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Morgenandacht – Achtung Logikfalle

Ein zugleich humoristischer und aufregender Start in den Tag ist die Morgenandacht im Radio. Beglückt werden damit täglich Menschen jeglicher Weltanschauung (außer Sonntag, da ist Messe). Die beiden großen christlichen Konfessionen teilen sich den Sendeplatz.

Am Samstag sinnierte Pfarrer Markus Karsch aus St. Wendel über Ostern und wie das Leben so spielt. „Was wäre“, fragt er seine Frau, „wenn wir damals nicht zusammengekommen wären?“ “Dann wäre ich heute glücklich verheiratet“ antwortet diese. Witzig.

Nach diesem einleitenden Scherz macht sich der Gottesmann ernsthafte Gedanken. Er überlegt, welche Folgen das Leben Jesu hatte. Insbesondere macht er sich Gedanken darüber, wie es wohl gekommen wäre, wenn Joseph und Maria nicht nach dem Hinweis eines Engels als Flüchtlinge ihr Kind vor der Ermordung durch Herodes Schergen in Sicherheit gebracht hätten. Flüchtling zu sein, sei bereits damals sicher nicht leicht gewesen, hätte doch jeder an Moses Flucht aus Ägypten gedacht.

„Auch damals wird es MisstrauenFlüchtlingen gegenüber gegeben haben. Schon aus der Geschichte heraus: der Auszug von Gottes Volk aus der Sklaverei im Ägyptenland. Damals schon eine alte Legende. Aber sie verursachte bestimmt noch immer Unbehagen vor umherziehenden Menschen, stelle ich mir vor.“

Moses wird in der populären Kultur häufig in der Zeit Ramses II. verortet. Das wären 1300 Jahre vor Jesu Geburt. Da haben also die Menschen in einer römischen Provinz nichts besseres zu tun als über ein Ereignis nachzudenken, welches 1300 Jahre vorher stattgefunden haben soll? In der Zwischenzeit ist vermutlich sonst nicht viel passiert. Steht ja nicht in der Bibel.

Kurz: Maria und Joseph hatten es schwer und haben Jesus in Sicherheit gebracht. Wenn sie das nicht gemacht hätten, wäre er nie gekreuzigt worden und nie auferstanden. Es gäbe keine Christen! Und Pfarrer Karsch hätte uns nicht mit seinen Gedanken beglücken dürfen. Er wäre auch kein Pfarrer, denn es gäbe keine Kirche, wenn es Jesus nicht gegeben hätte.

Dass es keine historischen Belege für den Kindermordenden Herodes gibt, ist geschenkt, es gibt genug Gründe zu flüchten. Dass niemand weiß, ob Moses je existiert hat und es keine Hinweise auf den Auszug der „Israelisten“ aus Ägypten gibt, kann mal passieren. Blöd ist allerdings, dass es wahrscheinlich ist, dass es die historische Figur „Jesus von Nazareth“ nie gegeben hat. Es scheint also, dass genau das zutrifft, was Pfarrer Karsch so froh abstreitet. Trotzdem gibt es die Kirche. Trotzdem darf mir ein Pfarrer am Samstag Morgen die Zeit stehlen.

Wenn ich erfahren, dass Menschen, deren Ansichten ich schätze, nicht existiert hätten, bringt mich das nicht in eine tiefe Sinnkrise. Ich wäre höchstens verwundert, welcher Schauspieler Christopher Hitchens wohl dargestellt hat. Die Ideen dieser Personen wären aber nicht mehr oder weniger wertvoll für mich. Die von Ihnen vertretenden Werte wären mir genauso wichtig.

Bei Pfarrer Karsch scheint das anders zu sein. Zieht doch Jesus seine Autorität daraus, der „Sohn Gottes“ zu sein. Wichtig sind nicht die Idee, sondern wer sie gesagt hat. Ich finde das beunruhigend. Was passiert, wenn heute jemand eine Mehrzahl von Christen davon überzeugen könnte, er (oder sie? eher nicht) sei der Sohn Gottes und die großen Kirchen hätten seine Botschaft missverstanden? Was, wenn er sagt, wer ins Himmelreich will, müsse alle gottlosen Personen aus dem Leben befördern? Wer von Gottes Weisheit und Größe überzeugt ist, müsste danach handeln. Ich müsste nicht anders handeln, wenn Hitchens zurück kommt und sagt, ich hätte ihn falsch verstanden.

Wenn also Jesus zurückkommt und alle ihn missverstanden haben, dann Gnade uns Gott.

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BH Verbot – Was nach der Burka kommt

[In diesem Text geht es nicht um die politische Bedeutung der Vollverschleierung. Es geht nicht um ihren symbolischen und tatsächlichen Stellenwert in Bezug auf die Gleichstelltung der Rechte von Frauen. Es geht um Menschen und deren Bedürfnisse.]

Prolog:
Vor 20 Jahren ging ich durch die Fußgängerzone einer norddeutschen Kleinstadt. Als mir ein paar junge Männer entgegenkamen und abwertende sowie drohende Gesten in meine Richtung machten, versuchte ich, meine Verunsicherung hinter ein paar Scherzen zu verbergen und mutiger zu wirken, als ich mich fühlte. Ein paar Monate spater versuchte ich in einer Diskothek in einer Kleinstadt in Westfalen zu tanzen, während mich der düstere Blick eines Hünen fixierte, der wohl nur deshalb keine Auseinandersetzung suchte, weil ich kein Gegner für ihn gewesen wäre. Auf der Abschlussfeier meiner Schullaufbahn spürte ich den Frust meines Vaters, der sich von seinem Sohne etwas anderes gewünscht hätte. Mich unterschied von meinen Geschlechtsgenossen,dass ich keine Hose trug. Ich trug einen Rock. Keinen „Schottenrock“ oder ein langes Lederteil auf einer Szeneparty, sondern ein modisches Kleidungsstück (oder was ich dafür hielt), wie es auch einen weiblichen Unterleib verhüllen könnte.

Heute
Im Sommer 2016 wird in Deutschland darüber debattiert, ein Kleidungsstück zu illegalisieren. Denn, so heißt es, dieses Kleidungsstück gefährde unsere freie, offene Gesellschaft. Es stehe nicht für die Werte unserer Gesellschaft. Menschen aus ideologischen oder kulturellen Gründen dazu zu zwingen, sich einem bestimmten Kleidungskodex zu unterwerfen, ist nicht, was wir uns in Deutschland wünschen. Natürlich wird nicht in solch abstrakter Form diskutiert, sonder man diskutiert über die Burka. Oder das, was wir dafür halten.

Einige JournalistInnen haben Menschen interviewt, die Kleidungsstücke tragen, welche die Kriterien von Vollverschleierung erfüllen. Einige dieser Menschen haben angegeben, es würde ihnen Sicherheit geben, sich nicht allen Blicken aussetzen zu müssen. Es dauerte nicht lange, bis hämische Kommentare abgesetzt wurden. Von „ausgedacht“ bis „die wissen es halt nicht besser“ war alles dabei. Es scheint für einige Menschen schwer vorstellbar zu sein, dass ein Kleidungsstück Sicherheit geben kann.
Das Gefühl von Sicherheit ist eines der Grundbedürfnisse von Menschen. Dabei können der subjektive Eindruck von Sicherheit und die tatsächliche Sicherheit durchaus im Missverhältnis stehen. So ist Autofahren deutlich weniger sicher als fliegen, doch deutlich mehr Menschen haben Angst davor zu fliegen, als Angst davor Auto zu fahren. Wenn Menschen Auto fahren, haben sie die Illusion von Kontrolle und fühlen sich sicher.

Wie dieses Grundbedürfnis befriedigt wird, ist individuell sowiedurch unsere Kultur geprägt. So ist es möglich, dass ein Kleidungsstück, welches mit einer unemanzipatorischen Intention eingeführt wurde, einem Menschen das Gefühl von Sicherheit gibt. ‚Die Burka‘ kann ein menschliches Grundbedürfnis erfüllen. Wenn wir als Gesellschaft dieses Kleidungsstück verbieten, bleibt das Bedürfnis nach Sicherheit trotzdem bestehen. Wenn wir als Gesellschaft die Bedürfnisse von Menschen ignorieren werden wir als Bedrohung wahrgenommen. Dabei sind unsere Intentionen (aufklärerisch oder rassistisch) egal. Zumindest aus Sicht der Menschen, denen wir das Gefühl von Sicherheit nehmen

Es gibt Menschen, die eigene Gewohnheiten so wenig hinterfragen, dass sie gar nicht auf die Idee kommen, diese könnten ebenfalls nicht in den kühlen Höhlen der Ratio entstanden sein. Schauen wir uns mal so ein Kleidungsstück an, welches ein Gefühl von Sicherheit geben kann.

Der Büstenhalter oder BH erfüllt, schenkt man Studien glauben, seinen Zweck nicht. Anstatt dafür zu sorgen, die Brüste von Frauen für Männer möglichst ansehnlich und die Folgen von Schwangerschaft und Schwerkraft klein zu halten, scheint er das Gegenteil zu bewirken. Trotzdem entscheiden die meisten Frauen sich dafür, dieses Kleidungsstück zu tragen. Die Motivation mag unterschiedlich sein. Eine Motivation dürfte sein, dass viele Frauen sich wohler fühlen, wenn sie einen BH tragen. Auch wenn sie darüber schimpfen, dass diese unbequem, warm und teuer sind.

In unserer Kultur ‚gehört es sich‘ heute einfach für Frauen, einen BH zu tragen. Entscheiden Frauen sich dagegen, wird das bemerkt. Man(n) spricht darüber oder – wenn ich an meine Schulzeit denke – macht sich darüber lustig. Frauen, die sich entscheiden, keinen BH zu tragen, zahlen einen Preis. Der mag, so weit sind wir als Gesellschaft immerhin, gering sein, doch er ist vorhanden.

Ein Kleidungsstück, welches seinen Sinn nicht erfüllt, wird aufgrund kultureller Normen getragen. Bei den aktuellen Temperaturen gilt das für so ziemlich jedes Kleidungsstück. Wieso trägt noch jemand Kleidung, bei Temperaturen jenseits der 30°C? Weil wir uns als Gesellschaft darauf geeinigt haben. Wir sind kulturell so geprägt, dass wir uns unwohl fühlen, wenn wir nackt durch die Straßen laufen, egal wie schön das wäre. Ich weiß nicht, ob es Gesetze gibt, die das verbieten, ich bin aber sicher, dass sie für die meisten Menschen nicht nötig wären.

Wenn es jedoch um die Verschleierung des Gesichtes geht, gestehen wir Menschen nicht zu, dass sie kulturell so geprägt sind, sich mit mehr oder weniger ausgeprägter Verschleierung wohler fühlen. In den letzten zwei Jahren scheint mir der Kampf für eine humanistische Gesellschaft dadurch geprägt zu sein, dass ich für die Rechte der Menschen eintreten muss, die Ideen anhängen, die, konsequent zuende gedacht, nicht mit einer humanistischen Gesellschaft vereinbar wären. Dabei muss ich mich gegen Menschen stellen, die angeben, für diese humanistische Gesellschaft einzutreten. In ihrem Eifer vergessen sie dabei immer öfter, was eine humanistische Gesellschaft so lebenswert macht: die Menschen darin und deren unterschiedliche Sicht auf die Welt.

Epilog

Mein Vater hatte sich bereits seit den 80er Jahren mit dem Klimawandel und dem Ozonloch beschäftigt. Im Fernsehen wurde über die Zuhnahme von Hautkrebs in Australien berichtet. Neben dem Ozonloch, so die Hypothese meines Vaters, gebe es einen weiteren Grund für den Anstieg. Ein Rückgang der prüden Kleidungsvorschriften die in britisch geprägten Gesellschaften lange vorherrschten. Es ist noch nicht so lange her, dass es in ‚unserem‘ Kulturkreis angemessen war sich bedeckt zu halten. Und nicht jeder fühlt sich heute wohl, sich ausführlich zu zeigen.

Ich hatte befürchtet, im Falle eines Verbotes aus Protest selbst einen Burkini tragen zu müssen. Doch meine wunderbare Familie war mir einen Schritt vorraus. Einige Mitglieder erkannten im Burkini eine Möglichkeit sich an öffentlichen Badeplätzen aufzuhalten, ohne den eigenen Körper öffentlich zur Schau zu stellen. In meiner Familie trägt man Burkini und das macht mich stolz.

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Der Terrorist, das missverstandene Wesen

Ups! Ich haben mich auf Twitter gestritten. In diesem Fall ging es um das Zitat aus einem Artikel in Psychologie-Heute:

Atrans Forschung zeigt, dass die meisten, die sich dem Dschihad anschließen, eine gemäßigte und vorwiegend säkulare Erziehung hatten. Muslime, die religiös aufwachsen, scheinen sogar eher gegen eine Radikalisierung gefeit zu sein. Die meisten Gotteskrieger, so Atran, werden als ältere Teenager oder mit Anfang zwanzig „wiedergeboren“ und wissen wenig über den Islam.

Der Versuch, die Motive von Terroristen zu entschlüsseln, indem man sich mit dem Islam beschäftigt und den Koran studiert, ist nach Atrans Meinung nutzlos. Die Bemühungen, gemäßigte Imame zu fördern, bezeichnet er in seinem Buch als „irrelevant“. Schließlich wird nur selten jemand in einer Moschee zum Terroristen. Einige wurden im Gegenteil aus der Gemeinde ausgeschlossen, weil sie zu radikal waren.

Darauf wurde geantwortet:

„Wo sind die christl. oder buddhist. Selbstmordattentäter? Siehe Scott Atran vs Sam Harris“

Sam Harris vertritt, wie viel „New Atheists“ die Ansicht, Gewalt sei „dem Islam“ immanent. Harris fordert eine Reformation aus dem Islam heraus um diese Tendenz zu Gewalttätigkeit zu beenden.

Auf meine Frage, was der Einwurf mit dem Zitat aus dem Artikel zu habe, wurde geantwortet:

(Weil)… „dort behauptet wird, dass der Koran keine zentrale Rolle für die Motivation der Attentäter spielt.“

Wenn man den Artikel liest, wird schnell klar, dass es sich dabei nicht um eine Behauptung handelt, sondern um eine auf Evidenz begründete Aussage. Harris interpretiert die Daten jedoch anders als deren Urheber. Dafür muss er sich, auch von Seiten vieler Atheisten, Kritik gefallen lassen.

Harris ist Neurowissenschaftler, veröffentlicht Bücher zum Thema Glauben und debattiert ausgiebig zum Thema. Wenn er eine weniger polarisierende Sicht auf den Islam einnehmen würde, dürfte es für ihn schwerer werden, weiterhin in der Form aufzutreten und Bücher zu verkaufen. Dass heißt nicht, dass er falsch liegt. Das heißt nur, dass die Schwelle, ihn zu überzeugen höher liegen dürfte, als bei jemandem, dessen Einkommen weniger von seiner Meinung abhängt.

Scott Atran ist Anthropologe und scheint zu versuchen, Gewalt die von Islamisten ausgeht dort zu verstehen, wo sie entsteht: bei den Menschen. Einige Belege für seine Thesen werden in dem zitierten Artikel angeführt. Das heißt nicht, dass er Recht hat. Aber es bedarf mehr als eines „aber trotzdem“ um die Belege zu entkräften.

Wenn ich Harris (und vielen „Islamkritikern“ in Deutschland) etwas vorwerfe, dann, dass sie implizieren, dass Menschen, die dem Islam anhängen, anders sind als die Gruppe von Menschen, der sich die Kritiker gerade zugehörig fühlen. Wir werden aber nicht verstehen, warum Menschen handeln, wie sie handeln, wenn wir uns im „Othering“ üben. Atran macht die Selbstmordatentäter und Djiahdisten wieder zu Menschen. Menschen mit Gefühlen, Sehnsüchten, Freunden. Menschen wie „wir“. Das kann natürlich nicht sein, sonst würden sie ja nicht solch monströse Handlungen begehen.

Atrans Ergebnisse bedeuten nicht, dass der Koran und eine bestimmte Kultur innerhalb des Islam nicht dazu beitragen können, dass Menschen durch Paris laufen und ihre Artgenossen abknallen. Religionen können dazu genutzt werden, dass „gute“ Menschen „böse“ Taten begehen. So wie jede Ideologie. An anderer Stelle zitierte ich bereits Hitchens:

“Name one ethical statement made, or one ethical action performed, by a believer that could not have been uttered or done by a nonbeliever. Think of a wicked statement made, or an evil action performed, precisely because of religious faith?”

Mir scheint jedoch, dass Religion (oder andere Ideologien) eine notwendige aber keine hinreichende Bedingung dafür ist. Nun haben wir „den Islam“ als eine mögliche notwendige Bedingung identifiziert. Wenn wir eine Lösung wollen, müssen wir auch den Rest rausfinden. Auf Harris und andere „besorgte“ Islamkritiker scheinen wir da nicht zählen zu können.

Ein ähnliche Dämonisierung von Menschen kennen wir aus der Verarbeitung der deutschen Geschichte. Die Täter des Nazireiches wurden zu Monstern erklärt. Dabei waren es Väter und Söhne, Mütter und Töchter. Ganz „normale“ Menschen. Denn gerade weil sie Menschen sind, wie wir, begingen und begehen sie monströse Taten. Das Monster schlummert in jedem von uns. Das einzusehen befreit und nimmt die Angst.

Roooaahhhhhrrrrrr!

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MDR an der Volksfront

Folgende Geschichte erzählte der MDR, mit dramatischem Anstrich:

Ein allein erziehender Vater verlegt den Wohnsitz der Familie von Kassel nach Leipzig. Die 15 Jahre alte Tochter muss mit. Soweit, so normal. Die Tochter lässt neben allen Freunden auch ihren Freund in Kassel zurück. Sie will nicht beim Vater bleiben und wendet sich ans Jugendamt. Das Jugendamt stellt den Willen der jungen Frau über den des Vaters und gewährt ihr die Möglichkeit in Kassel in eine WG zu ziehen. Der Freund scheint Schwierigkeiten zu haben, sich an die Regeln der Gesellschaft zu halten und gerät wiederholt mit dem Gesetz in Konflikt. Außerdem ist er Anhänger einer buddhistischen Glaubensgemeinschaft, denen bestimmte Glaubensregeln wichtig sind und die ihr Leben danach ausrichten. Auch die Tochter schließt sich dieser Glaubensgemeinschaft an und verändert ihr Äußeres. In der Familie ihres Freundes fühlt sie sich aufgenommen. Der Vater macht sich Sorgen wegen die Veränderung seiner Tochter. Er hatte nie etwas mit Buddhismus am Hut und versteht nicht, was sein Tochter daran findet. Außerdem hat er Angst, dass sich die Tochter noch weiter den Glaubenssätzen der Glaubensgemeinschaft unterwirft, sich womöglich radikalisiert (es gibt radikale Buddhisten die Gewalt gegen Andersgläubige ausüben). Die Tochter sagt, mit diesen Radikalen Kreisen habe sie nichts zu tun.

Der Versuch, ohne den Vater in Kassel zu leben, funktioniert nicht. Unter anderem, weil der Vater Himmel und Hölle in Bewegung setzt, um seine Tochter wieder nach Hause zu holen. Die Tochter sagt sich vom Vater los, will nichts mehr mit ihm zu tun haben. Doch der Vater findet in einem CDU-Politiker einen verständnisvollen Gehilfen und befreit die Tochter aus den Fängen des Jugendamtes und die Tochter kehrt zum Vater zurück. Der Freund der Tochter muss währenddessen die Konsequenzen seines Handelns tragen und geht ins Gefängnis.

Ein Versuch, die Tochter durch einen gemäßigten buddhistischen Mönch davon zu überzeugen, ihren Vater wieder zu lieben scheitert. Sie muss trotzdem bei ihm wohnen. So ist das manchmal. Kinder, die zu Erwachsenen werden lehnen die Eltern und deren Werte ab, manchmal sehr intensiv. So entwickelt sich Autonomie.

Und warum berichtet der MDR über einen solchen Fall in einem dramatisch inszenierten Beitrag? Wieso wird die Geschichte einer Jugendlichen die dabei ist, ihren Platz in der Welt zu finden, mit allen Risiken die diese Suche birgt, zur besten Sendezeit ausgeschlachtet? Weil die Glaubensgemeinschaft nicht buddhistisch ist, sondern muslimisch. Weil die junge Dame jetzt Kopftuch trägt. Kopftuch!!! Unglaublich! Vielen Dank MDR-Sachsen, Du hast nichts verstanden und bist, zumindest in diesem Beitrag, Teil der sächsischen Verhältnisse.

Und die junge Frau? Die wird sich durch kaum etwas so bestätigt fühlen, wie die durch die Ablehnung der Erwachsenenwelt. Herzlichen Glückwunsch MDR, dank Dir sind Moslems die neuen Punks. Wer heute seine Eltern schockieren will, konvertiert.

[Fairerweise möchte ich anmerken, dass die anderen Beiträge durchaus differenziert über geflüchtete Menschen und ihr Leben in Sachsen berichteten. Unter anderem dieser hier, der auch ein wenig Hoffnung macht.]

Mehr zu Religion (und was ich dazu denke) auf Diaphanoskopie:

Gottes Stimme an der Türschwelle

Zeugen im Kreuzverhör

Das ist nicht der wahre…

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Montag ist PEGIDA-Tag

Montag ist PEGIDA-Tag. Was vor wenigen Monaten noch wie die Werbung einer Döner-Bude für das Sparangebot klang, sorgt heute bei mir für eine Mischung aus Schaudern, Wut und Hilflosigkeit. Schaudern muss ich, wenn ich an die letzte Woche denke, als ich unter, angeblich 17 500, PEGIDA stand, während Semperoper und Kreuzkirchen für einen grausigen Widerhall der „Wir sind das Volk“-Rufe sorgten. An diesem, eine starke Emotion hervorrufenden, physikalischen Phänomen, änderte auch die Beflaggung der unbeleuchteten Semperoper nichts, die sich für eine offene Gesellschaft aussprach.

Fahnen vor der Semperoper

Fahnen vor der Semperoper

Weniger enthusiastisch war die Teilnahme der PEGIDA am angekündigten Weihnachstliedersingen. Das Singen glich eher einem kollektives Brummen, als hätte der Grinch persönlich eingeladen. Ich hätte von den Hütern der abendländischen Kultur, mehr praktisches Engagement für diese erwartet. Es schien fast, als seien die TeilnehmerInnen weniger zum Singen als viel mehr zum Brüllen gekommen. Und natürlich zum empörten Schweigen.

Da die Gelegenheit zum gemeinschaftlichen, schreitenden Schweigen nicht gegeben war, rief der Bachmann Lutz zum stehenden Schweigen auf. Zum Anlass nahm verlies man Nachrichten der vorigen Woche, deren gemeinsames Thema „Gewalt durch den Islam“ war. Dass die Opfer der vorgetragenen Gewalttaten ebenfalls vorwiegend Menschen muslimischen Glauben gewesen waren, schien niemanden zu einer Denkpause zu motivieren. Oder vielleicht dazu, seine Denkpause zu unterbrechen. Die 30 Schweigesekunden (!) wurden vom Lutz stilecht mit „Zeit ist Geld“ beendet. Nicht, dass die Teilnehmer wegen ausbleibender Hetze unruhig werden.

Der Lutz versuchte, den die PEGIDA umgebenen Opfermythos weiter fortzuschreiben. Er zitierte Aussagen diverse Unions-Politiker zum Thema Asyl und stellte Übereinstimmungen fest. Die Politiker würden jedoch, im Gegensatz zu den PEGIDA, nicht als „Nazis“ beschimpft. Wo er Recht hat, hat er Recht. Das zeigt, warum es falsch ist, Menschen als Nazis zu titulieren, die keine sind. Man muss kein Nazi sein, um menschenfeindliche und rassistische Einstellungen zu haben und zu verbreiten. Die, wahrscheinlich gut gemeinten aber sehr unbedachten, Äußerungen einiger Politiker aus der Anfangszeit der Proteste, werden jetzt genutzt, um sich gegen Kritik zu immunisieren. Lustigerweise war es gerade „die Antifa“ die bereits auf den ersten Gegendemos immer wieder betonten, es handele sich bei den PEDIGA eben nicht einfach um Nazis. Aber das sind ja „linke Chaoten“, mit denen spricht man nicht.

Projektion über der Rednerbühne der Kundgebung

Projektion über der Rednerbühne der Kundgebung

Während auf dem Theaterplatz andächtig gebrummt und enthusiastisch gebrüllt wurde, drangen vom Schlossplatz, nach Definition der Polizei in Hör- und Sichtweite liegend, leise Rufe des Gegenprotests herüber. Der Wind wehte, „gegen den Schall“, leider in die falsche Richtung und so spielte ein weiteres physikalisches Phänomen den PEGIDA in die Hände. Auch die sächsische Polizei tat ihr Bestes, damit Lutz ungestört seine, an Behauptungen reiche und an Fakten arme, Rede vor vielen Menschen halten zu können. Der Theaterplatz war während der gesamten Veranstaltung frei zugänglich. Jedenfalls solange man die Gesichtskontrolle durch die Polizei überstand (so wie ich, ob das nun für oder gegen mich spricht, weiß ich auch nicht).

Der hermetisch abgeriegelte Schlossplatz von den Brühlschen Terrassen.

Der hermetisch abgeriegelte Schlossplatz von den Brühlschen Terrassen.

Der Schlossplatz hingegen war von der Altstadtseite durch die Ordnungshüter hermetisch abgeriegelt worden. Zugang war ausschließlich über die Augustusbrücke möglich. Das führte zu orientierungslos durch die Stadt wandernden Gegendemonstranten, die sich überlegen konnten, den 4-5km langen Weg auf die Neustadtseite auf sich zu nehmen, um zur Gegendemo zu gelangen. Das müssen die „sächsischen Verhältnisse“ sein von den man in den letzten Wochen so viel hört.

So gab es nicht viel neues am 22.12.2014 in Dresden. Auf der Kundgebung von PEGIDA wurde in den Reden wieder soviel Kontext der dargestellten Fakten weggelassen, dass die getätigten Aussagen sich für den Begriff „Lüge“ qualifizieren. Von Lutz und seinen Freunden könnte die „Lügenpresse“ noch einiges lernen.

Die PEGIDA geben vor, gegen die Islamisierung des Abendlandes zu sein und stellen den IS als existentielle Bedrohung für unsere Gesellschaft dar. Und sie haben Recht. Wenn die Sicht der PEGIDA tatsächlich von großen Teilen der Bevölkerung geteilt und gelebt werden sollte, wird das wahrscheinlich zu einer vermehrten Radikalisierung der hier lebenden Menschen führen, die sich dem islamischen Glauben zugehörig fühlen. Diese Destabilisierung spielt dem IS in die Hände und ist von ihm ausdrücklich gewollt. Die Kritik der PEGIDA ist eine exklusive, faktenresistente und hermetisch abgeschlossene. Wir benötigen eine inklusive, offene und anpassungsfähige Kritik.

Plakat am Staatsschauspiel. Menschen, die sich mit Kultur auskennen, scheinen die "abendländische" nicht für bedroht oder nicht für schützenswert zu halten...

Plakat am Staatsschauspiel. Menschen, die sich mit Kultur auskennen, scheinen die „abendländische“ nicht für bedroht oder nicht für schützenswert zu halten…

Wo es in Dresden nichts neues gibt, mehren sich die Stimmen in der „Lügenpresse“ die um Verständnis für die PEGIDA werben. Der eine sieht die Gefahr „Neukölner“ Verhältnisse, der nächste meint, die PEGIDA würden reale Probleme in der Flüchtlings- und Asylpolitik ansprechen, und es sei wichtig, dass das jemand mache. Machen sie aber gar nicht. Die PEGIDA sprechen keine Probleme an, sondern drücken ein Gefühl der Unzufriedenheit mit den Verhältnissen aus. Sie werden abgehängt von der Entwicklung in diesem Land und wünschen sich eine romantisierte, provinzielle Beschaulichkeit der 50er Jahre zurück. Früher war alles besser, das wollen die PEGIDA zurück. Früher ist vorbei, Zeit kennt nur eine Richtung. Ein physikalisches Phänomen mit dem die PEGIDA sich abfinden müssen.

Weitere Texte über PEGIDA:

PEGIDA-Live – Auf der dunklen Seite

Position ohne Haltung

Beschimpfte Hüter des Abendlandes

Dresdens besorgte Bürger

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Schlechte Sache, selbst entschieden

Eine Frau erkrankt unheilbar an einem Hirntumor und entscheidet, selbstbestimmt aus dem Leben zu scheiden. Im Kreise ihrer Familie nimmt sie ein Dosis tödlicher Medikamente und stirbt. Der Vatikan nennt das: eine „schlechte Sache“. Klar ist das eine „schlechte Sache“, mit einem unheilbaren Hirntumor wird die Anzahl der guten Sachen die einem Menschen bleiben jeden Tag weniger. Brittany Maynard hat jedoch entschieden, dass es eine schlechtere Sache gebe als ihren Tod und das war, weiter zu leben. Aus ihrer Sicht hat sie die am wenigsten schlechte Sache gemacht. Manchmal gibt es Menschen die sind in dieser Situation. Das passt natürlich nicht zu Dogmen und alten Männern mit lustigen Hüten.

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Äh! Nö, Herr Thierse

Wolfgang Thierse, ausgesprochener Christ und Bundestagspräsident a.D., durfte zum Thema „Reformation und Politik“ predigen und ließ sich zu folgendem Satz hinreißen:

„Sie (Anm.: Religion) ist für das ethische Fundament gelingender Demokratie unersetzlich, gerade auch deshalb, weil sie auf die Grenzen von Politik verweist, Totalitätsansprüchen widerspricht“

Äh…nö, Herr Thierse. Dass Religion und Demokratie unter den richtigen Rahmenbedingungen vereinbar sind, darauf können wir uns einigen. Sie „unersetzlich“ zu nennen weist allerdings auf eine etwas verzerrte Wahrnehmung religiösen Wirklichkeit hin. Gerade heute wurde z.B. bekannt, dass die Glaubenskongregation, also die Nachfolgeinstitution der Inquisition, ein Verfahren gegen Priester in Chile eröffnet, die sich für ein Menschenrecht ausgesprochen haben: (Sexuelle) Selbstbestimmung.

Wie soll denn etwas, was Menschenrechte einzuschränken versucht, (und zwar für alle Menschen, nicht nur für diejenigen, die sich den Dogmen, die der internen Logik folgen, unterwerfen), „unersetzlich“ sein, für das „ethische Fundament“ der Demokratie? Dass die Grenzen der Politik von einer mehrere Tausend Jahre alten Geschichtensammlung und den daraus konstruierten Dogmen gezogen werden sollen, erscheint mir auch nicht sehr demokratisch.

Was den Totalitätsanspruch angeht, sollten Sie vielleicht mal schauen, wie es sich bei den drei monotheistischen Religionen damit verhält. Gerade hat Herr Kretschmann verlauten lassen, wer fände es in Ordnung, dass kirchliche Arbeitgeber Menschen anderer Glaubensrichtung aus genau diesem Grund die Einstellung verweigern dürften. Was ist ethisch daran, jemanden wegen des falschen imaginären Freundes auszuschließen? Das klingt eher nach Totalitätsanspruch, als nach Fundament gelingender Demokratie.

Also, Herr Thierse, nur weil man etwas behauptet, und sei es mit noch so viel innerer Überzeugung, wird es weder logisch, noch richtig. Auch wenn Vertreter diverser Religionen seit Jahrhunderten so tun, als sei das so.

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„Das ist nicht der wahre…“

Wir wissen alle, wie der Satz in der Überschrift weitergeht. Damit wird uns Unwissenden erklärt, dass diejenigen, die unmenschliche Grausamkeiten (oder besser „menschliche Grausamkeiten“?) im Namen des, von ihnen als Rechtfertigung, angeführten Glaubenssystems begehen, eben dieses Glaubenssystem nicht vertreten. Aktuell höre ich solche Aussagen oft im Zusammenhang mit dem IS und den in seinem Namen handelnden Schlächtern. „Das ist nicht der wahre…“

Ist er aber doch. Das ist genauso der „wahre Islam“, wie der von Millionen anderen friedlich gelebte Islam. Aber man kann nicht einerseits der Meinung sein, ein Buch sei 1:1 das Wort Gottes (allmächtig, allwissend u.s.w.) und dann sagen, die gewaltverherlichenden Teile seien eine Metapher. Selbst als Metapher ist das Abschlagen eines Kopfes wegen der falschen Religionszugehörigkeit (oder gar keiner) ziemlich krasser Scheiß.

8:12 Da dein Herr den Engeln offenbarte: «Ich bin mit euch; so festiget denn die Gläubigen. In die Herzen der Ungläubigen werde Ich Schrecken werfen. Treffet (sie) oberhalb des Nackens und schlagt ihnen die Fingerspitzen ab!»

8:12 When thy Lord inspired the angels, (saying): I am with you. So make those who believe stand firm. I will throw fear into the hearts of those who disbelieve. Then smite the necks and smite of them each finger.

Falls jemand mir vorwerfen möchte, dass ich etwas aus dem Zusammenhang gerissen habe, möge mir doch einen Zusammenhang nennen, in dem diese Passagen weniger abstoßend sind.

Nun entscheiden sich die meisten Menschen die sich dem Islam zugehörig fühlen (wobei sich zwei Menschen die sich dem Islam zugehörig fühlen, nicht unbedingt gegenseitig dieses Etikett zugestehen würden) gegen Gewalt um ihren Glauben durchzusetzen. Das tun sie aber nicht, weil ihre heilige Schrift das verbieten würde (eher im Gegenteil), sondern weil sie mitfühlende Menschen sind. Sie wissen intuitiv, dass Grausamkeit gegen Artgenossen Mist ist, egal was ihnen der Prophet (angeblich) von Gott überliefert haben mag.

Das Ganze erinnert mich an Christopher Hitchens Herausforderung:

„Name one ethical statement made, or one ethical action performed, by a believer that could not have been uttered or done by a nonbeliever. Think of a wicked statement made, or an evil action performed, precisely because of religious faith?“

Hitchens wollte damit sagen, dass man nicht religiös sein muss, um ethisch zu handeln. Er wollte außerdem ausdrücken, dass man mithilfe von Religion „gute“ Menschen dazu bekommt, „böse“ Dinge zu machen.

Ben Affleck hat Bill Maher und Sam Harris kürzlich heftig für ihre Kritik am Islam angegriffen:


Interessant ist vielleicht auch dieser Text, wenn es darum geht, wie man versuchen kann, die ideologischen Grundlagen einer Glaubensgemeinschaft in einem freundlichen Licht erscheinen zu lassen. Vertreter der anderen monotheistischen Religionen können das natürlich genauso gut. Alle drei gehen von den gleichen Annahmen aus:

  1. Es gibt eine allmächtige, allwissende Wesenheit.
  2. Diese Wesenheit sprach zu bestimmten Menschen und sagte diesen wörtlich, wie sie zu leben haben.
  3. Diese Wesenheit scheint, folgt man den Worten, der unter Punkt 2 genannten Menschen, der Ansicht zu sein, alle Menschen müssten ihren Weisungen folgen, oder ewig leiden.
  4. Um dieses ewige Leiden zu verhindern, sind die bereits überzeugten Anhänger dazu angehalten, Menschen möglichst bereits im Diesseits vom rechten Pfad zu überzeugen. In einigen Fällen darf man sie sonst auch schon vorzeitig dem ewigen Leid zuführen.

Das klingt irgendwie nicht nach einem friedlichen zusammenleben, wenn man diese Vorgaben ernst nimmt. Machen zum Glück die wenigsten.

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Religiöses Erlebnis im Apple-Store

Apple sei, so sagen es vor allem Menschen, die sich mit Schnickschnack nicht abgeben, weniger ein Unternehmen als eine Religion. Anders sei es nicht zu erklären, warum, ansonsten vernunftbegabte Menschen, Jahr um Jahr völlig überteuerte Geräte kaufen und in einem abgeschlossen Softwareökosystem leben, abhängig von der Gnade der Priester aus Cupertino. Design, intuitive Benutzeroberfläche, keine Viren und „es funktioniert“ lauten die, als rationale Argumente getarnten, Rechtfertigungen.

Nachdem ich überlegt hatte, dieses Ökosystem zu verlassen und festgestellt habe, wieviel Arbeit und kosten ein Umstieg kosten würde, habe ich beschlossen, ewig bei Apple zu bleiben. Die Geräte sind hervorragend designt, haben eine intuitive Bedienoberfläche, es gibt keine Viren und es funktioniert einfach. Nach 13 Jahren Apple zeige ich klare Anzeichen des Stockholm-Syndroms.

Weil ich auch Papier aus meinem Leben verbannen möchte, war ich auf der Suche nach einem Stift, damit ich auf meinen Tablet handschriftlich Notizen machen kann. Und da ich mich bei solchen Dingen gerne beraten lasse, ging ich in den Apple-Store, meinen Tempel vor Ort. Dort suchte ich einen der Priesterseminaristen auf und fragte, wo ich denn die Stifte fände. Sein Blick traf den meinen, sein Zögern besagte nichts Gutes und er holte tief Atem.

Diese Stifte, so der junge Padawan, würden sie nicht führen. Auf meine Frage, ob die alle so schlecht seien, dass man sie den Kunden nicht zumuten wolle, schüttelte er den Kopf. „Nein“, gab er mir zurück, „Unser Chef, also unser ehemaliger Chef, war der Ansicht dass der Mensch nicht umsonst zehn Finger hat.“ Darauf fiel mir nichts ein. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch nie ein solch unangenehmes Schweigen in einem Verkaufsgespräch erlebt. Nachdem ich mich gesammelt hatte, fragte ich zur Sicherheit nochmal nach: „Steve Jobs wollte nicht, dass das iPad mit einem Stift bedient wird?“ „Richtig, dafür sind die Finger da und es gibt ja auch eine Tastatur“ 

Steve Jobs, im Oktober 2011 gestorben, hat einmal gesagt, für Tablets benötige man keine Eingabestifte und im Jahr 2014 bekomme ich aus genau diesem Grund noch immer keinen solchen Stift im Apple-Store. Sowas schafft nur ein wahrer Messias. Seine Worte prägen die Entscheidungen ihrer Nachfolger noch aus dem Grab. Allerdings nur bis 99,- Euro. Da beginnt der Preis für Stifte, mit denen man auf Papier schreiben kann und das Geschrieben per Funk an das iPad übertragen wird. Auch die Worte eines Messias sind Auslegungssache.

Der Apple-Mensch gab mit noch die Information, die Stifte, die ich suche, gäbe es bei Saturn. Ich habe natürlich keinen gekauft. Nicht dass ich noch exkommuniziert werde.

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Gottes Lotterie des Todes

Halleluja! Dr. Kent Brantly hat Ebola überlebt. Wahrscheinlich auch durch den Einsatz einer neuen, noch experimentellen Therapie. Vielleicht aber einfach durch Glück (sprich, die Produktion eines passenden Antikörpers, zur richtigen Zeit durch sein, im Rahmen der Evolution entstandenes, Immunsystems). Wie auch immer, es haben sich viele Menschen um das Wohlergehen Brantlys bemüht. Nachdem er neun Tage mit Ebola in Liberia lag und er dort das experimentelle Medikament bekam, wurde er in die USA geflogen. Dort erholte er sich und wurde, nachdem er kein Virus mehr ausschied, entlassen.

Und dann dankte er „Gott“. Denn der habe ihn geheilt. Und natürlich all die Gebete, der vielen Menschen. Durch seine Heilung habe „Gott“ dafür gesorgt, dass diese Erkrankung mehr Aufmerksamkeit bekommen habe. Ja, das ist wahr, weil Ebola bis vor einige Tagen kaum Aufmerksamkeit bekommen hatte. Er dankte auch allen, an seiner Heilung beteiligten Menschen; man ist ja gut erzogen. Aber eigentlich waren das alles nur Gottes Werkzeuge. Da werden die sich aber alle freuen.

Es scheint also, Gott interessiere sich vor allem vor Menschen, die mediale Aufmerksamkeit bekommen, um dann die, von ihm zumindest zugelassene, Erkrankung in diesem Menschen zu heilen und der Menschheit dadurch deutlich zu machen, dass diese schlimme Erkrankung, die Menschen wahllos dahinrafft, nicht vergessen werden sollte. Gottes Wege sind unergründlich.

Brantly mag, verständlicherweise, glücklich sein, über seine unwahrscheinliche Genesung. Er mag auch das von ihm bevorzugte imaginäre Wesen für seine Heilung preisen. Seine Aufgabe erfüllt er damit jedoch nicht. Er arbeitet nämlich als Arzt für Samaritan’s Purse, eine christliche Hilfsorganisation, die Katastrophen nutzt, um Menschen davon überzeugen, dass Jesus ihr Retter sei. Was in genau dem Moment auf eine ganz eigenartige Weise ja auch stimmt.

Die chauvinistische Idee von Missionierung mal beiseite, überzeugt mich dieses postulierte Handeln „Gottes“ nicht davon, wieder in den Schoß der Kirche zurückzukehren. Was hat dieser Gott davon, in einem der ärmsten Gebiete auf unserem Planeten, ein Virus sein Unwesen treiben zu lassen, welches, aufgrund schlechter Hygiene, vor allem die Armen befällt? Die reichen Menschen sind nur mit sehr viel Pech davon betroffen. Soll das Massensterben dazu dienen, christlichen Organisationen die Gelegenheit zu geben, seine Nachricht zu verbreiten? Dabei nähme er sogar Menschen, die noch nicht von seiner Nachricht erreicht wurden die Chance, ewiges Leben zu erreichen, weil sie vorher an dem Virus versterben. Unter einem „gütigen Gott“ stelle ich mir etwas anderes vor.

Das klingt fast wie die Geschichte von Noahs Arche, in der ja auch fast die gesamte Bevölkerung ausgelöscht wird, weil sie so böse war. Es scheint sich also weiterhin um diesen alttestamentarischen Bastard zu handeln, wenn man der Logik Brantlys und wohl auch dem Leiter von Samaritan’s Purse, Franklin Graham, folgt. Zynischer geht es kaum.

Samaritan’s Purse sind übrigens dieselben Leute, die „Weihnachten im Schuhkarton“ verantworten. Da gibt es zum Spielzeug gleich noch eine Ideologie dazu. Und diese Ideologie hat Bratly mit seinem Dank an „Gott“ hübsch zur Kenntlichkeit entstellt. Vielleicht ist er nicht der Richtige in dieser Missionarsstellung.

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