Archiv der Kategorie: Uncategorized

Nazimilch

Es ist toll, weiß zu sein! Louis CK hat eine Nummer in der erklärt, wie großartig es ist, ein weißer Mann zu sein. Er meint damit, dass man als weißer Mann zu beinahe jedem Zeitpunkt der Geschichte, an beinahe jedem Punkt der Erde zu der Gruppe von Menschen gehört hätte, der es besser ging als dem Rest. Er meint das als Beschreibung der Wirklichkeit, nicht als ihre Rechtfertigung. Es gibt jedoch Menschen, die meinen das genau so. Die sind der Ansicht, ihre spärlich ausgeprägte Pigmentierung sei äußeres Zeichen einer inneren Überlegenheit gegenüber Menschen mit stärker ausgeprägter Pigmentierung. Bar jeder Kenntnis in Biologie sprechen diese Menschen gern von „Rassen“.

Und, so erfuhr ich kürzlich, sie, die weißen Überlegenen, trinken gerne Milch. Denn Milch ist auch weiß! Und weiß sein ist toll.

In New York hatte Shia LaBeouf, ein Schauspieler, eine Kamera eingerichtet, die eigentlich dazu dienen soll, zu zeigen, dass wir alle Schwestern und Brüder sind. Nackte Affen auf einem kleinen blauen Planeten. Der Platz vor der Kamera wurde von „White Supremasists“ dazu genutzt, ihre spärlich pigmentierten (jedoch Stellenweise künstlich nachpigmentierten) Oberkörper zu präsentieren, um ihrer politischen Botschaft Ausdruck zu verleihen: „Wir sind die besten. Und zwar nicht, weil wir irgendwas besser können als weniger Pigmentierte, sondern WEIL wir spärlich pigmentiert sind.“ Und welches Getränk könnte besser dazu dienen, dieses differenzierte Weltbild zu transportieren als Milch.

Die Herren trinken Milch vor der Kamera. Denn, so die Ansicht dieser Herren, die Tatsache, dass sie als Erwachsene ein Enzym besitzen, welches Laktose in Galactose und Glukose spaltet (Lactaste-Persistenz), sei Beleg dafür, dass sie an der Spitze der Evolution stünden. Prost!

In einem Paper aus Nature ist zu erfahren, dass die Fähigkeit Lactase auch als Erwachsener zu bilden (Kinder können es ohnehin) mit der Mutation einer DNA-Base in der Nähe des Gens für Lactase zu tun hat. Dabei wurde die DNA-Base Cytosin durch Thymin ausgetauscht. Es geht also, bei der Überlegenheit der weißen „Rasse“ um ein (EIN!) Molekül. Ein fragiles Konzept, will beherzt verteidigt sein.

Im selben Paper ist auch zu lesen, dass auch Menschen ohne Lactase-Persistenz Milchprodukte zu sich genommen hätten. Sie hätten lediglich dafür sorgen müssen, den Lactoseanteil in der Nahrung zu reduzieren. Dazu wurde Milch unter anderem zu Käse verarbeitet. Käse herzustellen ist gar nicht so einfach, diese Menschen konnten es bereits vor 8000 Jahren. Damit hatten sie diese Fähigkeit vor dem Zeitpunkt als die Lactase-Persistenz erstmals auftrat (ca. 7500 Jahre).

Man könnte also sagen, Menschen mit Lactase-Persistenz müssen sich weniger Gedanken machen wenn sie etwas essen wollen. Und sie sind zu faul, sich leckeren Käse zu machen. Sie trinken die Milch einfach aus dem Kanister.

Und wie das so ist, mit zufälligen Mutationen einzelner DNA-Basen, entstehen diese auch woanders. So zum Beispiel in Westafrika und Südasien. Auch dort gibt es Lactase-Persistenz. Zufällige Mutationen einzelner DNA-Basen entstehen auch bei Menschen mit stärker ausgeprägter Pigmentierung.

Es ist toll, weiß zu sein. Du denkst, du übernimmst die Herrschaft aber die Milch macht’s.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Ideologisch, Kolumne, Uncategorized

Danke Merkel

Mein Weltbild ist wieder intakt. Das ist ein gutes Gefühl! Als Merkel ihren Parteigenossen und dem Rest der Bevölkerung ihr „Wir schaffen das!!!“ entgegenschleuderte sowie im Zuge einiger Äußerungen, die sie danach machte, erwischte ich mich immer wieder dabei, Frau Merkel zuzustimmen. Das ging so weit, dass ich mir in den letzten Wochen hatte vorstellen können, der CDU bei der Bundestagswahl unter bestimmten Umständen meine Stimme zu geben. Das wäre vor allem eine Stimme für Merkel gewesen. Für ihre Geste der Humanität (vielleicht war es auch nur Realpolitik, doch ich will ihr mal das Beste unterstellen), für ihr Einstehen für die Menschenrechte gegen das Parteiestablishment. Sogar dem Herrn de Maizière musste ich in den letzten Monaten dann und wann zustimmen. Ich hatte bereits Angst, zu werden, wie mein Vater!!1!!

Doch jetzt ist alles wieder gut. Die von Angela Merkel geführte Bundesregierung hat Afghanistan zum sicheren Herkunftsland erklärt und damit die Abschiebung von 1000en Menschen afghanischer Herkunft ermöglicht. Das ist eine Doppelstrategie. Nicht nur kann sich Christenunion mit dieser Form der Law-And-Order Politik auf dem Rücken unserer Mitmenschen bei den Anhängern der AfD anbiedern. Sie machen sich mit der Einschätzung Afghanistans als „sicher“ auch fit für das postfaktische Zeitalter. Da hatte die Union noch großen Nachholbedarf. Die SPD verkauft die Hartz-Reformen und die Riester-Rente als sozial gerecht. Die Grünen halten genetisch modifizierte Organismen für gefährlich. Die Linke sagt, sie geht angemessen mit den Querfronttendenzen in den eigenen Reihen um. Die FDP sagt, sie sei liberal.

Vielen Dank Frau Merkel, dass mein Weltbild wieder intakt ist. Irgendwie hält sich meine Freude aber in Grenzen. Ich frage mich, warum.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Fragment, Ideologisch, Uncategorized

Achtsamkeit am Sonntag

[Alternativer Titel: Die sieben Höllen der Achtsamkeit]

Es gibt nur wenige Momente in denen ich nicht mit irgendwas beschäftigt bin. Ich habe einen recht unruhigen Geist und neige dazu, schnell angespannt zu sein. Das nervt mich bisweilen sehr und manchmal spiele ich mit dem Gedanken, ob ich vielleicht eine AD(H)S haben könnte. Das würde mich aber zum einen noch mehr nerven und zum andere habe ich ein ausreichend hohes Funktionsniveau, also verwerfe ich diesen Gedanken wieder und entscheide mich für „Ist halt so“. Es wäre aber schon schön, wenn ich mal (EINMAL!) zur Ruhe kommen könnte: „Ist halt so, muss aber nicht“.

Als Sohn von Hippie-Eltern fand ich buddhistische Mönche (gemeint ist die Idee von buddhistischen Mönchen, die jungen Menschen typischerweise in einem kleinen norddeutschen Dorf vermittelt werden) immer toll. Diese Ruhe, diese Ausgeglichenheit, dieses achtsame Sein. Achtsamkeit! Das ist der Begriff der Zeit. Alle wollen achtsam sein: achtsam essen, sitzen, liegen, schlafen. Achtsam kaufen, investieren, traden. Mindfullness ist ein anderer Begriff für Achtsamkeit. Wir. Alle. Sind. Nicht. Achtsam. N.O.T. M.I.N.D.F.U.L.L.

Das sei, so höre ich immer wieder, eine Krankheit unserer Zeit, auf uns prasselten so viele Informationen ein, da könne ja niemand zur Ruhe kommen. Wir Armen! Wir wünschen uns in eine Zeit zurück, in der wir, frei von Smartphone und Email, durch stille Wälder streichen, auf der Suche nach Nahrung und Unterschlupf. In der wir, auf der Fährte eines Tieres durch die Savanne wandern und nur das rascheln des Grases hören. Lauschen auf jedes Geräusch, entscheiden blitzschnell, ob es eine Bedrohung unserer materiellen Existenz bedeutet oder die nächste Mahlzeit. In letzterem Fall müssen wir blitzschnell dafür sorgen, die Beute nicht zu verscheuchen und die richtige Taktik anwenden, sie zu erlegen, ohne dass sie dabei unsere materielle Existenz bedroht. Wenn wir sie erlegt haben, verspeisen wir sie am Feuer, immer ein Auge und ein Ohr in der Umgebung, um Futterneidern gewahr zu werden, die unsere materielle Existenz bedrohen könnten. Um dann, wenn wir satt sind, in einen unruhigen Schlaf zu fallen. Was wären wir achtsam!

Am heutigen Sonntag, während der körperlichen Ertüchtigung im Freien, schalt ich mich: „Du bist noch immer nicht achtsam! Schäme Dich dieses Mangels!“ Und plötzlich war ich trotz des schönen Wetters und der prächtigen Umgebung angespannt und unzufrieden mit mir. Da war er wieder, der mindfull Stress.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Fragment, Kolumne, Medizin und Wirklichkeit, Uncategorized

Ich im Trumpland

img_6522

Vor 200 Jahren muss die Straße, die ich gerade mit meinem Mietwagen entlangfahre, schwer vorstellbar gewesen sein. Links der Straße fällt die Küste steil ab, geformt von flüssigem Gestein, welches auf dem Weg zum Pazifik erkaltete. Rechts dicht bewachsene Hänge, die ebenso steil in den Himmel ragen. Dazwischen, ein dünner Streifen Zivilisation, die Straße. Auch die Geschwindigkeit mit der ich das Land bereise, dürften auf Menschen, die hier vor 200 Jahren lebten, unrealistisch wirken. Ganz zu schweigen von der unanständigen Menge an Energie, die benötigt wurde, mich hierher zu bringen. Liebe Enkel, die Dörfer auf den Nordseeinseln mögen nur noch bei Ebbe sichtbar sein, aber meine Reise war wirklich ein tolles Erlebnis.

In diesen Wäldern soll Bigfoot wohnen. Doch zur Zeit wohnt hier ein anderes Schreckgespenst. Seine Anhängerschaft ist mindestens so Leidenschaftlich, wie die des mythischen Affenmenschen der pazifischen Regenwälder. Und genauso in der Realität verhaftet. Oregon ist ein „blauer Staat“, relativ fest in der Hand der Demokraten, doch Schilder auf auf dem Land werben ausschließlich für „Trump Pence 2016“. Hillary findet kaum statt, nur in den Städten sind vereinzelt „Stronger Together“ Schilder zu sehen. Die einzige rationale und demokratische Kandidatin in diesem Rennen bekommt weniger Werbung als Bigfoot. Weibliche Ambitionen sind uns immer noch suspekt: „What is she up to?“

img_6616

Lewis und Clark erschlossen vor 200 Jahren den pazifischen Nordwesten der USA und machten damit den Rest des amerikanischen Kontinents der Zivilisation -damals „dem weißen Mann“- zugänglich. Vorher waren einige unzivilisierte Taten notwendig, deren Echo noch widerhallt. Die Eroberung des Kontinents durch den Menschen haben Narben hinterlassen. Sie erzählen, wie überall auf diesem Planeten, die Geschichte unserer Spezies. Den Pfad von Lewis und Clark können wir noch heute nachvollziehen, wenn wir das Quecksilber nachweisen, welches sie als Medikament einnahmen und als Sondermüll ausschieden.

img_7505

Hinter mir liegt meine erste direkte Beobachtung von Grauwalen und ein regnerischer Abend an der unruhigen Pazifikküste. Geschlafen habe ich in einem Motel in der Tsunamizone. Der politische Tsunami der auf die USA in Form der Kandidatur Donald Trumps zurollt, hinterlässt im Alltag bisher wenige sichtbare Spuren, in Oregon. Die Schilder am Rande der Straße wirken wie Menetekel. Kaum vorstellbar, wer die aufgestellt hat. Bisher bringt sich niemand in Sicherheit. Wohin auch? Dies ist „the greatest country on earth.“

Überall in den USA werden Menschen am 8.11.16 nicht nur über ihr nächstes Staatsoberhaupt abstimmen, sondern auch über Gesetze in ihren Bundesstaaten. Was in Amerika „Wahl“ genannt wird, heißt bei uns „direkte Demokratie“, als wäre es etwas Besonderes. Im Vorfeld erhalten die BürgerInnen dafür ein Heft, in dem Gegner und Befürworter ihre Argumente darlegen können. In Wahlkampfzeiten ist spürbar, wie tief die Demokratie in den USA verwurzelt ist. So unperfekt ihre Ergebnisse zuweilen auch sein mögen. So unperfekt wie die Menschen, die sie hervorbringen. Donald Trump ist so ein Ergebnis. So wie das Bild von Hillary Clinton als eine besonders verlogene und korrupte Politikerin: „What is she up to?“

img_7260

Illegaler Import aus Japan. Nicht in Trumps AMERICA!!!

Für die erste Debatte der beiden BewerberInnen bin ich in Deutschland noch am frühen Morgen aufgestanden. Ich sah ein souveräne Kandidatin, die ihren Widersacher dahin lockte, wo sie ihn haben wollte. Eine Woche ging Trump danach mithilfe von Tweets und Interviews auf Alicia Machado los. Die zweite Debatte sah ich bei Burger und Bier in einer Bar mit dunklem Holz und tiefen Decken. Am Tisch neben uns saß ein Musiker, der schon mal in Chemnitz gespielt hatte und nach der Debatte hier das Publikum unterhalten sollte. Auch hier Ratlosigkeit und Fatalismus. In Oregon wohnen auf ⅔ der Fläche von Deutschland knapp 4 Millionen Menschen. Da kann man sich auch 4 Jahre im Wald verstecken. Bigfoot gelingt das seit Jahrzehnten.

img_6584

Einem Tsunami gehen ein oder mehre Erdbeben voraus. Die Erdbebenserie der Stärke „Trump“ auf der nach rechts offenen Faschismusskala entstand aus einer gemeinsamen Anstrengung führender Vertreter der republikanischen Partei. Die hatten vermutlich nicht damit gerechnet, selbst von der Wucht der Welle weggespült zu werden drohen. Im Gegensatz zu den Bürgern, die das mögliche Unheil mit stoischer Ruhe und Sarkasmus erwarten, laufen die Parteioberen Hügel hinauf, halten Ausschau, kommen wieder herunter, versuchen Alltag zu spielen und können sich nicht entscheiden, ob es auf dem Hügel nicht doch besser ist.

Mein Vater hat auf die amerikanische „Kultur“ (seine Anführungszeichen, nicht meine) geschimpft und für meine „Comicsprache“ (meine Anführungszeichen, nicht seine) verantwortlich gemacht. Als ich in der 5. Klasse war, haben 4 Klassenkameraden und ich zu fünft gegen den 1. Irakkrieg demonstriert. Ich bin, aus heutiger Sicht, mit latentem Antiamerikanismus aufgewachsen und so war es beinahe ein Schock, wie deutlich dieses Land aus jeder Pore Demokratie ausdünstet. In Deutschland wird Wahlkampf für die Bürger gemacht. In den USA machen die Bürger Wahlkampf. Bei uns kommt davon nur die Pompöse Getöse der Wahlkampfmaschinerie der Präsidentschaftskandidaten an. Hier stehen in „jedem“ Vorgarten Schilder, mit denen die jeweiligen Menschen ihre Meinung deutlich machen. Nicht nur für Kandidaten (Bürgermeister, Senat, Präsident), sondern auch für Gesetze.

img_0914

Mount St. Helens

Am Morgen des 18.05.1980 rutschte in Washington der Berghang des Mount St. Helens erst ab und explodierte dann. Ich stehe auf einem Hügel, dessen Hänge noch heute kahl sind. Der spärliche Bewuchs duckt sich unter dem kalten, trocken Wind, der hier weht. Der Explosion war eine Serie von Erdbeben vorangegangen. Die Gegend war zur Sicherheit evakuiert worden. Soweit man schauen kann, sind nur die Überreste des Waldes zu sehen, der diese Hügel bis vor fast 40 Jahren bedeckt hatte. In den Wochen vor der Explosion hatte sich reger Tourismus um den Berg gebildet. Wir Menschen haben manchmal Schwierigkeiten, die langfristigen Folgen unserer Handlungen abzusehen. Tragen müssen wir sie trotzdem. Der Hügel auf dem ich stehen, befindet sich in der „Todeszone“. Der Berghang, der ca. 6 Km vor mir abgerutscht war, hatte genug Geschwindigkeit, um meinen sicheren Hügel hochzurutschen. Mount St. Helens ist noch immer nicht zur Ruhe gekommen. Im Krater bildet sich bereits eine neue Bergspitze, die von glühendem Gestein aus dem inneren der Erde gespeist wird.

img_7596

Reste eines umgeknickten Baumes am Mt. St. Helens.

Trump ist überall und reißt sicher Geglaubtes hinweg. Trump fördert Dinge zutage, über die seit Jahren Gras wachsen soll. Wenn es etwas gutes am Tsunami Trump gibt, dann, dass er zeigt, wie weit der Weg zu einer inklusive Gesellschaft noch ist. Wie tief Ressentiments z. T. sitzen. Das hat er mit der AfD gemeinsam. Auch wenn der Tsunami nicht auf die Küste treffen sollte, wird das Erdbeben eine Trümmerlandschaft hinterlassen. Es bleibt zu hoffen, dass „die Amerikaner“ den Neuaufbau klug gestalten. Die Ressourcen dafür sind da. Und mit dem „Big One“ rechnet man seit Jahren. Nach dem 8. November wird die Welt sehen, wie gut die Amerikaner vorbereitet waren.

img_7538

Viele Menschen die ich treffen durfte, wirkten, auf Trump angesprochen, wie in einem Zustand zwischen Schock und Fatalismus. Eine Art demokratischer Fatalismus, mit dem vollen Bewusstsein, dass wenn die Amerikaner Trump wollen, sie Trump bekommen. Im Zuge der Weigerung Frankreichs, dem 2. Irakkrieg zuzustimmen, sollten French Fries, Freedom Fries genannt werden. Als eurozentrischer Pazifist fand ich das damals zum einen anmaßend und zum anderen albern. Heute stimme ich mir von 2003 zu, kann aber mittlerweile nachvollziehen, welche Einstellung dahintersteht. Ich denke, die USA sind „The Greatest Contra On Earth“. Und damit zeigen sie uns, wie weit die Menschheit gekommen ist, und dass unsere Spezies noch einen langen Weg vor sich hat, bis wir stolz auf unsere Zivilisation sein können.

img_7297

2 Kommentare

Eingeordnet unter Fragment, Uncategorized

Verrückte Reichsbürger

Vor einigen Tagen hat ein Mitglied der sogenannten Reichsbürgerbewegung einen Polizisten so schwer verletzt, dass dieser seinen Verletzungen erlag. Zur Konfrontation kam es, weil der „Reichsbürger“ keine Steuern zahlen wollte. Reichsbürger sind nicht neu. Bereits in der Dokumentation „Deckname Dennis“ von 1997 treten Menschen auf, die eigene Dokumente eines Phantasiestaates präsentieren. In letzter Zeit höre ich vermehrt Aussagen, in denen die Gedankenwelt von Menschen aus neurechte Bewegungen mit „Wahnhaft“, „verrückt“ oder auf andere Weise in die Nähe von psychischen Erkrankungen gerückt wird. Das halte ich für nicht nur falsch sondern für gefährlich und verharmlosend (ganz abgesehen davon, dass es zur Stigmatisierung von psychsich erkrankten Menschen beiträgt). Um es vorweg zu sagen: Natürlich kann man eine psychische Erkrankung haben und gleichzeitig der Reichsbürgerbewegung angehören. Das ist aber weder eine notwendige noch eine hinreichende Bedingung.

Um das anschaulich zu machen, schlage ich eine kleine Reise vor, ein Gedankenexperiment sozusagen.
Wir stellen uns vor, wir würden aus unserer Herkunft, unserer Nationalität, unserer Zugehörigkeit zur „deutschen Nation“ einen großen Teil unserer Identität schöpfen. Jeder von uns hat bestimmte Dinge, die sie oder ihn als Person definieren, Dinge, die sich jedeR selbst aussucht (Sportverein, Hobby, Arbeit, Eltern sein, Glaube/Nichtglaube etc.). Für unser Gedankenexperiment nehmen wir „die Nation“ dazu, verweben sie mit den anderen Teilen, die uns ausmachen und messen ihr einen hohen Wert zu. „Die Nation“ ist uns so wichtig, dass wir bereit sind, unser Leben für ihr Wohlergehen zu riskieren. Eltern würden in ein brennendes Haus laufen um die eigenen Kinder zu retten. In unserem Gedankenexperiment ist uns die Nation so wichtig wie ein Kind.

Eines Tages erfahren wir, dass unsere Nation gar nicht existiert. Zumindest nicht in der Form, wie wir immer dachten. Wir lernen Menschen kennen, die uns darüber aufklären, dass Deutschland noch immer besetzt ist. Wir haben viel mit diesen Menschen gemeinsam. Auch sie sind stolz auf „ihre Nation“ und erleben ihr deutschsein als Identitätsstiftend. Wir mögen diese Menschen, wir treffen uns mit ihnen, grillen mit Ihnen, es werden Bekannte und Freunde. Sie gehören mehr und mehr zu unserem sozialen Netzwerk. Sie werden uns immer wichtiger, einige „gehören zur Familie“.

Anfangs sind wir skeptisch, wenn sie uns erzählen, dass Deutschland kein Staat ist, dass das dritte Reich noch besteht und Deutschland von den Alliierten nicht nur besetzt, sondern kontrolliert wird. Unsere Freunde geben uns Bücher und schicken uns Links zu Blogs und Videos. Überall wird erklärt, dass alles, was man so in der Schule lernt, nicht stimmt. Sogar „Völkerrechtler“ erklären, dass es die BRD nicht gibt.

Irgendwann wandelt sich die Skepsis in Überzeugung. Aus der Überzeugung erwächst Wut. Wut darüber, dass „die Politikerkaste“ das „deutsche Volk“ belügt und alles daran setzt die „deutsche Nation“ zu zerstören. Und damit bedrohen diese „Volksverräter“ nicht ein abstraktes Konstrukt, sondern einen Kern unserer Identität sowie der Identität unserer Freunde. Natürlich sind wir nicht für Gewalt. Wir wollen uns aber wehren, wir müssen uns wehren, gegen die Bedrohung, die von der BRD und ihren Organen ausgeht. Also bereiten wir uns vor und kaufen Waffen, um uns zu verteidigen.

Eines Abends erzählt einer unserer Freunde, er haben aufgehört Steuern zu zahlen, weil er mit seinen Steuern nicht mehr diesen Unrechtsstaat, der ja kein Staat ist, unterstützen wolle. Dieser Freund hat zwar jetzt ziemlich viel Papierkram am Hals aber er scheint damit durchzukommen. Und er zeigt diesem Staat, dass er sich nicht alles bieten lässt. Er erzählt von den Briefwechseln, in denen er die Legitimität der Beamten anzweifelt und freut sich über ihre Hilflosigkeit.

Es entsteht ein Gefühl von Gemeinschaft. Der Kampf für eine gemeinsame Sache schweißt zusammen. Das Gefühl von Wut, gemischt mit Hilflosigkeit gegenüber dieser BRD und der „blinden Gesellschaft“ verwandelt sich in Zorn und Handlungsdrang. Am nächsten Tag hören auch wir auf, Steuern zu zahlen.

Eines Tages, nach Monaten, wenn nicht Jahren von Schriftwechseln, Gerichtsterminen und heftigen persönlichen Auseinandersetzungen, steht ein Gerichtsvollzieher gemeinsam mit dem SEK vor der Tür. Wir wussten dass es so kommen würde und haben uns vorgenommen, uns nicht mehr verarschen zu lassen. Wir werden diese unsere Nation verteidigen. Natürlich haben wir Angst! Maskierte, schwer bewaffnete Schergen einer fremden Macht wollen uns unser Eigentum wegnehmen. Sie berauben das „deutsche Volk“! Wir sind das Volk! Wir lassen uns nicht berauben! In diesem Kampf geht es um etwas Größeres als uns, unser Eigentum oder unser Leben. Es geht um die Zukunft unserer Freunde, unserer Famielie, unserer Nation! Wir haben kaum etwas zu verlieren aber viel zu gewinnen.

Wir zielen und drücken ab. Für Volk und Vaterland. Aus freien Stücken.

Damit endet unser Gedankenexperiment. Schauen wir uns an, was passiert ist. Alle Entscheidungen, die „wir“ auf diesem Weg getroffen haben, haben wir freiwillig getroffen. Alle Entscheidungen haben wir Aufgrund der Wirklichkeit getroffen, die uns umgibt. Unsere Freunde, die Bücher die sie uns empfehlen, die Blogs die wir lesen. Experten! Wir finden an jeder Ecke Belege dafür, dass unsere Meinung korrekt ist. Alles was unserer Meinung nicht entspricht, nehmen wir nicht ernst, entwerten es als Teil der Verschwörung eines übermächtigen Gegners. Jeder Schritt, den wir gegangen sind, baut logisch auf dem Vorherigen auf. Wir sind immer „Herr unserer Sinne“. Wir haben jederzeit die Kontrolle über unsere Gedanken und Gefühle und unsere Taten (Kontrolle meint hier das „normale“ Maß an Kontrolle, welches psychisch gesunde Menschen haben). An keine Stelle war ein Wahn notwendig, um unsere Handlungen zu lenken.

Hätten wir einen Wahn, könnten wir alle diese Dinge zwar ebenfalls denken, doch sie hätten sich uns aufgedrängt, unabhängig davon, was in unserer Umgebung vorgeht. Und wenn es sich um eine psychische Erkrankung handeln würde, wären wahrscheinlich noch andere Symptome vorhanden. Wir würden hören, was Angela Merkel denkt. Wir hätten Angst, Beamte hätten uns Gedanken eingepflanzt und könnten uns beeinflussen. Wir würden mehr und mehr Schwierigkeiten bekommen, unseren Alltag zu bewältigen. Normale Gespräche wären unter Umständen schwierig zu führen. Einen Wahn kann man nur schwer verstecken. Der Mensch aus unserem Gedankenexperiment kann sich jederzeit entscheiden, nicht über sein Reichsbürgertum zu sprechen, wenn der Kontext es verlangt. Einem Menschen mit einer psychischen Erkrankung würde das sehr schwer fallen.

Ich kann und will nicht sage, ob die Person, die den Polizisten erschossen hat, psychisch erkrankt war oder nicht. Das ist auch nicht wichtig. Wichtig ist, dass Menschen, gesunde Menschen, sehr verrückt erscheinende Dinge glauben können, ohne „verrückt“ zu sein. Es ist sogar möglich, dass Menschen gesünder bleiben, WEIL sie an verrückt erscheinende Dinge glauben. Und wir alle müssen aufhören, zu implizieren, dass Menschen verrückt sind, weil sie uns unverständliche Dinge tun. Gerade wenn es sich um Feinde der Demokratie handelt.

Wären alle „Reichsbürger“ verrückt, wäre diese Bewegung kein Problem! Sie sind aber alle bei Sinnen. Sie wissen genau, was sie tun, sie haben sich dazu ENTSCHIEDEN, unsere Gesellschaft zu bekämpfen. Und darum müssen wir uns wehren. Gegen Menschen mit psychischen Erkrankungen müssen wir uns nicht wehren. Menschen mit psychischen Erkrankungen haben ein Anrecht auf eine Behandlung. Zumindest solange, bis die Reichsbürger den Laden übernehmen.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized

BH Verbot – Was nach der Burka kommt

[In diesem Text geht es nicht um die politische Bedeutung der Vollverschleierung. Es geht nicht um ihren symbolischen und tatsächlichen Stellenwert in Bezug auf die Gleichstelltung der Rechte von Frauen. Es geht um Menschen und deren Bedürfnisse.]

Prolog:
Vor 20 Jahren ging ich durch die Fußgängerzone einer norddeutschen Kleinstadt. Als mir ein paar junge Männer entgegenkamen und abwertende sowie drohende Gesten in meine Richtung machten, versuchte ich, meine Verunsicherung hinter ein paar Scherzen zu verbergen und mutiger zu wirken, als ich mich fühlte. Ein paar Monate spater versuchte ich in einer Diskothek in einer Kleinstadt in Westfalen zu tanzen, während mich der düstere Blick eines Hünen fixierte, der wohl nur deshalb keine Auseinandersetzung suchte, weil ich kein Gegner für ihn gewesen wäre. Auf der Abschlussfeier meiner Schullaufbahn spürte ich den Frust meines Vaters, der sich von seinem Sohne etwas anderes gewünscht hätte. Mich unterschied von meinen Geschlechtsgenossen,dass ich keine Hose trug. Ich trug einen Rock. Keinen „Schottenrock“ oder ein langes Lederteil auf einer Szeneparty, sondern ein modisches Kleidungsstück (oder was ich dafür hielt), wie es auch einen weiblichen Unterleib verhüllen könnte.

Heute
Im Sommer 2016 wird in Deutschland darüber debattiert, ein Kleidungsstück zu illegalisieren. Denn, so heißt es, dieses Kleidungsstück gefährde unsere freie, offene Gesellschaft. Es stehe nicht für die Werte unserer Gesellschaft. Menschen aus ideologischen oder kulturellen Gründen dazu zu zwingen, sich einem bestimmten Kleidungskodex zu unterwerfen, ist nicht, was wir uns in Deutschland wünschen. Natürlich wird nicht in solch abstrakter Form diskutiert, sonder man diskutiert über die Burka. Oder das, was wir dafür halten.

Einige JournalistInnen haben Menschen interviewt, die Kleidungsstücke tragen, welche die Kriterien von Vollverschleierung erfüllen. Einige dieser Menschen haben angegeben, es würde ihnen Sicherheit geben, sich nicht allen Blicken aussetzen zu müssen. Es dauerte nicht lange, bis hämische Kommentare abgesetzt wurden. Von „ausgedacht“ bis „die wissen es halt nicht besser“ war alles dabei. Es scheint für einige Menschen schwer vorstellbar zu sein, dass ein Kleidungsstück Sicherheit geben kann.
Das Gefühl von Sicherheit ist eines der Grundbedürfnisse von Menschen. Dabei können der subjektive Eindruck von Sicherheit und die tatsächliche Sicherheit durchaus im Missverhältnis stehen. So ist Autofahren deutlich weniger sicher als fliegen, doch deutlich mehr Menschen haben Angst davor zu fliegen, als Angst davor Auto zu fahren. Wenn Menschen Auto fahren, haben sie die Illusion von Kontrolle und fühlen sich sicher.

Wie dieses Grundbedürfnis befriedigt wird, ist individuell sowiedurch unsere Kultur geprägt. So ist es möglich, dass ein Kleidungsstück, welches mit einer unemanzipatorischen Intention eingeführt wurde, einem Menschen das Gefühl von Sicherheit gibt. ‚Die Burka‘ kann ein menschliches Grundbedürfnis erfüllen. Wenn wir als Gesellschaft dieses Kleidungsstück verbieten, bleibt das Bedürfnis nach Sicherheit trotzdem bestehen. Wenn wir als Gesellschaft die Bedürfnisse von Menschen ignorieren werden wir als Bedrohung wahrgenommen. Dabei sind unsere Intentionen (aufklärerisch oder rassistisch) egal. Zumindest aus Sicht der Menschen, denen wir das Gefühl von Sicherheit nehmen

Es gibt Menschen, die eigene Gewohnheiten so wenig hinterfragen, dass sie gar nicht auf die Idee kommen, diese könnten ebenfalls nicht in den kühlen Höhlen der Ratio entstanden sein. Schauen wir uns mal so ein Kleidungsstück an, welches ein Gefühl von Sicherheit geben kann.

Der Büstenhalter oder BH erfüllt, schenkt man Studien glauben, seinen Zweck nicht. Anstatt dafür zu sorgen, die Brüste von Frauen für Männer möglichst ansehnlich und die Folgen von Schwangerschaft und Schwerkraft klein zu halten, scheint er das Gegenteil zu bewirken. Trotzdem entscheiden die meisten Frauen sich dafür, dieses Kleidungsstück zu tragen. Die Motivation mag unterschiedlich sein. Eine Motivation dürfte sein, dass viele Frauen sich wohler fühlen, wenn sie einen BH tragen. Auch wenn sie darüber schimpfen, dass diese unbequem, warm und teuer sind.

In unserer Kultur ‚gehört es sich‘ heute einfach für Frauen, einen BH zu tragen. Entscheiden Frauen sich dagegen, wird das bemerkt. Man(n) spricht darüber oder – wenn ich an meine Schulzeit denke – macht sich darüber lustig. Frauen, die sich entscheiden, keinen BH zu tragen, zahlen einen Preis. Der mag, so weit sind wir als Gesellschaft immerhin, gering sein, doch er ist vorhanden.

Ein Kleidungsstück, welches seinen Sinn nicht erfüllt, wird aufgrund kultureller Normen getragen. Bei den aktuellen Temperaturen gilt das für so ziemlich jedes Kleidungsstück. Wieso trägt noch jemand Kleidung, bei Temperaturen jenseits der 30°C? Weil wir uns als Gesellschaft darauf geeinigt haben. Wir sind kulturell so geprägt, dass wir uns unwohl fühlen, wenn wir nackt durch die Straßen laufen, egal wie schön das wäre. Ich weiß nicht, ob es Gesetze gibt, die das verbieten, ich bin aber sicher, dass sie für die meisten Menschen nicht nötig wären.

Wenn es jedoch um die Verschleierung des Gesichtes geht, gestehen wir Menschen nicht zu, dass sie kulturell so geprägt sind, sich mit mehr oder weniger ausgeprägter Verschleierung wohler fühlen. In den letzten zwei Jahren scheint mir der Kampf für eine humanistische Gesellschaft dadurch geprägt zu sein, dass ich für die Rechte der Menschen eintreten muss, die Ideen anhängen, die, konsequent zuende gedacht, nicht mit einer humanistischen Gesellschaft vereinbar wären. Dabei muss ich mich gegen Menschen stellen, die angeben, für diese humanistische Gesellschaft einzutreten. In ihrem Eifer vergessen sie dabei immer öfter, was eine humanistische Gesellschaft so lebenswert macht: die Menschen darin und deren unterschiedliche Sicht auf die Welt.

Epilog

Mein Vater hatte sich bereits seit den 80er Jahren mit dem Klimawandel und dem Ozonloch beschäftigt. Im Fernsehen wurde über die Zuhnahme von Hautkrebs in Australien berichtet. Neben dem Ozonloch, so die Hypothese meines Vaters, gebe es einen weiteren Grund für den Anstieg. Ein Rückgang der prüden Kleidungsvorschriften die in britisch geprägten Gesellschaften lange vorherrschten. Es ist noch nicht so lange her, dass es in ‚unserem‘ Kulturkreis angemessen war sich bedeckt zu halten. Und nicht jeder fühlt sich heute wohl, sich ausführlich zu zeigen.

Ich hatte befürchtet, im Falle eines Verbotes aus Protest selbst einen Burkini tragen zu müssen. Doch meine wunderbare Familie war mir einen Schritt vorraus. Einige Mitglieder erkannten im Burkini eine Möglichkeit sich an öffentlichen Badeplätzen aufzuhalten, ohne den eigenen Körper öffentlich zur Schau zu stellen. In meiner Familie trägt man Burkini und das macht mich stolz.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Atheismus, Ideologisch, Kontrovers, Uncategorized

Ich bin kein Nazi

Wenn Du Dinge sagst, die Nazis sagen,

Wenn Du applaudierst, wenn Nazis applaudieren,

Wenn Du hingehst, wo Nazis hingehen,

Wenn Du Zeichen trägst, die Nazis tragen,

Wenn Du Werte vertrittst für die Nazis treten,

Und Dich nicht für einen Nazi hältst, 

Kann ich Dich beruhigen.

Denn dann gibt es keine Nazis.

Dann hat Nazis nie gegeben.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized

Die ‚Besorgten‘ wollen’s wissen

Nun legen sie es darauf an. Die Teilnehmerzahlen stagnieren und so langsam wird es, ‚Hymne‘ hin oder her, allmontäglichen etwas zäh auf dem Theaterplatz: Plärren, Fähnchen schwenken, schimpfen, nach Hause fahren. Darum besinnen sich die MacherInnen der neofaschistischen PEGIDABewegung auf das, was sie können und begeben sich auf den Weg in die Opferrolle. Das will gut vorbereitet sein. Erst der „vernünftige“ Verzicht auf den Theaterplatz. Dann die Anmeldung in der Neustadt, die, erwartbar, Widerstand hervorruft und nun das herbeireden „linker Gewalt“, damit man hinterher sagen kann: Wir haben es ja schon immer gesagt, alle wollen uns unterdrücken.

Nach den Erfahrungen der vergangenen und aktuellen PEGIDA-Saison wird sowohl das Verhalten der Stadt als auch der Polizei der „Bewegung“ in die Hände spielen. Die völkischen Freunde der verschiedenen Ebenen reichen sich die Hände und inszenieren gemeinsam ein vorhersehbares Schauspiel. Die  Stadt genehmigt den PEGIDA-Aufmarsch auf dem Schlesischen Platz. Die Polizei wird Protest in Hör- und Sichtweite mit massivem Aufgebot verhindern und so für Frust bei den GegendemonstrantInnen sorgen. Dann fehlt nur ein kleiner Funke zur Eskalation und der wird sich finden lassen.

Hinterher können sich die PEGIDA-Anhänger und die Dresdner Bürgerschaft über die „Linken Chaoten“ die „auch nicht besser sind als die Rechten“ aufregen und sich weiterhin vom Protest gegen PEGIDA fernhalten. Die Empörten aus dem gesamten Bundesgebiet werden sich den „linksgrünen Terror“ nicht gefallen lassen und wieder vermehrt nach Dresden reisen. Die Zahlen bei PEGIDA werden wieder steigen und Bachmann & Co freuen sich.

PEGIDA führt die Stadt am Nasenring durch die Manege und die zuckt dabei mit den Schultern. Das sind sächsische Verhältnisse.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Fragment, Ideologisch, MEINung, Uncategorized

Die 'Besorgten' wollen's wissen

Nun legen sie es darauf an. Die Teilnehmerzahlen stagnieren und so langsam wird es, ‚Hymne‘ hin oder her, allmontäglichen etwas zäh auf dem Theaterplatz: Plärren, Fähnchen schwenken, schimpfen, nach Hause fahren. Darum besinnen sich die MacherInnen der neofaschistischen PEGIDABewegung auf das, was sie können und begeben sich auf den Weg in die Opferrolle. Das will gut vorbereitet sein. Erst der „vernünftige“ Verzicht auf den Theaterplatz. Dann die Anmeldung in der Neustadt, die, erwartbar, Widerstand hervorruft und nun das herbeireden „linker Gewalt“, damit man hinterher sagen kann: Wir haben es ja schon immer gesagt, alle wollen uns unterdrücken.

Nach den Erfahrungen der vergangenen und aktuellen PEGIDA-Saison wird sowohl das Verhalten der Stadt als auch der Polizei der „Bewegung“ in die Hände spielen. Die völkischen Freunde der verschiedenen Ebenen reichen sich die Hände und inszenieren gemeinsam ein vorhersehbares Schauspiel. Die  Stadt genehmigt den PEGIDA-Aufmarsch auf dem Schlesischen Platz. Die Polizei wird Protest in Hör- und Sichtweite mit massivem Aufgebot verhindern und so für Frust bei den GegendemonstrantInnen sorgen. Dann fehlt nur ein kleiner Funke zur Eskalation und der wird sich finden lassen.

Hinterher können sich die PEGIDA-Anhänger und die Dresdner Bürgerschaft über die „Linken Chaoten“ die „auch nicht besser sind als die Rechten“ aufregen und sich weiterhin vom Protest gegen PEGIDA fernhalten. Die Empörten aus dem gesamten Bundesgebiet werden sich den „linksgrünen Terror“ nicht gefallen lassen und wieder vermehrt nach Dresden reisen. Die Zahlen bei PEGIDA werden wieder steigen und Bachmann & Co freuen sich.

PEGIDA führt die Stadt am Nasenring durch die Manege und die zuckt dabei mit den Schultern. Das sind sächsische Verhältnisse.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Fragment, Ideologisch, MEINung, Uncategorized

Vitamine – Missverstandener Nutzen

[Dieser Text ist ursprünglich in der Zeitschrift “Der Skeptiker” in der Ausgabe 1/2014 erschienen.]

Einleitung
Entdeckung
Ein Markt wird geschaffen
Vitamine Heute
Linus Pauling: Nobelpreisträger und Vitaminguru
Pauling und „The Nobel Disease“
Vitamine als Krankmacher
Reglementierung unerwünscht
Mythos vom Heilsbringer


Zusatzinformationen


Literatur und Quellen


Einleitung

Der erste und einzige Mensch, der je den Stein der Weisen und damit eine notwendige Zutat zum Elixir für die Unsterblichkeit herstellen konnte, heißt Nicolas Flamel. Flamel war ein berühmter Alchemist und Freund von Albus Dumbledore, dem Schulleiter von Hogwarts. So steht es auf den Schoko-Frosch-Karten in J. K. Rowlings „Harry Potter und der Stein der Weisen“. Doch Flamel legt, mehr als 400 Jahre alt, keinen Wert mehr auf ewiges Leben und zerstört den Stein. Vielleicht hatte er mittlerweile entdeckt, wie Vitamine unser Leben verlängern können.

Stelle ich mir eine Zitrone vor, muss ich, wie ein konditionierter Hund, der beim Ertönen der Glocke speichelt, an Vitamin C denken. Gewiss geht es nicht nur mir so. Das liegt vielleicht daran, dass Zitrusfrüchte eine so zentrale Rolle in der Entdeckung der Vitamine spielten, dieser ominösen „Vitalstoffe“, die wir in minimalen Dosen benötigen und die unser Körper nicht selbst bilden kann.
–> Einleitung

Entdeckung
Es war der Versuch, Skorbut zu heilen, der den Menschen auf die Spur der Vitamine brachte. Skorbut ist eine Mangelerkrankung mit äußerst unangenehmen Konsequenzen, die in den Anfangsjahren der Seefahrt ganze Schiffsmannschaften dahinraffte. Vitamin C wird unter anderem benötigt, um Kollagen herzustellen. Kollagen ist wichtig für ein stabiles Bindegewebe, welches unterschiedliche Körpergewebe „zusammenhält“. Ein Symptom von Skorbut ist daher das Herausfallen von Zähnen, weil diese nicht mehr im Kiefer gehalten werden können (soviel zum Thema „Bindegewebsschwäche“). Vitamin C spielt jedoch auch eine Rolle bei der Herstellung von Adrenalin, steigert die Aufnahme von Eisen und wird für bestimmte Vorgänge im Immunsystem benötigt. Um dem Geheimnis des Skorbuts auf die Spur zu kommen, unternahm James Lind 1754 einen der ersten klinischen Versuche mit einer Kontrollgruppe, über dessen ethische Implikationen hier geschwiegen werden soll, und konnte zeigen, dass die Krankheit Skorbut durch Zitrusfrüchte sowohl verhindert als auch geheilt werden kann. Diese Erkenntnis war so wichtig, dass Vitamin C nach der erstmaligen Synthetisierung Anfang des 19. Jahrhunderts den Namen Ascorbinsäure erhielt (i. w. S.: „Säure, die Skorbut verhindert“).
Skorbut blieb nicht die einzige Erkrankung, die auf einen Mangel an Vitaminen zurückgeführt werden konnte.

Rachitis ist heute eine Rarität. Bei der Rachitis handelt sich um eine fehlerhafte Knochenbildung, die in der Vergangenheit teilweise grotesk verformte Skelette hervorrief. Ursache ist ein Mangel an Vitamin D. Dabei trifft auf Vitamin D die Definition Vitamin eigentlich nicht zu, weil Menschen es unter Einfluss von Sonnenlicht selbst bilden können. Vitamin D ist eher ein Hormon, soll aber hier so behandelt werden wie in der Drogerie, als Vitamin. In nördlichen Breiten litten früher vor allem Kinder unter Vitamin-D-Mangel, was heute mit Substitution („Vitamin-D-Prophylaxe“) ab Geburt verhindert wird. Im Grunde bekommen heute alle Säuglinge im ersten Lebensjahr die kleinen Tabletten, in denen häufig auch noch etwas Fluorid enthalten ist. Es wird die erfahrenen Skeptiker nicht wundern, dass es um die Substitution von Vitamin D diverse Verschwörungstheorien gibt. Unter anderem, dass sie gerade nicht vorteilhaft für Knochen und Zähne sei, sondern im Gegenteil beides schwäche.

Beriberi ist eine weitere Vitaminmangelerkrankung, hervorgerufen durch das Fehlen von Vitamin B1 (Thiamin). Auch diese Erkrankung ist in unseren Breiten zu einer Rarität geworden, in anderen Weltgegenden jedoch noch ein Problem. Betroffen sind vor allem Menschen, die sich vorwiegend von geschältem Reis ernähren, und damit ein nicht unwesentlicher Teil der Weltbevölkerung. Um diesen Mangel zu verhindern, wurde genetisch modifizierter Reis entwickelt, der Vitamin B1 nicht nur in der Schale enthält, sondern im gesamten Korn („Goldener Reis“, siehe auch Skeptiker 1/2010, S. 13-21). Leider wird die Einführung dieser Reissorte von diversen Lobbyverbänden hart bekämpft.
–> Einleitung

Ein Markt wird geschaffen
In einer Zeit, als Nahrungsmittel nicht so sicher, dauerhaft und vielfältig verfügbar waren wie heute, haben die Entdeckung von Vitaminen und ihre Substitution sicher zu einigen beeindruckenden Heilungen geführt. Durch bessere Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln wurde Mangelversorgung, abgesehen von bis heute bestehende Ausnahmen (Vitamin D bei Säuglingen, Folsäure bei Schwangeren), jedoch selten.

Für eine Industrie, die es schaffte, mehr und mehr der entdeckten Vitamine zu synthetisieren, wurde die gute Versorgung der Bevölkerung mit Vitaminen zu einem Problem: Es gab ein Produkt und keinen Markt dafür. Gelegen kam da die Herrschaft des Nationalsozialismus. Der ideologisch durch den Wunsch nach Übermenschen motivierte Optimierungswahn und die nicht unbegründete Furcht um die Versorgungssicherheit im Kriegsfalle, sowohl an der Front als auch in der Heimat, führten zu massiver Forschung an Vitaminen und deren Bedarf. Die Lobbyarbeit von Roche (Grill 2012) und die Idee, dass mehr und viel mehr von der kleinen Menge etwas Gutem nutzen müsse, führten zur Verteilung von Vitaminen an Wehrmachtssoldaten. Die Vitamingläubigkeit der Nazis soll so weit gegangen sein, dass die Engländer sie für eine Kriegslist genutzt haben sollen. Die Treffsicherheit der englischen Flugabwehr bescherte der deutschen Luftwaffe Verluste, ohne dass die deutsche Militärführung den wahren Grund kannte. Englische Soldaten, die Flugabwehrgeschütze bedienten, so hieß es, würden große Mengen Möhren verspeisen. Das darin enthaltene Vitamin A sei gut für die Augen und sorge so für die gute Sicht der Soldaten. Mit dieser gestreuten Lüge sollen die Engländer versucht haben, davon abzulenken, dass sie über Radartechnologie verfügten, welche einen entscheidenden Vorteil gegenüber der deutschen Luftwaffe bot. Deren Flugscheiben und Tarntechnologie waren, wie wir heute wissen, damals noch nicht im Einsatz. Die Lüge vom „Augenvitamin“ fiel in Deutschland auf so fruchtbaren Boden, dass sie bis zum heutigen Tage zum Standardrepertoire vieler Eltern gehört, um den Nachwuchs zum Verspeisen von Möhren zu motivieren.

Nicht nur die Führung der Nationalsozialisten war fasziniert vom Versprechen einer Leistungssteigerung durch Vitaminsubstitution. Denn man muss keinen Angriffskrieg im Hinterkopf haben, um den Verlockungen dieser „Vitalstoffe“ zu erliegen. Vitamine sollen auch das Erreichen friedlicher Ziele erleichtern. Das Leistungsvermögen möglichst schnell, möglichst einfach und möglichst deutlich zu steigern, gehört zur Grundmotivation vieler Menschen, die Sport betreiben und an Wettkämpfen teilnehmen. Sieht man einmal von den Zaubermitteln aus den Apothekerschränken der Schattenmänner des Leistungssports ab, bleiben abgesehen von schweißtreibendem und anstrengendem Training nicht viele Möglichkeiten zur Optimierung übrig. Eine Gruppe von Substanzen, die laut Marketing der Hersteller mehr Leistung versprechen, sind jedoch die Vitamine. Mit Anfang 20 habe ich große Mengen Vitamin E Kapseln geschluckt, weil mein damaliger Trainer mir mitgeteilt hatte, dass aktive Sportler häufig unter einem Vitamin-E-Mangel litten. Außerdem sei Vitamin E ein Antioxidans und fange freie Radikale. Also rein damit. Ich nahm Vitamin E in Kapsel- und Tablettenform und erwartete gespannt meine Leistungssteigerung. Die blieb aus, es geschah eher das Gegenteil. Korrelation mit Kausalität gleichsetzend, beendete ich meinen Versuch mit N=1 und kehrte zu einer Ernährung nur mit Wasser und Brot zurück. Meine größte Quelle synthetisierter Vitamine stellt heute Ascorbinsäure dar, die gern als Konservierungsmittel in Fertiggerichten genutzt wird.
–> Einleitung

Vitamine Heute
Vitamin E war mein letzter Versuch beim Sport zu mogeln und ich kann sagen: Es macht das Leben leichter, wenn man nicht immer an die Einnahme kleiner Pillen denken muss. Vielen Menschen scheint es anders zu gehen, denn Vitamine boomen. Kaum ein synthetisch hergestellter Stoff hat ein so gutes Image wie Vitamine. Egal, um welche Art von Produkt es sich handelt, mit dem Zusatz von Vitaminen scheinen Hersteller es besser machen zu wollen, gesünder. Man kann sich fragen, warum die Angst vor Mangel in einem Land des Überflusses so groß zu sein scheint.

Genährt wird sie von einer Lobby, die am Verkauf von möglichst vielen Vitaminen interessiert ist. Da die wirklichen Vitaminmangelerkrankungen (Hypovitaminosen) eine Rarität sind, wurden die Vitaminunterversorgung, also die Unterschreitung eines Grenzwertes im Blut „entdeckt“. Damit kann man so gut wie jeden Menschen zu einem Bedürftigen erklären, auch wenn er keine klinischen Symptome zeigt und niemals zeigen würde.
–> Einleitung

Linus Pauling: Nobelpreisträger und Vitaminguru
Wie so oft, ist es jedoch zu einfach, einer Lobby allein die Verantwortung für den Vitaminwahn zu geben. Das Fundament der heutigen Situation legte ein genialer Wissenschaftler, dessen Lebensweg jedem Anhänger des kritischen Denkens Leitbild und Warnung zugleich sein kann: Linus Pauling.

Linus Pauling wurde 1901 in den USA geboren. 1931 veröffentlichte er eine Arbeit im Journal of the American Chemical Society mit dem Titel „The Nature of the Chemical Bond“, in dem es ihm gelang, die Quantenmechanik in die Chemie einzuführen (Offit 2012). 1932 formulierte er das Konzept der Elektronegativität. Für seine Arbeiten zu chemischen Bindungen erhielt er 1954 den Nobelpreis für Chemie.

Pauling konnte zeigen, dass Hämoglobin seine Struktur verändert, je nachdem ob Sauerstoff daran gebunden ist, oder nicht – etwas, das heute bereits Medizinstudentinnen und -studenten lernen. Im Zuge seiner Arbeit an Hämoglobin entwickelte er das Konzept der Sekundärstruktur von Aminosäuren. Aminosäuren bilden in bestimmten Kombinationen, bestimmte sich wiederholende Strukturen (Alpha-Helix, Beta-Faltblatt). Diese falten sich auf eine charakteristische, regelmäßige Weise und bilden so Proteine. Pauling entdeckte, dass bei der Sichelzellanämie, einer Erkrankung der roten Blutkörperchen, im Hämoglobinmolekül nur eine einzige Aminosäure verändert ist. Wahrscheinlich war er auch der Struktur der DNA-Doppelhelix auf der Spur und hätte sie entschlüsselt, wenn nicht Rosalind Franklin, James Watson und Francis Crick ihm zuvorgekommen wären.

1958 übergab Pauling der US-Regierung eine Petition mit der Unterschrift von 11 000 Wissenschaftlern, in der die Beendigung von Atomwaffentests gefordert wurde. Der daraus resultierende gesellschaftliche Druck führte zu einem Moratorium für Atomwaffentests. Für sein Engagement wurde Pauling der Friedensnobelpreis verliehen.
–> Einleitung

Pauling und „The Nobel Disease
Im Altern von 65 Jahren widmete sich Pauling jedoch dem Thema, für das er heute vor allem bekannt ist: Vitamin C. Seine Thesen gelten als Grundlage der orthomolekularen Medizin. Anhänger dieser „alternativmedizinischen“ Methode vertreten die Ansicht, so ziemlich jede Erkrankung ließe sich mithilfe hoch dosierter Vitamine und Mineralien verhindern und heilen. Belege zu den Thesen fehlen – was die glühenden Anhänger und Anwender nicht abschreckt.

Pauling äußerte auf einem Kongress im Vorfeld seiner Beschäftigung mit Vitamin C den Wunsch, noch weitere 25 Jahre zu leben, damit er noch viele wissenschaftliche Durchbrüche erleben könne. Irwin Stone, ein Biochemiker, schrieb ihm daraufhin einen Brief in dem er ihm riet, 3000mg Vitamin C täglich einzunehmen. Dann würde er wahrscheinlich noch deutlich länger leben als 25 Jahre. Pauling folgte dem Rat Stones und beobachtete, dass er nicht mehr so oft von Erkältungen geplagt wurde wie früher. Kausalität annehmend, veröffentlichte er ein Buch mit dem Titel „Vitamin C and the Common Cold“. Darin empfahl er, jeder Mensch solle 3000mg Vitamin C täglich einnehmen, denn so wäre es langfristig möglich, Schnupfen („common cold“) aus der Welt zu schaffen. Das Buch und seine Erweiterung „Vitamin C, the Common Cold and the Flu“ waren Bestseller und die Nachfrage nach Vitamin C war so groß, dass die Anbieter Probleme hatte, den Bedarf zu decken. Hersteller sprachen vom „Pauling-Effekt“. Doch anstatt einen Versuch mit N=1, zu starten hätte Pauling auch einfach in der Bibliothek recherchieren können, ob es schon Wissen zum Effekt von Vitamin C auf Erkältungen gab. Dann wäre er auf eine kontrollierte Studie von 1942 gestoßen, in der bereits gezeigt werden konnte, dass Vitamin C keinen Einfluss auf den Verlauf einer Erkältung hat (Cowan et al. 1942). Aber auch andere Studien, die seine Ansichten zu seinen Lebzeiten widerlegten, interessierten ihn nicht, die Cochrane Collaboration sieht auch heute keine Belege für die Wirksamkeit von Vitamin C bei Schnupfen (Hemilä et al. 2010).

Eine Substanz, die bei Schnupfen Wunder wirken soll, kann man Menschen mit Krebs natürlich nicht vorenthalten. Zumindest war Pauling dieser Meinung, nachdem er einen Brief bekommen hatte, in dem ein Chirurg aus Glasgow von wahren Wundern bei seinen mit Vitamin C behandelten Krebspatienten berichtete. Pauling veröffentlichte die Daten in einem Journal. Bei näherem Hinsehen stellte sich heraus, dass die Patienten, die zusätzlich Vitamin C bekommen hatten, schon zu Beginn der Therapie gesünder gewesen waren als die Vergleichsgruppe. Pauling blieb jedoch bei der Ansicht, allein mithilfe von Vitamin C würde die Lebenserwartung auf 110 bis 125 Jahre steigen. Das änderte sich auch nicht, als klar wurde, dass seine Behauptungen sich in klinischen Studien nicht belegen ließen. Paulings Vitaminthesen wurden von Wissenschaftlern kaum noch ernst genommen.

In den Medien fanden seine Thesen jedoch umso mehr Resonanz. 1992 wurden in einem Artikel in Time Paulings Thesen unkritisch wiedergegeben. Der hatte mittlerweile sein Arsenal um Vitamin A, E, Selen und Beta-Carotin erweitert und auch die angeblich damit heilbaren Krankheiten umfassten mittlerweile so ziemlich alles, was Menschen erleiden können. Als in den 80ern AIDS aufkam, war Pauling zufolge auch die Immunschwächekrankheit durch Vitamine heilbar. Der „Feldversuch“ in Südafrika, an dem ein Schüler Paulings, Matthias Rath, nicht unmaßgeblich beteiligt war, ging leider für hunderttausende von Betroffenen tödlich aus.
–> Einleitung

Vitamine als Krankmacher
Paulings Ideen wirken auch Jahrzehnte nach seinem Tod weiter und werden uns sicher noch eine Weile begleiten, obwohl die Evidenz mittlerweile ziemlich eindeutig ist. Die Einnahme von Multivitaminpräparaten hat zum Beispiel keinen positiven Einfluss auf die kognitiven Funktionen bei Männern (Grodstein et al. 2013), was den Herstellern natürlich noch Hoffnung für die Verbesserung der kognitiven Funktionen bei Frauen lässt. Auch senken Multivitaminpräparate nicht das Risiko für einen wiederholten Herzinfarkt und sie können auch (in Kombination mit Mineralien) das Risiko für Krebs und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht eindeutig senken (Fortmann et al. 2013).

Leider sind Vitamine nicht nur teuer, in einigen Fällen können sie sogar schaden. So fand eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2007 Belege für eine erhöhte Sterblichkeit bei der Einnahme von Vitamin A, E und Beta-Carotin. Eine Studie zur Prävention von Lungenkrebs durch die Einnahme von Beta-Carotin bei Rauchern und Menschen mit hoher Asbestbelastung musste abgebrochen werden, weil die Verum-Gruppe eine deutliche erhöhte Lungenkrebsrate aufwies (Omenn et al. 1996).
Der negative Einfluss von Vitaminen und anderen Nahrungsergänzungsmitteln gerät zunehmend in den Fokus der Forschung. So zeigten sich die Autoren einer Studie zur Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln bei älteren Menschen in Süddeutschland unter anderem besorgt über die deutlich überdosierte Einnahme von Vitamin E (Schwab et. al. 2013). Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) rät, von spezifischen Ausnahmen abgesehen, von der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ab und weist darauf hin, dass eine „einseitige und unausgewogene Ernährungsweise nicht durch Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ausgeglichen werden“ kann. Auch betont das BfR, dass es bisher keine empfohlenen Höchstmengen für Vitamine und andere Nahrungsergänzungsmittel gibt. Schaut man sich die zitierten Ergebnisse an, könnte man sich verwundert die Augen reiben. Medikamente mit einem ähnlichen Verhältnis von Risiko und Nutzen wären längst nicht mehr auf dem Markt (zumindest, wenn korrekte Studiendaten veröffentlicht wären). Nahrungsergänzungsmittel gelten jedoch nicht als Arzneimittel, sondern werden – da sie keinen therapeutischen Nutzen haben – den Nahrungsmitteln zugerechnet. Wie solche Ausnahmen entstehen, zeigt ein Blick in die USA, wo die Situation vielleicht noch besorgniserregender ist als bei uns.
–> Einleitung

Reglementierung unerwünscht
Im 19. Jahrhundert konnten Arzneihersteller alles in ihre Elixiere mischen. Dabei hatten die Anbieter kein Problem, einer „Arznei“ die Heilung jeder Art von „Leiden“, – von schlechtem Atem bis Krebs -, zuzusprechen. In den – auch Kleinkindern verabreichten – Arzneien waren meist Alkohol, Opioide, Kokain und andere Drogen enthalten. Auch Nahrungsmitteln wurde Verschiedenstes beigemischt. Der Journalist Upton Sinclair veröffentlichte 1905/1906 mit „The Jungle“ jedoch einen sozialkritischen Roman, in dem er die Zustände in der Fleischindustrie beschrieb. Fleisch fiel auf den mit Sägemehl, Speichel und Dreck bedeckten Boden und wurde einfach aufgehoben und weitererarbeitet. Ratten liefen über das gelagerte Fleisch und gelegentlich wurden sogar Arbeiter, die in große Behälter fielen, mitverarbeitet. Nach dieser Veröffentlichung waren die Karten neu gemischt.

1906 wurde der „Pure Food and Drug Act“ verabschiedet. Hersteller mussten nun die Inhaltsstoffe ihrer Arzneien deklarieren und durften keine falschen oder irreführenden Behauptungen aufstellen. Allerdings mussten sie auch nicht belegen, dass ihre Behauptungen richtig sind. Ein Wirksamkeitsnachweis war nicht notwendig, ebenso wenig der Nachweis von Sicherheit. 1937 änderte sich das. Ein Antibiotikum, Sulfanilamid, wurde von einem Unternehmen an 350 Personen verteilt. Zur Geschmacksverbesserung war das Mittel chemisch verändert worden, wodurch es nun jedoch äußerst giftig für die Nieren war. Die Verabreichung erfolgte, obwohl das Unternehmen bereits aus Tests mit Ratten von der Giftigkeit wusste. Von den 350 Personen starben 100 an Nierenversagen, die anderen hatten schwere Vergiftungssymptome. Da das Unternehmen jedoch damals innerhalb der geltenden Bestimmungen agiert hatte, konnte ihm kein Fehlverhalten vorgeworfen werden. Erst 1938 wurde ein Gesetz erlassen, nach dem Unternehmen die Sicherheit ihrer Produkte nachweisen mussten. Ein Wirksamkeitsnachweis war weiterhin nicht notwendig. Das änderte sich 1957. In Deutschland war der Wirkstoff Thalidomid unter dem Namen Contergan auf den Markt gekommen. Es kam zum vermehrten Auftreten von Missbildungen an den Armen und Beinen von Neugeborenen. Ein Mitarbeiter der Food and Drug Administration (FDA) hielt dies für keinen Zufall und versagte Thalidomid die Zulassung in den USA. Nach dem Skandal in Deutschland wurde in den USA ein weiteres Gesetz erlassen, nach dem die Hersteller für die Marktzulassung eines Produktes nicht nur die Sicherheit, sondern auch die Wirksamkeit ihrer Produkte belegen mussten. Leider war an diesem Punkt die Geschichte noch nicht vorbei und Linus Pauling übernahm dabei eine nicht unwichtige Rolle. Als er 1970 in seinem Buch die Einnahme von 3000 mg Vitamin C täglich empfahl, war die FDA über die möglichen Folgen besorgt, denn so hohe Dosen waren bisher nicht untersucht. Also versuchte sie zu erreichen, dass Produkte nicht mehr als 150 Prozent der empfohlenen Menge an Vitaminen enthalten dürften. Dies bedrohte das Geschäftsmodell einer 700 000 000-Dollar-Industrie.

1975 wurde ein Gesetzentwurf vorgestellt, welcher der FDA die Regulierung von Vitaminzusätzen verbot. Standesorganisationen von Ärzten und Ökotrophologen sprachen sich gegen das Gesetz aus. In der Anhörung zum Gesetz versuchte eine Anwältin deutlich zu machen, dass Menschen bei der Nahrungsaufnahme allein durch die Kapazität des Magens vor der Aufnahme großer Mengen von Vitaminen geschützt sind. So müsse man acht Honigmelonen verspeisen, um 1000mg Vitamin C zu sich zu nehmen. Obwohl sie damit einen der Kerne der Vitaminindustrie angriff, nämlich die Behauptung, dass es sich bei Vitaminen um ein natürliches und damit „gutes“ Produkt handele, wurde das Gesetz verabschiedet und die FDA von der Regulierung von Vitaminen ausgeschlossen.

In den 1990ern versuchte man, Vitamine und andere Nahrungsergänzungsmittel wieder unter die Kontrolle der FDA zu stellen. Sorgen machten der FDA vor allem die Behauptungen, dass diverse Produkte angeblich vor Krebs schützten oder sogar die Krankheit, wie auch die meisten anderen Erkrankungen, heilen sollten. Die Argumente für eine solche Regulation waren logisch. Die Wirkstoffe aus Medikamenten entstammen zum Teil jenen Pflanzen, die als Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden. Die Quelle einer Chemikalie ist nicht entscheidend für ihre Wirkung. Doch Vertreter der Industrie wehrten sich auch gegen diesen Vorstoß und erreichten durch geschickte Lobbyarbeit das Gegenteil dessen, was das Gesetz erwirken sollte. Die FDA wurde nicht nur von der Kontrolle von Vitaminen ausgeschlossen, sondern auch von der von Mineralien, Pflanzenprodukten und Aminosäuren. Dabei wurde zum einen argumentiert, das Gesetz gefährde die Freiheit der Bürger, über die Einnahme der Produkte selbst zu entscheiden. Zum anderen wurde Ärzten und der Pharmaindustrie unterstellt, sie wollten aus Sorge um ihre Einnahmen verhindern, dass Menschen sich mit Nahrungsergänzungsmitteln gesund halten.
–> Einleitung

Mythos vom Heilsbringer
Bis heute konnten Vitamine sich ihren Ruf als gesundheitliche Alleskönner bewahren. Und obwohl es sich um ganz profane Industrieprodukte handelt, werden sie von einer Seite hochgelobt, von der man das eigentlich nicht erwarten würde. Vertreter „alternativmedizinischer“, also nicht in der Realität verhafteter, Ideen sind große Vitaminfans. So überrascht es nicht, dass jeglicher Kritik an Vitaminen von dieser Seite mit Furor begegnet wird. Der Kopp-Verlag, unter anderem bekannt für braunesoterische Veröffentlichungen (z.B. des antisemitische Ideen verbreitenden Jan von Helsing), sieht die Pharmaindustrie als Drahtzieher hinter Studien, welche die positive Wirkung von Vitaminen bezweifeln. Dabei wird der Fakt ignoriert, dass man die Hersteller von Vitaminen und Medikamenten nicht unbedingt unterscheiden kann. Aber im Ignorieren von Fakten ist die „Alternativszene“ ja geübt.

Für Vitamin E konnte keine positive Wirkung auf den Trainingseffekt nachgewiesen werden (Garalnabi et al. 2012). 2008 wurde in einer Studie der Einfluss von Antioxidantien auf den Effekt von Ausdauertraining untersucht. Mit dabei: Vitamin C, Wunderwaffe gegen alles. Die Studie war klein und relativ kurz und könnte sicher wiederholt werden. Das Ergebnis erbrachte auf jeden Fall interessante Hinweise. Vitamin C, der sanfte Booster aus der Natur, machte den Effekt von Ausdauertraining zunichte! Anstatt den Sportler zu beschleunigen, wurde er gebremst.

Der Homo Sapiens ist auf die Zufuhr von Vitaminen angewiesen, soviel ist sicher. Die benötigten Mengen sind jedoch gering, und wer sich nicht vollkommen unvernünftig ernährt, wird in unseren Breiten kaum einen Mangel erleiden. Zumindest keinen, der klinische Effekte zeigt. Dennoch werden wohl viele Heilpraktiker und geschäftstüchtige Mediziner einen Mangel an bestimmten Vitaminen in diversen Körperflüssigkeiten „feststellen“ und „beseitigen“ können. Ob der einzelne Patient davon profitiert, ist äußerst fragwürdig. Denn so viel scheint mittlerweile klar: Ist der Bedarf gedeckt, wird durch weitere Zufuhr keine Verbesserung mehr erreicht. Und wenn durch eine mangelhafte Ernährung der Bedarf nicht gedeckt ist, so scheint man diesen Mangel nur bei wenigen Vitaminen durch die Zufuhr in Form von Nahrungsergänzungsmitteln ausgleichen zu können. Mit dem magischen Image der Vitamine werden wir wahrscheinlich noch eine Weile leben müssen. Wir selbst können derweil jedoch ganz entspannt an den Pillendöschen vorbei gehen und müssen aus unserem Urin kein teures Abwasser machen.
–> Einleitung

Zusatzinformationen

Vitamin D
Vitamin D ist eigentlich kein Vitamin sondern ein Hormon, ein Steroidhormon. Calcitriol wird im Körper gebildet, wenn genug Sonnenlicht vorhanden ist (Horn 2012). Dabei handelt es sich um die biologisch aktive Form von Cholecalciferol, wie Vitamin D eigentlich heißt. Die Biosynthese startet mit Cholesterin in der Leber und macht dann Halt in der Haut, wo zur Bildung einer ersten Vorstufe die UV-Strahlung aus dem Sonnenlicht benötigt wird. Von dort gelangt eine weitere Vorstufe, gebunden an ein spezielles Protein, über das Blut wieder zur Leber und am Schluss in die Niere, wo es unter Einfluss eines anderen Hormons (Parathormon) fertig gestellt wird. Bis vor einigen Jahren war dies noch nicht bekannt, der Name Vitamin D ist bis heute geblieben. Calcitrol erhöht u.a. die Calciumaufnahme im Darm, hat jedoch auch Einfluss auf das Immunsystem. „Vitamin D“ hat von den im Artikel besprochenen Substanzen zum aktuellen Zeitpunkt die beste Evidenz für eine positive Wirkung. Allerdings sind die Ergebnisse noch relativ neu und es mehren sich Hinweise, dass die Zufuhr von Calcitrol ohne Mangel keinen Vorteil bringt. In The Lancet erschien erst Ende Januar 2014 ein Review mit dem Ergebnis, dass Vitamin D, abgesehen von der Knochenfestigkeit bei alten Menschen, keinen gesundheitlichen Vorteil bringt (Autier et al. 2014). Niemand würde ohne guten Grund ein Hormon zu sich nehmen, diese Faustregel lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt auch auf Calcitrol übertragen.

Vitamin B1
Vitamin B1 spielt eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel. Vor allem Zellen des zentralen Nervensystems sind anfällig für einen Mangel von Vitamin B1. Symptome sind Appetitmangel, Müdigkeit, neurologische Störungen und Muskelabbau. Beriberi (singhalesisch: „große Schwäche“) kommt zwar in Industriestaaten kaum noch vor, doch Menschen, die chronisch zuviel Alkohol trinken, können durch Mangelernährung einen Vitamin-B1-Mangel mit entsprechenden Symptomen entwickeln.

Antioxidantien
Die Vitamine E und C gehören, zusammen mit Beta-Carotin, zu den Antioxidantien. Antioxidantien zeichnen sich dadurch aus, dass sie leichter oxidiert werden als die sie umgebenden Moleküle. Aus diesem Grund wird ihnen eine Schutzwirkung gegenüber freien Radikalen zugeschrieben. Freie Radikale sind Substanzen, die andere Moleküle leicht oxidieren. In der Zelle kann so Schaden angerichtet werden. Freie Radikale werden in bestimmten Zellorganellen (Lysosomen) genutzt, um zum Beispiel Mikroorganismen auszuschalten. Freie Radikale entstehen auch im Rahmen der Zellatmung und werden durch verschiedene chemische Prozesse kontrolliert, weshalb sie keinen Schaden anrichten. Der großzügige Einsatz von Antioxidantien zum Schutz vor Freien Radikalen wird noch immer oft propagiert, obwohl neuere Forschungen ein differenziertes Bild dieser Substanzen zeigen.

Freie Radikale
Freie Radikale nennt man Moleküle, die ein „freies“, also nicht gebundenes Elektron haben. Ungebundene Elektronen haben die Eigenschaft, sich ein weiteres Elektron zu „suchen“, mit dem sie eine Bindung eingehen können. Freie Radikale entstehen physiologisch („normal“) in vielen Prozessen des Zelllebens, unter anderem beim Energiestoffwechsel. In der Regel gibt Prozesse, die diese Radikale davon abhalten Schaden in der Zelle anzurichten. Dieser Schaden kann entstehen, wenn das ungebundene Elektron ein Elektron aus einem anderen, wichtigen Molekül bindet und das Molekül dadurch so verändert, dass es seine Funktion nicht mehr erfüllen kann. Antioxidantien sind Substanzen, die eine Bindung mit so einem ungebundenen Elektron eingehen können und das freie Radikal so unschädlich machen. Weil freie Radikale als „schlecht“ gelten, gelten Antioxidantien als „gut“. Soweit die Theorie.

Seit den 1950er Jahren nahm man an, dass freie Radikale aufgrund ihrer schädlichen Eigenschaften eine Rolle bei der Zellalterung spielen. Jedoch spricht einiges gegen diese Hypothese. Für einen Modellorganismus der Altersforschung, den Fadenwurm (C. elegans), konnte gezeigt werden, dass eine erhöhte Konzentration von freien Radikalen das Leben der Würmer verlängert. Es sieht also so aus, als beruhe die Hypothese zur Nützlichkeit von Antioxidantien auf einer falschen Grundannahme.
–> Einleitung

Literatur und Quellen:

  • Horn, F. (2012): Biochemie des Menschen. Thieme, 5.Auflage
  • Autier et al. (2014): Vitamin D status and ill health: a systematic review“ The Lancet 2014
  • Autier, P. et. al. (2014): Vitamin D status and ill health: a systematic review“ The Lancet Diabetes & Endocrinology, 2, 1, S. 76 – 89,
  • Bjelakovic et. al. (2008): Mortality in randomized trials of antioxidant supplements for primary and secondary prevention: Systematic review and meta-analysis. JAMA 299(7):765-6.
  • Cowan, D. W.; Diehl, H. S.; Baker, A. B. (1942): Vitamins for the Prevention of the common cold. JAMA120, 16, S. 1268-1271.
  • Fortmann, S. P. et. Al. (2013): Vitamin and Mineral Supplements in the Primary Prevention of Cardiovascular Disease and Cancer: An Updated Systematic Evidence Review for the U.S. Preventive Services Task Force. Annals of Internal Medicine, 159(12):824-834.
  • Garelnabi . M. et al. (2012): Vitamin E differentially affects short term exercise induced changes in oxidative stress, lipids, and inflammatory markers. Nutrition, Metabolism & Cardiovascular Diseases, 22 (10); S. 907-913.
  • Grodstein, F. et al. (2013): Long-Term Multivitamin Supplementation and Cognitive Function in Men. A Randomized Trial. Annals of Internal Medicine, 59(12):806-814.
  • Hemilä, H.; Chalker, E.; Douglas, R. M. (2010): Vitamin C for preventing and treating the common cold. The Cochrane Library 2010, Issue 3.
  • Lamas, G. A. et a. (2013): Oral High-Dose Multivitamins and Minerals After Myocardial Infarction. Annals of Internal Medicine, 159(12):797-805.
  • Schwab et al. (2013): The use of dietary supplements among older persons in Southern Germany — Results from the KORA-age study, JNHA, DOI: 10.1007/s12603-013-0418-8
  • Omenn, G. S. et. al. (1996): Risk factor for Lung Cancer and for Intervention Effects in CARET, the Beta-Carotene and Retinol Efficacy Trial, Journal Of The National Cancer Institute ;88(21), S. 1550-1559.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized