Gedöns geheilt worden sei. Von Krebs. Das könne vorkommen, steht in der Einleitung, nur verlassen kann man sich nicht darauf, weil es „auch bei Kant Ai zur Ausnahme (gehöre)“. Man wundert sich, warum dem Auftreten so einer Ausnahme so viel Aufmerksamkeit geschenkt wird?

„Anfangs hielt ich Kang Ai einfach für eine Chance, die Tumorerkrankung zu besiegen. Doch jetzt, wo ich gesund geworden bin, würde ich sagen, dass die Ursache für all unsere Leiden in der Seele liegt. Durch Praktizieren und Energieübertragungen von Wei Ling Yi kommen wir in unsere Kraft, damit wir mit uns selbst arbeiten können. Und so ist es für mich beides: Energietankstelle und auch harte aber wirklich unbezahlbar kostbare und nachhaltige Arbeit an sich selbst.“

Den Grund warum einige Menschen geheilt werden und andere nicht, liefert die geheilte Studentin gleich mit:

„Was passierte, war mehr, als ich je für möglich gehalten hätte: Nachdem ich bereits viele Male die kostbare Erfahrung machen durfte, in der Meditation der Seele von Wei Ling Yi zu begegnen, besuchte sie mich am 29. Mai 2013 erneut in der Meditation um 21 Uhr. Es war eine Begegnung, in der ich erkannte, dass die Ursachen meiner Krankheiten bei mir selbst lagen und in der ich den Entschluss fasste, gesund zu werden und die dafür nötige Energie und die dafür nötigen Informationen von Wei Ling Yi auch erhielt.“

Wer nicht gesund wird, erkennt nicht, dass man nur gesund werden wollen muss und erkennen, dass die Ursachen bei einem selbst liegen. Esoterischer Zynismus in seiner reinsten Form. Und das Schöne ist, man kann ihn für eine Kursgebühr von 199,- Euro am eigenen Leib erfahren. Oder man schreibt auf, dass man gesund werden will und lässt den Wunsch an einem Luftballon in den Himmel steigen. Das ist genauso sinnvoll aber deutlich billiger.

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Journalismus wie von der Tarantel gebissen

Das Werbeblättchen Eltern, Kind + Kegel hatte in der Vergangenheit bereits einen Auftritt in diesem Blog, als dort unseriös über Impfen berichtet wurde. Seitdem blättere ich das Heft immer mal durch, um meine Rolle als ARO (AußerRedaktionelle Opposition) zu erfüllen. Dass in jedem Heft, in redaktionell anmutenden Texten, ungeniert für Apotheken und deren Globuliangebot in geworben wird, hatte ich bereits im letzten Text erwähnt. Eine Praxis die man beibehält. So füllt sich das Heft und die Kasse.

Einen besonders gelungenen journalistischen Kunstfehlers möchte ich an dieser Stelle würdigen. Es geht um Zeckenstiche und das Risiko einer FSME-Infektion. Das ganze wird unter der Rubrik „Kinderarztfragen“ abgehandelt. Kinderärzte kommen jedoch nicht zu Wort. Dafür eine Heilpraktikerin und ein PTA aus einer namentlich erwähnten Apotheke.

Die Autorin („elm“) hat wahrscheinlich nicht mal den Versuch gemacht, für den Artikel außerhalb des Kreises der Werbekunden zu recherchieren. Wer über Zecken schreibt und behauptet, sie würden beißen, weiß nicht, wovon er oder sie spricht. Zecken stechen. Das muss man nicht wissen, wenn man sich über Zecken unterhält, das sollte man aber wissen, wenn man das Thema journalistisch bearbeitet. Andernfalls ist man eben Journalistendarsteller im Werbetheater.

Die Autorin erwähnt gleich zu Beginn, dass es eine Impfung gegen FSME gibt, erwähnt jedoch, diese sei nicht „risikolos“ und es „sollte abgewogen werden, ob diese notwendig ist.“  Nach diesem soliden Phrasenfundament widmet sich die Autorin den verschiedenen homöopathischen „Behandlungsmöglichkeiten“. Ob der Tipp lautet, Globuli am Anfang der Zeckensaison zu schlucken, um sich vor Bissen zu schützen (kein „hundertprozentiger Schutz“) oder in der „Bissstelle“ verbliebene „Zeckenstücke“ mit Globuli „raus zutreiben“, dem magischen Ritual sind scheinbar keine Grenzen gesetzt.

Die Autorin hätte die Möglichkeit gehabt, in diesem Text wirklich mal einen informativen Artikel zu einer Impfung zu liefern, bei der es tatsächlich rationale Gründe gibt, sie eventuell nicht durchzuführen. Man hätte darüber schreiben können, wie aus „Endemiegebieten“ „Risikogebiete“ gemacht wurden. Oder sich damit beschäftigen, wieviele FSME-Fälle es seit 2002 in Sachsen gab (34) und wieviele davon auf Dresden entfielen (5: 2003, 2004, 2011, 2012 und 2013). Damit hätte man den LeserInnen ein Gefühl für das Risiko geben können, dem sie ausgesetzt sind. Man hätte sich auf das Arznei-Telegramm beziehen können, um die Einschätzung der FSME-Impfung für Kinder zu zitieren:

„28% der Ein- bis Zweijährigen bzw. 7% der Drei- bis Fünfjährigen reagieren auf (Impfstoffname entfernt) mit Fieber von 38-39° Celsius, 3% bzw. 0,6% mit Temperaturen von 39,1-40° Celsius.6 Kopfschmerzen sind sehr häufig. Nervenentzündungen, Enzephalitis u.a. kommen vor. Die Impfung von Kindern gegen FSME erscheint uns hierzulande in der Regel entbehrlich.“

Damit hätte man zumindest die Zielgruppe seines brotgebenden Werbeblattes abgedeckt. Wenn man noch etwas Service für die Großeltern hätte bieten wollen, hätte man, wieder aus dem Arznei-Telegramm, erwähnen können, dass „bei naturnahen Aufenthalten in tatsächlichen Risikogebieten zumindest für Ältere die Nutzen-Schaden-Abwägung eher positiv (erscheint).“

Die Autorin entschied sich jedoch dazu, das Thema Zeckenstiche, deren Vermeidung und Folgen magisch zu behandeln. Ein paar faktische Informationsfeigenblätter eingestreut ergibt das ganze den perfekten Werbetext. Der Informationsgehalt des Textes entspricht seinem Thema, er ist homöopathisch.

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Ich war im Fernsehen – Journalismus hautnah

[Dieser Bericht beruht fast ausschließlich auf meiner Erinnerung, wie sie sich fast drei Monate nach dem Interview darstellt. Mit allen Fallstricken, die dem menschlichen Erinnerungsvermögen so innewohnen*. Das Video findet sich am Ende des Textes]

Das Fernsehen war bei mir, damit ich mich im Rahmen eines Berichtes zum Thema Homöopathie und Ebola äußere. Mittlerweile ist der Bericht veröffentlicht und ich konnte am eigenen Leib erfahren, wie Journalismus funktioniert (oder funktionieren kann). Doch von Anfang an.

Vermittelt durch die GWUP, traten ein Journalist vom MDR und ich in Kontakt. Er hatte einen Bericht geplant, in dem es um die Behandlung von an Ebola erkrankten Patienten durch eine Gruppe von Homöopathen gehen sollte. Der Journalist fand das nicht gut, ich fand das nicht gut. Wir machten einen Termin und ich wurde interviewt. Oder besser, eine gepimpte Version von mir.

Im Vorfeld wurde mir freundlich aber unmissverständlich nahegelegt, ein Sakko zu tragen. Ich trage nie ein Sakko. Außer ich will einen Job oder es nicht zu tun, würde Menschen vor den Kopf stoßen (Hochzeiten, Beerdigungen und so Sachen). In diesem Fall sollte das Sakko, so der Interviewer, dazu dienen, meinem Auftreten  (mehr?) Seriosität zu verleihen. Mein Einwand, dass die Seriosität durch meine Aussagen belegt werden sollte, wurde mit einer postulierten Erwartungshaltung der Zuschauer abgewiesen. So jemand wie ich, Dr. med., Arzt und Experte für Quatschmedizin trägt halt Sakko. Nach dem Motto: ‚Wer ein Sakko trägt, dem wird alles geglaubt‘. Da fühlt sich das Publikum sicher ernst genommen. Das Interview gab ich im Sakko und (!), auch auf expliziten Wunsch, blauem Hemd. Ich war so seriös, ich hätte mir selbst einen Bausparvertrag abgekauft. Und ich will gar keine Bausparvertrag. Die Homöopathin durfte bunte Tücher tragen 🙂 

Die meiste Zeit ging es in dem Interview um Homöopathen, Homöopathie, Infektionskrankheiten und Ebola. Alles Themen zu denen ich mir, im Kontext „Alternativmedizin“, qualifizierte (und seriöse) Aussagen zutraue. Ich habe durchaus ein paar knackige Aussagen zu gemacht, die hübsche Interviewsequenzen ergeben hätten (schreibt der Journalismuslaie). Zum Ende des Interviews wurde mir die Frage nach der Berechtigung der Gemeinnützigkeit des Vereins gestellt (Ich denke, es ging um „Homöopathen ohne Grenzen“, dem Veranstalter der Scherzaktion, Homöopathen nach Liberia zu schicken). Meine Antwort lautete ungefähr, dass Vereinsrecht nicht mein Fachgebiet sei und es Vereine gäbe, bei denen ich eine Gemeinnützigkeit weniger angemessen fände. Ob es nicht problematisch sei, dass Steuergelder dafür verbraucht würden? Auch hier gab ich an, dass das für mich nicht das primäre Problem sei und es relevantere Problemfelder der Steuerverschwendung gäbe. Trotz meiner Stellungnahme wurde ich jedoch einer (journalistischen?) Technik unterzogen, die mich dazu brachte, irgendwann eine Antwort zu geben, die den Herren zufriedenstellte. Mir wurde wiederholt die fast gleiche Frage stellen.

Dass er bereits eine Geschichte im Kopf hatte, die weniger von den wissenschaftlichen und medizinischen Schwierigkeiten rund um Homöopathie handeln sollte, hätte ich zu dem Zeitpunkt bereits ahnen können. Interessant war in der Situation auch, mich selbst zu beobachten. Denn meine letztendliche Antwort war ein Kompromiss zwischen meiner Einstellung  und dem Wunsch, dem Interviewer gegenüber nicht unhöflich zu sein. Im Vorfeld hatte er geschickt (?) eine Beziehung aufgebaut. Diese war zu dem Zeitpunkt stabil genug, damit ich ihm nicht gesagt habe, wenn ihm meine Antwort nicht gefällt, soll er jemanden anderen fragen. Ich habe mich letztlich dazu hinreißen lassen, zu sagen, dass ich eine Gemeinnützigkeit für gerechtfertigt halten würde, wenn der Zweck des Vereins eine medizinhistorische Betrachtung der Homöopathie sei, jedoch nicht, wenn es um die Verbreitung der Homöopathie als medizinische Behandlung gehe. Der allerletzte Teil hat es dann ins Video geschafft. Also die Aussage zu der ich am wenigsten qualifiziert war.

Mir ist klar, dass ein Journalist auch immer eine Geschichte erzählt, frage mich jedoch, ob hier dem Narrativ die Glaubwürdigkeit (vielleicht sogar meine?) geopfert wurde. Hätte man mir im Vorfeld gesagt, dass es um die Frage der Gemeinnützigkeit ginge, hätte ich an jemanden anders verwiesen. Im Bericht werde ich genutzt, etwas zu einem Thema zu sagen, zu dem jeder andere auf der Straße ebenso seriös eine Aussage hätte treffen können. Wahrscheinlich sollte ich deswegen ein Sakko tragen.

Der Bericht

*Irgendwo muss es Filmmaterial geben, das meine Erinnerung validieren oder widerlegen kann
Weiterlesen:

Für eine Hand voll Globuli: Im Rahmen des „Science-Cafe“ zum Thema Homöopathie durfte ich den Honorarkonsul von Liberia kennenlernen. Dieser hatte den homöopathischen Ausflug vermittelt.

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Plötzlich unfreiwillig ungeimpft – Durch Masern zur Vernunft

Eine Mutter von sieben Kindern entschied sich vor einigen Jahren, diese nicht (mehr) zu impfen. Sie hatte Angst, weil sie den falsch verbreiteten Informationen glaubte, Impfungen würden ihren Kindern schaden. Als in den USA in Disneyland Masern ausbrechen, entscheidet sie sich, die Evidenz zum Thema noch einmal zu prüfen. Als auch in ihrem direkten Umfeld Kinder an Masern erkranken, plant sie gemeinsam mit ihrem Kinderarzt, die Impfungen für ihre Kinder nachzuholen. Wenige Tage bevor der Termin stattfinden kann, erkranken ihre Kinder an Keuchhusten. Alle sieben Kinder. Keuchhusten ist eine Erkrankung gegen die man impfen kann. Wer sich einen Eindruck verschaffen will, schaue sich dieses Video an:

Auch Erwachsene können Keuchhusten bekommen und es so an Kinder weitergeben. In den USA werden einige Ausbrüche auf Erwachsene ohne Impfschutz zurückgeführt.

Im Originaltext der Mutter kann man auch sehr schön lesen, dass sie ihre Kinder nun mit derselben Motivation impfen lässt mit der sie sie vorher hat nicht impfen lassen: Der Versuch, sie zu schützen. Klug scheint mir ihr Vorgehen zu sein, konkrete Fragen und Befürchtungen auszuschreiben, die man zum Thema impfen hat und diese zu klären. Und zwar nicht auf zusammenfantasierten Websites von Milchwirten mit Verschwörungsideen. Sondern, beispielsweise auf den Seiten des Robert Koch Instituts. Wer dem RKI nicht vertraut, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen.

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