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Nazimilch

Es ist toll, weiß zu sein! Louis CK hat eine Nummer in der erklärt, wie großartig es ist, ein weißer Mann zu sein. Er meint damit, dass man als weißer Mann zu beinahe jedem Zeitpunkt der Geschichte, an beinahe jedem Punkt der Erde zu der Gruppe von Menschen gehört hätte, der es besser ging als dem Rest. Er meint das als Beschreibung der Wirklichkeit, nicht als ihre Rechtfertigung. Es gibt jedoch Menschen, die meinen das genau so. Die sind der Ansicht, ihre spärlich ausgeprägte Pigmentierung sei äußeres Zeichen einer inneren Überlegenheit gegenüber Menschen mit stärker ausgeprägter Pigmentierung. Bar jeder Kenntnis in Biologie sprechen diese Menschen gern von „Rassen“.

Und, so erfuhr ich kürzlich, sie, die weißen Überlegenen, trinken gerne Milch. Denn Milch ist auch weiß! Und weiß sein ist toll.

In New York hatte Shia LaBeouf, ein Schauspieler, eine Kamera eingerichtet, die eigentlich dazu dienen soll, zu zeigen, dass wir alle Schwestern und Brüder sind. Nackte Affen auf einem kleinen blauen Planeten. Der Platz vor der Kamera wurde von „White Supremasists“ dazu genutzt, ihre spärlich pigmentierten (jedoch Stellenweise künstlich nachpigmentierten) Oberkörper zu präsentieren, um ihrer politischen Botschaft Ausdruck zu verleihen: „Wir sind die besten. Und zwar nicht, weil wir irgendwas besser können als weniger Pigmentierte, sondern WEIL wir spärlich pigmentiert sind.“ Und welches Getränk könnte besser dazu dienen, dieses differenzierte Weltbild zu transportieren als Milch.

Die Herren trinken Milch vor der Kamera. Denn, so die Ansicht dieser Herren, die Tatsache, dass sie als Erwachsene ein Enzym besitzen, welches Laktose in Galactose und Glukose spaltet (Lactaste-Persistenz), sei Beleg dafür, dass sie an der Spitze der Evolution stünden. Prost!

In einem Paper aus Nature ist zu erfahren, dass die Fähigkeit Lactase auch als Erwachsener zu bilden (Kinder können es ohnehin) mit der Mutation einer DNA-Base in der Nähe des Gens für Lactase zu tun hat. Dabei wurde die DNA-Base Cytosin durch Thymin ausgetauscht. Es geht also, bei der Überlegenheit der weißen „Rasse“ um ein (EIN!) Molekül. Ein fragiles Konzept, will beherzt verteidigt sein.

Im selben Paper ist auch zu lesen, dass auch Menschen ohne Lactase-Persistenz Milchprodukte zu sich genommen hätten. Sie hätten lediglich dafür sorgen müssen, den Lactoseanteil in der Nahrung zu reduzieren. Dazu wurde Milch unter anderem zu Käse verarbeitet. Käse herzustellen ist gar nicht so einfach, diese Menschen konnten es bereits vor 8000 Jahren. Damit hatten sie diese Fähigkeit vor dem Zeitpunkt als die Lactase-Persistenz erstmals auftrat (ca. 7500 Jahre).

Man könnte also sagen, Menschen mit Lactase-Persistenz müssen sich weniger Gedanken machen wenn sie etwas essen wollen. Und sie sind zu faul, sich leckeren Käse zu machen. Sie trinken die Milch einfach aus dem Kanister.

Und wie das so ist, mit zufälligen Mutationen einzelner DNA-Basen, entstehen diese auch woanders. So zum Beispiel in Westafrika und Südasien. Auch dort gibt es Lactase-Persistenz. Zufällige Mutationen einzelner DNA-Basen entstehen auch bei Menschen mit stärker ausgeprägter Pigmentierung.

Es ist toll, weiß zu sein. Du denkst, du übernimmst die Herrschaft aber die Milch macht’s.

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Nazis schlagen

Im letzten Jahr wurde von einigen Menschen in meiner Filterblase ein Video geteilt, auf dem Nazis von der Polizei in Luxemburg verprügelt werden, als sie dort eine Kundgebung veranstalten. Das Verhalten der Polizei wurde goutiert und oft mit „So muss man mit Nazis umgehen“ abgenickt. Ich habe nirgendwo etwas gefunden, was den Ausschnitt in einen Kontext stellt, der Gewalt in der gezeigten Form legitimiert.

Im Rahmen von Gegenprotesten zur Vereidigung von Donald Trump wurde Richard Spencer, der die USA zu einer arischen Nation machen möchte, von einem Demonstranten geschlagen.

Es ist nicht so, dass ich nicht emotional nachvollziehen kann, warum man sich darüber freut, wenn Faschisten vermöbelt werden. Besonders wenn sie öffentlich auftreten. Ich kann sogar das rationale Argument nachvollziehen, dass Faschisten wissen sollen, dass sie eine Preis zahlen müssen, wenn sie ihre Ansichten öffentlich vertreten. Und doch bin ich dagegen, Nazis zu schlagen. Ich bin dagegen irgendjemanden zu schlagen weil er bestimmte politische Ansichten hat.

„Gewalt ist die letzte Zuflucht der Unfähigen.“

Isaac Asimov

So befriedigt der nackte Affe in mir durch diese Impulsdurchbrüche meiner Artgenossen auch sein mag, so sehr bezweifelt der Humanist in mir, damit meinem Ziel näher gekommen zu sein. Eher im Gegenteil. Durch Gewalt gegen Nazis, erreichen sie viel mehr ihre Ziele als „wir“ unsere.

Wann ist es ok einen Nazi zu schlagen? Die beiden oben verlinkten Videos verschaffen dem nackten Affen Befriedigung. Was wäre, wenn Spencer vom nächsten Demonstranten geschlagen worden wäre und vom nächsten und vom nächsten? Wäre ein Tritt auch ok? Dürften Knochen brechen oder offene Wunden entstehen? Wäre die Grenze erreicht, wenn er ins Krankenhaus gemusst hätte oder wäre auch eine Reha im Anschluss noch angebracht gewesen?

Reicht es, einen rassistischen Witz zu erzählen, um es verdient zu haben, geschlagen zu werden? Oder muss man auch der NPD angehören? Ab welchem Alter darf man Nazis schlagen? Müssen sie volljährig sein oder ist es auch bei Jugendlichen ok? Wie ist es mit Menschen die Aufseher im KZ waren? Sind die zu alt um geschlagen zu werden? Ist es ok, wenn sie am Schlag sterben? Wie sieht es aus, wenn sie bereuen, was sie getan haben?

Ich habe bei Reddit einen Kommentar gelesen, in dem eine Dame, die schrieb, sie sei früher Nazi gewesen, sie wünscht sich heute, jemand hätte sie damals geschlagen. Dann wäre sie früher „da rausgekommen“.

Machen wir unsere Zustimmung, ob man Nazis schlagen darf vom Ergebnis abhängig? Wie lange darf man einen Nazi verprügeln, bis man aufgibt, weil man es nicht schafft in „da rauszubringen“ (oder sie)? Und wie weit nach links muss er gewandert sein, damit man aufhören kann?

Ich habe gezweifelt, ob ich es nicht doch ok finde, Nazis zu schlagen. Insbesondere, wenn ich an einen Abend vor einigen Wochen zurückdenke, als ein Mann laut grölend an unserer Wohnung vorbeilief und übelste rassistische Parolen von sich gab. Als er merkte, dass er beobachtet wird, entfernte er sich und drohte, unsere Wohnung anzuzünden. Danach rief er, die SA und die SS würden bald marschieren und dann…

Das macht mich ängstlich und wütend. Das ruft niedere Instinkte in mir wach. Das macht mich ihm ähnlicher. Das will ich nicht. Das sollten wir nicht wollen.

Es ist nicht richtig, Nazis zu schlagen. Es ist richtig sich gegen Nazis zu wehren, ihnen zu widersprechen, sich ihnen in den Weg zu stellen und zu setzen und ihnen das Leben und vor allem die politische Aktivität schwer zu machen. Doch es ist nicht richtig, sie zu schlagen, egal wie schön das Gefühl ist, wenn man sich das wieder und wieder ansieht.

Anmerkung I:

Im Rahmen von legitimer Selbstverteidigung sieht das natürlich anders aus, nur um Missverständnisse zu vermeiden. Ich bin weder Gandhi noch Märtyrer.

Anmerkung II:

Wer im Einsatz für eine demokratische und offene Gesellschaft die Grenze zur Gewalt überschreitet und Konsequenzen (rechtlich, körperlich) zu tragen hat, hat meine Solidarität ohne, dass ich mit seiner oder ihrer Handlung einverstanden sein muss.

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PEGIDA und die schützende Hand

Obwohl ich seit einige Monaten selbst nicht mehr auf der Gegendemo war, verfolge ich das Geschehen medial regelmäßig mit. Über den routiniert ablaufenden Marsch der Besorgten in Dresden lohnt es sich nicht wirklich, Worte zu verlieren. Abgesehen von bewährter verbaler Eskalation und erneutem Streit im PEGIDA Führungsteam (diesmal mit Frau Festreling – der Lutz und seine Damen, was läuft da nur falsch?), handelt es sich um rassistische Routine in Dresden.

Aber manchmal gibt es schon Vorkommnisse, die schön vor Augen führen, wie dünn der demokratische Putz ist, in den sich Institutionen in Sachsen hüllen. Am Montag war wieder die Polizei Sachsen an der Reihe das zu zeigen.

Dem Marsch der Besorgten stellten sich auf der Prager Straße (eine breite Einkaufsstraße) 26 Personen entgegen und hielten ein Plakat hoch auf dem „Rassismus tötet“ zu lesen war. Die Polizei war sofort zur Stelle und setzte die Störer fest. Dabei gingen die Beamten gewohnt sächsisch, handfest vor.

Nun könnte man einwenden, auch die Besorgten hätten ein Recht auf Versammlung und Demonstration und die Aufgabe der Polizei bestünde darin, dieses Recht durchzusetzen. Und diesem Einwand würde ich, zähneknirschend, nicht widersprechen.
Nur ist es, man sieht es auf den Videos, nicht so, als hätten die 26 Menschen an dieser Stelle, in dieser Formation, den Marsch der PEGDIA aufhalten können. Die Demo wäre gut an den Menschen vorbei gekommen. Ob es also notwendig war, die Gegendemonstranten derart anzugehen, bezweifle ich stark.

Allerdings begnügete sich die Einsatzleitung nicht damit, die Protestierenden rabiat aus dem Weg räumen zu lassen. Sie hielt es auch für notwendig, sie „erkennungsdienstlich“ zu behandeln.

So wird jungen Menschen klar gemacht, dass ihr Protest nicht nur nicht erwünscht ist, sie werden aktiv eingeschüchtert. Die Polizei Sachsen macht sich durch ihr Verhalten zum Büttel der PEGIDA, zum Erfüllungsgehilfen einer faschistisch, völkischen Protestbewegung. Die Polizei Sachsen schützt nicht unserer Demokratie, sie schaufelt ihr Grab.

Ich übertreibe? Ja, das würde ich selbst auch denken, wenn ich diesen Text bis hierhin gelesen hätte. Das Verhalten der Einsatzkräfte, beschränkt auf diesen Fall mag meine Bewertung nicht rechtfertigen. Der Vergleich des Verhaltens der Kommunal- und Landesbehörden gegenüber den PEGIDA und dem bürgerlichen Gegenprotest hingegen schon.

Da ist zum Beispiel der Herr, der versucht, den 26 Protestierenden ihr Plakat zu entreißen. Dieser Herr konnte in aller Seelenruhe an den Polizeibeamten, die die Demonstranten festgesetzt hatten, vorbeimarschieren und nach dem Plakat greifen. Als das misslang, ging er ungehindert wieder zurück, träge beobachtet von den Ordnungshütern. Stellen wir uns einmal vor, ähnliches wäre durch jüngere Menschen aus „dem linken Spektrum“ passiert. In Dresden wurden junge Menschen wegen geringerer Vergehen schikaniert. Wir können die Reaktionen mit der Reaktion in diesem Video vergleichen (zugegeben, es handelt sich nich um die Polizei Sachsen und die beiden jungen Herren gehen energischer vor und sind erfolgreich…zumindest kurz).

Die Beispiele für das unterschiedliche Verhalten von Polizei Sachsen gegenüber den PEGIDA und deren Gegendemonstranten sind zahlreich. Im Herbst letzten Jahres gab die Stadt ein „Vollzugsdefizit“ bei PEGIDA zu. Lakonisch wurde das mit der hohen Teilnehmerzahl begründet. Ein Zustand an dem sich bis heute nichts geändert hat. Ich selbst stand neben Menschen auf der PEGIDA-Demo, die, nachdem sie keine 10m von Polizisten entfernt waren, Teleskopfahnenstangen von 3m und mehr auszogen, während die Auflagen verlesen wurden, nach denen nur 1,5m erlaubt waren. Den Alkoholkonsum muss ich sicher nicht erwähnen. Das Bündnis Herz statt Hetze hat dutzende Vorfälle vom PEGIDA-Geburtstag dokumentiert und veröffentlicht.

Passiert ist nichts. Die kleine Gegenbewegung die sich in Dresden gegen PEGIDA auflehnt, wird von behördlicher Seite aktiv behindert und kriminalisiert, während bei den PEGIDA die Augen zugedrückt werden. So baut man eine Bewegung auf, die die eigene Abschaffung fordert. Das lässt den Eindruck zurück als verhülle der demokratische Putz der sächsischen Behörden ein Fundament, in dem der Rost den Stahlbeton langsam braun färbt. Doch die DresdnerInnen haben andere Probleme, sie sorgen sich um ihr Image. Die Stadt nutzt lieber Putz als am Fundament zu arbeiten, Hauptsache das sieht keiner.

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Das Menschenmaterial von Öderland

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Die Wölfe besuchen den Neumarkt

Ich hätte mehr Publikum erwartet, im Schauspielhaus Dresden. Unter anderem, weil das Stück „Graf Öderland – Wir sind das Volk“ nach dieser Vorstellung nur noch zweimal aufgeführt werden wird. Außerdem bietet das Stück die Gelegenheit, sich kritisch mit PEGIDA auseinanderzusetzen, ohne sich mit „den Linken“ gemein machen zu müssen. Eine Angst, die das demokratische Engagement vieler Dresdner zu behindern schein. Mit den bekannten Konsequenzen. Wen man in Sachsen mit „den Linken“ meint, ist mir bis heute nicht ganz klar. Die tiefe Aversion für alles, was irgendwie „links“ dünkt, scheint aber auch zu verhindern, sich für Menschenrechte einzusetzen. So ist jeder leere Stuhl an diesem Abend ein weiteres Symptom für die Trägheit der Dresdner Bürgergesellschaft.

Ich gehe nicht so gerne ins Theater, ich habe oft das Gefühl, nicht zu verstehen, was auf der Bühne passiert und oft (bezogen auf die wenigen Male, die ich das Theater besuchte) berührt es mich nicht. Das war bei Graf Öderland anders. Die SchauspielerInnen erweckten die Kommentarspalten zum Leben. Es wurde von Anfang an viel Geschrien auf der Bühne. So wird den, aus Facebookkommentaren, Reden und Interviews gesammelten, Absonderungen der PEGIDA in einem neuen Kontext der ganze Hass entzogen und dem Publikum entgegengeschleudert. Es war schwer, ruhig auf dem Sitz zu sitzen und diesen Hass zu ertragen. Wie muss es den Menschen gehen, für die der Hass ursprünglich gemeint war? Ich könnte mich dem Hass durch wohlfeiles Benehmen gegenüber den VolkgenossInnen entziehen. Vielen Menschen ist das nicht möglich, sie sind aufgrund des Phänotyps oder tief verwurzelter kultureller Merkmale Hassobjekte.

Als Ben Daniel Jöhnk und Lea Ruckpaul, vor dem Vorhang stehend, Lutz Bachmann und Tatjana Festerling zur Kenntlichkeit erstellt zum Leben erwachen ließen oder die Horde der Frustrierten mit Fackeln und Fahnen hysterisch ihrer Angst Luft machten, fühlte es sich an, wie auf dem Theaterplatz. Wenn dort aus 1000en Kehlen „Widerstand“ zur Elbe schallt. Nur die Intensitäten von Angst und Scham kehrten sich um. Das, was hier dargestellt wird, passiert wöchentlich in Dresden und anderen Orten in Sachsen. Nur in Echt. Der Bürgerkrieg, im Schauspielhaus von Max Frisch geborgt, wird von den Besorgten auf dem Theaterplatz erdacht, nein, herbeigesehnt. Über die Lust auf Gewalt können dort viele PEGIDA nur mühsam den Mantel der Zivilisation zerren.

Zu den Monologen der SchauspielerInnen, wurde an anderer Stelle bereits geschrieben, dass sie durch ihre Authentizität eine Kraft entwickeln, die einen umhaut. In manchen Momenten hatte ich jedoch den bedrückenden Eindruck, als sei das Schauspielhaus Dresden, der letzte Ort, an dem man demokratische, humanistische und aufklärerische Gedanken und Ideen noch offen ausgesprochen werden können. Zumindest, ohne sich als Gutmensch oder Zecke beschimpfen zu lassen. Im besseren Fall. Dabei sollten diese Gedanken und Ideen eigentlich selbstverständlich sein in Deutschland im Jahre 2016.

Sind sie aber nicht. Verantwortung dafür trägt unter anderem die CDU-Sachsen. Auch das hatte Platz auf der Bühne und was für einen! Annedore Bauer las der Politik in Sachsen die Leviten und machte dabei nicht bei den Besorgten halt, sondern zeichnete ein Bild des umfassenden Versagens. Man könnte ihre These vielleicht zusammenfassen in der Aussage, dass für die sächsische Regierung, die Bevölkerung nichts mehr ist als im Dienste des Wirtschaftswachstums eingesetztes Menschenmaterial. Was ich besonders interessant fand, war die Aussage zum „Burnout“ bei SchülerInnen, aufgrund des massiven Leistungsdrucks. Anekdotisch kann ich das aus meiner Arbeit bestätigen, wäre aber an empirischen Belegen interessiert. In der CDU-Sachsen hat man sich den Mantel der Demokratie umgeworfen um den autokratischen Stil der Vergangenheit in die Zukunft zu retten. Diesmal jedoch nicht im Dienst des Sozialismus sondern des Kapitalismus. Leider haben die Sachsen das noch nicht gemerkt. Oder es stört sie nicht.

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Wenn die Bühnenbesorgten sich im Zuschauerraum verteilen und die Hetze von allen Seiten kommt, wird im Theater das Lebensgefühl, welches jedeN DemokratIn in Dresden seit Oktober 2014 subtil begleitet, so greifbar, dass ich mich frage, wie wir das ertragen. Es ist schon komisch, warum nicht schon viel mehr Menschen dieser Stadt den Rücken gekehrt haben. Nicht, dass das nicht bei vielen bereits eine Option ist. Vielleicht bekommen die stolzen und furchtsamen Sachsen ja noch, was sie wollen und man lässt sie allein. Be careful what you wish for.

Weiterlesen:

PEGIDA auf diaphanoskopie.

PEGIDA, zieh Dich warm an auf nachtkritik.de

Brand-Sätze auf der Bühne auf zeit.de

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Deeskalation a la Sachsen

 So schnell sind sie dahin, die guten Vorsätze. Immerhin bieten die erschütternden Bilder aus Clausnitz die Gelegenheit, meinen Fachbereich wenigstens am Rand in diesen Blog zu bringen. Das ist dann aber auch schon der letzte Lichtblick in diesem Beitrag.

Als ich gestern die pöbelnde, grölende Maße sächsischer Männer im Video auf Spiegel-Online sah, setzte meine sächsische Schamroutine ein und ich hakte dieses, zur Zeit mein zu Hause genannte, Bundesland wieder ein Stückchen ab. Frankfurt am Main ist auch ganz schön. Eigentlich jede größere Stadt Deutschlands außerhalb Sachsens. Am Rande sei bemerkt, wie erschreckend die eigene emotionale Verrohung in Angesicht des Schreckens ist, den meine -da führt kein Weg dran vorbei- Mitbürger unter geflüchteten Menschen in Deutschland verbreiten.

Heute morgen sah ich dann einen Post auf Facebook zu dem zweiten Video, auf dem zu sehen ist, wie ein Vertreter des Gewaltmonopols einen höchstens neun Jahre alten Jungen unter dem Johlen der umstehenden Faschisten gegen dessen Willen aus dem Bus zerrt. Zwei Dinge an diesem Video haben es durch meine sächsische Schamroutine geschafft und mich bis ins Mark erschüttert. Zum einen ist deutlich, dass der umstehende Pöbel die Beamten der sächsischen Polizei als Vollstrecker des hausgegrölten Volkswillens sieht. Zwar widersprechen sich die Willensäußerungen diametral („Fahrt nach Hause!“ vs „Hol ihn raus!“), doch die Sympathien zwischen Polizei und Folg scheinen in Sachsen so tief zu gehen, dass die gegenseitige Liebe auch in schweren Gewässern hält.

Wenn es sich dabei um den ersten Vorfall dieser Art in Sachsen handeln würde, könnte man von einem Ausreißer sprechen. Vieles spricht jedoch für ein, wie Sebastian Bartoschek schrieb, „strukturelles Problem“. Ich bin froh, dass ich mittlerweile ein sächsische Schamroutine entwickelt habe, so werde ich die kommende Zeit emotional überstehen. Die geflüchteten Menschen in Sachsen haben da weniger Glück.

Der zweite Aspekt in dem Video ist die zur Schau gestellte Unprofessionalität der Polizei. Gibt es so etwas wie eine Einsatzleitung, die, abseits vom direkten Geschehen einen kühlen Kopf bewahrend, die Situation überschaut? Gibt es Deeskalationsausbildung? Ist der Begriff bekannt?

In der Kinder- und Jugendpsychiatrie gibt es immer wieder Situationen in denen körperliche Gewalt (ich nenne es so, weil es vom Empfänger so empfunden wird, nicht weil es vom Ausübenden so intendiert ist!) im Rahmen von Zwangsmaßnahmen notwendig sein kann, um einen Menschen vor sich oder andere vor ihm zu schützen. Durch Deesekalationsstrategien lässt sich die Fequenz dieser Maßnahmen jedoch auf Einzelfälle reduzieren. Mir ist klar, dass ein Polizeieinsatz andere Bedingungen hat als eine psychiatrische Behandlung. Die Prinzipien sollten sich aber in beiden Fällen aus den Menschenrechten herleiten lassen.

So muss es die Abwägung geben, ob die ausgeübte Zwangsmaßnahme im Verhältnis zu dem steht, was ich durchsetzen will oder ob es mildere Mittel gibt. In Clausnitz war das Ziel (?), Menschen aus einem Fahrzeug in ein Gebäude zu bringen. Diese Menschen haben sich, aus einer nicht unberechtigten Angst, geweigert oder gesträubt, diesen Bus zu verlassen. Denn sie sahen durch sächsische Männer ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit gefährdet. Und offensichtlich waren sie der Ansicht, das die sächsische Polizei in der anwesenden Personaldecke und der gezeigten Haltung ihnen gegenüber nicht in der Lage war oder sein wollte, sie adäquat zu schützen.

Doch Anstatt die Ursache für die Angst der Menschen zu beseitigen und dafür zu sorgen, dass der Pöbel gebührenden Abstand hält, zwingt man die Menschen, sich diesem Pöbel auszusetzen. Hat der junge Mensch, der von einem sächsischen Polizisten mit Gewalt aus dem Bus gezerrt wird*, den Krieg, die Reise über das Mittelmeer, die Reise durch das winterliche (klimatisch und emotional) Europa und die Zeit in den Erstaufnahmestellen ohne ein Trauma überstanden, sorgt sächsische Polizei fürsorglich für Abhilfe. Weiß sie doch, dass PEGIDA & Co nur traumatisierte Geflüchtete akzeptieren. Man hilft ja, wo man kann. Danke Polizei.

Eine weitere Möglichkeit wäre gewesen, einfach zu warten. Die Menschen auf der Straße wären nicht ewig dort geblieben. Man hätte den Menschen sagen könne, dass man sie schützen wird, Präsenz zeigen und wenn die Lage sich beruhigt hat, die Menschen aussteigen lassen.

Oder man hätte, den Bus umdrehen lassen können und am nächsten Tag einen erneuten Anlauf starten können, besser vorbereitet und mit einem neuen Heimleiter.

Oder, mein Favorit, man hätte die Personalien der Pöbler feststellen sollen, den Bus zum nächsten hochklassigen Hotel bringen lassen und die Menschen darin solange unterbringen, bis eine sichere Ankunft in Clausnitz möglich wäre. Die Hotelrechnung wäre dann den Pöblern zugestellt worden.

*Es ist natürlich möglich, dass die Art zu handeln aus der immer noch weit verbreiteten Ansicht resultiert, es sei kein Problem, Kinder mit körperlicher Gewalt zu etwas zu zwingen. In dem Fall könnte die Polizei gleich zwei Probleme in den eigenen Reihen angehen.

Weiterlesen:

Mehr Texte zu PEGIDA und den sächsischen Verhältnissen aus Sicht eines Wirtschaftsflüchtlings (das bin ich) auf Diaphanoskopie.

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Besorgte für die ‚Freie Gesellschaft‘

Gerade wollen viele eine freie Gesellschaftsordnung schützen, indem sie sie unfreier machen. Insbesondere durch Gesetzverschärfungen. Die besorgten Bürger mögen sich darüber freuen, dass „die Ausländer“ – wahlweise „die Flüchtlinge“ – jetzt härter angepackt werden sollen. Dabei vergessen Sie, dass viele dieser Menschen nur zeitweise in Deutschland bleiben werden. Ausbaden müssen die Gesetzverschärfungen die, die bleiben. Dazu dürfte die Mehrzahl derer gehören, die jetzt den populistischen Vorschlägen applaudieren. So wird uns aus Angst vor dem rechten Michel Law and Order Politik untergejubelt. Freiheit stirbt mit Sicherheit.

Dabei ist das was in Köln passiert ist, gerade eine Zeichen dafür, dass wir in einer freien Gesellschaft leben. Denn deren Mitglieder gestalten ihr Leben weitgehend selbständig, ohne ständiger Kontrolle zu bedürfen. Dabei können Dinge schief gehen. Und wenn die Umstände passen, können sie sogar gewaltig schief gehen. So wie in Köln.

Schärfere Gesetze werden uns nicht vor einer Wiederholung schützen. Denn „verboten“ war das alles bereits in der Silvesternacht 2015. Schützen könnte uns ein solidarisches Verständnis von Zivilcourage. Eines, das Menschen dazu ermutigt, einander zu helfen, wenn sie in Not sind. Spontane Solidarität. Wir können darüber sprechen, ob die Ereignisse mit „dem Islam“ oder sonst einer „importierten Kultur“ (gähn) zu tun haben. Oder wir sprechen darüber, wieso die Mitglieder unserer „freien, liberalen, zivilisierten Gesellschaft“ einander an diesem Abend nicht solidarisch zu Hilfe gekommen sind.

In ersterem Fall müssten „die anderen“ sich verändern im zweiten wir alle.

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PEGIDAs Sorge um den Rotmilan

Michael Bittner dürfte einer der intimsten Kenner der Seele von PEGIDA sein. Regelmäßig veröffentlicht er „Fanpost“ von Menschen die zu den Veranstaltungen gehen. Dabei wird immer wieder deutlich, dass vielen TeilnehmerInnen gar nicht wichtig zu sein scheint, was man vorne auf der Bühne in den Abendhimmel ablässt. Einige sind angeblich nicht mal damit einverstanden. Einig sind sich jedoch alle darin, dass es falsch läuft in Deutschland. Alle wissen, dass sie unzufrieden sind und alle wissen, wer daran Schuld hat: die „Volksverräter“. Und so nutzen sie PEGIDA um dem eigenen Frust Ausdruck zu verleihen. Dabei übersehen sie, dass sie als Treibstoff für das Projekt einer neurechten Bewegung verfeuert werden.

So wie ein Teilnehmer, den ich darum bat ein Foto von seiner Fahne machen zu dürfen. Auf den ersten Blick sah es aus wie eine Friedenstaube, die in den Farben der Wirmer-Flagge auf weißem Grund flatterte. Doch ich würde aufgeklärt, es handele sich um einen Rotmilan. Dieser sei durch die „bescheuerte Energiewende“ mittlerweile gefährdet. Darum sei man nicht nur „gegen Ausländer“ sondern auch gegen die Energiewende. In der Nähe seines Wohnortes seien Windräder geplant. Das habe der Tillich im Wahlkampf noch anders versprochen, sei aber vor der „kleinen SPD“ eingeknickt. Umweltschutz ist Heimatschutz und Merkel killt den Rotmilan.

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Und so denkt jeder, sein oder ihr kleines Anliegen würde im Glanze von PEGIDA erstrahlen und Rückendeckung vom Volke erfahren. Doch die Führer des Volkes haben eigene Pläne. Ob der Rotmilan darin Platz hat, ist fraglich.

Im Zuge der Vorkommnisse der Silvesternacht in Köln wird nun versucht die komatöse „KÖGIDA“ unter dem Motto „PEGIDA schützt“ wiederzubeleben. Somit ist die Zivilgesellschaft in Köln gezwungen sich damit zu beschäftigen, einen rechten Aufmarsch zu verhindern, anstatt differenziert darüber zu diskutieren, welche Antwort wir als Gesellschaft geben wollen.

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So treiben uns die FaschistInnen vor sich her und bestimmen den Ton im Diskurs.

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Die ‚Besorgten‘ wollen’s wissen

Nun legen sie es darauf an. Die Teilnehmerzahlen stagnieren und so langsam wird es, ‚Hymne‘ hin oder her, allmontäglichen etwas zäh auf dem Theaterplatz: Plärren, Fähnchen schwenken, schimpfen, nach Hause fahren. Darum besinnen sich die MacherInnen der neofaschistischen PEGIDABewegung auf das, was sie können und begeben sich auf den Weg in die Opferrolle. Das will gut vorbereitet sein. Erst der „vernünftige“ Verzicht auf den Theaterplatz. Dann die Anmeldung in der Neustadt, die, erwartbar, Widerstand hervorruft und nun das herbeireden „linker Gewalt“, damit man hinterher sagen kann: Wir haben es ja schon immer gesagt, alle wollen uns unterdrücken.

Nach den Erfahrungen der vergangenen und aktuellen PEGIDA-Saison wird sowohl das Verhalten der Stadt als auch der Polizei der „Bewegung“ in die Hände spielen. Die völkischen Freunde der verschiedenen Ebenen reichen sich die Hände und inszenieren gemeinsam ein vorhersehbares Schauspiel. Die  Stadt genehmigt den PEGIDA-Aufmarsch auf dem Schlesischen Platz. Die Polizei wird Protest in Hör- und Sichtweite mit massivem Aufgebot verhindern und so für Frust bei den GegendemonstrantInnen sorgen. Dann fehlt nur ein kleiner Funke zur Eskalation und der wird sich finden lassen.

Hinterher können sich die PEGIDA-Anhänger und die Dresdner Bürgerschaft über die „Linken Chaoten“ die „auch nicht besser sind als die Rechten“ aufregen und sich weiterhin vom Protest gegen PEGIDA fernhalten. Die Empörten aus dem gesamten Bundesgebiet werden sich den „linksgrünen Terror“ nicht gefallen lassen und wieder vermehrt nach Dresden reisen. Die Zahlen bei PEGIDA werden wieder steigen und Bachmann & Co freuen sich.

PEGIDA führt die Stadt am Nasenring durch die Manege und die zuckt dabei mit den Schultern. Das sind sächsische Verhältnisse.

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Herr Bachmann, er zählt

Hallo Herr Bachmann,

auf ihrem Facebookprofil haben Sie ein Foto veröffentlicht, welches die von GEPIDA angemeldete Demonstration auf dem Weg in die Neustadt zeigt. Der Zeitpunkt der Aufnahme liegt damit nach dem, für den Montag Abend in Dresden wichtigen, lautstarken Widerspruch gegen die völkischen Ideen von Menschen im mittleren Alter. Auf dieses Foto reagieren sie mit Spott und machen sich über die Studentengruppe @durchgezählt lustig. Diese Studenten, so sind Sie der Ansicht, hätten von Mathe (und auch sonst) keine Ahnung, denn die von @durchgezählt veröffentlichten Zahlen (350 – 500  TeilnehmerInnen) würden sich nicht im Bild wiederspiegeln. Das ganze würzen Sie mit einer Prise Verschwörung (die Zahlen der PEGIDA werden kleingehalten). Und, das ist geschickt, Sie versuchen Glaubwürdigkeit zu erreichen, indem Sie „zugeben“, das schlechte Wetter (!) habe für geringere Teilnehmerzahlen bei Ihnen gesorgt. Das ist schön, dass Sie „zugeben“, dass bei schlechtem Wetter weniger Menschen draußen Zeit verbringen. Geben Sie demnächst auch zu, dass die TeilnehmerInnen bei Regen nass werden?

Interessant an Ihrem launigen Kommentar fand ich Anderes. Zum einen frage ich mich, ob Sie tatsächlich, also wirklich, wenn Sie ganz ehrlich zu sich sind, das gezeigte Bild ernsthaft als Beleg dafür sehen, dass die Zahlen von @durchgezählt nicht stimmen? Dann sind Sie entweder deutlich einfacher gestrickt, als ich bisher gedacht hatte oder leben fröhlich in Ihrer ganz eigenen Welt. Bisher hatte ich Ihnen durchaus einen durchschnittlichen IQ zugetraut. Menschen mit faschistischen Ideen sind nämlich nicht zwingend dumm, auch wenn dieses Narrativ von vielen Menschen verbreitet wird. Ich kann mich aber nicht entscheiden, ob Ihre Wahrnehmung stark eingeschränkt ist oder Sie tatsächlich nicht in der Lage sind, die Bräsigkeit Ihres Posts selbst zu verstehen. Ich sagen Ihnen mal warum.

Sie echauffieren sich über die Nennung von „Schätzung“ und „Zählung“ im selben Atemzug.

Schon der Wortlaut: „Erste Schätzung“ und dann „ermittelt per Demozugzählung“! Herrlich! Was denn nun, Schätzung oder Zählung?
Na eigentlich egal, die“ Studenten“ können offensichtlich Beides nicht!

Hätten Sie sich über die Methoden von @durchgezählt informiert, wüssten Sie, dass es eine Methode gibt, bei der in einer Demonstration jede x. Reihe gezählt und mit der Anzahl der Reihen multipliziert wird. Das ergibt eine erste Schätzung. Erst zählen, dann schätzen. Würden Sie die Methode nicht kenne, wären Sie einfach unterinformiert. Aber jedes Kind, dass schon mal die Anzahl von Erbsen (o. ä.) in einem Glas geschätzt hat, um einen tollen Preis zu Gewinnen (eine „Wirmer-Flagge“ z. B.) dürfte sich dieser Methode zumindest angenähert haben oder verstehen, dass es Sinn ergibt, zählen und schätzen zu kombinieren.

Abgesehen davon gehen Sie mit keiner Silbe auf die Möglichkeit ein, dass Menschen die Demonstration „vorzeitig“ verlassen haben könnten. Nämlich nachdem die GEPIDA-Kundgebung – in Hör- und Sichtweite einer Versammlung von, in Sprechchören vertieften, alten Menschen mit Deutschlandfahnen – beendet war. Dasselbe Phänomen war in den letzten Wochen zu beobachten, ist Demoalltag und auch die PEGIDA humpeln oft schon vor dem Ende der Veranstaltung Richtung HEIMAT. Vielleicht haben Sie noch nicht davon gehört, aber zumindest den rudimentären Kontext von Bilder oder Nachrichten in deren Bewertung mit einzubeziehen ist notwendig, um überhaupt die Chance zu haben, intellektuell Aufrichtig zu sein.

Sie machen, entweder aus Unfähigkeit (das wäre traurig für Sie) oder aus Berechnung (das wäre traurig für uns und eine Beleidigung des Intellekts Ihrer Anhänger), das Gegenteil. Sie perpetuieren genau die Geschichte, die dazu dient, am nächsten Montag ein paar wütende alte Menschen auf den Theaterplatz zu locken und gemeinsam ergriffen der PEGIDA-Hymne zu lauschen. In der Medizin nennt man sowas einen Scharlatan.

Apropos Anhänger. Wissen Sie, was mir an den „linksversifften Gutmenschen“ richtig gut gefällt? Wenn einer von denen sich so ein durchsichtiges Manöver wie Sie leisten würde, nur um das eigene Klientel glücklich zu machen, hätten viele Mitglieder genau dieses Klientels dieses Manöver als solches deutlich gemacht. Wenn es Ihnen natürlich gefällt, sich mit devoten Claqueuren zu umgeben, sind Sie an der richtigen Stelle. Weiter so.

Lieber Herr Bachmann, das war jetzt ganz schön viel Text und ich habe den Verdacht, das eine oder andere Wort mussten Sie vielleicht nachschauen („Claqueur“ muss ich auch immer erst googeln). Aber der Herr Pirinci hilft Ihnen bestimmt gerne, der hat ja jetzt mehr Zeit. In diesem Sinne, geben Sie sich doch bitte in Zukunft etwas Mühe und machen es uns Gutmenschen nicht ganz so einfach, Ihre Anliegen zu durchschauen. In diesem Sinne einen schönen Tag.

 

Weiterlesen:

Mehr lustige Aussagen von PEGIDA auf Diaphanoskopie: „PEGIDA – Back to the roots

Mehr Texte zu PEGIDA auf Diaphanoskopie.

 

Dokumentation:

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PEGIDA – Back to the roots

Seit über einem Jahr besetzen die PEGIDA beinahe jeden Montag-Abend die Stadt. Nachdem ich im letzten Jahr einiges dazu geschrieben hatte, fällt mir in letzter Zeit nicht viel Neues ein. Das wundert mich insofern, als dass mich die PEGIDA weiterhin beschäftigen. Immerhin bestimmen sie oft meine Abendgestaltung am Montag. Doch auf den Demonstrationen passiert nichts neues. Es gibt mittlerweile eine gefühlte Protestroutine. Die Positionen sind klar, die PEGIDA radikalisieren sich zunehmend und weisen diese Radikalisierung immer vehementer von sich.

Diese Scheindistanzierung von Rechtsextremismus und Gewalt dient einzig und allein dazu, den Menschen mit gefühlter politisch gemässigter Einstellung die Teilnahme unter Gesichtswahrung zu ermöglichen. Denn ohne die Mitläufer, Opportunisten und besorgten BürgerInnen, wäre das Häuflein jeden Montag sehr klein.

Ich selbst habe ein eher naives Naturell und neige deswegen immer erstmal dazu, Menschen das zu glauben, was sie sagen. So auch Herrn Bachmann. Und Herr Bachmann jammert jeden Montag über das verzerrte Bild, welches in den Medien (aka „Lügenpresse“) von den PEGIDA gezeichnet werde. Als PEGIDA noch ein neues Phänomen war, habe ich ihn selbst sagen hören, man habe nichts gegen „Moslems“ an sich. Gut Integrierte seien willkommen bei den PEGIDA. PEGIDA habe nichts mit Ausländerfeindlichkeit zu tun, äußerte Bachmann wiederholt. Ob der Bachmann Lutz einfach nicht merkt, dass er damit Bullshit erzählt oder uns bewusst hinters Licht führen will, weiß ich nicht. Aber, dass es Bullshit ist, weiß ich. Denn, um meine Ansicht zu überprüfen bin ich zu den Wurzeln der PEGIDA zurückgekehrt; der Facebookgruppe. Dort wurde ein TV-Beitrag über einen Dresdner Bürger mit Migrationshintergrund verlinkt und differenziert* besprochen. In diesem beschreibt er, wie sich die Stimmung verändert habe, seit PEGIDA sich der Stadt aufgedrängt hat und dass er sie als feindselig erlebt. In den Kommentaren geben die Anhänger diverse rassistische Entgleisungen von sich.

Klar ist vielen: Das hat der für Geld gemacht. Wer es sich so weit in seinem Opferstatus und seiner Verschwörungsideologie zurückgezogen hat, denkt, er sei umgeben von Feinden. Und wenn man auf dem Theaterplatz in völkischen Gesängen schwelgte, kann man sich nicht vorstellen, dass jemand eine andere Meinung hat als man selbst.

BezahltPEGIDA 2015-11-28 um 20.04.26 BezahltPEGIDA 2015-11-28 um 20.05.21

BezahltPEGIDA 2015-11-28 um 20.05.39

Ärgerlich, in diesem Staat werden nur Moslemschauspieler und die Antifa ordentlich bezahlt.

BezahltPEGIDA 2015-11-28 um 20.14.28 BezahltPEGIDA 2015-11-28 um 20.15.01 BezahltPEGIDA 2015-11-28 um 20.15.08SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.05.05

Es sind allerdings nicht alle im Folg so gemein und haben „den Migranten“ im Verdacht bösartig zu handeln. Vielen ist klar, dass die Systempresse nichts unversucht lassen wird um den PEGIDA zu schaden. Denn deren Schreiberlinge werden gesteuert von der NWO und warten nur auf den Bevölkerungsaustausch.

LügendpressePEGIDA 2015-11-28 um 20.01.55

Bestechende Logik: Wenn ich es nicht gesehen, gelesen oder gehört habe, ist es auch nicht passiert. Das ist die Weltsicht einer Dreijährigen.

LügendpressePEGIDA 2015-11-28 um 19.56.22

Glücklicherweise ist der subtile Hinweis zum Ausländerbeirat diesem Herren aufgefallen. So konnte er den Beitrag entlarven. Gute Arbeit Folgsgenosse.

LügendpressePEGIDA 2015-11-28 um 20.02.32

Nicht das Individuum entscheidet, wo seine Heimat ist, sondern die Volksgemeinschaft.

LügendpressePEGIDA 2015-11-28 um 20.08.34

Ob der Autorin die Ironie ihres Kommentars bewusst ist? Sie war selbst nicht da, glaubt aber den Informationsquellen die über Übergriffe durch PEGIDA berichten nicht (wg. Lügenpresse), darum kann der Bericht von jemandem, der in Dresden lebt nicht stimmen.

LügendpressePEGIDA 2015-11-28 um 20.15.26

Tja…wer könnte in Ostdeutschland relativ sicher davor sein, „Gewalt gegen Ausländer auf offener Straße“ zu erleben?

LügendpressePEGIDA 2015-11-28 um 20.02.08 LügendpressePEGIDA 2015-11-28 um 20.07.55 LügendpressePEGIDA 2015-11-28 um 20.12.51 LügendpressePEGIDA 2015-11-28 um 20.15.41 LügendpressePEGIDA 2015-11-28 um 20.16.08

Was sich durchzieht ist eine Art subjektiver Objektivismus. Ähnliches sieht man bei Esoterikgläubigen. Nur ist es dort umgekehrt. Die Interpretation der eigenen Erfahrung ist durch nichts zu widerlegen. Wenn die PEGIDA etwas nicht selbst erfahren haben, ist es nicht zu belegen. Außer es passt zu der bereits vorher gefassten Meinung. Dann empören sie sich bis hin zu Gewaltphantasien.

Ein ebenfalls oft gehörtes Lied der PEGIDA ist, „Wir sind keine Rassisten aber…“ (als Rassisten im Sinne dieses Textes gelten Menschen, die offensichtlich rassistische Aussagen machen). Bachmann und andere Redner betonen immer wieder, sie hätten nichts gegen „Moslems“, nur gegen „Islamisten“. Wenn das so wäre, müsste sich diese Meinung in den Kommentaren widerspiegeln. Zum Beispiel indem Menschen, die diesen Konsens verlassen widersprochen wird.

RassismusPEGIDA 2015-11-28 um 20.02.21

Wer aussieht (!) wie jemand, der einen „Kinderficker“ anbetet, dem steht man feindlich gegenüber. Hipster zieht Euch warm an. Aber kein Rassismus!!!

RassismusPEGIDA 2015-11-28 um 20.11.23

Wer Ideen anhängt, die nicht mit dem GG vereinbar sind, darf kein öffentliches Amt bekleiden! Wenn das mal nicht zum Bumerang wird…

RassismusPEGIDA 2015-11-28 um 20.05.33

Wahrscheinlich weil alle anderen Kandidaten beim Ehrenamtsdshihad geköpft werden (Sharia!!!11elf!!).

RassismusPEGIDA 2015-11-28 um 20.03.17

Die Möglichkeit zur Differenzierung der PEGIDA ist ausbaufähig.

RassismusPEGIDA 2015-11-28 um 20.06.13

Die Anschlagswelle muslimischer Inder in Sachsen hat mich auch geschockt!

RassismusPEGIDA 2015-11-28 um 20.10.13

Wieso ist denn das klar, die PEGIDA haben doch nichts gegen Muslime. Ich bin verwirrt

RassismusPEGIDA 2015-11-28 um 20.13.27

Denn bevor nicht alle Menschen akzentfrei Deutsch sprechen, ist Deutschland nicht frei. Gut, dass man „die Sachsen“ immer so gut versteht.

RassismusPEGIDA 2015-11-29 um 13.26.02

Alle Menschen muslimischen Glaubens kommen aus dem Nahen Osten und sind Ratten. Und wir sind keine Nazis, denn Nazis haben Glatzen.

RassismusPEGIDA 2015-11-28 um 20.02.59

What does the Fox say?

OK, wir dürfen nicht vergessen, die PEGIDA haben nichts gegen gut integrierte „Ausländer“, wenn sie sich an unsere Regeln halten und unsere Sprache sprechen. Dieser „Migrant“ stellt sich ganz klar gegen die Folgsgemeinschaft und kann nicht ausreichend gut Deutsch für die Zeit, die er in Dresden verbracht hat. Das haben die PEGIDA klar herausargumentiert. Und was soll man nun mit einem Menschen machen, der das Recht auf freie Meinungsäußerung für sich in Anspruch nimmt? Ein Recht, das den PEGIDA ja sehr wichtig ist.

RausPEGIDA 2015-11-28 um 19.54.17

Der Altruismus ist die Motivation vieler PEGIDA.

RausPEGIDA 2015-11-28 um 19.54.50 RausPEGIDA 2015-11-28 um 19.57.42 RausPEGIDA 2015-11-28 um 19.58.54 RausPEGIDA 2015-11-28 um 20.04.14RausPEGIDA 2015-11-28 um 20.00.56RausPEGIDA 2015-11-28 um 20.03.40RausPEGIDA 2015-11-28 um 20.04.14 RausPEGIDA 2015-11-28 um 20.06.20 RausPEGIDA 2015-11-28 um 20.09.50 RausPEGIDA 2015-11-28 um 20.11.51 RausPEGIDA 2015-11-28 um 20.14.10SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.11.41

Warum setzen sich eigentlich immer (!) alle (!) für die „Ausländer“ ein? Wirklich arm dran in diesem Land sind doch die Deutschen! Die verhungern vor ihren Flachbildschirmen. Werden unterdrückt und vom „Ethnozid“ bedroht.

ArmeDeutschPEGIDA 2015-11-28 um 19.57.21

Echt mal. Wir werden doch wohl in unserem EIGENEN Land so einem „Moslem“ mit einem zünftigen Genozid drohen dürfen!

ArmeDeutschPEGIDA 2015-11-28 um 20.00.46

Die „eigenen Leute“. Ich hoffe ich bin aus dieser Gruppe ausgenommen.

ArmeDeutschPEGIDA 2015-11-28 um 20.09.12

Tja, und jetzt lachen wir Dich aus. Haha!

ArmeDeutschPEGIDA 2015-11-28 um 20.11.12

Stimmt, was soll man auch machen, wenn so ein „Moslem“ in die Bahn einsteigt. Eine Drohung ist die einzig mögliche Reaktion. Wird schon den Richtigen treffen.

ArmeDeutschPEGIDA 2015-11-28 um 20.15.58

WTF? „1000ende Jahre“? Der Verfasser muss tatsächlich der Ansicht sein, seit 1000en Jahren habe es keine Migrationsbewegungen nach und aus Deutschland gegeben. Nach „Neu Köln“ würde ich allerdings gerne mal fahren. Ist bestimmt schön da…in Berlin war ich ja schon mal.

Was sonst noch? Vielleicht diese Schmuckstücke:

DieseARtI

No one is save! Wer nicht ordentlich ranschafft, fliegt raus! Wie man das mit einer offenen Gesellschaft vereint (die die PEGIDA ja ganz toll finden), ist mir ein Rätsel. Vielleicht wird das auch „falsch rübergebracht“.

DieseArtII

Wahrscheinlich ist diese, immerhin 23 Stunden unmoderierte, Antwort auf den gemäßigten Kommentar auch „falsch rübergebracht“.

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 19.59.50

Was soll uns das sagen? Alle krank?

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.03.29

Nö, „die Linken“ in Dresden rufen: „PEGIDA verpisst Euch! Keiner vermisst Euch!“ (u. a.)

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.03.59

Demonstrierst Du noch oder drohst Du schon?

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.04.55

Wow! Echt? Voll krass! Noch nie von gehört.

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.05.55

Unheimlich? Na dann! Unheimliche wollen wir hier nicht.

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.07.30

Meinungsfreiheit gilt bei PEGIDA für die, die zahlen. Je mehr man zahlt, desto mehr Meinung hat man. Voll demokratisch!

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.08.57

Popcorn!

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.09.27

Der Einzige, der interviewt wird? Der Einzige, der beschimpft wird? Der Einzige der Angst hat? Hauptsache „!!!“

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.09.39

Klassische christlich abendländische Werte, vermittelt durch die PEGIDA-Akademie.

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.10.46

Das Problem haben auch einige, die hier geboren wurden. Habschghört! Nu!

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.12.32

Wow! Einfach Wow! Wer kennt sie nicht, die vielen Berichte über Rassisten, die nur „Ausländer“ verprügeln, die Arschlöcher sind.

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.13.40

Weil er gut ausgebildet ist und mit einem Vokabular widerspricht, dass vielen PEGIDA fremd ist?

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.13.53

Hübsch. Im selben Satz Unmut über den Beitrag äußern und seine Berechtigung belegen. Nicht schlecht.

SonstigePEGIDA 2015-11-29 um 13.26.42

Zwei Worten würde ich zustimmen.

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.09.58

Eine Phobie wäre es nur, wenn es unberechtigte Ängste wären…

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.12.02

Super! Meins auch, sagen wir doch einfach „Mensch“.

Ein mässigende Stimme gab es dann doch noch:

Mäßigung

Hoffnung macht mir das aber auch irgendwie nicht.

Zu guter Letzt noch etwas aufrichtige Empörung:

LügnerPegida 2015-11-29 um 19.49.37

Leider Nein! Dazu zwei Tweets. Als ich am 9.11.15 auf dem Weg zur Gegendemo den Theaterplatz überquerte hört ich ein Gespräch:

Schaut man sich also dort um, wo PEGIDA seine Wurzeln hat, auf Facebook und dem Theaterplatz in Dresden, wird klar, dass die Distanzierung von Rassismus und Gewalt, von Faschismus und „Nazis“ nur Lippenbekenntnisse sind. Eine Marketingstrategie um die „besorgten Bürger“ nicht zu vertreiben. Und im Moment läuft es gut, leider.

*kleiner Scherz

 

Mehr Texte zu den PEGIDA auf „Diaphanoskopie“.

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