Alter Käse 4/2014 – Interne Logik

Interne Logik ist eigentlich das Mindeste, was man von Pseudowissenschaft oder Glauben erwarten kann. Andernfalls, so sollte man meinen, wäre es einfach, Anhänger davon zu überzeugen, dass sie irren und sich dann gemeinsam mit ihnen über eine gelungene Kometenlandung freuen. Stattdessen findet unser Hirn immer ein „Aber“. Das große „Aber“, Freund und Feind der kritischen Denker. Mit dem kritischen „Aber“ werden Löcher in der Argumentation gefunden, mit dem apologetischen „Aber“ werden sie gestopft. Deepak Chopra, seines Zeichens, Arzt, Guru und Hobby-Quantenbewusstsein-Physiker, erfreut seine Anhänger durch ei- ne Mischung von beidem. So weist er auf die Löcher in den aktuel- len Theorien zum Bewusstsein hin und stopft sie mit Quanten – oder dem, was er dafür hält. Widersprüche werden in seinem Hohelied auf die Subjektivität nicht nur hinge- nommen, sondern gefeiert. Wichtig ist nicht logische Konsistenz, son- dern eine gute Geschichte, und bei Chopra ist das die eigene Geschich- te: besonders, verbunden mit allen anderen und irgendwie magisch. „Karma ist Erfahrung und Erfahrung kreiert Erinnerung und Verlangen und Verlangen kreiert wieder Karma“ (Chopra). Wow! Das ist jetzt nicht nur logisch, sondern auch hermetisch. Was braucht man mehr, für ein geschlossenes, ja, gegen kritisches Denken immunes Weltbild! Da auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen ist schwieriger als eine Probe auf einem Kometen zu landen. Letzteres soll schon gelungen sein, wenn die Berichte stimmen und die Bilder echt sein sollten…

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