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Filmkritik – A Man Made epidemic

[Ich habe ein Vorurteil. Dieses Vorurteil lautet: Hebammen sind gegen das Impfen. Die einen mehr, die anderen weniger. Die weniger radikalen sprechen sich für die „individuelle Impfentscheidung aus. Die radikalen wollen der Natur vollkommen ihren Lauf lassen (dabei unterscheidet sich die individuelle Impfentscheidung nur marginal von diesem Konzept, doch ich vermute das wissen die weniger radikalen Hebammen nicht). Darum geht vermutlich, neben „Vaxxed“ auch „A Man Made Epidemic“ durch die Hände der Hebammen und damit wiederum durch die Hände werdender Eltern. Den Schaden, den Frau Beer mit dieser Aneinanderreihung von Missinformation anrichten kann, überblickt sie vermutlich selbst nicht. Aufgrund dieses Vorurteils schreibe ich einen offenen Brief an alle Hebammen, die Eltern, die sich ihnen anvertrauen diesen Film ans Herz gelegt haben.]

Liebe Hebammen,

es hat einige Zeit gedauert, doch jetzt habe ich endlich die Gelegenheit, über den Film zu schreiben. Bevor ich mich den Einzelheiten widme, ist es mir wichtig, noch etwas Grundsätzliches zu sagen: Ich denke im Kern geht es bei der Frage „Wie stehe ich zu Impfungen“ um Vertrauen. Viele der Quellen die ich nutze, stammen von staatlich initiierten oder finanzierten Institutionen oder Ämtern. Deren Aufgabe ist es, Gefahren für die Bürger frühzeitig abzuwenden. Irrtümer immer vorbehalten, geht es um die Frage, ob wir diesen Institutionen vertrauen. Ob man grundsätzlich der Meinung ist, dass die Menschen, die dort arbeiten, sich im Kern nicht von uns allen unterscheiden und gute Intentionen haben. Oder ob man der Ansicht ist, dort arbeiten (1000e) sinistre Gestalten, die über Leichen gehen. Ob man davon ausgeht, dass sie ihre Arbeit gut machen wollen und ihre Arbeit darin sehen, uns alle vor unnötigen Gefahren zu bewahren (soweit möglich). Für mich geht diese Frage an den Kern unserer Demokratie. Diese Institutionen basieren letztlich auf Entscheidungen von Menschen, die wir gewählt haben. Mir liegt fern, Entscheidungen dieser Institution kritiklos hinzunehmen, doch wenn ich kein grundsätzliches Vertrauen in sie habe, fällt jegliche Diskussionsgrundlage weg und damit ein Teil des Fundaments unserer Gesellschaft. Dann ist alles Meinung und jedeR auf sich gestellt. Insofern ist die Diskussion über den Nutzen oder Schaden vom Impfungen auch immer politisch.

Und jetzt zum Film:

Einleitung

Die Grundthese des Filmes würde ich so beschreiben: Einflüsse denen wir aufgrund unseres „modernen“ Lebens ausgesetzt sind, verursachen Autismus. Diese These hat ihren Ursprung in der Beobachtung steigender Anzahl von Autismus. Im Film wird die Behauptung aufgestellt, aktuell hätte eines von 35 Kinder Autismus. Im Jahre 2025 hätte jedes zweite Kind Autismus. Die postulierte Steigerung der Fallzahlen wird auf Impfungen, Glyphosat, Handystrahlung und GMO zurückgeführt, wobei den größten Teil des Filmes das Thema Impfungen beansprucht.

Ein Großteil der Steigerung lässt sich jedoch allein durch bessere Diagnostik und Erweiterung der Diagnosekriterien erklären 1. Bekannte Faktoren für die Erhöhung des Autismusrisikos sind, neben genetischen Faktoren, hohes Alter der Eltern, Infektionen in der Schwangerschaft (u.a. Röteln), Frühgeburtlichkeit und bestimmte Medikamente2. Im Grunde wäre damit der Rest des Filmes hinfällig und es spricht nicht für die Recherche von Natalie Beer, dass sie diese Überlegungen im Film nicht mal erwähnt.

Wakefield

Da Andrew Wakefield viel Raum in dem Film bekommt, werde ich auch noch einmal auf ihn eingehen. Insbesondere hinterfrage ich seine Glaubwürdigkeit. Er glaubt sicher mittlerweile was er sagt aber, wenn auf die Interessenskonflikte, von Mitgliedern der STIKO thematisiert wurden (insbesondere im Zusammenhang mit der Einführung der HPV-Impfung), in Diskussionen über Impfungen hingewiesen wird, sollte auch Interessenkonflikte von Wakefield hingewiesen werden. Und die sind enorm. Wakefield hat seine Studiendaten gefälscht: In den Gewebeproben, die er den Kindern im Rahmen einer Darmspiegelung entnahm, waren keine Masernviren zu finden (Aussage eines Laborassistenten, der die Proben direkt danach bearbeitet hatte). Trotzdem wird das in der – mittlerweile zurückgezogenen Arbeit – behauptet. In der Arbeit steht, die Symptome des Autismus seien maximal 7 Tage nach der Impfung aufgetaucht. Es gibt jedoch nachweislich Fälle in denen die Symptome erst mehrere Monate nach der Impfung auftauchten sowie mindestens einen Fall in dem die Symptome bereits vorher vorhanden waren. Ein Kind taucht in der Studie gar nicht auf (mindestens 13 Kinder wurden untersucht, 12 werden in der Studie erwähnt). Wakefield hat bereits seit 1993  zu einem Zusammenhang zwischen Masernimpfung und Magen-Darm-Erkrankungen geforscht. Das ist an sich vollkommen legitim. Allerdings hatte er ein Patent für einen diagnostischen Test sowie ein Patent für einen Einzelimpfstoff für Masern (er behauptete immer, nur die Dreifachimpfung Masern/Mumps/Röteln mache die Probleme). Das bedeutet, dass zukünftige Einnahmen (die von Wakefield auf mehrere Millionen geschätzt wurden) von den Ergebnissen der Studie abhingen. Das ist ein Interessenkonflikt, den Wakefield nicht öffentlich gemacht hat und bis heute als unproblematisch bewertet. Wakefield stellt es in dem Film so dar, als sei er ein Einzelkämpfer gewesen und hätte keine Unterstützung bei seinen Forschungen erhalten. Die Universität hat Wakefield jedoch lange unterstützt. Für die Reaktion nach der ersten Pressekonferenz, in der die Ergebnisse („MMR-Impfung macht autistische Enterokolitis) vorgestellt wurde, wurden extra Telefone geschaltet, um Anfragen bewältigen zu können. Im Film behauptet Wakefield, er habe nur Geld aus einem Forschungsfond erhalten. Das ist nur teilweise richtig. Wakefield arbeitete mit einem Anwalt zusammen, der Eltern vertrat, welche Impfhersteller verklagen wollten. Der Anwalt brauchte Belege für den Schaden von Impfstoffen um den Prozess zu gewinnen. Für die Forschung, um diese Belege zu liefern, zahlte er Wakefield Geld. Weil diese direkte Art der Bezahlung problematisch ist (Interessenkonflikt) wurde das Geld an die Universität gezahlt, die es wiederum über den Forschungsfond an Wakefield weiter gab. Nach der Veröffentlichung der Studie erhielt Wakefield weitere Gelder. Wakefield wirft Unternehmen vor, Kinder zu impfen um Profit zu machen und deren Schaden in Kauf zu nehmen. Er hat jedoch nachweislich durch seine Studie (unnötigen Untersuchungen) Kindern geschadet und wollte Geld mit seiner Forschung verdienen (was prinzipiell ebenfalls legitim ist, wenn es sich nicht um „alternative Ergebnisse“ handelt). Heute verdient er seinen Lebensunterhalt trotzdem mit der Behandlung und Beratung von Kindern mit Autismus. Nur eben aufgrund falscher Behauptungen. Die „Behandlungen“ die aus den Hypothesen von Wakefield und anderen in dem Film resultieren sind wirkungslos und gefährlich, es gibt nachgewiesene Todesfälle.

Wakefield trägt die Verantwortung für den Rückgang der Impfraten in Teilen Großbritanniens von 95% auf 80% und damit für 10 000e Masernfälle inklusive Todesfällen. Von unnötigen und grausamen „Behandlungen“ von Kindern mit Autismus ganz zu schweigen. Ihn als Anwalt für die Kinder auftreten zu lassen, ist an Zynismus kaum zu toppen.

Natasha Campbell-McBride

Natasha Campbell-McBride tritt in dem Film auf und behauptet, Substanzen die in der Landwirtschaft als Insektizide eingesetzt werden, würden für Autismus verantwortlich sein. Sie ist auch diejenige, die die Zahl 1/35 Kindern habe heute Autismus in die Welt setzt. Sie steht mit ihren im Film gemachten Behauptungen nicht auf dem Boden der Realität. Sie behauptet, dass Substanzen, die für Insekten schädlich sind, auch für Menschen gefährlich sind. Das ist in der Form falsch. Nikotin ist zum Beispiel für Insekten schnell tödlich, Menschen vertragen höhere Dosen. Andere Substanzen haben bei Menschen gar keine Wirkung, wieder andere sind in geringer Dosis tödlich. Die Aussage von Frau Campbell-McBride zeigen eine geringe Sachkenntnis auf. Woher sie ihre Zahlen zu Autismus nimmt (1/35 Kindern) ist unklar, sie ist falsch. Auch die Aussage, dass das Immunsystem nach der Geburt noch nicht richtig funktioniert ist nicht richtig, wenn das so wäre, wären Kinder nicht lebensfähig. Die von Frau Campbell-McBride empfohlene Diät ist nachweislich nicht wirksam für die Kernsymptomatik von Autismus. Was im Film nicht erwähnt wird, ist dass Frau Campbell-McBride selbst Nahrungsmittel verkauft, die als Behandlung der von ihre postulierten Behandlung dienen. Sie profitiert also direkt von der Angst (und der vermeintlichen Lösung, die sie anbieten), die sie schürt. Frau Campbell-McBride behauptet, es gebe kaum Forschung zum angeblichen Zusammenhang von Impfen und Autismus. Das ist glücklicherweise falsch. Es gibt Forschung und die hat gezeigt (PDF), dass es keinen Zusammenhang gibt. Dasselbe gilt für den fehlenden  Zusammenhang von Impfungen (PDF) und weiteren chronischen Erkrankungen.

Herr Troschke

Herr Troschke von der Initiative für Individuellen Impfentscheid behauptet, ebenfalls, das kindliche Immunsystem sei bei Geburt noch unreif. Wissenschaftliche Belege bleibt er schuldig. In einem Interview gab er zu, dass es sich um eine „weltanschauliche“ Ansicht handele. Im Film erwähnt er das nicht. Dort stellt er das so dar, als wäre das ein wissenschaftlicher Fakt. Herr Troschke beurteilt die Reife des kindlichen Immunsystems jedoch als Anthroposoph und nicht als Arzt. Anthroposophie ist eine Weltanschauung die unter anderem davon ausgeht, dass Menschen nicht nur einen „stofflichen“ Körper haben. Laut Rudolf Steiner, dem Gründer der Anthroposophie, bilden sich im Laufe des Lebens bestimmte „feinstoffliche“ Körper (Wesensleiber: Physischer Leib, Astralleib, Etherleib, Ich-Leib). Bis zum siebten Lebensjahr haben Kinder nur den „physischen Leib“, dann bildet sich der Astralleib, mit 14 der Etherleib und mit 21 der Ich-leib. Nach Anthroposophischer Sicht ist man erst dann ein Mensch. Die Reife menschlicher Biologie wird von einem anthroposophischen Arzt darum immer vor allem spirituell eingeschätzt. Und spirituell ist das Immunsystem eines Säuglings eben unreif. Das hat aber keinen Einfluss auf den Erfolg von Impfungen. Ich muss noch ein wenig ausholen, um den Blick von Anthroposophen auf Impfungen und „Kinderkrankheiten“ deutlich zu machen. Ebenfalls Teil der anthroposophischen Lehre ist die Annahme, Menschen würde wiedergeboren. Handlungen und Gedanken und aus einem früheren Leben können Einfluss auf das Karma (und damit auf die Wesensleiber und das Leben des Menschen) haben. Um das Karma wieder in Ordnung (meine Beschreibung) zu bringen, sind bestimmte Erkrankungen aus anthroposophischer Sicht notwendig! Unter anderem Masern. Aus anthroposophischer Sicht können Menschen, die sich im früheren Leben zuviel mit sich selbst beschäftigt haben und zuwenig mit der äußeren Welt, durch Masern wieder „heilen“. Darum sind anthroposophische Ärzte dagegen, Kinder vor dem Jugendalter zu impfen, weil Impfungen die Entwicklung Kinder behindern. Dabei meinen sie jedoch nicht die psychologische Entwicklung sondern die spirituelle. Das wird leider selten von anthroposophischen Ärzten erwähnt.

Auch in diesem Film werden Aussagen von Ärzten, die wissenschaftliche Erkenntnisse darlegen, Aussagen von Ärzten gegenüber gestellt, die sich auf die Aussagen eines 1925 verstorbenen Hellsehers berufen. Ich finde, die Aussagen, sollte man durchaus unterschiedlich bewerten.

Gericht und Autismus

Im Film wird eine Familie aus Italien gezeigt, deren Sohn Autismus hat. Die Eltern haben versucht, per Gericht eine Entschädigung für den Autismus ihres Sohnes zu erhalten. Im Rahmen des Gerichtsverfahrens sollte nachgewiesen werden, dass ihr Sohn (Valentino Bocca) durch eine Impfung Autismus bekommen habe. Dieses Urteil beruhte jedoch vor allem auf den Aussagen von Experten, die sich auf die Arbeit von Wakefield bezogen. Da die Ergebnisse von Wakefield gefälscht waren können die Aussagen der „Experten“ als widerlegt gelten. Das Urteil wurde mittlerweile von einem Gericht in einer höheren Instanz widerrufen.

Aluminium

Im Film wurde die Aussage gemacht, es gebe keinen Grenzwert für Aluminium. Das ist falsch. Das Paul Ehrlich Institut hat zu Aluminiumverbindungen in Impfstoffen letztmalig 2014 Stellung genommen. Es könne an der Einstichstelle in seltenen Fällen zu „Verhärtungen“ kommen, die in der Regel wieder zurückgehen.  Es wird aktuell diskutiert, ob elementares Aluminium an der Entstehung von Alzheimer-Demenz beteiligt ist. Eine Diskussion über eine solange Zeit bedeutet mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass ein möglicher Effekt nicht groß ist. Große Effekte lassen sich leicht messen und werden dann nicht mehr diskutiert. Die Symptome bei einer akuten Vergiftung mit elementarem Aluminium haben nur sehr entfernt etwas mit Autismus zu tun. Auch die Symptome einer Demenz sind von Autismus gut zu unterscheiden. Wenn man zur Sicherheit die Aufnahme von Aluminium reduzieren will, sollten aluminiumfreie Pflegeprodukte verwendet und auf Alufolie sowie Alukochgeschirr verzichtet werden. Die Menge an Aluminium in Impfungen ist im Gegensatz dazu äußerst gering.

Thiomersal

Thiomersal ist eine Quecksilberverbindung. Das klingt erst mal beängstigend, dabei vergisst man jedoch schnell, dass Elemente in Molekülen vollkommen andere Eigenschaften haben können als als Element. Auch hat vermutlich niemand Angst vor Meditonsin, worin ebenfalls eine Quecksilberverbindung vorhanden ist. Thiomersal wurde bereits 2001 aus allen Impfstoffen für Kinder entfernt. Dies geschah als Vorsichtsmaßnahme, weil T. seit 1930 in Impfungen verwendet wurde und damals keine Studien gemacht wurden, die heutigen Standards entsprechen. Thiomersal wurde zur Konservierung der Impfstoffe eingeführt. Damals entnahm man den Impfstoff noch aus großen Ampullen. Wenn die Kühlkette unterbrochen wurde, kam es gelegentlich zu Bakterienwachstum in den Ampullen. Die Bakterien wurden dann Kindern injiziert. Außerdem muss gesagt werden, dass die Grenzwerte für Thiomersal (Ethylquecksilber) an denen von Methylquecksilber angelehnt waren. Methylquecksilber ist die Substanz die mit Fisch aufgenommen wird und Menschen vergiften kann. Methylquecksilber bleibt lange im Körper und reichert sich an. Ethylquecksilber hingegen ist nach wenigen Stunden aus dem Körper entfernt und ist darum deutlich weniger schädlich. Doch aufgrund der fehlenden Studien wurde es entfernt.

Wenn (!) Thiomersal mit Autismus zusammenhängen würde, hätte es in den USA nach der Entfernung einen Rückgang von Diagnosen geben müssen. Den gab es nicht.

Unplausible Thesen im Film

Im Film wird behauptet, beim Impfen gehe es nur darum, möglichst viel Geld zu verdienen: Wenn Profit das vorrangige Ziel wäre, würde dieses Ziel besser erreicht werden, wenn nicht mehr geimpft würde. Früher waren die Kinderkliniken voll mit Kindern, die an Keuchhusten, Diphtherie, Maserenzephalitis, Meningokokkensepsis u. v. a. erkrankt waren und zum Teil Wochen im Krankenhaus bleiben mussten (oder dort starben). Eine Erkrankung zieht viele Behandlungen nach sich, die – wenn das das einzige Ziel wäre – deutlich höhere Gewinne bringen würden als Impfungen. Die Gewinne waren in den USA in den 1980ern so gering, dass die Hersteller, nachdem sie einige Klagen verloren hatten (es ging dabei um einen Impfstoff mit relativ hoher Komplikationsrate, der heute nicht mehr hergestellt wird), aufhörten Impfstoffe herzustellen. Darum wurde ein besonderes Gesetz verabschiedet, welches dazu dient, die Hersteller vor übermäßigen Klagerisiken zu schützen und Menschen die durch Impfungen geschädigt wurden zu kompensieren3.

Es gibt eine „Epidemie“ von Autismus: Die Beschreibung von „Autismus“ ist relativ neu. Erstmals tauchte der Begriff 1911 auf, hatte jedoch noch wenig mit unserem heutigen Verständnis der Störung zu tun. In den 1940ern beschrieb Kanner den nach ihm benannten frühkindlichen Autismus. Alle im Film vorgestellten Kindern würden (wahrscheinlich) in diese Kategorie fallen. Asperger faste die Definition von Autismus weiter. Allerdings wurde diese Definition erst in den 1990er Jahren in die relevanten Diagnosebeschreibungen aufgenommen. Man geht davon aus, dass viele Kinder, die heute die Diagnose „Autismus“ erhalten, früher unter dem Begriff „geistig Behindert“ erfasst wurden oder eben gar nicht erkannt. Es findet also zum Teil eine Verschiebung zwischen Diagnosen statt, teils werden Menschen diagnostiziert, die früher nicht erkannt worden wären. Zum Teil erhalten heute Kinder Hilfe, die früher als „schwierig“ gegolten hätten. Es gibt keine Belege für die behauptete Epidemie die Steigerung der Erkrankungszahlen lässt sich ohne Umweltauslöser gut erklären4.

Ich plane einen zweiten Teil, in dem ich auf ein paar weitere Fragen zum Impfen eingehe, die aber nicht direkt etwas mit dem Film zu tun haben.

  1. Explaining the Increase in the Prevalence of Autism Spectrum Disorders
    The Proportion Attributable to Changes in Reporting Practices, Stefan N. Hansen
  2. Autistische Störungen – State-of-the-Art und neuere EntwicklungenEpidemiologie, Ätiologie, Diagnostik und Therapie, Christine M. Freitag
  3. In Deutschland gibt es ein ähnliches Gesetz. Darin heißt es, dass ein Schaden durch eine Impfung nur „wahrscheinlich“ sein muss, um eine Entschädigung zu erhalten. Von 1972 bis 1999 sind die anerkannten Impfschäden von 191 auf 21 pro Jahr zurückgegangen (PDF). Bei mehreren Millionen gegeben Impfdosen ist das eine sehr geringe (wenn auch immer noch zu hohe) Anzahl.
  4. Es gibt eine Gruppe von Menschen, die der Ansicht sind, Autismus sei die nächste Stufe der menschlichen Evolution.

[Update: 07.05.17: An dieser Stelle stand unter „Rausschmeißer“ noch eine spezielle Kritik, die in der Form nicht gut formuliert war, darum habe ich sie wieder entfernt. Eventuell wird sie überarbeitet und im zweiten Teil noch einmal aufgegriffen.]

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Plötzlich unfreiwillig ungeimpft – Durch Masern zur Vernunft

Eine Mutter von sieben Kindern entschied sich vor einigen Jahren, diese nicht (mehr) zu impfen. Sie hatte Angst, weil sie den falsch verbreiteten Informationen glaubte, Impfungen würden ihren Kindern schaden. Als in den USA in Disneyland Masern ausbrechen, entscheidet sie sich, die Evidenz zum Thema noch einmal zu prüfen. Als auch in ihrem direkten Umfeld Kinder an Masern erkranken, plant sie gemeinsam mit ihrem Kinderarzt, die Impfungen für ihre Kinder nachzuholen. Wenige Tage bevor der Termin stattfinden kann, erkranken ihre Kinder an Keuchhusten. Alle sieben Kinder. Keuchhusten ist eine Erkrankung gegen die man impfen kann. Wer sich einen Eindruck verschaffen will, schaue sich dieses Video an:

Auch Erwachsene können Keuchhusten bekommen und es so an Kinder weitergeben. In den USA werden einige Ausbrüche auf Erwachsene ohne Impfschutz zurückgeführt.

Im Originaltext der Mutter kann man auch sehr schön lesen, dass sie ihre Kinder nun mit derselben Motivation impfen lässt mit der sie sie vorher hat nicht impfen lassen: Der Versuch, sie zu schützen. Klug scheint mir ihr Vorgehen zu sein, konkrete Fragen und Befürchtungen auszuschreiben, die man zum Thema impfen hat und diese zu klären. Und zwar nicht auf zusammenfantasierten Websites von Milchwirten mit Verschwörungsideen. Sondern, beispielsweise auf den Seiten des Robert Koch Instituts. Wer dem RKI nicht vertraut, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen.

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Impfen, in Fachkreisen unumstritten

Heute mal etwas Zweitverwertung. Da es ein äußerst vernünftiger Zeitvertreib ist, online mit Menschen zu diskutieren und da gerade auf Facebook das Diskussionsniveau so hoch ist, verbringe ich, als äußerst vernünftiger Mensch, damit viel Zeit. Und so habe ich auf der beliebten Plattform darüber diskutiert, ob die Praxis des Impfens* in „Fachkreisen“ seit Jahren umstritten ist. Das ist natürlich Unsinn und ich habe hier eine klitzeklitzekleine Sammlung, von Textausschnitten, die das schön belegt:

Der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte schreibt auf seiner Website:


„Impfungen sind wichtig, damit ein Kind frühzeitig einen ausreichenden Schutz gegen schwere Infektionen aufbauen kann. Impfungen verhindern den Ausbruch gefährlicher Krankheiten, die häufig mit Komplikationen verbunden sind und für die es zum Teil auch heute noch keine geeignete Therapie gibt. „

Auf der Website des Bundesverbandes Deutscher Internisten ist unter anderem zu lesen:

„Impfpass überprüfen – „Schütze Deine Welt – lass Dich impfen“, ist das Motto der diesjährigen 8. Europäischen Impfwoche, die vom 22. bis zum 27. April 2013 stattfindet. „Impfungen sind ein wichtiger Schutz gegen übertragbare Krankheiten“, erklärt Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr.“

Der Bundesgerichtshof schrieb in einem Urteil (.pdf) zu einem Prozess in dem es um einen Impfschaden ging, am 15.02.2000 das die von der StIKo empfohlenen Impfungen medizinischer Standard sind.

In der AWMF-Leitlinie (.pdf) zum Thema „Kindesmisshandlung und Vernachlässigung“ steht unter dem Punkt „Vernachlässigung“:

„Es kann sich um vermeidbare Gesundheitsschäden durch mangelnde Fürsorge, z.B. fehlende Impfungen, Vitamin-D-Mangel-Rachitis, unzureichende Unterkunft und Kleidung oder vermeidbare Unfälle durch mangelnde Aufsicht handeln.“

Sowohl die Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin eV (DGSPJ), die wissenschaftliche Fachgesellschaft der Kinder- und Jugendmedizin in Deutschland (DGKJ) und die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCh) denken, ein Kind nicht lege artis zu impfen ist so, als würde man ihm nichts richtiges zum Anziehen geben. Das Wort was in den Sinn kommt ist „fahrlässig“ (nicht schimpfen, ich bin kein Jurist).

Auf den Seiten vom Robert-Koch-Institut findet man zum Thema impfen „20 Einwände und Antworten des Robert Koch-Instituts und des Paul-Ehrlich-Instituts„. Das RKI ist ein Bundesinstitut und hat u.a. folgende Aufgabe:

„Der Auftrag des Robert-Koch-Instituts umfasst sowohl die Beobachtung des Auftretens von Krankheiten und relevanter Gesundheitsgefahren in der Bevölkerung als auch das Ableiten und wissenschaftliche Begründen der erforderlichen Maßnahmen zum wirkungsvollen Schutz der Gesundheit der Bevölkerung.“ (Wikipedia)

Das Paul-Ehrlich-Institut spricht sich ebenfalls für die, zugelassenen, Impfungen aus (wenn die jeweilige Indikation eingehalten wird):

„Das Paul-Ehrlich-Institut ist zuständig für die Zulassung und staatliche Chargenfreigabe von biomedizinischen Arzneimitteln (siehe deutsches Arzneimittelgesetz, Gesetz zur Errichtung eines Bundesamtes für Sera und Impfstoffe) und trägt wesentlich zur Sicherheit dieser Arzneimittel bei.“ (Wikipedia)

Ich weiß nicht, wie man das anders nennen kann als Einigkeit.

Natürlich steht es jedem Menschen frei, sich oder seine/ihre Kinder zu impfen zu lassen. Es muss einem dabei nur bewusst sein, dass man fahrlässig handelt.

*Natürlich ist es absoluter Unsinn zu schreiben „Impfen ist gut“ oder etwas in die Richtung. Es sind immer spezielle Impfungen gemeint, die indiziert sein müssen. Nur damit keine Missverständnisse verstehen…

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Eingeordnet unter Cranks, Indikationen, Skeptizismus

Impfpflicht – Gut gemeint…trotzdem Mist.

Meine Einstellung zum Thema Impfen muss ich an dieser Stelle sicher nicht sehr ausführlich darstellen. Impfen schützt sicher, dauerhaft und vergleichsweise günstig davor, krank zu werden. Impfen rockt! Und weil impfen rockt, gibt es viele Menschen, die sich engagiert dafür einsetzen. Bei einigen geht das Engagement soweit, dass sie eine Impfpflicht fordern. Das ist insofern problematisch, als dass die Eltern in Deutschland (in der Regel!) entscheiden können, welche medizinische Maßnahmen durchgeführt werden.

„Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.“ GG Art 6. Abs. (2)

Besser hätte es „unter anderem darüber entscheiden können“ geheißen. Natürlich kann man Gesetze erlassen, die in die Rechte der Eltern eingreifen und wo das sinnvoll ist, sollte das auch geschehen. Nun kann man auf Tagesschau.de lesen:

„Nicht ohne Grund hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) deshalb das Ziel vorgegeben, die Masern bis 2015 auszurotten, so der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Wolfram Hartmann: „Ich sehe aufgrund meiner langjährigen Erfahrungen die einzige Möglichkeit, diese gesteckten Ziele, die man ja auch gegenüber der WHO bestätigt hat, zu erreichen, wenn man eine Impfpflicht für den Besuch von Schulen und Kindergärten einführt.““

Bei der Forderung, einen Kindergarten nur mit vollständigem Impfschutz besuchen zu können, sehe ich, als juristischer Laie, kein Problem. Zwar hat jedes Kind ein Anrecht auf einen Kindergartenplatz, doch warum sollte dieses nicht an Bedingungen geknüpft werden. Ein Gesetz wäre hier vielleicht sinnvoll, weil dann das Personal vor Ort von leidigen Diskussionen befreit wäre. Interessant in diesem Fall wäre, zu beobachten, ob die Waldorfkindergärten versuchen würden, eine Ausnahme zu erwirken.

Was den vollständigen Impfstatus als Bedingung  zum Schuleintritt angeht, bin ich skeptischer. Auf den Schulbesuch man nicht nur das Recht, sondern ist dazu verpflichtet. Das wäre die Impfpflicht durch die Hintertür. In den USA können Eltern ihre Kinder zu Hause unterrichten, wenn sie diese nicht impfen wollen. Diese Möglichkeit bleibt ihnen in Deutschland nicht.

Wie soll eine Impfpflicht überhaupt durchgesetzt werden? Wenn alle Aufforderungen ignoriert wurden, kommt die Polizei, holt die Kinder ab, bringt sie zum Arzt, der unter viel Gegenwehr, die Injektion appliziert? Die Folgen für die Psyche eines Kindes kann sich jeder ausmalen. „Impftrauma“ wäre viellicht bald eine psychiatrische Diagnose. Und auch für die Eltern dürfte das eine Horroraktion sein. In der Regel sind sie ja der Meinung, Impfungen würden ihrem Kind schaden. Dieser Schaden wird dem Kind nun aktiv zugefügt. Der Nocebo-Effekt dürfte dafür sorgen, dass der Schaden auch wirklich erlebt wird. Die öffentliche Rezeption solcher Aktionen lasse ich mal ganz ausser Acht.

Ich halte es für durchaus möglich, dass eine Impfpflicht ganz real mehr Schaden anrichtet als ihn zu verhindern. Das kann nicht das Ziel sein. Impfungen wären dann kein evidenzbasiertes, sondern ein ideologisches Konzept.

Das bedeutet aber nicht, dass man alles beim Alten lassen muss. „Kinderärzte fordern Impfkonzept“ lautet die Überschrift des Artikels. Die meisten nicht vollständig (!) geimpften Menschen, haben Auffrischimpfungen einfach vergessen. Es muss unter anderem darum gehen, dafür zu sorgen, diese Menschen zu erreichen. Dafür sollte der Impfausweis zur Schuluntersuchung verpflichtend (!) vorgelegt werden. Umgeimpfte sollten ihren Impfausweis vorlegen müssen und nachweisen, dass sie sich über die Impfungen von einem/r Kinderärztin haben beraten lassen. Diesen Eingriff in die persönliche Freiheit kann man in Hinsicht auf die Folgen durchaus rechtfertigen (sagt der juristische Laie).

Natürlich wird es (vor allem anthroposophisch orientierte) KinderärztInnen geben, die diese Beratung ohne eine solche bescheinigen (ich meine eine wirkliche Beratung, keine medizinmystische Märchenstunde). Der Vorteil daran ist, dass impfmüde Eltern sich in diesen Praxen konzentrieren werden und die restlichen KinderärztInnen sich weniger damit rumschlagen müssen. Da die Kinder von Impfverweigerern medizinisch versorgt sind, können sie in ihren Praxen nur (nach Impfkalender der StIKo) geimpfte Kinder sehen. Damit wäre ein bekannter Verbreitungsweg von Kinderkrankheiten, gegen die man impfen kann, verschwunden.

Mit diesen Maßnahmen dürfte, ohne viel Geschrei, die Impfquote hoch genug sein, um ausreichenden Herdenschutz zu gewährleisten. Und wenn dann jemand sagt, sein Familie sei nicht geimpft können wir sagen:

„Keine Angst, wir passen auf Euch auf!“

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Offener Brief an "Eltern, Kind und Kegel"

In meinem letzten Post hatte ich bereits auf den Artikel zum Thema Impfen im Familienmagazin „Eltern, Kind und Kegel“ hingewiesen. Nun habe ich einen offenen Brief verfasst, welcher der Redaktion in Kürze zugehen sollte. Außerdem habe ich ihn auf deren Facebook-Seite gestellt.
„Sehr geehrte Damen und Herren,
mit Ihrem Magazin „Eltern, Kind und Kegel“ bieten Sie eine praktische Hilfe für die Planung von Freizeitaktivitäten für Familien in Dresden und dem Umland. Durch den Service, aus dem umfassenden und unübersichtlichen Angebot monatlich einen gut zu überschauenden Kalender zu erstellen, ist Ihr Magazin aus vielen Familien in Dresden wahrscheinlich kaum noch wegzudenken. Durch die redaktionellen Artikel über kleine und große Alltagsereignisse und -probleme genießt das Magazin Vertrauen bei seinen LeserInnen. Durch die große Verbreitung im Raum Dresden, mit einer Auflage von 20.000, ist das Magazin zudem ein Verstärker für die darin behandelten Themen.
Hieraus erwächst eine Verantwortung gegenüber den Eltern, deren Kindern und Kegel.
In der Ausgabe Juli/August 2013 (Seite 24/25) sind Sie dieser Verantwortung in Ihrem Artikel zum Thema Impfen leider nicht gerecht geworden. Anstatt zu informieren, hat der Artikel über weite Teile Verwirrung gestiftet. Die darin dargestellte Gleichwertigkeit der beiden gegensätzlichen Positionen, „Pro“ und „Contra“ Impfen, existiert in der Weise in Wirklichkeit nicht. Wissenschaftlich ist unbestreitbar, dass die von der STIKO empfohlenen Impfungen, trotz möglichen, sehr seltenen Nebenwirkungen, sowohl dem Individuum als auch der Gesellschaft mehr nutzen als schaden. Die meisten der im Artikel aufgeworfenen und zum großen Teil unbeantwortet gebliebenen Fragen wären durch einen Blick auf die Website des Robert Koch Instituts zu beantworten gewesen. Hier wurde die Chance versäumt, über ein wichtiges Thema verantwortungsvoll zu berichten.
Problematisch ist auch die Buchempfehlung, die auf der Doppelseite gegeben wird. Dort wird ‚Impfen – Pro und Contra‘ des Kinderarztes Martin Hirte empfohlen, um sich umfassend und ausgewogen zum Thema zu informieren.Es handelt sich bei dem Buch jedoch nicht um einen ausgewogenen Ratgeber zum Thema Impfungen. Würden die in ‚Impfen – Pro und Contra‘ aufgestellten Forderungen umgesetzt, liefe das praktisch auf eine Abschaffung vieler Impfungen hinaus. Die im Buch angeführten Belege sind im besten Falle zweifelhaft und im schlechtesten Falle seit Jahren widerlegt. Der Autor vertritt eine Außenseiterposition, die von ihm angeführten Belege reichen bei weitem nicht aus, seinen Thesen gegen die wissenschaftliche Position zu unterstützen.
Welche Folgen das Schüren von Ängsten gegenüber Impfungen haben kann, ist in Großbritannien zu beobachten. Nachdem dort ein gefälschte Studie von Andrew Wakefield Panik auslöste, sind die Impfraten dramatisch gesunken. Infolge dessen kam es zu Ausbrüchen von Masern, die Kinder das Leben gekostet haben.
Ich würde mich freuen, wenn Sie diese Rückmeldung zum Anlass nehmen, beim Berichten über Gesundheitsthemen die Qualität zu verbessern. Dann könnte ich in Zukunft mit einem guten Gefühl ‚Eltern, Kind und Kegel‘ weiterempfehlen, wenn es um die Frage geht: „Was machen wir am Wochenende?“
Mit freundlichen Grüßen
Jan Oude-Aost“
Links zum Thema:
Ausgabe Juli/August 2013 als pdf-Datei.
Antworten auf 20 Einwände gegen Impfungen.

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Offener Brief an „Eltern, Kind und Kegel“

In meinem letzten Post hatte ich bereits auf den Artikel zum Thema Impfen im Familienmagazin „Eltern, Kind und Kegel“ hingewiesen. Nun habe ich einen offenen Brief verfasst, welcher der Redaktion in Kürze zugehen sollte. Außerdem habe ich ihn auf deren Facebook-Seite gestellt.
„Sehr geehrte Damen und Herren,
mit Ihrem Magazin „Eltern, Kind und Kegel“ bieten Sie eine praktische Hilfe für die Planung von Freizeitaktivitäten für Familien in Dresden und dem Umland. Durch den Service, aus dem umfassenden und unübersichtlichen Angebot monatlich einen gut zu überschauenden Kalender zu erstellen, ist Ihr Magazin aus vielen Familien in Dresden wahrscheinlich kaum noch wegzudenken. Durch die redaktionellen Artikel über kleine und große Alltagsereignisse und -probleme genießt das Magazin Vertrauen bei seinen LeserInnen. Durch die große Verbreitung im Raum Dresden, mit einer Auflage von 20.000, ist das Magazin zudem ein Verstärker für die darin behandelten Themen.
Hieraus erwächst eine Verantwortung gegenüber den Eltern, deren Kindern und Kegel.
In der Ausgabe Juli/August 2013 (Seite 24/25) sind Sie dieser Verantwortung in Ihrem Artikel zum Thema Impfen leider nicht gerecht geworden. Anstatt zu informieren, hat der Artikel über weite Teile Verwirrung gestiftet. Die darin dargestellte Gleichwertigkeit der beiden gegensätzlichen Positionen, „Pro“ und „Contra“ Impfen, existiert in der Weise in Wirklichkeit nicht. Wissenschaftlich ist unbestreitbar, dass die von der STIKO empfohlenen Impfungen, trotz möglichen, sehr seltenen Nebenwirkungen, sowohl dem Individuum als auch der Gesellschaft mehr nutzen als schaden. Die meisten der im Artikel aufgeworfenen und zum großen Teil unbeantwortet gebliebenen Fragen wären durch einen Blick auf die Website des Robert Koch Instituts zu beantworten gewesen. Hier wurde die Chance versäumt, über ein wichtiges Thema verantwortungsvoll zu berichten.
Problematisch ist auch die Buchempfehlung, die auf der Doppelseite gegeben wird. Dort wird ‚Impfen – Pro und Contra‘ des Kinderarztes Martin Hirte empfohlen, um sich umfassend und ausgewogen zum Thema zu informieren.Es handelt sich bei dem Buch jedoch nicht um einen ausgewogenen Ratgeber zum Thema Impfungen. Würden die in ‚Impfen – Pro und Contra‘ aufgestellten Forderungen umgesetzt, liefe das praktisch auf eine Abschaffung vieler Impfungen hinaus. Die im Buch angeführten Belege sind im besten Falle zweifelhaft und im schlechtesten Falle seit Jahren widerlegt. Der Autor vertritt eine Außenseiterposition, die von ihm angeführten Belege reichen bei weitem nicht aus, seinen Thesen gegen die wissenschaftliche Position zu unterstützen.
Welche Folgen das Schüren von Ängsten gegenüber Impfungen haben kann, ist in Großbritannien zu beobachten. Nachdem dort ein gefälschte Studie von Andrew Wakefield Panik auslöste, sind die Impfraten dramatisch gesunken. Infolge dessen kam es zu Ausbrüchen von Masern, die Kinder das Leben gekostet haben.
Ich würde mich freuen, wenn Sie diese Rückmeldung zum Anlass nehmen, beim Berichten über Gesundheitsthemen die Qualität zu verbessern. Dann könnte ich in Zukunft mit einem guten Gefühl ‚Eltern, Kind und Kegel‘ weiterempfehlen, wenn es um die Frage geht: „Was machen wir am Wochenende?“
Mit freundlichen Grüßen
Jan Oude-Aost“
Links zum Thema:
Ausgabe Juli/August 2013 als pdf-Datei.
Antworten auf 20 Einwände gegen Impfungen.

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Impfterror im Dresdner Familienmagazin

Das Blatt ‚Eltern, Kind und Kegel‚, laut Eigenbeschreibung ‚Das Familienmagazin für Dresden und Umgebung‘, bietet neben Massen an Werbung und einem Veranstaltungskalender auch den einen oder anderen redaktionellen Text. In der Juli/August-Ausgabe trauten sich die AutorInnen mit dem Kürzel „vf“ und „sr“ zu, einen Text über das Pro und Contra des Impfens zu schreiben. Der erste Blick als Leser fällt jedoch nicht auf den Text, sondern die Buchempfehlung auf derselben Doppelseite.

Dort wird das Buch des Arztes Martin Hirte empfohlen. Laut seiner Website ist Herr Hirte Mitbegründer des Vereins für eine individuelle Impfentscheidung, außerdem Homöopath und Anhänger der anthroposophischen Medizin. Also jemand, der sich aus der realitätsbasierten Medizin verabschiedet hat. Da ich für Werbung sehr empfänglich bin, habe ich der Empfehlung gleich Folge geleistet und mir das Buch gekauft. Die ersten Stichproben haben gezeigt: Ganz genau nimmt es Herr Hirte mit den Fakten nicht, dazu ein anderes Mal mehr.

Zurück zum Text aus „dem Familienmagazin für Dresden und Umgebung“. Der Textanteil für „Pro“ und „Contra“ ist ungefähr gleich, was auf den ersten Blick nach journalistischer Ausgewogenheit aussieht, jedoch bei genauerer Analyse von der Ahnungslosigkeit der AutorInnen zeugt. Wissenschaftlich gibt es bei den von der STIKO empfohlenen Impfungen keine zwei Seiten. Zwei Seiten gibt es nur ideologisch. Das wäre jedem auch sofort klar, wenn es in dem Text zum Beispiel um die biblische Schöpfungsgeschichte ginge und die Frage, ob die Erde erst 6000 Jahre alt ist (ist sie nicht). Da gibt es kein „Pro“ und „Contra“, sondern wissenschaftlich erarbeitete Fakten, egal wie sehr einige Menschen diese Fakten ablehnen.

Die Sprache des Textes macht deutlich, dass es den AutorInnen nicht darum geht, aufzuklären. Der Text ist so formuliert, dass er eben jene Verunsicherung hervorruft, die er beklagt. So wird behauptet, Anlass der Kampagne „Deutschland sucht den Impfpass“ sei eine in Europa grassierende Impfmüdigkeit. Den Begriff sucht man jedoch auf der Website zur Kampagne vergeblich. Im Gegenteil:
„Über 90 Prozent der Kinder werden in Deutschland geimpft. Die Impfbereitschaft ist also hoch.“

Vorher schreiben die AutorInnen, die Kampagne „suggeriere (…), dass es völlig normal ist, einen Impfpass zu haben“ und suggeriert damit das Gegenteil. Wer sich impfen lässt, bekommt einen Impfpass, 90% der Kinder sind geimpft, also ist es „völlig normal“, einen Impfpass zu haben. Genauso wie es normal ist, nicht zu wissen, wo er ist.

Die AutorInnen stellen unter anderem die Frage:

„Warum hört man in den Medien soviel von Impfschäden, aber beim Kinderarzt oder der Kinderärztin wird das kaum besprochen.“

In „den Medien“ hört man nicht „soviel“ über Impfschäden, sondern vor allem auf einschlägigen Websites. Deren Inhalt wird oft bestimmt von Menschen, deren medizinisches Wissen äußerst lückenhaft ist. Indem sie Dinge in Frage stellen, die zum Teil seit Jahrzehnten geklärt sind, nutzen die AutorInnen eine Strategie, mit der die Tabaklobby in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts versucht hat, den Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs zu leugnen. So werden Mediziner erwähnt, die an der Wirksamkeit von Impfungen zweifelten. Spätestens hier betreten die AutorInnen das Feld von Verschwörungstheorien, die zum Beispiel auch die Existenz von krankmachenden Mikroorganismen bestreiten. Auch die Idee, Impfstoffe würden an der Bevölkerung „getestet“, erinnert eher an Gedanken aus der Chemtrailszene als an seriösen Journalismus. Eine kurze Recherche hätte ergeben, dass Impfschäden so selten sind, dass sie in der Regel erst auffallen, wenn mehrere 100 000 oder sogar Millionen Menschen geimpft sind (Wenn etwas bei einem von einer Millionen Menschen passiert noch später). Das ist in klinischen Studien nicht realisierbar, für kein Medikament und auch kein anderes Produkt. Die „Alltagstauglichkeit“ kann erst im Alltag geprüft werden, die Risiken werden soweit wie möglich minimiert, ausschließen kann man sie nie…bei nichts.

Der Text „Impfen das Für und das Wider“ hat den Untertitel „Verantwortungsvolle Entscheidungen selbstbewusst treffen“. Das ist natürlich ein tolles Motto, nur leider hilft der Text dabei in keinster Weise weiter. Er scheint ohne einen Hauch an Recherche, zum Beispiel auf den Seiten den Robert-Koch-Instituts, ausgekommen zu sein.

Quellen nennen die AutorInnen dabei übrigens nicht, wir sollen ihren Worten Vertrauen und damit, das lässt die Werbung für Herrn Hirtes Buch vermuten, seinen. Danke, ich vertraue weiter auf Experten.

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Impfen – Pseudokontroverse im Deutschlandfunk

Impfen ist wieder ein Thema. Der Grund dafür ist nicht schwer zu erraten, die Masern haben gerade wieder einen großen Auftritt Europas Kinderzimmern (man vergisst, dass die Äußerungen von Impfgegnern in Großbritannien verheerende Folgen hatte). Und mit den Masern werden Apologeten der Impfgegnerschaft vor die Mikrophone gezerrt und dürfen sich für eine individuelle Impfentscheidung stark machen. Dass es sich dabei um die individuelle Entscheidung hat, sich gegen sichere Erkenntnisse zu entscheiden, wird von diesen Apologeten nur selten erwähnt. Oft wird eine Verunsicherung der Eltern beim Thema Impfen ins Feld geführt, die für deren Impfskepsis sorge. Ja klar, sind Menschen verunsichert, wenn man sie verunsichert!

Im Deutschlandfunk durfte heute Michael Friedl die Legende von den Masern als einer für die Entwicklung des Kindes positive Erkrankung weiter verbreiten. Auch stellte er die Behauptung auf, „der Mensch“ habe sich schon immer mit den Masern auseinandersetzen müssen. Nach Belegen für diese Aussagen wird man lange suchen müssen und wird im ersteren Fall Anekdoten und im zweiten Fall ein widersprechende Hypothese finden.
Masern begleiten die Menschheit wahrscheinlich erst sei der neolithischen Revolution, als dem Zeitpunkt als er anfing Viehhaltung und Ackerbau zu betreiben. Masern entwickelten sich wahrscheinlich aus einem Rindervirus. Was auch bedeutet, dass es große Teile der Welt gab, deren Bewohner lange die vermeintlich positiven Folgen einer Masernerkrankung missen mussten.
Ich verstehe nicht, warum jemand mit einer Außenseiterposition innerhalb der wissenschaftlichen Medizin in eine Studio eingeladen wird und dort behandelt wird, als wären seine Aussagen genauso relevant wie desjenigen der einen Stapel Studien vorweisen kann.
Link zur Sendung:

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Weniger Tod Durchfall

In Indien sterben jedes Jahr 100 000 Kinder an einer Infektion mit Rota-Viren. In Deutschland liegt diese Zahl im ein bis zweistelligen Bereich, wenn überhaupt. Darum hat die Einführung eines Impfstoffes gegen Rotaviren hier auch wenig Begeisterung ausgelöst. Der Impfstoff könnte bei uns vor allem Kosten senken (ich weiß nicht, ob es dazu schon Zahlen gibt). In Entwicklungs- und Schwellenländern geht es hingegen um Leben und Tod. Bisher waren Impfungen gegen das Rotavirus noch ziemlich teuer (30-40€/Dosis), zu teuer für viele Menschen, die davon hätten profitieren können. Nun hat jedoch ein Biotechnologie-Unternehmen aus Indien einen Impfstoff entwickelt, der weniger als 1€/Dosis kostet. Das könnte 100 000en Kindern das Leben retten.

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Masern und Party: Schlechte Mischung

Auf den Scienceblogs berichtet Joseph Kuhn, warum es keine gute Idee ist, Kinder nicht (oder nicht ohne sehr guten Grund) gegen Masern impfen zu lassen [1].

Manche Eltern meinen, es sei besser, die Kinder nicht impfen zu lassen, z.B. weil angeblich eine natürlich durchgemachte Masernerkrankung die Entwicklung des Kindes fördern würde oder die Impfung erhebliche Risiken mit sich bringen würde. Für viel Verunsicherung hat 1998 ein Bericht des britischen Arztes Andrew Wakefield in der angesehenen Fachzeitschrift Lancet geführt, in dem ein Zusammenhang zwischen der Kombinationsimpfung gegen Mumps, Masern und Röteln (MMR-Impfung) und Autismus hergestellt wurde. Das hat sich in den folgenden Jahren als falsch herausgestellt, mysteriöse Geldzahlungen an Wakefield wurden bekannt, 2010 hat Lancet den Wakefield-Bericht offiziell zurückgezogen und 2011 war im Deutschen Ärzteblatt zu lesen, dass Wakefield seine Daten wohl gefälscht hat.

Anlass für den Bericht ist der Fall eines jungen Mädchens, das an den Spätfolgen der Masern gestorben ist.

[1] http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/2011/11/masernimpfung-statt-masernparty-wissen-ist-gesund.php

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